Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 104 (30.12.1921)
- Date
- 1921-12-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Fu/ T**bttbn»*Iow©kci.‘ Pott *park a»*eQ«nf Prag» Karat© Nr. 156 «X**» — P«iakUoa*»d*iu& .W״aUg and MtUw«cb »acb«״ttag, — “*®«״ wr..u— .« — - - — . .1 Aalttlg»*prel• für di« ■1et»eoge«p*1t#o« קחסיח*!■«*"«**"•»,— g—- ״ f Ä,^.m .. m Wammer 104 j Berlin, 30 XII. 1921 j ns»r riontsmut ar&trabt IQr da• jOdlache Volk dlo Schäftung olner Öffentlich-rechtlich gesicherten Malmstatte ln Palästina. ״Baseler Programm. Leo Pinsker (Zun! 100. Jahrestag seiner Geburt.) Von M. Klein in a n 1ו . Berlin. : Vierzig Jahre sind schon verilossen, seit Pinskvrs erster ״Malmruf an seine Stammesgenossen“ durch die Judo 11/eite der ganzen Welt geklungen ist. Das waren Jahre großer Wandhingen, grundlegender Umwälzungen, aufeinanderfolgender Aufschwünge imd Zurückfälle, Siege und Niederlagen des .Weltjudcntumsi in seinem erbitterten Kampfe ums Dasein, um seine primitivsten Rechte und uni seine Existenz unter dem Himmel. Es waren Jahre der großen Hoffnungen und der traurigsten Enttäuschungen, der regsten Aktivität und der kläglichsten Stagnation. Aber in allen diesen Wandlungen stand vor uns das Bild des weisen Propheten unserer Zeit, des ersten politisehen Zionisten, L eo Pin s k e r, wie eine Leuchte, ein Wegweiser in den zuweilen recht verworrenen Wegen unserer Bewegung, wie ein unaafhorlieher ״Mahnruf“ zu unserer einzigen und wichtigsten nationalen Aufgabe, zu unserer 11ationalen Pflicht. Der Gedanke von der nationalen Einheit des jüdische« Volkes war schon vor Pinsker in das Bewußtsein der modemen jüdischen Intelligenz, eingedrungen. In der historischen Auffassung der Geschicke Israels und seiner wirklichen, nicht willkürlich erdichteten ״Mission“, haben schon andere! vor ilrni Bedeutendes geleistet- Besonders ist Moses Heft in dieser Hinsicht als der hervorragendste Theoretiker und Begründer des modernen jüdischen Nationalismus zu bezeichnen. Von ihm geht die Erkenntnis der kulturellen Einheit des jüdischen Volkes aus, seiner welthistorischen Bedeutung, seiner Berechtigung, auch weiter in der Weltgeschichte seinen Platz einzunehmen, und diese Erkenntnis enthält bereits die Prämisse für eine politisch-nationale Wiedergeburt unseres Volkes in seinem I feimatlande. Und doch blieb dieser Gedanke von lieft bloft als eine kulturhistorische Er- Kenntnis, die den suchenden Geist Einzelner erfüllte, sie auf den Weg neuer Geschichtsauffassung leitete, aber zu keinen praktischen Schritten führte, die durch Assiinilationspropaganda und Lebensdrang verwirrten Gemüter der Massen nicht zu erfassen vermochte. Philosophische Begründung ist immer einer der wichtigsten Grundpfeiler jeder politischen Hcwegoing gewesen; mit Philosophie allein hat man aber nie und nirgends eine politische Volksbewegung ins Leben gerufen. Dazu sind Männer notig, die nicht bloß aus der abstrakten Erkenntnis, sondern auch aus den greifbaren sozialen Tatsachen ihre Begeisterung schöpfen. Zu diesen Männern gehörte Leo Pinsker. Ein Sohn des berühmten Gesicliichtsforschcrs und hebräischen Schriftstellers, Süncha Pinsker, hat er die Liebe und Verehrung für sein leidvolles’ jüdisches; Volk, die Bewunderung seiner geschiehtliehen Geschicke und den Glauben an seine g!orreiche Zukunft sozusagen mit der Muttermilch eingesogen. Als Zögling der westeuropäischen Kultur hat er alle Irrwege des Gedankens und der Bestrebungen der jüdischen Intelligenz der Ober und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts initgemacht. Er hat an die seligniachende Wirkung der ״Aufklariuig“ geglaubt, den süßen Traum der ״Verbrüderung“ und der jüdischen ״Einbürgerung“ m den Wohnländem geträumt. Er ‘kämpfte e'lrig nach der einen Seite gegen den Antisemitisnius, gegen die Entrechtung seiner Brüder, uüd naeli Ver anderen Seite gegen den ״Fanatismus“ u'lU, dlc '״Gtfrenidlicit des zu jener Zeit noch so starken Rahbinlsmus und die von ihm geprägten Lebensformen in der jüdischen Gemeinde im cinstigen I ölen und Rußland. Als praktizierender Arzt '" «*־»״ ^chten jüdischen Bevölkerung kam er aber eher als alle anderen seiner Mitkämpfer in; üie engste Berührung mit den jüdischen Volks- *nassen, schaute aus unmittelbarster