Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 99 (13.12.1921)
- Date
- 1921-12-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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eit70 *׳S JUEDISCHE RUNDSCHAU daß das landwirtschaftliche Kreditwesen sofort organisiert und ausreichend dotiert werde. Wenn auch die Komniissionsmitglieder Zugaben, daß für die Kolonisation mittelloser Elemente, wie z. B. der erfahrenen Arbeiterschaft, nationale Mittel uufgewendet werden müssen, so waren sie der Ansicht, es müßte auch bemittelten Leuten mit Erfahrung im Galuth oder in Erez Israel die Änsiedlnng ermöglich!■ werden. Die Schaffung eines Agrarkredites liierfür, wie für die Unterstützung der bestehenden Kolonien, ist von nlien als dringende Notwendigkeit erklärt worden. Die Meinungen differierten nur in ן der Frage, wieviel dafür ausgeworfen werden soll. I öettingcr und uie Arbeitcrverircter wollten von den von ihnen vorßcsclilngenen Ziffern für den Aufbau des Bestehenden nichts uachlasseu, anderetsei;s wollten die Vertreter der praktischen Richtung mögliehst viel für den Agrarkredit retten. Dazu kam noch die Forderung Soskins. Die Debatten in der Kommission wurden deshalb bald zu solchen über Ziffern und Budgetposten. Und als man sich endlich geeinigt hatte, sah man, daß man den von der Finan/kommission ״bewilligten“ Betrag Überschuß ten hatte, und so kam es zu den schon von Dr. Rufeisen geschilderte» Auseinandersetzungen. Schließlich blieb noch die Frage der Versuche nach Soskins Vorschlägen zu entscheiden. Dr. Soskin verlangte, daß die Debatte darüber in der Koni׳- inission zuerst geführt werde, da er nur eineu Tag mehr in Karlsbad bleiben könnte. Die Kommission gab dem nicht statt, was durchaus kein Affront für Soskin war, wie man behauptet hatte. Wollte Soskin seine Forderungen durchsetzen, so hätte er beim Kongreß verbleiben müssen; selbst im Plenum konnte die Paliistinageneraldebattc erst nach seiner Abreise geführt werden. Die Sachverständigen waren alle einstimmig gegen Soskins Vorschläge, ihre Gründe können den hier abgedruckten Kongreßreden entnommen werden. Wilkansky, der auch in Kalifornien war, legte die offiziellen Ziffern über die intensiven Kulturen in diesem Lande vor. Es ging aus ihnen hervor, daß die Farmer nicht 1 acre, sondern 20—40 acres bebauen, nur einige Häusler- Siedlungen gehen bis auf zirka 2 acres herunter. In dein betreffenden Bericht heißt cs ausdrücklich, daß die weit verbreitete Meinung, daß in Kaliforme« eine Familie von 1 acre lebe, eine völlig irrige sei. Gewiß ist die Ablehnung von seiten der Fachleute noch kein Grund, Soskins Vorschläge vollkommen abzulehnen. Die Erfahrungen in Ralästina mit intensivsten Kulturen fußen auf ganz kleinen Versuchen, während Soskin sicli nur von solchen im großen Stil, mit Schaffung von K011servenfabriken und speziellen Absatzorganisationeu Erfolg verspricht. Mit Recht sieht er die 20000 X, die für seine Versuche — namentlich deshalb, weil die Exekutive ihm Zusagen gemacht und sich auch Ruppin für sie ausgesprochen hatte — bewilligt wurden, als ungenügend an, aber, wie schon beme.kt, war seine Forderung von 150000 £ angeiiclits der zur Verfügung stehenden Mittel auf keinen Fall diskutabel. Die Arbeiten der Subkoimnissioncn für städtischgewerbliche Kolonisation und für technische Fragen fanden ihren Niederschlag in den Resolutionen, die in Nr. 76 dieses Blattes abgedruckt sind, deren Inhalt keines Kommentars bedarf. Der Kongreß hat nur diejenigen zwei, die von der Schaffung einer Handels- und Industriebank sowie von Errichtung eines technischen Zentralamtes handeln, angeuommen, die anderen dem A.