Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 102-103 (23.12.1921)
- Date
- 1921-12-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2652316-2652408--14571-2672409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
J * ^ifFJT \ \ fcHtr Ufn Ülii looisij fholonn fwacliu״, pUc^un- «tisch‘״ זז» P0,״ hauset, it׳, m״■ U ' nen H. feil ton mg 1— ihn ein ing >.— {8n : in 1er. '•I 1 ״RÜrülT.”!.״d V״l«c W I57ss־*>i«l>• Straße 8. Erechel״» H״״ ni.r.l.» «•d Freit »c. BetufiPi«!» t>«> der Eipeditieo und den pU«Ur־ viert.ljäh.lid. 21.- M. In Deut.dd.nd, ^. werden in der W»bn..t de.neeU« L..J.C ****** Nummer 102/31 Berlin, 23 XII. 1921 Anieefgen-Vcrwnltuny: Jüdische RundschauG.m.t>.H., Berlin W 15, Sächsische Str.8 Telephon: Amt Uhluud 845 und 846» A*s«lg*n prtla für dl« tleben^MpaHtneNonpardlUa^ki, —11^ Fami!i«QftRtei£«a & M. pro Zcilt. Ab■•(?• &•«!&! 1101 Dienst«( «tod Friit«! 11«t&aitt•( 4 Uhr, Telophon: Uh!»tui 845 m. 84S. po1tjwbr<kkontot B«rÜe Nr. 17 | Für Oe«tcrr«icb. Po*lsparkMS‘«Dsmi Wien, Konto Nr. 156 C3Q. | J?*5j Tacliedno*low«V«l: Pc»Upttk41Jr«nft1&t Pr»(, Konto Nr. 156Q3G* —> KedskUocustliluä SoonUy und MiUwocb »sdimitUj־־- ״׳ •%j xxv> Jaht כב, כפלו' תרפ״ב dio Schaffung einer ülfontllclwochtllch goslchertan Holtnatfitte In PalSstlna.!,Baseler Programm,** Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk Zu Chanukkah Wieder jahrt sich der Tag, an dem wir der Kampic gedenken, die vor mehr als zweitausend Jahren in unserem: Lande für di!e ReinJieit des jüdischen Geistes gekämpft worden sind. Das Fest der Makkabäer ist, seitdem der Zionismus aufs neue die Idee der Freiheit vor dem innerlich geknechteten, der Freiheit kaum mehr empfänglichen jüdischen Volk entzündet hat, eine Kraftquelle des nationalen, tiefühls geworden. Unser Freihcitskanipf dauert nun schon viele Jahre, und je näher das Ziel an uns heranrückt, desto höher türmen sich die Schwierigkeiten vor uns auf, desto deutlicher wird uns die ganze Größe der au uns gestellten Forderimg. Nur eine primitive Auffassung kann heute eine direkte Analogie zwischen uns und den Mak* kabäern ]!erstellen. Die Makkabäer haben gegen den Unterdrücker, der den jüdischen Geist vorgewaltigte, den jüdischen Gott schändete, mit dem Schwerte in der Hand gekämpft. Als in den letzten Jahren tausende Juden das Schwert wieder handhaben!nullten, hat man von Wiedergeburt des Makkabiiertums gesprochen. Aber nicht das war Makkabäertum, denn nicht auf das Schwert kommt es an, sondern auf die Id״e, für die mau kämpft. Nicht die Juden auf den Schlachtfeldern sind die geistigen Erben der Makkabäer, sondern jene jungen Leute, die heute in Palästina ihr Letztes herzu* geben bereit sind für die Idee der jüdischen Freiheit, ihr die Schaffung eines neuen jüdischen Lebens, in dem der jüdische Geist wieder eine Stätte der Verwirklichung finden kann. Wir alle haben heute noch einen weiten Weg zum Makkabäertum. In der zionistischen Welt ist noch nicht letzte Bereitschab und Entschlossenheit, noch nidit der feste Glaube an den Sieg der Sache, die als gerechte Sache siegen inulk; denn nicht der bloße Kampf der Selbstbehauptung mit den Mitteln der entzweitat und abgefaiienen Welt verleibt diesen Glauben, sondern nur die Entschlossenheit zur Erfüllung der sittlichen Aufgabe, die keinem Volk großartiger vorgezeichnet wurde als dem jüdischen. Glaube