Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 95 (29.11.1921)
- Date
- 1921-11-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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B«4«ppr«U bet de״ Expedtlio* »nd dta Poataxat«ra viefteSjäimicb tt*,-־ M. t• DaataAUod. Au»)aad*aboo■•- KtoU wrrdaa ia der Wiiruey dar cinxdao• Lander ber«aba«t. Dar Zionismus erstrebt fQr das jddlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich goslcherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.' 1 כח, מרחשון! חרס״ב xxvi. Jahrg. Sokolow bei der amerikanischen Regierung D.is Bulletin des U.Z. B. teilt mit, daß am 24. November Herr Sokolow, begleitet von Herrn A. Goldberg, vom Staatssekretär Fletcher empfangen wurde, der ihn der Unterstützung des Zionismus durch' die amerikanische Regierung vcr> sicherte. Brandeis bei Sokolow Das Bulletin der Zionistischen Organisation in London teilt mit, daß Justice Brandeis Herrn Sokolow wäJirend dessen Anwesenheit in Waslungton besucht hat. (Uebcr den Verlauf der Unterredung wird nichts gesagt. — A. d, R.) Die palästinensische Staatsbürgerschaft Jerusalem, 23. November. (J. C. B.) In der zwölften Sitzung des Advisory Council (Staats־ rat) erklärte der High Commissioner, daß die Vcrfassung für Palästina die Form eines Erlasses des Rates haben werde. Gleichzeitig werde ein besonderes Gesetz über die Staatsbürgerschaft erlassen werden. Der Erlaß des Rates wendet die Bestimmung des Vertrages von Sevrcs an, demzufolge sämtliche ◦ttomanischen U11* tertanen, die ständig in Palästina wohnen, sogleich palästinensische Staatsbürger werden. Gemäß dem Vertrage können Juden fremder Staatszugehörigkeit, die zur Zeit des Inkrafttretens des Vertrages ihren ständigen Wohnsitz in Palästina haben, die palästinensische Staatsbürgerschaft erwerben, wenn sic innerhalb eines Jahres ihren Wunsch, für die palästinensische Staatsbürgerschaft zu optieren, erklären. Außerdem könne die palästinensische Staatsbürgerschaft durch Naturalisierung erworben werden. Das Gesetz bestimmt, daß der High Commissioner Naturalisierungszertifikatc unter folgenden Redingungen verleihen kann: 1. Die in Betracht kommende Person muß zumindest zwei Jahre vor der Abgabe der Erklärung in Palästina gewohnt haben. 2. Unbescholtener Charakter des Bewerbers und entsprechende Kenntnis des Arabischen, Hebräischen oder Englischen. 3. Die Absicht des Bewerbers, in Palästina zu wohnen. Die Keren Hajessod-Konferenz in New York New York, 23. November. (J.C. B.) Die Landeskonferenz der Vertreter der amerikanischen Keren Hajessod-Komitees und der Zionistischen Organisationen wurde in Anwesenheit von 453 Delegierten aus 37 Staaten ■und der zionistischen Delegation eröffnet. Mitglieder der letzteren hielten eindrucksvolle Reden, in denen sie die Wichtigkeit des Keren Hajessod darlegten. Es wurde bcschlossen, eine große Kampagne zur Aufbringung von 9 Millionen Dollar, die drei Viertel des bis Januar 1923 zu deckenden Palästinabudgets;!usmachen, aufzunehmen. Zu diesem Zwecke soll auch eine freiwillige Samtnelannee für Sammlungen von Haus zu Haus aufgestellt werden. Das ganze Land wird in 16 Distrikte mit eigenen Leitungs- und Kontrollämtem eingeteilt. Die Spesen der Kainpagne werden mit 10 Prozent der eingeb rächten Gelder festgesetzt. * Nach den ersten begeisterten Manifestationen, die die amerikanische Judenschaft der zweiten zionistischen Delegation bereitete, wurde das Arlmtsprogramm entworfen und die Arbeit in An- Stoff genommen. Das Land wurde in Distrikte dngeti-iit, die von einzelnen Delegationsinitglkxlern bereist werden sollen. Nahum Sokolow und Dr. Go Id stein werden die Oststaaten, die Pazifikküste und Kanada, Prof. War bürg, WladLmir Jabotinsky und Colonel Patterson den Mittelwesten und die Südstaaten bereisen. Viele Provinzen, die Ln das zu bereisende Gebiet nicht «™geschlossen wurden, haben um׳ den Besuch der Delegationsmitglieder gebeten. In allen