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Jüdische Rundschau · 1921-11-22 · Heft 93 (22.11.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 93 (22.11.1921)
Date
1921-11-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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» «ד־ Kodnktioa «ckI Verlag W 15, Sacfcilicb• StraOa S, Erscfccmt j<K?ea 1 Di«n11t»j׳ und Freitag׳. Betagter«;• bei der Expedition und den ij Pectünitcrn vlorteljalirTicb 18,־— w. (0 DautacJifanti. Autlsadiftboiso*• B »««ata werd«a in der Wilieung d«f etaxeiaea Laadar berechnet. R Anzeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.M» Berlin W15, Sädisisdie Str. 8 T.Upbon: Amt Ubla.d 8» und 846. Asxtlr.nprBla für «11• 11;el1fi11?׳׳׳,p,!trne Nouptr«Ill«1*n.4,— 8C, Familicaanxeigaa & M. pro Zcüa. Amelgaa cliluü» DiemUg emd FreiUg twdbiaitUj? 4 Uhr. \ \ \ J -Jj TtUj^bon: Uh!«04 845 u.846, Foatachedtkonlot Berlin Nr. 17552- Pur Oeaterraicb. Po»Up*rke*#*n»mt Wtea, Konto Nr. 15b GTQ, Für Tadjr<ijo»Joa*׳akel; P«alap«rkaucenamt Prag, Konto Nr. 156 CßG» —־ KedaktionuchluS .Sonntag ussd Mittwoch aacbmittag. •־־• Nummer 93 ( B.>11.., 22 xi, 1921 \ | כאי סרחשון. תיס-יב | XXVI. Jahrg. n«r Zionismus erstrebt Mir das JOdlache Volk tif Scfralfuna einer OHonHIch-rectitltcl! gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm. Die finanzielle Die Organisierung der Aibeit des Keren Hajessod Das Hauptbüro des Keren Hajcsso'd teilt ׳mit, daß außer der Delegation, die bereits nach Amerika abgereist ist, noch andere Vertreter des Keren Hajessod in verschiedenen Ländern die Arbeit auf nehmen. Dr. Scinuarja Levin vom Direktorium des Keren Hajessod, der durch Krankheit gezwungen war, einige Wochen in Deutschland zu bleiben, hat in der letzten Zeit in wichtigen Versammlungen zugunsten des Keren Hajessod jn mehreren deutsclK'n Städten gesprochen. Am 2. Dezember wird l>r. Levin nach Südafrika ahreisen, wo er läti* gcre Zeit bleiben wird. Er soll an der Konferenz der Südafrikanischen Ziijnistischen Organisation teil* nehmen, die am 1. Januar 1022 in Kapstadt statt* findet. Die südafrikanischen Zionisten haben die Zuversicht, daß die Aktion Dr. Levins für den Keren Hajessod großen Erfolg haben wird. Dr. Ariel Benz io n geht demnächst nach Aden, Indien und Mesopotamien. Er wird dort mehrere Monate bleibet! und die Arbeit für 1 den Keren Hajessod in die Wege leiten. Dr. Ben* zion, der im vorigen Jahre in ähnlicher Weise in Spanien, Portugal und Marokko tätig war, hat es sich zur Hauptaufgabe gestellt, die sephardischcn Juden für systematische Palästinaarbeit zu gewinnen. Durch seine Kenntnis des sephardischcn Judentums ist Dr. Benzion hierfür besonders geeignet. Ferner haben die Direktoren des Keren Hajessöd Herrn Hans Kolm die Aufgabe übertragen,, die Keren Hajessod-Aktion in El s a li-Lot 11 •v ringen, Belgien und L11 x e m b u r g zu organisieten. Hans Koiln war früher Sekretär des Komitees der Jüdischen Delegationen in Paris und ging dann nach Bulgarien, wo er erfolgreich die Keren Hajessod-Arbcät leitete. Der Keren Hajessod in England wird äugenblicklich reorganisiert, und cs wird ein neues Keren Hajessod-Komitee gebildet. Es steht zu erwarten, daß die Kampagne für den Keren Hajessod in England auf breiter Grundlage und nach systematisehen Richtlinien organisiert wird. Das Bankett für die Zionistische Delegation in NewYoik bas Bulletin der Zionistischen Organisation in London teilt mit: hie großen Emptmigst'eierlidikcitei» zu! Ehren der /weifen Zionistischen Delegation für die Vereinigten Statten fanden im Hotel Astoria in New York statt. 