dort, wo alle Berechnung Hoffnungen zerstört, wo das kalte Ziffernspiel des Verstandes das Herz einschnürt, Glaube trotz der Unmöglichkeit, Absurdität, Neuheit der Sache. Glaube an ein Weltgesetz, das die Schranken der empirischen Möglichkeiten durchbricht, weil hier ein wesentlicher Akt schöpferischer Gestaltung vor sich geht. Davon waren die Makkabäer erfüllt, dies gab ihnen Kraft und Sieg, dies ließ sic schließlich noch, nach allen Mühen, das Wunder des Lichtes erzwingen. Der Kampf der Makkabäer war nicht zum wenigsten ein Kampf nach innen, gegen die Verräter iin eigenen Volke. Heute haben wir nicht nur gegen Verräter und Abgefallene im eigenen Volke zu kämpfen, sondern in jedes einzelnen Brust steckt ein Körnchen Verrat. Der große Veriticher, wie Achad Haatn einmal den Eigennutz nennt, ist heute stärker als je. Wenn die beiden Mächte im Herzen miteinander ringen, vermag nur die Kraft des Glaubens an die Idee den Ausschlag m geben. Immer und immer wieder stellen wir die bange Frage: Ist unsere Generation wirklich erfüllt von wiehern Glauben? <Ist in der Seele unserer Massen die Gewißheit, .daß wir für die Reinigung des fern puls kämpfen und uns mühen, daß unser Kampf «a heiliger Kampf und unsere Arbeit eine heilige Arbeit kt? Wir leben in einer mit sich selbst zerfallenen, innerlich zermürbten, müden und skeptischen Zeit Liiser Volk ist nicht nur an seinem aus tausend Runden blutenden Körper, sondern auch an seiner &reie verwundet. Heute, wo uns nichts so not kite wie der große Glaube, der Taten schafft, «dien wir zerrissen und angekränkelt von dem Verhängnis des Zeitalters, Historische Gedenktage können, richtig erlebt, einem Volk nicht nur Kraft,!״cht nur innere Erschütterung, sondern auch Heils- *Trcn bringen. Heute brauchen wir ein rechtes Makkabäerfest, das uns das Selbstgefühl und die Verantwortung dieser Stunde erweckt und uns ein “ad des Geistes zu sein vermöchte. R. W. Empfang־ beim Reichspräsidenten and Reichskanzler Dr. Weizmann ist Montag, den 19. d. M., nachmittags 6 Uhr, in Berlin eingetroffen. A!n Bahnhof Zoologischer Garten hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden, ,uni ihn zu begrüßen. Aul dem Bahnsteig empfing die wartende Menge den einführenden Zug mit Absingiuig der Hatikwah. Dr. Weizmann wurde eine stürmische Ovation dargebracht. Die Herren des Landesvorstandes, der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, sowie die Herren des Berliner Büros der zionistischen Exekutive begrüßten Dr. Weizmann namens der deutschen Zionisten und begleiteten ihn in sein Hotel. Auch in mehreren deutschen Großstädten wurde der durchfahrende Zug seitens der lokalen zionistischeu Vertreter erwartet und Weizmann am Bahnhot herzlich begrüßt. Mittwoch vormittag wurde Weizmann vom Reichspräsidenten Ebert in längerer Audienz empfangen. Dr. Weizmann hatte Gelegenheit, dem Reichspräsidenten die Ziele des Zionismus auscinaiulcr/.usetzen und ihm über den Stand der zionistischcn Bewegung zu berichten. Dr. Weizmann äußerte sich sehr befriedigt über die ihm zuteil gewordene freundliche Aufnahme. Dienstag nachmittag wurde Dr. Weizmann in etwa halbstündiger Audienz vom Reichsk a n z 1 c r Dr. W i r t h empfangen. Während der Unterredung, die auch allgemeine Fragen berührte, gab der Reichskanzler seiner Sympathie für die zionistischen Bestrebungen lebhaften