Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 92 (18.11.1921)
- Date
- 1921-11-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Telephon: UhUnd 845 u. £46, PoaUdieii.kontoJ Berlin Nr. 17 52י׳- Für Oesterreich. Poateparkaisenerat Wien, Konto Nr. 156 (BÖ. Für Ta1i>ri}>nslow»kei: Postsparkaasenami Pr*jr, Konto Nr. 156030. — kedaktiooiusdilyQ Sonnt•; und Mittwoch *g. —* יז׳ מרחשון׳ תרס״ב ( xxvi. Jahrg. Das Huüetin der Zionist Commission teilt mit: An! 3. November versammelten sich ungefähr 203 Kaufleute in der Jerusalemer Handelskamnier unter den Vorsitz von Mr. Shelly. Die Versammlung besprach die Situation, die infolge der Unruhen vom 2. November entstanden war. Man beschloß, alle Läden geschlossen zu halten bis zufriedenstellende Garantien für Erhaltung der Sicherheit gegeben wären. Es wurde der Antrag gestellt, die Demission des Gouverneurs von Jerusalem, Mr. Ronald Storrs, zu verlangen. Die Versammlung wurde unterbrochen durch einen telephonischen Anruf des Gouverneurs, welcher versuchte, die Versammlung zu schließen und alle Geschäfte zu öffnen. Es wurde ihm erwidert, daß die Kaufleute zu ihm das Vertrauen verloren hätten, und daß sie sich nicht länger auf seine Sicherheitsmaßnahmen verlassen können. Sie lehnten es ab, ihre Geschäfte zu öffnen. Der Gouverneur forderte dann, daß eine Deputation zu ihm geschickt würde. Das Ergebnis der Unterredung zwischen dieser Deputation und dem Gouverneur war eine neuerliehe Erklärung der Kaufleute, daß sie kein Vertrauen zu ihm haben. Der Direktor des Sicherheitsvvesens, Colonel Bramlcy, bestätigte die Erklärung des Gouverneurs bezüglich der Sicherheit der Stadt und teilte mit, daß über dreißig Verhaftungen vorgenomnicn worden seien und eine strenge Untersuchung sofort cinsetzcn würde. Darauf antwortete die Deputation, sie würde sich von diesen Versicherungen überzeugen lassen, wenn sie von Leuten ausgingen, die auch in der Vergangenheit ihre Versprechungen gehalten haben; jetzt aber forderten sie eine Unterredung mit dem High Conunissiouer. Daraufhin wurde eine Begegnung mit dem High Coiiunissioncr veranstaltet. Samuel drückte sein Bedauern über die Vorfälle des vor-!!ergehenden Tages aus und erklärte, daß er nach Beratung mit den Militärbehörden sagen könne, daß die Lage gesichert sei. Die Kauflcute verlangten dennoch unbedingte Garantien. Der Oberkoinmissär erwiderte, diese könne er nicht geben, ohne nochmals die Militärbehörden zu befragen. Eine Anzahl von Offizieren wurde nun der Beratung beigezogen und sie wiederholten, daß Friede und Sicherheit verbürgt seien. (Hier folgt eine große Z e n s u r 11׳ c k e.) Die Deputation verließ dann den High Commissioncr und kehrte in die Handelskammer zurück. Die dort noch immer tagende Versammlung nahm den Bericht der Deputation über die Unterredung mit dem High Commissioner entgegen und beschloß, die Versicherungen des High Comnussioner anzunc 11 in e n und die Geschäfte wieder zu öffnen. Die Geschäfte wurden um I Uhr nachmittags wieder geöffnet. Doi Zionismus erstrebt tOr das Jüdische Volk dt« Schafiung einer Ollentiich-rechtllcti gesicherten Holmstatte »n Palästina. ״Baseler Programm: Die Ankunft der zionistischen Delegation in New York New York, 12. Nov. (J.C.B.) Die zionistiscfie Delegation ist gestern Nachmittag liier eingetroffen und wurde drei Stunden bevor die ״Aquitania“ docken konnte, von einem Munizipal- Boot abgeholt. Sie wurde von Rabbi Berlin und Mr. Co 11 he im im Namen des Keren Hajcssod aufs herzlichste begrüßt. Tausende von Leuten waren auf dein festlich geschmückten städtischen Landungsplatz versammelt. Die zionistischen Distriktsvertreter, die sieh zum Empfange der Delegaliaii eiiigefuisdeii haben, fuhren in Hunderten von Automobilen durch die Straßen des jüdischen Viertels uiuei jubelnden Zurufen der versammelnden Massen. Die unter Führung ihrer Lehrer crschieneuen Volksschulkimler empfingen die Delegation mit Blumen. Jabotinsky wurde von einem Korps gewesener Legionäre empfangen. New York, 13. Nov. (J.C.B.) Trotz der vielen aktuellen Themen, die die