-C. überwiesen. Schließlich ist noch eines wichtigen Antrags betreffend die Organisation der zionistischen Arbeit in Palästina zu gedenken, der von der Kommission gestellt und vom Kongreß angenommen wurde: daß diese wieder, wie früher, von einem Amt — dessen Leiter Mitglied der Exekutive sein muß — geleitet werden soll. Damit wird endlich der Abusus abgeschafft, daß eine politische Körperschaft, die allen Einflössen unterworfen ist, wie cs die Zionist Com- (aiission war, die Ausführung der Kolonisationsarbeiten durchführt. Wie in jedem geordneten Ge■ tneinwesen, können wir die Durchführung sach■ lieber Beschlüsse nur einem Amt übertragen, dessen Leiter der Gesamtexekutive und sonst niemand anderem verantwortlich ist Ruppin hat, als er 1918 nach Palästina ging, für dieses Prinzip gekämpft und es trotz aller Widerstände der in Palästina ״maßgebenden“ Zionisten durchgesetzt. Die Rück׳ kehr zu diesem gesunden Prinzip hat schon die ״mitteleuropäische Vorkonferenz“ auf meinen Antrag verlangt. Es ist begrüßenswert, daß der Kon greß sich darauf festgelegt hat ac»VB־trSl’to'Drf"^"UriSChC *Sä”״־ ״־!!"“־ die Athri?Sv■!*uf?lsens ״lögen dartun, daß unfruSSaw w״U8!“1•?00**58?11״“ durchaus Wnc untruchtbare war. Leider aber weiden ihre sehr vernünftigen und sachlichen Beschlüsse so lange auf dem Papier sichen bleiben, so lange nicht der Keren Hajessod in der Lage sein wird, das von ihr auf- }gestellte Budget zu decken. Schon ist kostbare Zeit unwiederbringlich verloreiigcgangen: jene vom Kongreß bis zum Eintritt der Regenperiode, so daß wieder mehr als ein halbes Jahr ungenützt verstreichen wird. Hoffentlich wird die nach Amerika entsendete Delegation wenigstens bis zum Frühjahr die nötigen Mittel aufbringen, sonst wird cs um die Sache unserer Kolonisation in Erez- Israel sehr schlecht bestellt sein. Jud. suz.-detn Arbaitar-O •ganlsation P0111 2 du Berlin Donnerstag, 15. Dezember, 8 Uhr abends, findet im Kiindworth - Scharwonka - Saal, LUtZOWStr, 70, ciao statt, anläßlich der. Wiederkehr des Todestages Bor Boroch o Ws Beferent: Salmatl RubaschOW (Wien). Gäste willkommen. Erklärung Jaboiinskys zu seinen Verhandlungen mit Slavinsky Jabotinsky erklärte dein New Yorker Korrespondent des J. C. B. bezüglich seiner Verbandlungen mit dem ukrainischen Vertreter Slavinsky folgendes: 1״. Das einzige Mittel, Exzesse oder Pogrome in der gefährlichen Zone zu verhindern oder zu lindern, ist die Schaffung einer jüdischen Gendarmeric oder mit anderen Worten eines mili-!arischen Selbstschutzes. 2. Die Frage, ob Petljura Antisemit ist oder nicht, ist nicht wichtig. Ich würde die Bildung einer jüdischen Gendarmerie auch in Verbindung mit den Armeen Denekins oder des Zaren begrüßen, wenn cs sich um den Schutz von jüdischem Leben handelt, UebcraU, wo eine Gefahr droht, möchte ich bewaffnete Juden ihr Leben und Eigentum verteidigen sehen. 3. Die Frage, oh wir mit Petljura sympathisiercu oder mit den Bolschewisten, ist nicht wichtig, ich würde die Bildung einer jüdischen Gendarmerie auf beiden Seiten begrüßen. 