Ausdruck. Am Mittwocli gab Staatssekretär des Aeußern von H a n i e 1 zu Ehren Dr. Weizmanns ein Frühstück. *4rjn * Am 20. d. M. stattete Dr. Weizmann de® Vorstand der Jüdischen Gemeinde Berlin eine* Besuch ab. Er wurde im Präsidialzimmer des Verwaltungsgebäudes feierlich empfangen. Der Vorsitzende der Gemeinde, Geheimrat Stern, hielt an Dr. Weizmann eine Ansprache, ia welcher er seiner Genugtuung Ausdruck gab, daß der Berliner Gemeinde die Ehre dieses Besuches zuteil werde. Geheim rat Stern führte aus, daß man der Kraft der zionistischen Bewegung Bewunderung zollen müsse, wie immer man sich zu ihr sonst stellen mag. Der Vorsitzende der Repräscntantenversammlung, Gewerberat Plotke, versicherte namens der Repräsentantenversammlung der Berliner Gemeinde, der ja auch bewährte zionistische Vertreter angehöreR, daß sie die Ideen des Gastes zu würdigen wisse und daß die Berliner Judcnheit sicherlich das große jüdische Werk des Aufbaus Palästinas nach Kräften unterstützen werde. Als ältester Rabbiner der Stadt Berlin sprach hierauf Rabbiner Dr. Weiße, der besonders die religiöse Bedeutung des Zionismus hervorhob. Dr. Weizmann erwiderte in einer Ansprache, in der er betonte, es sei ilun eine hohe Ehre, von einer der größten und bedvutcndstca jüdischen Gemeinden der Welt in dieser freundliehen Weise aufgenommen zu werden. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Parteiunterschiede zwischen den Juden angesichts der großen Aufgabe, die dem Gesamtjudentum gestellt sei, zurücktretea werden und daß alle Juden in gleicher Weise ihre Kräfte für den Aufbau des jüdischen Palästina einsetzen werden. Hierauf wurde ein Frühstück eingenommen, in dessen Verlauf noch Dr. Saldier als Vorstandsmitglied der Gemeinde und alter Zionist einen Toast auf Dr. Weizmann ausbradrte» ur Eine Rede Weizmanns in Berlin Am 21. d. M. fand in Berlin im großen Saale der Philharmonie eine jüdische Massendemonstration als Bo grüfkmg des in Berlin weilenden Präsidenten der Zionistischcn Organisation Dr. Weizmann statt, die den Beweis lieferte, welchen lebhaften Anteil die jüdische Oeffentlichkeit Berlins an dem Besuche des zionistischen Führers nimmt. Tagelang vor der Versammlung waren sämtliche Eintrittskarten vergrikken, und viele Hunderte Einlaßsudiende mußten abgewiesen werden Auch am Abend sammelte sich noch eine große Menge vor dem Gebäude der Philharmonie, konnte jedoch leider nidtt mehr eingelassen werden. Der große Saal war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Die Reichsregicrung war durch Herrn Ministerialdirektor von Schubert vertreten, der in Begleitung des Referenten für jüdische Angelegenheiten, Herrn Prof. So be rnit ei m, erschienen war. Die offiziellen jüdischen Instanzen Berlins waren vertreten durch den Vorsitzenden der Berliner Jüdischen Gemeinde, Geheimrat Stern, und den Vorsitzenden der Repräseniantciv-Versaiiuiihnig, Gewerberat Plotke. Außerdem war eine große Anzahl von prominenten Persönlichkcitcn des jüdischen Berlin anwesend, darunter der Präsident der Großloge U. O. B. B. Justizrat Timendorfcr, der Vorsitzende des Deutsch-jüdischen Gefneindebimdes Prof. Kali scher u, v. a» Als Professor Weizmann, begleitet von den Herren des Landesvorstandes der Z, V, f. D., sowie den Herren des Berliner;Büros der Zionistischen Organisation und den vorübergehend in Berlin weilenden