1200 Personen nahmen an dem Diner teil. Saniucl Unter incycr, der Führer des amerikanischen Keren Hajessod, präsidierte. Unter den Anwesenden waren Louis M a r s h a 11, julius R o s c n wa 1 d , Richter T annenbauin, Jcfferson, Seligmnn, Rabbiner Kraß und H. Fische!. Herr t/tifenneycr hielt eine längere Ansprache, in der er ausfülirie, daß alle Juden- Zionisten und Nicht/.ionistcn, Nationalisten und Nichtnationalsten — sich jetzt zuxammenschliclicr, können, um für den Keren Hajessod und den Aufbau Palästinas zu arbeiten. - Nahutn Sokolow, der nächste Redner, wurde mit großer Begeisterung begrüßt. Er sprach des längeren aber die Grundsätze, auf denen der moderne Zionismus aiufgehaut ist, und forderte alle dringend׳ auf, tril/imchnieit an der Arbeit, um die Verwirklichung seiner h'e.de /.!» ermöglichen. Veihandlungen mit den Arabern Wie wir Londoner jüdischen Zeitungen entfieltmen, soll demnächst im Kolonia Iministerium eine Unterredung zwischen Dr. Weizmann und der arabischen Delegation stattfinden. Diese Nachricht Ist ein erfreulicher Beweis, daßi die zionistische Exekutive im1 Sinne des Kongreßix:Schlusses, ihre Bemühungen, zu einem Einvernchmen mit den Arabern zu gelangen, fortsetzt. Die würdige und deutliche Sprache des Kongreßbe- Schlusses, der unser Festhalten an dem zionistischen Ziel ebenso fest zum Ausdruck bringt, wie unsern Willen, mit den Arabern in freundschaftlichen Be- Ziehungen zu leben, wird den Verhandlungen der zionistischen Führer ein starker Rückhalt sein. Wir M®MI0ieras2j5 Hierauf sprach Rabbiner Silvcrman, der früher als Antizvonist mul führender Reformer in den Vereinigten Staaten bekannt war. Rabbiner Silvcrman erklärte sich bereit, an der Aufbauarbeit für Palästina zu helfen. Er nahm Bezug auf die Abrüstungskonferenz, die äugen• blicklich in Washington stattfindet und forderte in begeistertem Tone zur allgemeinen Abrüstung, dem Ideal der hebräischen Propheten, auf. Prof. Otto Warburg sprach deutsch und englisch. Er sprach eingehend über die Kolonisationsarbeit in Palästina und die Pläne für die künftige Tätigkeit!11 dieser Richtung. Alles, sagte er, mache gute Fortschritte, und Amerika müsse die Gelder schaffen, um die Arbeit weiterzufüliren. Dr. Alexander Go Id stein sprach von den Leiden des jüdischen Volkes in den Ländern Osteuropas und sagte, die Augen der ganzen Welt seien auf Amerika gerichtet, das, wie er hoffe, darauf stark reagieren werde. Herr Rothenberg, Mitglied der amerikanischen Exekutive, forderte die Zionisten auf, der Sache Opfer zu bringen, die denjenigen gieichkäinen, di« die C11 a - Itizim in Palästina bringen. Rabbi Meyer Berlin als nächster sprach hebräisch im Aufträge der Misrachi-Organisation und versprach die Unterstützung des orthodoxen Judentums. Flerr Wladimir Jabotinsky, von der Vcrsamm- Umg begeistert begrüßt, hielt eine zündende Ansprache, die damit schloß, daß er sagte, alle zionistischen Probleme, im Zusammenhang mit der Politik, die Araberfrage, der Kolonisation und der Jüdischen Legion, könnten durch den Keren Hajessod gelöst werden Er forderte dringend auf, die Arbeit für den Keren Hajessod sofort auf breiter Grundlage im ׳ganzen Lande in Angriff zu nehmen. Balfour in Amerika Appell für den Keren Hajessod Wie der ״J. P.Z.