eben tagende Abrüstungskonferenz bietet, findet die amerikanische Presse noch genug Interesse, um in ausführlichen Artikeln zur Ankunft der zionistischen Delegation in wohlwollender Weise Stellung zu nehmen. Nalmm Sokolow begibt sich übermorgen nach Washington, da er der Meinung ist, daß die M a nd a t s f ra ge wenigstens indirekt auf der Abrüstungskonferenz. diskutiert werden wird. New York, II. November. (J.C.B.) Die Ankunft der zionistischen Delegation wird heute hier erwartet. Die amerikanische Judenheit hat Anstalten für einen grandiosen Empfang getroffen. Dem Empfangskoni itee, das sich aus allen Schichten der amerikanischen Judenheit zusaimnensctzt, stehen Lewis M a r s I! a I I und .Samuel U 111 e r in e y e r vor. Dem Komitee gehören auch an: Nathan Straus, Exbotsclinfter Elkus, Richter Dannenbaum, Harry Fisch el, Adolf Kraus, Adolf L e w i n s o 11, Dr. J. L. Magnus, Rabbi Schul man, Kongreßniann Siegel und viele andere prominente Persönlichkeiten, die sieh alle zur Begrüßung der zionistischen Delegation im Hafen einfindeii werden, ln New York selbst wird der erste öffentliche Empfang im Hotel Astor stattfinden, wo Samuel Untenueycr den Vorsitz, führen wird. Riesige Menschenrnassen halten sich' für eine gewaltige prozionistische Demonstration am Kai bereit. Das Keren-Hajessod-Bureau erhielt von der ״Aquitania“ ein Radiotelegrainm; wonach die jüdisehen Passagiere dieses Schiffes der zionistischen Delegation nach Amerika einen glänzenden Empfang an Bord bereitet haben. Den» Empfange wohnten auch Lord Riddel und andere Mitglieder der britischen Delegation zur Washingtoner Abrüstungskonferenz sowie Mr. Otto Schiff bei. Es wurde bei dieser Gelegenheit auch eine beträchtliche Summe für den Keren Hajcssod gesammelt. Im Zusammenhänge mit der Ankunft der zionistischen Delegation wurde für den 20. d. M. eine allgemeine Konferenz zionistischer Vorsteher und anderer jüdischer Organisationen nach New York einberufen. Es werden Hunderte von Delegierten erwartet, die die allgemeine Kampagne für den Keren Hajessod in Amerika in Fluß bringen werden. Tel-Awiw gegen Storrs jerusaletn, 13. November. (J.C.B.) Die pilastinensische Regierung erhielt ein Memorandum von der Gemeinde Tel-Awiw, in welchem die Entlassung aller für die am 2. November in Jen:- salem ausgebroc!1enen Unruhen verantwortlichen Beamten gefordert wird. JLondon, 13. November. (J.C.B.) Die hiesige Poalc-Zion-Föderation erhielt von ihren* Palastina-Sekrctari.it einen ausführlichen telegraphischen IVrieht über die arabischen Ueberfälle vom 2. November, demzufolge der indische Selbstschutz allein und ohne1 H i 1 f c d e r k e g i e r u 11 g!mit den arabischen Angreifern fertig werden mußte. 8 Juden sind schwer und 21 leicht verwandet. Die ganze Bevölkerung macht die Regierung verantwortlich und fordert den Rücktritt des Generals Storrs. Verurteilte Exzedfnlen London, 11. November. Das Zionistische Zentral- Büro erhielt einen Bericht, daß in Jerusalem hei Untersuchung der Exzesse ein Araber zu 13 Jahren verurteilt wurde, weil er im Besitz, einer Bombe aiigelrolicu wurde, und ein anderer wegen ungerechtfertigten Tragens von Waffen zur gleichen Strafe. Ein Araber bekam 13 Monate, zwei Araber 12 Monate. Die amerikanischen Juden und die Washingtoner Konferenz New York, 12. November. (J.C.B.) Die Bewegung unter den amerikanischen Juden, die Juden fragt! vor die Abrüstungskonferenz in Washington zu bringen, zieht täglich, größere Kreise um sich. Die Union der amcrikanisch-jüdisdben Kongregationen hat besdtlossun, diese Bewegung jeder Hinsicht zu fördern. Mr. Simon Wolf, Vorsitzender des Komitees für Zivilrecht in den Vereinigten Staaten; hat sielt bereits mit dem Staatsdepartement in Verbindung gesetzt, um das Ersdteinen einer Deputation;prominenter Juden vor die Konferenz in die Wege zu leiten. Bloß Mr. Lewis Marsh.'tll äußerte sieh in einer Unterredung gegen den ganzen Plan, da die Konferenz mit jüdischen Angelegen-! heilen nichts zu schaffen habe, um so mehr als Rußland! und die Ukraine in iltr nicht vertreten sind( bei