Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 89 (8.11.1921)
- Date
- 1921-11-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 634 Nr. 89 An die zionistischen Ortsgruppen und Vertrauensleute Gemäß dein Beschlüsse des XII. Kongresses muß baldigst mit der S chckcls a in m 1 u ng für 56S2 begonnen werden, da wir die erste Schekelrate schon am 1. Tcbeth (1. Januar 1922) nach London abführen müssen. Wir fordern daher hierdurch alle Ortsgruppen und Vertrauensleute, die noch im Besitz von alten Schekclbiocks sind, dazu auf, uns dieselben unverzüglich zurückzusenden, ebenso müssen alle Schekelsammellisten, die für die Sammlung 56S1 benutzt wurden, restlos abgeliefert werden. Die Ausgabe neuer Blocks wird dann sofort in die Wege geleitet werden. Wir machen ferner alle Ortsgruppen darauf aufmerksam, daß die zweite Rate der Landesbeitrüge fällig ist und jetzt an uns abgeführt werden muß. Nach Beschluß des XVII. Delegiertentages in Hannover ist der Landesbeitrag auf 20.— Mark pro Jahr festgesetzt worden, so daß für das 2. Halbjahr 1921 noch 10.— M. pro Mitglied an Landesbeitrag abzuliefern sind. Die Mitglieder der Sonderverbände Misrachi und Hapoel-Hazai'r zahlen 12.— M., Jugendmitglieder 5.— M. pro Jahr, also 6.— resp. 2.50 M. für die Zeit vom 1. Juli bis 31. Dezember 1921. Für Zionisten, die an Orten wohnen, an denen keine Ortsgruppen bestehen, ist der Landesbeitrag auf 40.— M. jährlich festgesetzt. Zionistische Vereinigung für Deutschland W 15, Sächsische Str. 8. Postscheckkonto: Berlin 8091. — Bankkonto: Nationalbank für Deutschland, Dcp.־Kass׳e Kurfürstendämm. Die Juden in Cochin London, 20. Oktober. (J. C. B.) Einer Meldung des ״Engüshnian“ in Kalkutta zufolge, wurden an den Mauern eines alten Hauses in Muttoncherry, Cochin, das einem weißen Juden gehört, alte hebräische In• schritten entdeckt. Die Neugier führte zur Entfernung der Tünche von den Mauern, worauf es sich herausstellte, daß sämtliche mit vielen hebräischen Inschriften bedeckt waren. Die Schriftzckhen sind zum Teil malayische, wie sie zu Beginn der jüdischen Kolonisation in Codiin in Verwendung waren, zum Teil althebräische, die von einem Kenner des modernen Hchriiiseh nicht entziffert werden können. Ein Geschenk des jüdischen Volkes an Blalik Johannesburg, 28. Oktober. (J. C. B.) Die zionistische Föderation hat einen Bia lik- Fonds geschahen, von dessen Einkünften dem Dichter ein großartiges Geschenk des jüdischen Volkes überreicht werden soll. Bialik soll anläßlich seiner bevorstehenden Uebcrsiedlung nach Palästina mit einem Besitztum beehrt werden. Eine hebräische Fachzeitschrift für Technik In Te 1 - A vvi w erschien das erste Heft ״H une• hau des“ (Der Ingenieur), eine Fachzeitschrift für Technik, die die hebräische technische Gesellschaft unter de; Redaktion der Ingenieure G o 1 d in a ת n und Seiden lierausgibt. täten unserer jüngsten Stürmer und Dränger!) zu sehen, sondern darauf, daß ihr Publikum Dinge zu lesen hekommt, die ihm nötig sind und die ihm sonst entgehen, Der diesmal gebrachte (gekürzte) Abdruck ist einer von höchster prinzipieller Bedeutung: Robert Wcltschs ״Krieg oder Verständigung?“ (aus der ״Arbeit“). Er sagt Wahrbeiten, die sonst von fast niemandem gesagt werden, und die doch die Grundlage jeder Jugendbewegung, falls sie nicht eine Hakenkreuzerbewegung mit unigekehrten Vorzeichen werden soll, Min müssen — denn der Teil der Jugend, den wir einmal im Begriffe warei für uns zu gewinnen, und den wir nun im Begriff sind zu verlieren, wird und kann die Erfahrungen de letztem sieben Jahre nicht vergessen. ״Das Katastrophal (an der Idee der jüdischen Legion) ist doch die Tat sache, daß wir trotz den Erfahrungen der letzten siebe Jahre mit größter Selbstverständlichkeit dieselben Mitte anwenden, deren Niedertracht, Lügenhaftigkeit un schließlidie Wirkungslosigkeit wir doch Bei den andere yötkern unzähligcmak beobachtet haben.