Kreisen ist große Begeisterung zu bemerken. Man erwartet von diesem zweiten Besuch der zionistischen Delegation außerordentliche Erfolge für den Keren Hajessod und die zionistische Arbeit in Amerika überhaupt. An unsere Abonnenten! Wir weisen hierdurch darauf hin, daß die Abonnenientserneucrungen für das erste Quartal 1922 sofort vorgenommen werden müssen, damit wir in der Lage sind, die Anmeldungen bei dem Postzeitungsamt, wie dies verlangt wird, bis spätestens den 10. Dezember zu bewerkstelligen. Die Gruppen und Vereine, dicSammclabonnem c n t s bestellen, müssen uns demnach die n e u e n Abonnentenlisten oder Ergänzungen oder Veränderungen der bisherigen Listen spätestens bis zum 5. Dezember einschicken. Ebenso müssen wir die Abonnementsbestellungen und die Abonnementsgebühren von allen direkten Abonnenten bis zu diesem Zeitpunkte erhalten. Nur in diesen» Falle können wir für eine pünktliche Zustellung der Zeitung nach dem 1. Januar garanticren, da das Postzeitungsajnt, von dem aus die Verteilung der Zeitung an die Postämter im ganzen Reiche erfolgt, uns gegenüber die Verpflichtung für die Zustellung der ersten Januarnummern nur dann übernimmt, wenn die Abonnentenlistcn für jeden Platz bis spätestens den 10. Dezember aufgelicfert worden sind. Wir machen auch gleichzeitig darauf aufmerksam, daß die Anmeldungen stets für ein Vierteljahr erfolgen und daß das Ausbleiben des Blattes bei einem Abonnenten mitten im Vierteljahr immer nur auf ein Versehen der Bestellpostanstalt oder darauf zurückzuführen ist, daß uns Adressenveränderungen nicht mitgeteilt worden sind. Die Post bestellt wohl Briefe bei Wohnungsveränderungeo ohne weiteres an die neue Adresse, Zeitungen dagegen nur bei Stellung eines besonderen Antrages und Zahlung einer augenblicklich auf 2 ML festgesetzten Gebühr. Es ist deshalb dringend erforderlieh, daß uns alle Adressenveränderungen sofort mitgeicilt und Beschwerden bei Ausbleiben des Blattes zunächst immer nur an das zuständige Bestellpostamt zu richten sind. Die Abonnementsgebühren im Inlande betragen jetzt 18 M. vierteljährlich, die Gruppen zahlen für die von ihnen im Sammelabonnement bestellten Exemplare vierteljährlich 13 M. Die Gebühren müssen bei der Bestellung mitüberwiesen werden. Verlag Jüdische Rundschau, Berlin W15, Sächsische Str. 8, Postscheckkonto Berlin 17392. Dokumente und Quellen Wie bereits in voriger Nummer angekündigt, beginnen wir heute mit dem Abdruck der vollinhaitliehen wortgetreuen Uebersctzung des letzten Weißbuches über Palästina, das dem engüsehen Parlament vorgelegt wurde und den Bcrieht der Untcrsuchungskonimission über die Mai-Unruhen enthält. Der Bericht ist in vielen Punkten außerordentlich interessant und wird zweifellos eine lebhafte Kontroverse zur Folge haben, die jetzt schon in der englisch-jüdischen Presse begonnen hat Wir hoffen, daß unsere Leser mit dieser neuen Einführung, statt gekürzter Auszöge den ganzen Text zu veröffentlichen, cinverstanden sein werden und uns darin durch möglichst weite Verbreitung des geplanten Sonderdruckes unterstützen werden. Judenpogrome der Aufständische□ ia der Ukraine Lemberg, 22. Nov. (Privat.) Wie die ״Clmila“ meldet, haben aufständische Banden in der Ukraine das Dörfchen Michapoic in Brand gesteckt; in Nikolcjw und Deresna haben sie einen Judenpogrom veranstaltet. Auf der Bahnlinie Kiew—Korosden hielten die Aufständischen einen Eisenbahnzug auf unter dem Vorwand, daß sie nach Sowjetbeamten fahnden. Dabei wurden 85 jüdische Passagiere, darunter Frauen, Grci se und Kind er ermorde t. Die Kommunikationen zwischen den einzelnen Städten, wo aufständische Banden hausen, ist infolge der Lebensgefahr für die Reisenden gänzlich unterbunden. So wurden auf dem Wege von Deresna nach Hesibucz eine Anzahl von Juden ermordet Sachlicher Zionismus Von Julius Berger. 