Mitgliedern der Exe- J kirtive, Dr, Georg Ha 1 pcrn und Lichtheim, das Podium betrat, erhob sich die ganze Versammlung zu einer minutenlang andauernden herzlichen Ovation. Nachdem Dr. Rosenberg als Vorsitzender der Ver- Sammlung namens der Berliner Zionistischen Vereinigung die Versammlung eröffnet 1und die Vertrete r der Regierung sowie der jüdischen tmd zionistischen Behörden begrüßt hatte, ergriff das Wort der ,Vorsitzende der Z. V. f. Di Herr Felix RoscnblUth, um Professor Weizmann in hebräischer und deutscher Ansprache namens der deutschen Zionisten zu begrüßen» Roseivbiütli erinnerte an die Kämpfe um die Durch- Setzung der praktische» Palästina-Arbeit im Zionismus, bei denen Weizmann eine führende Rolle gespielt hat. ln jener Zeit vollzogen sielt auch die entscheidenden inneren Entwicklungen im deutschen Zionismus, dem damal• das oiganische Wesen des Zionismus, die Notwendigkeit unmittelbarer praktischer Arbeit in Pa• lästina, umnittelbarer Verbindung mit Palästina und den lebendigen Quellen des jüdischer» Volkstums, klaj wurde und der gerade in dieser Zeit den innigen Arv Schluß an jene Gruppe tief in der ZionsJiebe wurzelnde! östlicher Zionisten fand, zu deren prominenten Führerr Dr. Weizmann gehörte. So ist Weizmann und seine Freunde schon damals ein Erzieher und Bddner füa den deutschen Zionismus gewesen. Er, der die Zionist»■ sehe Organisation zur praktischen Palästina-Arbeit führte war es auch, der später in der schwierigsten Zeit als die Organisation durch den Krieg zerrissen und alles auf sclbstvcrantwortlidie Entsdilos soweit gestelll war, die politische Leitung in die Hand nahm Und b« der Entscheidung über das Schicksal Palästinas die Am spräche des jüdischen Volkes vor der Welt vertrat. Da Gruß an Weizmann, der nach ,vielen Jahren zum erste« Male wieder in der Mitte der deutschen Zionisten weilt bedeutet daher gleichzeitig ein Bekenntnis a« dieser Auffassung des Zionismus als de« Synthese praktischer Palästina-Arbeit und politische! Aktion. Roscnblüth schließt mit dem. Gelöbnis, daß di< deutscher» Zionisten niemals erlahmen werden, in de! Arbeit für den Aufbau Ercz-lsracls. (Lebhafter Beifall.) Hierauf erhält das Wort Prof. Dr. Weizmann (die dichtgedrängt im Saal Versammelten haben sich von ihren Plätzen erhoben, minutenlanges, sich immer wieder erneuerndes Händeklatsdwn und laute Beifallsrufe begrüßen den Redner). Weizmanns Rede Geehrte Versammlung! Bevor idt auf das eigeni- ״che Thema des heutigen Abends eingche, gestatten Sie mir — idi glaube auch it! Ihrem Namen sprechen zu dürfen und im Namen der Organisation, die ich die Ehre habe, zu vertreten —, meiwm herzlichsten Dank dem Herrn Reichspräsidenten und dem Herrn Reichskanzler auszmlrücken für das freundliche Interesse, welches sie unserer Bewegung und unseren Bestrebungen cntgcgengebraclit habe0״ (Hände, klatschen.) Wir Ziomstcn verstehen es, dies zu schätze» und dies zu bewerten. Gestatten Sic mir auch des Vorständen und Vertretern der großen jüdisdicn Go nieuule Berlin unseren tiefen Dank auszusnredten ft« ihre freundliche Aufnahme. Id» bin nicht so eitel de« Aufnahme meiner Person zuzusdircibcn. Es ist die Sache die sie geehrt haben, und gerade in Berlin, ü der Stadt mit großen uivJ alten jüdisdien Traditionen, gerade in Berlin ist eine derartige Aufnahme voo raoßew moralisdicm Werte für uns.