“ Man wir vielleicht später noch an diesen Satz zu rüdedenken, de: in anderer Form ich schon oft ausgesprochen habe und der sich gegen den Irrwahn des Nationalstaaten der Verbindung des lebendigen ־Volksbegriffs mit der total der Staatsgewalt richtet. Selbstverständlich und glücklicherweise etwas unrei aber erfreulich sind die Beiträge der Blau-Weißen selbe faul Lederer und Franz Wolf wünschen eine Ji gena, ״die das Bestellende nicht grundsätzlich, bejaht‘ nicht eine, ״die ״ieimüs über die nationale Gcbunrienlie '!T1W'!־‘“!•‘;!־י״ד־יי *'יף• nationale Ilivicluutj׳ mu Ü1 c hod.sle und eitelste Pflicht darin erfüllen, daß s gafSC gegen den Al Uißs-Nationahsmus erzieht... Es erscheint mir von u geheuerer Tragweite, sich, darüber klar zu werden c unserer Jugend einst die Möglichkeit geboten w^rd Zmist zu sein und nicht gleicUtig ^z Men* JUEPISCHE RUNDSCHAU Citacen Die Differenzen mit dem Joint Der Kownocr Korrespondent der ״J. P. Z.“ berichtet: Die Differenzen mit dem Joint sind noch nicht erledigt und die betreffenden Unterhandlungen werden weitergeführt. Demnächst soll in Berlin eine Zusammenkunft der Vertreter des ״J.D. C.“ mit denen des Jüdischen Nationalrntcs stattfinden, wozu sich Minister Soloweits chik und der Präsident des Jüdischen Natio* nalrates Rosen bau in nach Berlin begeben haben. Die nationale Autonomie Die jüdische Oeffentlichkeit beiaßt sich intensiv mit deer Frage, wie bei der jüdischen, wie auch nichtjüdisehen Bevölkerung das Interesse für die nationale Auto• nomic zu steigern wäa־. Es sei darauf hingewiesen, daß dieses Interesse jetzt sehr im Abflauen ist und daß die höchsten Organe der Autonomie in den breiten Volksschichten nicht mehr den ihnen gebührenden, früher so mächtigen Widerhall finden, welche Gleichgültigkeit ziemliche Gefahr in sich birgt. Das Minoritätenrechtsgesetz wird jetzt im betreffenden Ausschuß des Sejm behandelt und soll binnen kurzem mit der gesamten Verfassung dem Sejm vorgelegt werden, so daß die allgemeine Apathie in diesem Moment bedauerliche Folgen haben kann. Dazu ist hinzuzufügen, daß, obwohl es in Litauen außer den Juden noch mehrere nationale Minderheiten gibt, so Deutsche, Weißrussen und Polen, cs nur die Juden sind, die für ihre Rechte kämpfen und den nötigen Apparat dafür geschaffen haben; die anderen verhalten sieh aus verschicdendsten Gründen außerordentlieh passiv. Demzufolge hat die Frage der nationalen Autonomie einen spezifisch jüdischen Charakter angeilommen und nahm der Kampf gegen die nationale Autonomie in manchen litauischen Kreisen einenn gewiswn antisemitischen Anstrich au, was natürlich den Widerstand gegen dieses Gesetz nur verstärken kann. Um diesem unerwünschten Mißverständnis vorzubeugen, müßte das Autononiieproblem zu einer Frage erhoben werden, die alle nationale Minderheiten Litauens angeln und eine gemeinsame Aktion für alle Minoritäten durchgeführt werden, um den Kampf auf das nötige prinzipielle Niveau zu stellen. Jetzt erst lassen sieh die Folgen des Irrtums bedeutend fühlen, den man sich in den ersten Flitterwochen des freien Litauens zuschulden kommen ließ, indem man es verabsäumte, schon damals eine rechtliche Basis für die jüdische Autonomie zu schaffe״. (J. P. Z.) Die Entwicklung der jüdischen Volksbanken Das jüdische Kreditgenossenschaftswesen entwickelt sich jctzl in Litauen sehr stark. So waren auch auf der Wiederaufbaukonferenz die Volksbanken durch zahlreiche Repräsentanten vertreten. Fast in jedem Städtchen fungiert eine Volksbank, ■deren es in Litauen schon beinahe 