1. Fraktionsdä m inerung. Wer versucht, festzustcllen, ob in den Vcrhandlungen des XII. Zionistenkongresses eine bcstimmte Tendenz wahrzunchmen war, ein Grundakkord, der die Tonart aller Beratungen bestimmte, der stößt auf besonderes ein Streben nach Sachlichkeit, das alle Debatten des Kongresses beherrschte. Es soll keineswegs behauptet werden, daß nicht auch diesem Kongreß das Pathos der Rede, die Absicht der Geste, die Phrase und die Eitelkeit, die Demagogie und die Flachheit fehlten. Wie könnte das bei einer so bunten Versammlung anders sein? Aber es läßt sich nicht leugnen, daß dem ganzen Kongreß eine gewisse Nüchternheit aufgedrückt war, die sich zeigte z. B. in dem Mangel an ״glänzenden“ Reden, ja sogar schon in der Zusammensetzung der Tagesordnung in Erscheinung trat. Dieser Kongreß spielte nicht für die Galerie. Er war nicht eingestellt auf Höhepunkte und es war bezeichnend, daß die Eröffnungssitzung sich in ihrem ganzen Verlauf eigentlich nicht sehr von den späteren Kongreß-Sitzungen unterschied. Das Kongreßbüro hatte zwar noch aus alter Tradition für die Eintrittskarten zur Eröffnungssitzung einen höheren, Eintrittspreis festgesetzt, aber er war sachlieh nicht berechtigt. Der Kongreß legte keinen Wert auf Dekoration, auf Aufmachung, und es war recht bezeichnend, daß von sehr wohlwollender Seite behauptet werden, konnte, der ganze Kongreß sei ein Beweis dafür, wie sehr die zionistische Bewegung vor "den Amerikanern kapituliert habe. Der Kritiker hatte Unrecht, aber es ist wahr, daß auf dem Kongreß verhältnismäßig wenig vom Geist, von der Idee der Bewegung, um so mehr aber von den Sachen in und um Palästina gesprochen wurde. Gewiß war der Kongreß nicht der Meinung, daß nicht der Geist der Bewegung ebenso eine Realität darstelit, wie das Werk in Palästina und er wäre sicher einer Aussprache über Fragen der Idee nicht abgeneigt gewesen. Aber vielleicht fühlte er, daß eine so große und immerhin auch nach parteipoliti» sehen Gesichtspunkten zusammengesetzte Versammlung wiie diese bei eiiner Debatte über theoretische Fragen nicht mehr davon abgehalten werden konnte, der Phrase, dem Wortschwall zu verfallen. Und vielleicht hatte er ein Gefühl dafür, daß die Beschäftigung mit den ganz wirklichkeitsnahen Fragen des Aufbaus, des Budgets, der Organisation viel eher die Redner zur Sachlichkeit zwingt, als das weite, uferlose Gebiet der geistigen Fragen. Mehr noch in den Beschlüssen des Kongresses kam es zum Ausdruck, wie sehr er das Wesentliche, das Konkret.; wollte. Dieser Kongreß war ein Kongreß gegen die bisher übliche Propaganda. Mit den Be- Schlüssen dieses Kongresses läßt sich nicht so leicht auf die Straße gehen und den Zionismus populär machen. Der Kongreß ging bewußt auf das Ganze. In Zukunft weiß jeder, daß, wenn er sich Zionist nennen will, er den Maasser bezahlen muß. Und der Kongreß hat ganz eindeutig festgelegt, was; der Maasser ist: IC 0/0 vom Vermögen und vom Einkommen. Für den ehrgeizigen Streber ist in Zukunft die zionistische Karriere eine recht zvveifeihafte Angelegenheit: jede Funktion innerhalb der Zionistischen Organisation ist an die Bedingung geknüpft, vorher den Maasser entrichtet zu haben. Der Kongreß ist keiner Schwierigkeit ans dem Wege gegangen, die man um des guten Eindrucks nach außen hin, um cs den anderen leichter zu machen, hätte vielleicht mit einer eleganten Phrase bewältigen können. Ein Zeichen! dafür ist seine Resolution wegen der nationalen Arbeit in der Diaspora, die er als einen integrierenden Teil der zionistischen Arbeit festgestellt ha,t. Unter diesem■ strengen Gesichtspunkt hat der Kongreß ein Organisationsstatut beschlossen, das wesentliche sachliche Verbesserungen bringt und z. B. in der Uebcrtragung der Wahl- Prüfung auf das Kongreßgericht eine Beschränkung des Hoheitsrechtes des Kongresses, die sich bisher nur ganz wenige Parlamente in der Welt haben gefallen lassen. So hat der Kongreß Selbstzucht geübt bei den Wahlen in das Actions-Comitd und einen erfolgreichen Anlauf zu dem Ziele genommen, bei