4. Alle Mitteilungen über meine Absicht, die jüdische Legion im Kampfe gegen die Bolschewisteu verwenden zu lassen, sind erlogen. Die Neutralität der jüdischen Gendarmerie ist ausdrückücli durch Paragraph 2 meines Abkommens mit Herrn Slavinsky festgesetzt. 5. Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation hat nichts mit Angelegenheiten zu tun, die außerhalb des Basler Programms liegen. Ich lehne es ab, mich in Diskussionen cinzulasscn über mein Recht, in Angelegenheiten, die außerhalb des Programms liegen, auf meine persönliche Verantwortung zu handeln. Ich werde verfahren, wie bei meiner Aktion im Jahre 1915 für die Schaffung einer jüdischen Legion, die an der Seite der Alliierten für Palästina kämpfen sollte, ich beabsichtige, weder mein Verhalten zu ändern, noch auf die irregeführte öffentliche Meinung Rücksicht zu nehmen. 6. Ich rate dringend den ukrainischen Führern, eine Gendarmerie, wie sie im Abkommen geplant war, unter jüdischem Kommando und mit allen Garantien zu formieren und Freiwillige für diese Gendarmerie zu werben. 7. Ich ersuche jeden gesunden und fähigen Juden in den gefährlichen Orten, sich der Gen* darmeric aiizuscliließen und sie zu unterstützen, wenn dies auch mit einer Gefahr für seine Person verbunden sein mag, unbeachtet der absurden und krankhaften Kritik von Leuten, die über die Mentalität von Petljura diskutieren, anstatt praktische Schritte zur Verteidigung des bedrohten jüdischen Lebens zu unternehmen.“ Die nunmehr vorliegende authentische Erklärung von Jabotinsky bestätigt vollinhaltlich die Erklärung der Exekutive, daß das zwischen Jabotinsky und Slavinsky getroffene Abkommen lediglich den Zweck hatte, ein Mittel zu finden, um jüdisches Leben und Eigentum durchjuden selbst zu schützen, ohne daß sich Jabotinsky dadurch politisch festgelegt hätte, was ein flagranter Verstoß gegen die zionistische Politik der abso- ....... . Nr. *iS luten Neutralität gewesen wäre. Sachlich können gegen Verhandlungen über ein solches Abkommen nur diejenigen Kreise im Zionismus etwas einwende״, die aus allgemein-politischen Gründen «egen alle Verhandlungen mit Petljura als so 1eil cm sind. Vom allgemeinen, jüdischen Standpunkte aber ist dagegen nichts einzuwentten, Die Politik kennt keine Gefühle, auch nicht das des Ekels. Es ist besser, mit Petljura in Karlsbad zu verhandeln, als ihn und seine Helfershelfer in den Pogrorustädleu erfolglos um Schutz an zuflehen. So hat Herzl mit Abdul Hamid und Pichwe verhandelt und die Bolschewisten selbst verschmähen es nicht, sich mit einem Konterrevulutionär wie En ver Pascha, der ebenfalls nicht wenig Blut aut seinem Gewissen halsen soll, zu verbinden. Wer aber Jabotinsky nacliailuug daß er der erste war, der unter großen Gefahren in Odessa im Jahre 1905 die erste jüdische Selbstwehr organisiert halte, braucht an sich nichts Anstößiges in der Bildung einer jüdischen Schub• truppe im Jahre 1921 zu sehen. Die Tatsache, daß diese Schutztruppc, für die Etappe bestimmt, in vollständiger Abhängigkeit von der ukrainischen Armee, bei allen ״Garantien“ kaum von praktischer Bedeutung sein würde, ändert nichts an dieser Affäre, wenn sie auch ein groteskes, tragikomisches Licht auf sie wirft. Anders die formale Seite dieser Affäre. Der Punkt 5 der Erklärung jabotinskys, in dem er jede Diskussion über