100 gibt. Beim Jüdischen National rat wirkt das Vcrbandsbüro der Volksbankcn, das ihr ideelles Zentrum abgibt. Vor einigen Wochen wurde auch in Kowno die zentrale Volksbank eröffnet, der eine großzügige Tätigkeit bevorstellt. Schon jetzt wird den Volksbankcn große Bedeutung im jüdisch-ökonomischen Lehen beigemessen und ist es diesen hauptsächlich zu verdanken, daß die rckonstruktive Hilfe für die Rückwanderer, Handwerker, Landarbeiter usw. überhaupt möglich wird. Um die Volksbankcn auf das gehörige gesellschaftliche Niveau zu heben und zu entwickeln, war cs von großer Bedeutung, ihr genossenschaftliches Wesen in den Vordergrund zu sein zu müssea Der heutige Zionismus bietet diese Möglichkeit.“ Von anderer Bedeutung ist der Beitrag des Bläu- Weißen Willy Weis. Er bedeutet eine Absage an die Jugendbewegung von 1917. Es sind Worte, die die Grundlage jeder neuen Jugendbewegung sein müssen: ״Die Jugend darf nicht ein Spielball unserer eigenen Kämpfe und Probleme sein. Wir müssen S e 1 b s t b eherrsch ung und Kraft genug haben, diese letzten Fragen, die uns selbst bewegen, in den Hintergrund treten zu lassen.“ Der Ernst, mit dem hier gegen die Zuchtlosigkeit aufgetreten wird, die darin liegt, den Zionismus als ein rein persönliches Erlösungs(und damit Lust*)ppoblcm aufzufassen, die sich auch in einem Teile unserer Chaluzim breit macht, verdient Beachtung: ״Die Jugend muß drei Dinge lernen: ökonomisch sein (mit ihren eigenen Kräften), Geduld haben und Selbstlos sein. Wir müssen zur Einsicht kommen, daß auch wir nur Episodcnfiguren sind... Wir müssen lernen zu dienen ohne Entgelt, ohne Lustprämie... “ Ganz hat auch Weis noch nicht verstanden, wohin seine Worte zielen, aber ein Anfang1 ist da, das Eis ist durchbrochen. Die ״Jugeuidblätter“ sind lebendig und für den Außenstehenden lehrreich. Ich wünschte ihre Er weiterung nach zwei Seiten: möglichst viele, restlos aufrichtige persönliche Berichte aus Palästina seitens der vielen böhmischen Blau-Weißen und Bar Kochbaner, die dort sind, und Behandlungen der Fragen aus dem Gebiete der sozialen Umgestaltung hier und in Palästina. Und ich wünsche der Zeitschrift Leser, nicht nur damit sie finanziell bestehen bleibe, sondern damit dieser neue Beginn eine!• Jugendbewegung Widerhall, Aufmunterung und Wirkung finde*). Hans Ko h a. *) Die ״Jüdischen Jugendblätter“ kosten 9 M. für drei Nummern und sind durch den Verein ״Bajr Kochba“, Prag I, Dloulua Frida 22, zu beziehen. *teilen. Diese Aufklärung^- und Erziehungsmission Lt den zentralen Anstalten in Wowno zugedacht, die ia kurzem eine genossenschaftliche Halbmonatssduift herauszugeben beginnen. (J. P. Z.) Eine jüdische Universität in Litauen Eine Gruppe jüdischer Gelehrter und Vertreter gesellschädlicher Organisationen befaßt sich jetzt energisch mit dem Gedanken der Gründung einer jüdischen Uni versität in Kowno, die dem Studium jüdischer und allgemeiner Wissenschaften dienen soll. Bereits vorige» Jahr waren in Kowno jüdische Kurse für höhere Bildung organisiert worden, die jedoch keinen systematischen Lehrplan, wie auch kein passendes Menschenmaterial aufweisen konnten. Jetzt liegt die Möglichkeit vor, diese Kurse in ein Embryo einer zukünftigen jüdischen Universität zu verwandeln. Besonders aktiv interessieren sich mit dieser Frage die eben erst aus Rußland cingetroffenen Dr. E. G u r 1 a n d- E l j a scliow, Prof, der jüdischen Universität in Petersburg und Prof. J. Wolfsohn aus Charkow, der Leiter der im Sommer abgehaltenen jüdischen Kurse. Dieser Versuch findet viele Sympathien in der Kovvnoer Gesellschaft und wird von der jüdischen Presse aller Parteischattierungen wärmstens unterstützt. Die Organisationssitzung der Gründer der jüdischen Kurse