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Jüdische Rundschau · 1921-11-08 · Heft 89 (8.11.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 89 (8.11.1921)
Date
1921-11-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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...! -- Redaktion «nd Verluj W 15, 53cfr«ijche Straß» 8. Emcbemt jcdca Di«n»t«g und Fr?iUj, Bc»uj»nr«t» bei der Expedition und den Potiimtern viertaVjibtiicb 1$,-- M. in D»u\»chland. Ak\»»Und*nb0T»0e- Beat» werden io der Wihrunf de/ eiaxdoea Linder bereoboflt. Anzclgcn-Vcrwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Sächsische Str. 8 Telephon: Amt UbUnd 8H5 und 846. ט prell für dis *tebeuye*p«Heoe Nonpareille!«!!« 4, — Mn Pimilieoenrei^ea & M׳ pro Zeile. Aoielgen icltluflt DietuUf und Freite; »achaitlftp 4 Ubr. .. _ . *L-.C~■-׳ C •im• i’uT-__ 'IrVel'b'iTi*: .‘UHl«nd ,JB41 0, 846. Pnatidhftrkkcmtot Berlin Nr. 173')2. Für <0<ntc^rcicK.״' Po»t»;>arlc*^en*nU Wirrt, Konto Nf. 156 CHQ. Für Teviifdto^lowefeti: Po»«*p»rk1m»en»ml Fr*%, Konto Nr. 156030. RedaktiooMdiluS Sonntej» und M.ttwoii» 0«dhn־!HUy. ־־־־ XXVI. Jalirg. IJBBPttalafflm 21m dJer^nnsalloBBa Arabische Demonstrationen am Deklarationstag — Fünf Tote, 39 Verwundete — Die Ruhe wieder hergestellt Ara 2. November, dem Jahrestag der Balfour- Deklaration, haben wiederum ernste Unruhen in lerusalem stattgefunden. Es war bereits früher bekanntgeworden, daß die Araber an diesem Tage Demonstrationen planen, doch hatte die Regierung alle Vorbeugnngsmaßregeln getroffen und auch alle Demonstrationen am 2. November untersagt. Wieso es dennoch zu Zwischenfällen kam, ist aus den bisherigen Berichten noch nicht klar zu entnehmen. Bisher liegen folgende Meldungen vor: Samuels Bericht Reuter verbreitet nachstehendes Telegramm des High Commissioners vom 2. November an das Colonial Office: ״Diesen Morgen fanden in Jerusalem Unruhen statt, nachdem eine kleine Gruppe von arabischem Gesindel sich in der Jaffa-Straße gezeigt hatte. Sie wurde durch die Polizei zerstreut, sammelte sich aber bald wieder, um das jüd i sc 11 e Viertel anzugreifen. Dies wurde von der Polizei verhindert. Es wurden einige Schüsse zwischen dieser Menge und der Menge in dem jüdischen Viertel gewechselt. Es wurde eine Bombe geworfen und cs ereigneten I sich einige Stecherei cn. Truppen patrouillier- / ten die Stadt ab und der Gouverneur mit dem Truppenkommandanten und einer Anzahl mos- Icmischer Notabein gingen durch die Straßen und stellten die Ordnung wieder her. Vier Juden und ein Araber wurden bei dienen Unruhen getötet, IS Personen wurden verwundet und ein Haus wurde geplündert. Eine Anzahl Verhaftungen wurden vorgenommen und die Schuldigen werden morgen summarisch abgcurteilt werden“ Der Bericht der Zionist Commission Von der Zionist Commission langte folgendes Telegramm im Zionistischen Büro in London an: energischere Maßregeln bei Beginn des Tages nötig. Bis heute Mittag hier Ruhe, aber Stirnifmng besorgt. Ueberall sonst wird berichtet, daß■ Ruhe herrscht. Die Zionistische Kommission, Waad Lcumi und andere Vertretungskörperschaf־ ten fordern Untersuchung, um Verantwortlichkeit für Geschehnisse festzustellen, verlangen, daß Gouverneur Jerusalems inzwischen von der Führung seiner Geschäfte entbunden wird. Die letzte