Handlungen persönliche: Verantwortung abiehnt, wird eine Debatte nach sich ziehen, der Jabotinsky sich nicht wird entziehen können. Es muß alle Freunde Jabotinskys verwundern, gerade von ihm eine solche enge Auslegung des Basler Programms zu hören. War es doch Jabotinsky, der immer für den Großzionismus im Gegensatz, zum Kleinzionismus gekämpft hat, wobei Großzionismus kein palästiiicnsisch-territorialer Begriff war. Wir verstanden den Großzionismus, wie er in § 2 des Basler Programms enthalten ist und zwar: ״Die Gliederung und Zusammenfassung der gesamten Judenschaft durch geeignete örtliche und allgemeine Vera»- staltungen nach den Landesgesetzen.“ Danach fällt die Organisierung des ukrainischen Judentums auch direkt unter das Basler Programm und Jabotinsky durfte solche Verhandlungen, auch wenn sie durchaus im Geiste der zionistischen Politik geführt wurden, nicht ohne das Wissen seine: Kollegen in der Exekutive führen, besonders, da Jabotinsky seit langem von Rußland abwesend ist, während in Karlsbad viel russische Genossen anwesend waren, die eben aus jener Hölle entrönnen sind. Wir würden es daher begrüßen, wenn dieser Fall Jabotinsky von den zuständigen zionistischen Instanzen dazu benutzt würde, um diese wichtige Frage der zionistischen Disziplin zu erörtern und auch in dieser Hinsicht eine klare, keine Mißverständnisse zulassende Auslegung des Basler Programms gegeben würde. Jtidea und Araber Budapest, 9. Dezember. (״Wiener .V.or.Ta/.t;;.•׳! Es liegt nunmehr der Wortlaut des Nachrufes vor, den der bekannte arabische Forscher Abdallah Misk־oni am Grabe des jüngst verstorbenen Oricntalute« Ignaz Gol dz ih er gehalten hat. Abdallah sagte: ״Am Grabe des unsterblichen Ignaz Gold/ihcr möge״ auch Arabertränen fließen. Das gequälte ungarische Judentum kann stolz seht, daß es inmitten so vieler Leiden, Erniedrigungen und Verachtung der Welt 711 beweisen vermag, welch große geistige Kraft es der Menschheit zu bieten imstande ist Außerhalb der wissenschaftlichen Welt ist es hier in Ungarn nur weniger; bewußt gewesen, welch großes Genie dieser Mann war. Im Auslände aber, und besonders im. Orient und in der arabischen Nation, war der Name Go 1 dz i h e r ein eigener Begriff von hohem Werte. Das■ Judentum verlor in ihm seinen ausgezeichneten Sohr., das arabische Volk aber einen großen Meister, eine Lichtquelle, deren Strahlen die Traditionen unseres Volkes, die Heiterkeit und den Ernst unseres Glaubens und unseren ganzen Kulfu(kreis durchleuchtete. Goldziher war mit seiner tiefen Fachkenntnis auch auf sein!• Oricntalistenkollcgen in der arabischen Frage von großem Einfluß, uns jedoch war er der Apostel in! Westea Deshalb brachten wir Araber fltm uni in ihm dem Judentum, welches wir stets als unsere Brudernation ansahen, innige Liebe entgegen. Möge der Zwist verstummen, der Kampf ein Ende nehmen in diesem heiligen Augenblick! Der Zwiespalt tan Palästina, der heute die zwei Brudervölker voneinander scheidet, ist, wie der große Geist Goldzihers tins lehrte, nur durch die Vereinigung der beiden Volkskräfte zu bannen. Hand in Hand müssen sic einer glorreicher» Zukunft der semitischen Rasse zustrebeiu Meine jüdischen Brüder!! Im V0T gefühlc all dessen betrauert und beklagt die arabische Nation mit euch in dem Hinscheiden des Sohnes eures Volkes auch ihr Bfmt, ihren Apostel,“