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Jüdische Rundschau · 1921-11-11 · Heft 90 (11.11.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 90 (11.11.1921)
Date
1921-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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KedaktionusciiluB ,Sonntag- und W.ttwoda «ubmUU׳;• f XXVI. Jahrg. ״Baseler Programm.‘• Ja Palästina alles ruhig Auf unsere telegraphische Anfrage in London über die Lage in Palästina erhielten wir am 9. d. M. j folgendes Telegramm vom Zionistischen Hauptbüro: London, 9. November. In Palästina alles ruhig. Die Zionist Commission betrachtet den Vorfall als erledigt. Gegen die Balfour-Deklaration London, <L Nov. (}. C. 3.) Am 2. November haben die inolianimedanisch-diristliclicn Organisationen in Jerusalem und Jaffa sowie des Palästina- Komitees in Aegypten zahlreiche Protcsttelegrammc gegen die Ralfour• Deklaration und die zionistische Politik Englands überhaupt an die ganze englische Presse gerichtet, die jedoch bloß in der ״Times“ in gekürzter Form und in der ״Morning Post“ der Reihe nach veröffentlicht wurden. Diese Telegramine besagen, daß die Balfour-Deklaration, die Ursache ständiger Unzufriedenheit und Unruhen in Palästina bilden würde, wie beispielsweise heute, wo gleichzeitig Trauerdemonstrutionen auf Selten der Ara* ber und Freudenkundgebungen auf Seiten der Zionisten stattgefunden haben. Verurteilung der Ruhestörer London, 8.Nov. Wie dem Zcntralbüro gemeldet wird, sind von den Ruhestörern, die nach den Unruhen vom 2. November verhaftet wurden, bis jetzt 21 summarisch durch einen außerordentlichen Oerichtshof nbgcurteilt worden, und zwar wurden vier zu Gefängnis verurteilt, drei zu neun Monaten and einer zu einer Woche; vier zur Zahlung einer Geldstrafe, acht freigesprochen und fünf in die Untersuchungshaft zu rückgeschickt. Die Abschiedsfeier für die Zionistische Delegation für Amerika Die Zionistische Exekutive, *las Direktorium des Keren Hajessod und das Finanz- und Wirtschaftskomitec gaben ini Ritz-Hotel eine Abschiedsfeier, bei der alle Mitglieder der Delegation wie auch alte Mitglieder der Exekutive und eine Anzahl von Freunden anwesend waren. Dr. Weizmanu sprach seine Zufriedenheit über den repräsentative« Charakter der Delegation aus, die Cin kurzun noch Verstärkung durch die Herren Ch. N. Bialik und Oberst Patterson erfahren werde. Er nahm Bezug auf die Arbeit, die sie erwartet, des Bauens einer ständigen Brücke zwischen der Wcltorgamsation und dein amerikanischen Judentum, tim zu hei fett, die Mittel zur Durchführung der Kolonisationspläne zu beschaffen, die vom Zionistischen Kongreß beschlossen worden sind, und begrüßte die Gelegenheit, die Herrn So ko low geboten werde, die zionistischen intcressen im Zusammenhang mit der Konferenz in Washington w&hrzunchmcn. Für die Exekutive sprachen die Herren Leo Motzk 111 und Joseph C o w e n die Ueberzetigung aus, daß es der Delegation gelingen werde, ihre schwierige Arbeit durchzuiühren. Auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen ia Anmika erklärten sie, daß die amerikanischen Juden stark genug seien, die Hauptlast des Aufbaues Palästinas zu übernehmen. Ehe Herren So ko low und Warburg antworteten für die Delegation. Sie wären voll Zuversicht auf den Erfolg ihrer Mission Feierlicher Empfang Balfours durch die »raerikanisdien Zionisten New York, 6. Oktober. (J.C.B.) ־Die Zionist! der vereinigten Staaten und Kanadas treffen umfassen* orbereitungen zu einem grandiosen Empfang Ba tours, anläßlich seiner Ankunft zu der Abrüstung tf״™* m wn ihm den Dank und d Hochachtung der gesamten, Judenheit in, der Welt au Jn ^e,w Y°fk ,werden überdies Vorbereitu J r y״msUtu"SLci»« großartigen Banketts , wJcL fic״acht\ kanadischen Zionist, werden «ha bet seiner Ankunft ia Quabeck begrüßen. Jerusalem im neuen Palästina I ln dem berühmten Marishall College bei Aberdeen | (Schottland) hielt neuerdings Professor Patrick Geddes ן von der Universität Bombay einen ausführlichen Vor- . trag über ״Jerusalem im neuen Palästina“. Geddes war bekanntlich in den letzten Jahren damit bcschäftigt, Pläne für den Aufbau palästinensischer Städte auszuarbeiten. Sein