Nähe ihre V*‘87 . ״^ xmd imm tiefgehenden Prozeß der soztalen und kulturellen Umgestaltung, der erst spater ans Tageslicht gelangte, der aber schon d״ V°1Wic zu ßären an־ Wien, 27. Dezember. Der Sitzung des Actions-Comites in Wien gingen Sitzungen des Finanz- und Wirtsehaftsratcs der Zionistischen Organisation und des Direktoriiuus des Ke rc11׳ Hajessod voran, die letzten Montag tagsüber atv dauerten. Von Mitgliedern diesen beiden Köiperschaftm «ahmen die Herren Dr. Bcrthold Feiwel, Dr. Georg Hai per« und Ingenieur S. Kaplansky aus London, Dr. A. Barth aus Berlin und Herr S. Schocken, Zwickau, an den Beratungen teil. Es Wurde eine Reibe wichtiger ökonomischer Fragen, die dem Actians-Comite zur Behandlung vorliegen, vorberatcu. Die Sitzung des Actions-Comites der Zionistischen Organisation wurde Dienstag um 1 al 1 Uhr im Saale des Niedcrösterreichischcn Gewerbe- Vereins vom Präsidenten des Actions-Comites, Oberrabbiner Dr. Chajcs, «öffnet. Von der Exekutive waren der Präsident der Organisation, Dr. We i z m a nn, und Fierr Licht heim anwesend, ferner die obengenannten Mitglieder des Finanz- und Wirtschaftsrates. Von den Mitgliedern des Actions-Comites waren erschienen: Oberrabbiner Dr. Chajes, Präsident des Actions-Comites, Abgeordneter Robert Stricker und J>r. Artur Hantkc, Vizepräsidenten des Actions- Comites, Dr. Leon Reich, Abraham Pod li ־ sehewsky, Abgeordneter J. Grünbaum, Adolf Bernhard, Dr. Viktor Jacobson, Hermann Struck, L. Lcw in-E pstein , Elieser Kaplan, Dr. A. Katznelson, Nahuin Tversky, Salman Rubaschow, Adolf Böhm, Dr. S. Rappaport und Justizrat Dr. M. Bodenheini er als Vertreter des Jüdischen Nationalfonds. Nach der Eröffnung der Sitzung hielt Dr. Haatke dem verstorbenen Chefredakteur des ״Haoiam“ und langjährigem Mitglied des Actions-Comites Herrn Abrabam Idelsohn einen wannen Nachruf, den das Actions-Comite stehend anhörte. Hierauf erstattet»־ Präsident Dr. Weizmann einen ausführlichen Bcridtt über die potitische Lage und die politischen Aktionen der Exekutive seit dem Kongreß. Er behandelte in dem Bericht auch die zulriedensteilende Regelung der paiästimusischen Nord grenze 11, wobei er anerkennend der Verdienste Ingenieurs Rute »borg gedachte, der als Sachverständiger an den Arbeiten der Grenzregulierungskoiiimissiou teilgcnotmnen hat. Dr. Weizmann berichtete ferner über die Verhandlungen der Exekutive wegen einer Neuregelung der IimnigrationskontroUc in Wiederherstellung des Zustandes, der vor Mai 1021 bestanden hat. Schließlich berichtete Dr. Weizmann über die Schritte der Exekutive zur Ausführung der Kongreßbeschlüsse bezüglich des Verhältnisses zum arabischen Volk, informierte über die Verband- Jungen mit der arabischen Delegation in London und die Frage der Bestätigung des Mandatsentwurfs durch den Völkerbund. Dr. Weizmann schloß seinen politischen Bericht durch den Hinweis darauf, daß die Grundlage aller weiteren Arbeit die finanzielle Rüstung zur Ausführung der vom Kongreß beschlossenen Arbeiten in Palästina sein müsse Hierauf erstattete das Mitglied der Exekutive Richard Lichtheiin Bericht ühcr die Ausführung der KongreßbcSchlüsse, soweit sie sich auf Immigration und örganisation beziehen. Er behandelte in seinem Bericht auch die Frage der Organisierung der Palästinaümtcr und des Transportwesens einschließlich der üewälmuig von Darlehen für Reisezuschüsse an Chaltuini. wobei er noch betonte, daß alle diese Fragen von einer zufriedensteilenden Lösung der Frage der Immigrationv Kontrolle abluingai. Herr Lichtheim behandelte hierauf eine Reihe organisatorischer Fragen und legte den grüßten Nachdruck auf die Notwendigkeit einer großzügigem Durchführung der Schckelaktion, uni die politische und organisatorische Stärke der Organisation zu erhalten und zu vergrößern uml der Exekutive die Mittel zu verschaffen, ihre politischen und orgaaisatori• sehen Aufgaben durchzuführen, da alle diese Aufgaben ausschließlich durch den Schekel bestritten werden müssen. Im Anschluß hieran berichtete Herr Lichtheim über die Einrichtung des Berliner Büros der Zionistischen Exekutive, das durch seine Arbeit große Vorteile für den organisatorischen Au»■ bau der Bewegung, insbesondere auf dem Kontinent bietet, und skizzierte hierauf die Entwicklung der zionistischen