am 4. November beim Colonial Office eingegangenc Nachricht besagt, daß überall Ruhe herrscht und 40 Verhaftete morgen abgeurteilt werden. Jerusalem, 4. November. (Reuter.) Der Grollmufti, der Bürgermeister, der Präsident des moslemischen Gerichtshofes, der Präsident des Exekutivkomitees des palästinensischen Kongresses und andere Persönlichkeiten, einschließlich orthodoxer Moslems, Katholiken und Protestante» haben folgenden Brief an die palästinensische Regierung unterzeichnet: ״Namens unseres ganzen Volkes wünschen wir unser tiefes״Bedauern auszusprechen über den gestrigen Zwischenfall, der den Tod von unschuldigen Personen zur Folge hatte. Wir fordern die Bevölkerung auf, Ruhe und Frieden zu bewahren, denn wir sind überzeugt, daß friedliche Mittel am besten unsere Rechte sichern weiden. Die Regierung wird sicherlich ihre Pflicht tun und die öffentliche Sicherheit aufrcchterhalten und wir bitten unser ganzes Volk, die Regierung in dieser Aufgabe zu unterstützen.“! Verbot aller Demonstrationen in Jaffa Jerusalem, 1. November. (J.C. B.) Der Gouverneur von Jaffa hat sämtlich« Demonstrationen in dieser Woche verboten. Das Verbot wurde im Zusammenhang mit den für den 2. November vorbereiteten Protestender Araber gegendie Balfour-Deklaration erlassen, um Unruhen vorzubeugan. * J c rti s a 1 e in, 3. November. ״Am 2. November öffneten die Araber ihre Läden nicht Die Juden taten dies erst, schlossen sie aber lfm 10 Uhr. Eine Anzahl arabischen Gesindels, zum großen Teil jüngere Leute, rotteten sich zusatrtmen, bewaffnet mit Stöcken und demonstrierten vor dem Jaffa-Tor die Jaffa-Straße entlang zum Postamt. Sie wurden von Polizei begleitet und nach der Haramgegend zurückgcdrängt. Während des Tages ereigneten sich viele Angriffe in der Altstadt. 4 Juden, 1 Araber getötet, 39 vcrvvundet, davon wahrscheinlich 25 Juden, 14 Araber. Alle entweder (verstümmeltes Wort) oder geschlagen und am Kopf verwundet, ein jüdisches Haus geplündert. Mehrere Verhaftungen vvurden vorgenommen. Spezialgerichte sollen sogleich aburteilen. Nach allgemeiner Meinung waren Was planen die Araber? Der ״Wiener Morgenzeitung“ wird aus Jerusalem geschrieben: In der arabischen Bevölkerung scheint es zu giirer»; man weiß aber nicht, wohin die Bewegung zielt. Auf der anderen Seite wird über die Bildung mohamme• danisch-arabischer Vereine berichtet, welche eine Opposition gegen die christlich-mohammedanischen Vereine und die von ihnen nach Europa abgcsamlte Delegation darstellen; auch ist einer der angesehensten arabischen: Schriftspicler, Abdulhadi Husscini aus Scheham, gegen die arabische Delegation aufgetreten und hat sie als ein Werkzeug französischer Politik gegen England liingcstclit; auf der anderen Scitä zirkulieren immer wieder Gerüchte von bevorstehenden antijüdischen Demonstrationen. Für Jomkippur wurden sie erwartet, aber die Befürchtungen trafen nicht ein. Eine neue Session der Assefath haniweharitn Jerusalem, 16. Oktober. In der nächsten Zeit wird «ine neue Session der Assefath haniweharim stattfinden. Sie wird die Aufgabe haben, den Waad Halcumi neu zu wählen oder in seiner bisherigen Zusammensetzung; zu bestätige*. Sie wird ferner über die Organisation und das Budget der Gemeinden zu beschließen haben. Es besteht noch immer die sehr große