“ berichtet wird, dürfte Baifönt, dev jetzt •als Leitet der englischen Delegation zur Washingtoner Konferenz in Amerika weilt, an einer großen jüd isch.cn Versammlung teilnchmen, um die amerikanischen Juden aufzufordern, ihre Hilfe dem Wiederaufbau des nationalen Heinis in Palästina zu gewähren. Begrüßungstelegramme Anläßlich des Besuches der zweiter! Zionistischen Delegation in Amerika gelangten an Herrn Samuel Unter• meyer, den Führer des amerikanische/» Keren Hajessod, folgende Begrüßiingstelcgrammc: Von Dr. Wci/mann: ״Ich fordere das amerikanische Judentum nochmals auf, sich in der Arbeit für Erez Israel durch den Keren Hajessod zusammcnzuschliefkn. Um den wirt• schriftlichen und kulturellen Wiederaufbau Palästinas sicherziKtellen, verlassen wir uns auf die Einigkeit lind die Opferfmidigla-it des amerikanischen Judentums unter Ihrer bewährten Führerschaft. Weizmann." Von Sir Alfred Mond: ״Der Aufbau der jüdischen nationalen Heimstätte erfordert noch nie dagewesene Anstrengungen. An das amerikanische Judentum ergeht nochmals der Ruf, einen großen Teil der Last auf sich zu nehmen. Ich wünsche den ־zionistischen Führern und der Keren Hajessod-Konfcrcnz den besten Erfolg.“ Ein Keren Hajessod-Monaf in Amerika New York, 15. oNvemher, (J. C, B.) Die Födcration polnischer Juden in Amerika beschloß, den Monat Kislcw (Dezember) zum Sanunetmonat für den Keren Hajessod unter allen in den Voneinigten Staaten lebenden polnischen Juden zu proklamieren. Zur Durchführung der Kampagne wurde ein fimlzeluiglicdriger Arbeitsausschuß eingesetzt. nehmen die Nachricht auf als günstiges Zeichen, daß die arabische Delegation ihren unvernünftigen intransigenten Standpunkt, der die Beseitigung der Balfour-Dcklaration als erste Bedingung stellte, aufgegeben hat. Wir hoffen, daß die Verhandlungen zu günstigen Resultaten fuhren werden. Die Ausschreitungen in Jerusalem Jerusalem, 15. Nov. (J. C. B.) Das Preßbureau der Zionist Commission stellt fest, daß es am 2, November zu keinen Öffentlichen Unruhen gekommen sei. Die Juden wurden einzeln in den Gassen von kleinen Banden überfallen und erstochen oder erschlagen. Ebenso fanden weder Kämpfe noch Zusammenstöße zwischen Juden und Arabern statt Micha Joseph Berdyczewsky (Bin Gorion) Gestorben in Berlin am 18. November Die Gastfreundschaft Berlins, in dem ־mehrere hebräische Schriftsteller in der letzten Zeit zeitweilige Ruhe von ihren Leiden gesucht und gefunden haben, wurde nunmehr von einer der markantesten Persönlichkeiten der hebräisehen Literatur auch für die ewige Ruhe in Anspruch genommen. Am Montag, den 21. November wurde Dr. Micha Joseph Berdyczcwsky, oder wie er es in den letzten Jahren sich zu nennen vorgezogen hat, M. J. Bi n-G orion, unter welchem Namen