Arbeit in einer Reihe zionistischer Fötk•- rationen, unter anderem auch iti jenen. Landern, in welche Delegationen oder Delegierte der Zentrale entsandt werden konnten. Zum Schluß erwähnte aer Berichterstatter die Notwendigkeit eines e n g I i s c h e t» Z cn t ralo xgan s als Sprachrohr der Exekutive. Dr. Georg Halpcrn erstattete hierauf als Schatzmeister der Exekutive den Finanzbericht und verwies darauf, daß es seit dem Kongreß nicht möglich gewesen ist, das vom Kongreß vorgesehene .Monatsbudget für die Palästinaarbeit aufzubringen und zu überweisen und da ß daher D c f 1 - zitc entstanden seien, deren Deckung die größten Schwierigkeiten bereitet. Es müssen alle Anstrengungen gemacht werden, die notwendigen Mittel für die Durchführung der beschlossenen Arbeit wirklich aufzubringen. Für den Finanz- und Wirtschaftsrat berichtete Dr. Halpcrn über «ine Reihe großzügiger Projekte Ökonomischer Natur, mit deren Behandlung sieh der Finanz- und Winsdu1ftsr.it in den letzten Monaten eingehend beschäftigt hat. Schließlich behandelte der Berichterstatter den außerordentlich günstigen Stand der Jewish Colonial Trust und verwies auf die bevorstehende Kampagne zur Erhöhung seines Aktien- Kapitals. Dr. Halpcrn sprach zum Schluß auch über Beziehungen zum ״Economic Board of Palestine“, der unter der Leitung von Sir Alfred Mond steht. Die Nachmittagssitzung eröffnet« Dr. Bcrthold Feiwel namens des Direktoriums des Keren Haje>sod mit eitlem Bericht über die Aktion und die Erfolge des Keren Hajessod. Dr. Feiwel berichtete über die Erfolge der Arbeit in Amerika, Europa und die Vorbereitungen für die Arbeit in Südafrika, besprach die bevorstehende Herausgabe der Zertifikate des Keren Hajessod, die durch die Kongreßbeschlüsse ermöglichte Statutenändening des Keren Ffajessod und schließlich die Vet- Wendung des Keren Hajessod. Er verwies darauf, daß aus Keren Hajessod-Mittein das gesamte Budget der Palästina-Arbeit gedeckt werden müsse und daß der Keren Hajessod außerdem in der letzten Periode einen Teil seiner Mittel für den Ankauf der Schulgebäude des Hilfsvereins der deutschen Juden in Jerusalem und für die Begründung der Hypothekenbank (General Mortgagebank of Palestine) verwendet habe, ini Anschluß hieran schilderte Dr. Feiwel den Aufbau der Hypothekenbank und die Bedeutung der bevorstehenden Ausgabe von Pfandbriefen dieses Instituts, die als eine sichere Anlage zweifellos einen offenen Markt finden werden. Der Berichterstatter legte schlieftlieh auch den Entwurf eines Prospektes für die bevorstehende Kampagne zur Vergrößerung des Aktienkapitals des J. C. T. vor und verwies aut die außerordentlich günstigen Ziffer״. die zur Grundläge des Prospektes dielten. Aus de« Briefen und Schriften, die vom Pinsker* Archiv in Odessa veröffentlicht wurden, ersehen wir-, wie tiefgreifend und seherisch Pinsker schon damals die weitere Entwicklung der jüdischen Geschicke inmitten der miteinander um Macht •und ökonomisches Vordringen kämpfenden und wetteifernden Völker Europas und angesichts der notwendigen inneren sozialen Differenzierung, erfaßt hatte. Weit;voraus, inan könnte beinahe sagen pro - phetisch, sieht er die Auslösungen der sozialen und wirtschaftlichen Gegensätze in n e r h a 1 b des jüdischen Lebens und auch' das Los des gesamten jüdischen Volkes im Falle eines Waffen- Zusammenstoßes zwischen den e uro - päisehen Nationen. Die klare Erkenntnis des historischen Wesens des Judentums einerseits, und die nicht minder 1 klare Einsicht in die reale sozial-ökonomische und politische Natur des Judenvolkes der Neuzeit inmitte« des Entwicklungsganges der gesamten europäi sehen Zivilisation, andererseits verschmelzen sich bei Pinsker zu einer einheitlichen, umfassenden Weltanschauung, und er begreift dann nicht allein den Sinn der Vergangenheit und die Lage der Gegenwart seines Volkes, sondern auch den einzig möglichen Weg für seine Zukunft. Die kulturhistorische Auffassung von der Einheitlichkeit und dem nationalen Zusammenhang der Judenheit in allen Ländern seiner Diaspora, überträ״t dann Pinsker als erster auf das politische Gebiet, zieht daraus die klarsten und unerschrockensten Konsequenzen, verleiht ihr konkrete Formen und formuliert sie mutig in ein politisches internationales Postulat