deren׳ Vertretern allein anan gegen die grausamen Pogrome;ui unseren Brüdern und Schwestern Protest hätte einlegen können. Herbert Samuels Bericht über die Mai-Unruhen in Jaffa Sir Herbert Samuel hat den offiziellen Berieht über die Vorgänge in Jaffa und Umgebinig im Mai, welcher das Ergebnis der Untersuchung über die Vorfälle zusanunenfaßt und die dadurch geschaffene Lage in Palästina erörtert, mit ein cm Briefen 11 dcnKolonicnminist er Glut rchill einbegleitet. Dort macht er in seinem Bericht, der in London als Weißbuch veröffeutlicht wurde, einige erklärende und motivierende Bemerkungen und bespricht auch die Ausgestaltung des Po 1 i z e i w ese n $, welche einer Wiederholung von Ereignissen, wie sie sich im Mai abgespielt haben, vorbeugen soll. Zu diesem Punkt teilt Samuel mit, cs sei eine Polizeischule begründet worden, in welcher Gruppen von je 50 Mann Unterricht im Polizeiwesen erhalten. Ferner werden, sobald Geld hierfür vorhanden ist, Baracken in den Städten gebaut werden, damit die Polizisten nicht in verschiedenen Quartieren zerstreut seien. Dadurch werde ihre Disziplin gehoben werden. Gegenwärtig werde eine Gendarmcricrcserve von 50!) Mann rekrutiert, die unter der Führung britischer Offiziere stehen soll. Samuel geht in dem Briefe auch auf den mehrfacli erhobenen Vorwurf ein, daß es in Palästina mehr jüdische als rt i ch t jü d is ch e Beamte gebe. Er bringt als Erklärung dafür die Statistik des Beamteiistandes im Departement für öffentliche Arbeiten. Dort gibt es unter den älteren Beamten 12 britische Christen, einen britischen Juden, einen palästinensischen Mohammedaner und drei palästinensische Juden, unter den jüngeren Beamten zwei britische Christen, drei britische Juden, 15 palästinensische Christen, einen pnlästiricnsischen Mohammedaner und 41 palästinensische luden. Unter der Gesamtbeamtenzahl des Departements für öffentliche Arbeiten befinden sich: 14 britische Christen, 4 britische Juden, 15 palästinensische Christen, 2 Mohammedaner und 44 palästinensische Juden. Daß so wenig Mohainmcdaner in diesem Departement vorhanden sind, ist, wie der Oberkoimnissär darlegt, dadurch zu erklären, daß cs unter den Arabern keine Ingenieure gibt. Obwohl man Araber gern anstellen würde, so melden sich keine passenden Bewerber. In dem Schreiben, mit welchem der Kolonienminister Churchill den Empfang des Samuelsehen Berichtes bestätigt, finden sich folgende Bemerktingen: ״Die Berichte sind gut zusammengestellt, klar und übersichtlich. Ich bin der Ansicht, daß es nur von Nutzen sein könne, diese u n p a r - tcii sehen Schlüsse• in Palästina zu veröffentliehen; daher habe ich Ihnen telegraphisch Vollmacht zur Veröffentlichung gegeben. Aus den Berichten geht deutlich hervor, daß es auf Grund der Erfahrung, welche die Maiereignisse uns gelehrt haben, notwendig ist, einige Reglements für die Polizei und für das Verhalten des Militärs im Falle einer Wiederholung von Unruhen zu ändem. Es wir mir sehr angenemh sein, rechtzeitig Ihre Vorschläge iri dieser Sache zu hören.“ Der ,,Kulturkampf“ in Rußland Ueber Riga läßt sich das J.C.B. aus Rußland mitteilen, daß die jüdischen Kommunisten in W i t e b s k und Hornel am letzten Jomkippur Umzüge jüdischer Arbeiter und Kundgebungen gegen die jüdischen ״Kienkalismus“ veranstalteten. Eine Anzahl jüdischer Setzer gab eine spezielle Jomkippurnunimer des ״Roten Sterns“ heraus, die am Jomkippur gesetzt wurde, ln Orscha haben die Kommunisten einen humoristischliterarischen Abend veranstaltet, in Hornel wurden die Rabbiner zu einem Disput über die Religion aufgefordert der am Jomkippur stattlinden sollte. Die Rabbiner leimten die Teilnahme an diesem Disput ab. ln Witcbsk wurde ein Mitglied der jungkotnmimistischen Partei vor das Gericht geladen, weil er am Rosclt-Haschanah die Synagoge besucht hatte. Der Angeklagte rechtfertigte sich damit, daß seine Ettern ihm gedroht hätten, ihn des Hauses zu verweisen. Er wurde zum Besuch einer potitisehen Schule verurteilt, wo er zum ״würdigen Kampier gegen die Religion“ ausgebildct werden soll.