Gefahr, daß« die Regierung noch vor Bestätigung des Mandats und vor Schaffung einer palästinensischen Staatsbürgerschaft die Waiden für die Stadträtc ausschreibcn wird und daß dadurch sämtliche nichtottomanischen Juden, & h. die größte Mehrheit der Juden, des W^öilrcchts beraubt werden. Die Assefath haniweharitn wird hierzu ihre Stimme erheben müssen. Alle!diese Angelegenheiten waren Gegenstand eines Vortrags, den der Präsident des Waad Halcumi, Dx. Tlton, dem High Gommissioncr Sir Herbert Samuel am 14. Oktober erstattete. ן Dr. Thon lenkte auch die Aufmerksamkeit de9 High Commissioners auf die schweren Unzukömmlichkeiten, denen die Chaluzim in Alexandria ausgesetzt sind, wenn *ie von dort mit der Bahn nach Palästina reisen. Aut Befehl der palästinensischen Regierung wird dort eine ״Desinfektion“ der jüdischen Einwanderer durchgefültrt, deren Zweck es jedoch weniger zu sein scheint, die Gesundheit der Einwanderer zu verbürgen als ihre Kleidungsstücke und ihr Gepäck verschwinden zu lassen. Sir Herbert Sainuel versprach, die Sache zu untersuchen. Unabhängigkeit Transjordaniens? Jerusalem, 1. November. (J. C. B.) Meldungen der arabischen Presse zufolge habe die britische Regierung die Unabhängigkeit Tran s jordaniens anerkannt und den britischen Vertreter Major Abrahamson nach England abberufen. Die englische Regierung solle in Zukunft durch Colonel Lawrence vertreten sein, der die Stelle eines britischen Konsuls bekleiden werde. Die hebräische Presse bezweifelt die Richtigkeit dieser Meldung, die im Widerspruch zu den Bestimmungen des Mandats und zu dem von der Palästina-Regierung veröffentlichten Weißbuch stehe. Auch stehe sie im Gegensatz zu den Erklärungen! Weizmanns^ auf dem Zionistenkongreß. (Auf eine Anfrage im britischen Ministerium für Kolonien wurde dem J. C. Bi. erklärt, daß die Meldungen unrichtig seien.) Die jüdische Universität in Jerusalem Baubeginn im Frühjahr. Vor kurzem kam der Bevollmächtigte der zuiiertkanisch-jüdischcn Acrztcvcreinigung. i>r. Hilkowitz, der aucli Delegierter am Karlsbader Kongreß war, nach Jerusalem, um die Vorbereitungen für den Universität»- bau zu treffen. Einem Mitarbeiter des ״Haarez“ gegenüber äußerte sielt Dr. Hilkowitz über seine Pläne wie folgt: Die medizinische Abteilung der heb rätselten Utiiversität wird hauptsächlich mit Hilfe des Verbandes der jüdischen Aerzte in Amerika errichtet werden. Diesem Verband gehören ungefähr 0000 jüdisclic Aerzte in allen Staaten Amerikas an, und nahezu alle Mitglieder erklärten sich bereit, das Unternehmen praktisch zu unterstützen. Viele versprachen, bis zu 20 Prozent ihres Privatvermögens diesem Universitatsbau zu widmen und die Zusagen belaufen sich bereits auf eine Million Dollar, welche im Verlauf von zwei Jahren einzuzahlen sind, 3OÖÜO0 Dollar sind bereits bar eingezahlt. Sollte im Laufe der Zeit der ganze Betrag erforderlich werden, so wird er auch ohne Zweifei sofort zur Verfügung stehen. Was den Baubeginn hetrifft, so will ich, obgleich ich bereits im Besitz eines genau ausgearbeiteten Planes bin, dennoch um jedem Irrtum und jedem Fehler von vornherein nach Möglichkeit vorzubeugen, mit den Aerzten Palästinas und den anderen in Betracht kommenden Faktoren des Landen eingehende Beratungen pflegen und ihre etwaigen Vorschlage