Vortrag war außerordentlich stark bcsucht, und der Rektor des College, Sir George Adam Smith, erklärte in seiner Begrüßungsansprache, daß das auf diese Weise bekundete Interesse der schottischen Oeffcntlichkeit die aufrichtige Sympathie des Landes für den Wiederaufbau Palästinas bekunde. Man habe den großen Vorzug, in Professor Geddes eine der bedeutendsten Autoritäten auf dein Gebiet des Städtebaus über eine ebenso schwierige wie beglückende Aufgabe zu hören, Nach einem Bericht der ״Aberdeen Free Press'* leitete Protcssor Geddes seine Ausführung, 11 du, indem er die Befreiung Palästinas von der türkischen Herrschuft als eine Mission darstellte, deren hauptsächlich« Bedeutung in der Wiedererschließung des Landes für das Volk Israel liege. Geddes wies in diesem Zusammenhang auf die großen Verdienste hin, die sieb schottische. Schriftsteller und Theologen um die Erfüllung dieser Mission erworben hätten, Die gegenwärtige Aufbauarbeit verlange allerdings die 1 li!1grf>11ng eines ganzen Volkes; aber wenn man nur die bisherigen Ergebnisse im Lande selbst betrachte, werde man zuversichtlich in die Zukunft schauen. Wo im letzten Jahrhundert kleine jüdische Ackerbaukolonien gestanden seien, befänden sich gegenwärtig blühende Dörfer und Farmen, besonders in der Meeresebeue und am Fuß des Karmelberges. Die Arbeit der Zio׳ nistische» Organisation, die sich der Unterstützung erfolgreichcr Juden — er wolle nur Lord Rothschild nennen — erfreue, habe die europäische Meinung voti der ausschließlich kaufmännischen Begabung des Juden vollends ad absurdum geführt. Die jüdischen Kolonisten in l'aiästina führten schon heute bedeutende Erträgnisse ihrer Wein-, Oliven-, Mandel- und Orangenplantagen nach Aegypten aus. Geddes besprach dann einzelne Unternehmungen der neuen Einwanderer. Er beschrieb eingehend die Kultivierungsarbeiten der jungen Zionisten, die erfolgreiche Bepflanzung der Hügclgeliinde und die eigentümliche Ausnutzung der Sanddünea, welche künftige Vorteile von beträchtlichem Ausmaß erwarten lasse. Besondere Bedeutung legte er dem bekannten Projekt des Ingenieurs Ruthenberg bei, das die Schaffung elektrischer Kraftanlagen in verschiedenen Teilen des Landes Vorsicht und von *len britischen Zentralbehörden bereits genehmigt ist. Die unmittelbar bevorstehende Verwirklichung dieser Pläne sei von doppelter Bedeutung: einmal schaffe sie breiten Spielraum für gewinnbringende jüdische Unternehmungen, dann aber trage sie wesentlich zur friedlichen Durchdringung des Landes bei, weil sie den arabischen Bewohnern ebenso wie den jüdischen wachsenden Wohlstand verheiße. .Auf die Lage in den Städten eingehend, erläuterte der Vortragende die Baupläne für Jaffa und Haifa, die beiden Hauptseehäfen Palästinas, und für Tiberias. wo die berühmten Bäder des Herodes einer völligen Erneuerung entgegengchen. So stehe Palästina im Zeichen einer gewaltigen wirtschaftlichen Arbeit. Und doch dürfe man nicht glauben, daß damit die Bestrebungen der gegenwärtig dort Wirkenden erschöpft seien; im Gegenteil: jede entfaltete Energie wirtschaftlicher Art empfange ihr eigentliches Ziel erst von der einmal erkannten Kulturaufgabe. Schon seit 1810 habe in Jerusalem eine Art Universität bestanden; denn jenen Gruppen jüdischer Menschen, die seit jener Zeit die Stadt bewohnen, um pur ihrer Frönunigkeit und Gelehrsamkeit zu leben, fehlt lediglich die Organisation, um die verhältnismäßig größte Universität der Welt zu bilden. Hier wolle nun die Zionistische Organisation rnit der Gründung einer großen hebräischen Universität helfen. Auf dem fast freien Gipfel des Skopusberges werde sich dieses Institut erheben und von der geistigen Macht des Volkes Israel' zeugen. Der Entwurf sehe einen großartigen Bau im alten Kuppelstil vor, der von Wandelhallen, Laboratorien und besonderen Lehr- Stätten für Kunst und Gewerbe umgeben sein solle, ln allen Ländern mit jüdischer Bevölkerung werbe man bereits für die Universität, und man dürfe überzeugt sein, daß das gesamte Judentum sich bemühen werde, seinen Gelehrten eine würdige Arbeitsstätte zu bereitem Geddes' Vortrag fand in der Versammlung lebhaften Widerhall; Sir George Adam Smith brachte dem berühmten Städtebauer den herzlichsten Dank der Mitglieder und Gäste seines College zum Ausdruck. 