für höhere Bildung hat am 22. Oktober stattgefunden und ein Exekutivkomitee eingesetzt. (J. P. Z.) Hmerika Genossenschaftliche Palästinagesellschaft Die ״Palestine Development Leaguc“ veröffentlichte vor kurzem eine Broschüre mit ihrem Programm und einer Erklärung über ihre Ziele. Im Programm wird die UebiT/engiirij; ausgesprochen, daß P.il.i'.tii 1a zum Lande der großen Möglichkeiten für die Juden entwickelt werden könne. Der Aufgaben gäbe cs viele und verschiedene, aber eines sei klar: die Schaffung der Entwicklung von Gelegenheiten für Arbeit ist im jetzigen Moment von allerhöchster Wichtigkeit. Diese Entwicklung: hänge von zwei Bedingungen ab: Schaffung von Untcrnehmungen in Palästina und schnellstmögliche Ucbemahme dieser Unternehmungen durch die Palästinenser. Dar. erste Unternehmen der Palestine Development Ligue ist die Schaffung einer Kooperativen Palästinagesellschaft, die in Dclcvarc mit einem Grundkapital von 1 Million Dollar inkorporiert wurde, davon SO 001) Aktien zu 10 Dollar und 2000 zu 100 Dollar. Vorläufige Direktoren sind: Robert Szofd (Präs.), Emil Wc i n h c i ra , Sol. Roscnbloom, Samuel Roscnson, Miss Fels und Judge Julian W. Mack. Ihre erste Aufgabe wird die Gründung einer Kreditbank sein. Der ״Palestine Dcvelopment Council“ ist inkorporiert in New York mit Justice Brandeis als Ehrenpräsidenten ütvl Mack als Präsidenten. Der Council bat ein Zentralkomitee, das eigentlich die Exekutive der ganzen Organisation darstellt und besteht aus Nathan Straus als Ehrenpräsidenten, Rabbi Silver als Präsidenten und Rabbi Wise, Emil Weinheim und Jacob de Haas. Im Programm wird auch betont, daß die Politik der Palestine Development ligue nicht in Gegnerschaft stehe zu irgend einer anderen Organisation, die sich nrit der Aufbauarbeit in Palästina befaßt, da Platz genug für alle vorhanden ist. Ein Gesetz gegen Antisemitismus ia Amerika New York, 1. November. (J. C. B.) Auf Initiative der Organisation der demobilisierten jüdischen Soldaten in Philadelphia soll demnächst im amerikanischen Kongreß eine Gesetzesvorlage gegen die V e r b r e i tung von antisemitischer Literatur, sowie I gegen die Annahme solcher Pamphlete durch die Post i cingebracht werden. Mehrere Koiigrcßmänner versprachen ihr Möglichstes für die Annahme dieser Vorläge durch den Kongreß zu tun. Die jüdischen Arbeiter Amerikas für das hungernde Rußland New York, 1. November, (j. C. B.) Das erste Hilfsschiff mit Lebensmittel für das hungernde Rußland, hat bereits den New Yorker Hafen verlassen und soll in vierzehn Tagen einen baltischen Hafen annlaufen. Die Lebensmittel wurden von der Gewerkschaft der Kleide rmacher, die fast ausschließlich aus jüdisehen Arbeitern besteht, aufgebracht. Jüdische Schiffahrt. Das poafe-zionistische Falästmakomitee hat dieser Tage in Amerika das erste■ Motorboot für die Arbcitcrsch'iffsgesellschaft ״Hcchaluz“ in Palästina erworben, das imstande ist, zirka 50 Passaiere und 10 Tonnen Ladung auf zun dunen. Weitere chiftsküufe sollen folgen. Diese Motorboote sollen kursieren zwischen den Haien in Palästina und Syrien und auch die Ausbootung der Chaluzim besorgen. ן Der Palästina-Feldzug im Film. Die britische ״fnstructionai Films Company“ arbeitet gegenwärtig an einem großen historischen Film, der den Palästina- Feldzug darsteilen soll.^ Das Werk wird von dem angesehene[» Historiker Sir George Anton und Lord Allen 1» y, dem früheren, britischen Oberbefehlshaber in Palästina» unterstützt. Englischer Heringexport nach Palästina. Aus England hat ein großer Export von geräucherten Fleringen nach Palästina eingesetzt. Dies beweist, daß dieser Artikel ■dort einen guten Absatz findet und daß er auch au» anderen Ländern exportiert werden kann.