cntgegcnnehnien. Hinsichtlich der Leitung der medizinischen Abteilung der Universität haben wir mit den zionistischen Führern Dr. Wciztnann, Ussischkin, Schcmarjnlnt Lewin und Professor Einstein eingehend beraten, und kamen zu folgendem Entschluß: An der Leitung der medizinischen Fakultät werden drei Vertreter der Zionistischen Organisation und drei Vertreter des Verbandes der Aerzte tcilnciimcn. Diese sechs wählen ein siebentes Mitglied. Diesen! Kuratorium wird die Leitung der medizinischen Abteilung anvertraut. Die ganze Abteilung wird das Eigentum des Keren Hajcsscxt bilden. Ich hoffe, den effektiven Bau spätestens im Grmcmlm Frühjahr beginnen zu können Ich habe in dieser Angelegenheit mit Professor Gcddcs, Warburg und Einstein verhandelt, und sie stimmten mit mir darin überein, daß wir eines der bestellender» Krankenhäuser' von Jerusalem übernehmen, es modern aushatten und für unsere Zwecke vervollkommnen. Anschließend an dieses Krankenhaus sollen dann die weiteren Abteilung«! erbaut werden, und zwar Abteilungen für Anatomie, Physiologie, Mikrobiologie, Chirurgie, interne Medizin, eine Abteilung für Kinderkrankheiten, Geburtshilfe■, Gynäkologie, Augenheilkunde, Ohrenheilkunde, Geisteskrankbeiten, Dermatologie usw. Was die Professoren betrifft, haben wir bestimmte Zusagen von den berühmtesten jüdischen Professoren der ganzen Welt, nach Jerusalem zu kommen und eine Lehrkanzel zu übernehmen, sobald sich hierzu die Möglichkeit ergibt. Es sind unter ihnen Professoren, die ein großes Einkommen haben, in der Welt hochgeehrt sind und als Leuchten der medizinischen Wissenschaft gelten. Auch diese haben mir erklärt, daß sic sehnsüchtig den Augenblick erwarten, um ihre Tätigkeit in Zion aufnehmen m können. Interessant ist besonders, daß wir auch unter den christlichen Aerzten Freunde und Förderer besitzen. Diese erblicken in der hebräischen Universität in Jerusalem eine Brücke zwischen der westlichen und östlichen Kultur. Wir haben bercchtigte Hoffnung, daß die Universität in Jerusalem eine der wissenschaftlich wertvoljstcn Hochschulen 'der Welt sein wird. Wir wollen also mit dem Bau Im nächsten Frühjahr beginnen An Geld hierzu wird es uns nicht mangeln und der Bau soll nach den modernsten Prinzipien durchgeführt werden. Wiwollen tausende Arbeiter einsteßen, di« in ihren verschiedenen Fächern arbeiten und wie wir planen, innerhalb eines Jahres die Universität mit allen ihren Abteilungen und Instituten fertigstclten werden. Antisemitische Krawalle im Warschauer Stadtrat Warschau, 1. November. (J.C. B.) ln der letzte Sitzung des hiesigen Stadtrats, die einen Dringlichkeit an trag betreffs Ausweisung der russischen Politiker vc handelte, kam cs zu scharten antisemitische Angriffen seitens der Nationaldcrnokraten gegen d jüdischen Stadtverordneten. Der jüdische sozialistisd Ratmann Ehrlich sprach prinzipiell gegen die Zuerkcmuu der Dringlichkeit dieses Antrages, während Abg. Grü bäum auf die Ausweisung des Pogrom ge n rals Balachowicz bestand. Die Rechte des Stad rates inszenierte einen riesigen Tumult und hinder die jüdischen Ratmänner in ihren Ausführungen, E Juden wurden ausnahmslos als Bolschewisten bezeic net, was bei den jüdischen Ratmännern die groß Entrüstung hervorgerufen hat.

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