er auch!dem deutschlesenden Publikum mehr bekannt ist, von dem engsten Kreise seiner Freunde, Kollegen und Verehrer zu Grabe getragen, still und bescheiden, wie er gelebt und gewirkt hat Die Berliner jüdische Gemeinde hat ihm ein Ehrengrab gestiftet. Kaum hat sich die hebräische Literatur von dem furchtbaren Schlage erholt, der ihr durch den grausamen Tod von J. Ch. Brenner im Mai dieses Jaltres versetzt wurde, da trifft sie der nicht minder furchtbare Verlust von Betdyczewsky, der bei aller Gegensätzlichkeit der Charaktere mit Brenner so viel Aehnliches hatte. Es ist schwer, unter dem unmittelbarer» Eindruck des großen Unglückes etwas über diese so vielseitige Figur zu sagen. Verhältnismäßig jung (Berdiczewsky stand im 55. Lebensjahre) zählte B. •zu den ältesten hebräischen Schriftbegann’ Er gehört zu den wenigen hebräischen Schriftstellern, die ihre literarische Tätigkeit noch auf dem Gebiete des rabbinischen Schrifttums begannen und so als Schriftsteller alle Phasen der Literatur bis zum modernsten Rotnar, durchgemacht haben. Mit Berdyczcwsky ist ein Mann aus dem Leben geschieden, der die ge■ waltige Entwicklung der hebräischen Literntui der letzten 30—40 Jahre mitcrlcbt und mitver• ursacht hat. Es wird wohl wenige seiner Ge• nossen geben, die so fruchtbar waren wie er Dabei hat er sich nie wiederholt; immer wiedet mußte man staunen über seine Vielseitigkeit, über den reichen Inhalt seiner Schriften, übei den Scharfsinn seiner Kritik, und noch in dei allerletzten Zeit hat er die hebräische Leserweh durch eine Reihe Romane und Erzählungen überrascht, die eine ungeahnte Frische und ein unbändiges Temperament offenbart. Seine Kritik war scharf, geistreich, nichts und niemand biiet von ihr verschont, in seinem heiligen Zorn wäret manchmal auch ungerecht. Aber er konnte keine Halbheiten leiden, er konnte sich mit keiner Konventionen abfinden und von keinen Partei• schranken hemmen lassen, jede Zufriedenhei! und jede Selbstgefälligkeit war ihm zuwider Dadurch ist zum Teil seine Stellung zunt Zio nismus zu erklären, den er beschuldigte, aus einem Ideal, das den ganzen Menscher verlangt, einen Paragraphen gemacht zu haben, den man halb und halb erfüllen oder auch um■ gehen kann. Im Osten sind die Grenzer zwischen dem Partei- und dem Volksleben nicht so scharf gezogen — und wem ein Parteirahrner zu eng ist, der bleibt dennoch mitten im jüdi■ sehen Leben stehen und so fließt alles ir einen Strom zusammen, so 'dient alles einerr Zwecke — dem Aufbau des Volkes und seine! Kultur. So wurde Berdyczcwsky, der evvij. brennende Dornstrauch, zu einer der größter Leuchten unserer Literatur und ,zu einem der ehr lichsten Erzieher unserer Generation, wenn sit ihn freilich dann auch überwunden hat. In alle: Erinnerung ist noch der Kampf, den der jung« Berdyczewsky vor ungefähr 25 Jahren gegen der damals bereits berühmten Achad-Haam entfach hat, als Achad-Haam die von ihm damals be gründete Monatsschrift ״Haschiloach“ de Wiedergeburt des ״geistigen Judentums“ mi seinen alten nationalen!dealen widmen wollte Berdyczewsky wollte nicht das alte Judentum das er mit allen ihm zu Gebote stehende!

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