9 Der blutige Deklarationstag ln den Straßen von Jerusalem ist am 2. November Blut geflossen. Soweit nach den bisher vorliegenden Nachrichten ein Urteil möglich ist, handelte es sich dabei nur um einen vereinzelten Zwischenfall, dem schnell ein Ende gemacht werden konnte. Seit dem 4. November liegen keine neuen Meldungen vor, woraus geschlossen werden kann, daß nichts Beunruhigendes mehr geschehen ist. Die Unruhen haben fünf Todesfälle zur Folge gehabt, oder noch mehr, da wir nicht wissen, ob nicht von den 35 Verwundeten einzelne ihren Verletzungen erlegen sind. Wieder, wie so oft in den letzten Jahren, sind Menschen grundlos und unschuldig getötet worden. Der langen Reihe der Blutopfer des jüdischen Volkes werden neu« Namen hinzugefügt. Wir stehen mit Erschütterung und Trauer am Grabe dieser Toten. Aber ganz unabhängig von der menschlichen Wirkung müssen wir die politische betrachten. Für den 2. November wurden arabische Demonstrationen gegen die Balfour-Deklaration vorbereitet. Die Agitation gegen die Balfour-Deklaration hat 111 der letzten Zeit immer heftigere Formen angenommen, besonders seitdem die arabische De* legation in London einen ziemlich schlechten Empfang gehabt hat und nun offenbar das Bestreben hat, durch die Kundgebungen der paliistinensischen Bevölkerung zu beweisen, daß tatsiiehlieh das Volksempfinden hinter ihr steht. Die Hauptforderung dieser Delegation ist bekanntlich Beseitigung der Balfour-Deklaration. Auf diese Formel hat sie sich so sehr festgdegt, so sehr in diesen Gedanken verrannt, daß ■sie einer wirklich sachlichen Aussprache beinahe iinziigünglich ist. ln Palästina selbst hat sich an wieheren Stellen in der arabischen Oeffcntlichkeit und in der Presse eine Opposition gegen die Taktik der Delegation erhoben. Die Delegation selbst hat ihr Spiel keineswegs verloren gegeben, sie gedenkt sogar nach Washington zu gehen. Ob von ihr direkte Fäden zu den Veranstaltern der Exzesse vom 2. November laufen, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Wenn die arabischen Führer gute Politiker sind, so kann man annehmen, daß sie ein solches sinnloses Blutvergießen vermieden hätten, denn durch derartige Exzesse wird keinem politischen Ziel gei dient. Die Atmosphäre in Palästina ist aber leider durch die systematische Verhetzung so vergiftet, daß man immer mit Ausbrüdien unverantwortlicher Elemente rechnen muß. ln den Berichten heißt es, daß die arabischen Notabein nicht nur der Regierung gegenüber ihr tiefstes Bedauern über die Vorfälle ausgesprochen haben, sondern daß sie selbst durch die Straßen gingen und das Volk beruhigten. Ob wirklich größere Massen der arabisehen Bevölkerung sich an der Demonstration und Schießerei beteiligten oder ob es sich nur um einige Skandalmacher handelt, ist bisher nicht bekannt. Jedenfalls scheint der Zwischen lall relativ unbedeutend gewesen zu sein und die Regierung hat ein weiteres Umsichgreifen verhindert. Für das jüdische Volk kann es dabei nur eine Parole geben: Nicht provozieren lassen! Es ist verständlich, wenn gerade der Jischuw, der unter dem Druck der täglichen Lebenssorgen genug leidet, in einer Stimmung nervöser Gereiztheit zu Ueberhin reißen läßt, die Gegensätze schärfer zu sehen als sie sind. Die verbrecherischen Elemente, die sich ein Attentat auf jüdisches Leben und Eigentum zu Schulden kommen ließen, sollen abgeurteilt und exemplarisch streng bestraft werden. Gegen di« systematische Verhetzung und die Tätigkeit de! agents provocateurs müssen Abwehrmaßnahmen er griffen werden. Aber der Jischuw darf sich dadurci nicht dazu provozieren lassen, eine feindliche Hai tung gegenüber dem ganzen arabischen Voll *.inzunehmen. Wir müssen uns von falschen Ver allgcmeinerungcn freihalten. Wir wissen genau, dal die das größte Interesse darai haben Zwietracht und Feindschaft zwischen Jude! und Arabern zu säen. Diese dunklen Mächte sin! es, die immer wieder sich irgend welcher billige Werkzeuge bedienen, um durch Exzesse und Zu sammeiutöße die Situation zu verschärfen und au

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