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Jüdische Rundschau · 1921-11-04 · Heft 88 (4.11.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 88 (4.11.1921)
Date
1921-11-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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\ R«d.Ui<m «nd V«r!.s V 15, SSA.I.ch. Str.B» 8. Emkcl.t M« DUacU? uod FfeJtag. b«* <*«׳ E*P®״,uf° 0״J* 4 PutinUm viert«)jährtidi 18.— M. io D«t<chl*nd. Au.l״d«bo»»•• uro)• werde,, in d«r Wlhmng der «innelnin U«d«f b«r«h««t Ülummef 83"*"^ Berlin, 4 XI, Anielgen-VerwaUung: Jüdiidia Rundschau Q.m. b.H., Berlin W15, Sächsisch« Sir. 8 T«tepboa: Amt Uhi*1»d 845 und 846. AB1»i(«Qpr«ta für di« i56H«0£e״p«1Un•! N0BjMur#UI«™n«4,— Lt, FimiliMianxais•■ ß M. pro Zeit« Anse( gaa •cbi u Ü t Dicn.Ug und Freitag uachmitlaf 4 Uhr. T«4*pH«>»5 Ubfaad 845 0.846, PoaUkivriikontoi Berlin Nr. 1739X Für Oe»(*rr«Mch. Poiliperktaranam» Wien, Konto N156 \׳ CÜU. für *Ta<))echo«}ow«Vei; Poatrparka*««namt Prag, Konto N156030 .״׳. R«d*kÜ00*,#ehlu8 .*»oonlaj׳ und Miltwadb »acbmitt«»g. ־־* ג, טרחשון« תרפ״ב j xxvi. Jahrg. Der Zionismus erstrebt tor <jas JOdlsche Volk dl® Schaltung einer Ottontllch-rechtllch gesicherten Heimstätte In Palästina. ..Baseler Programm.»* Die jüdischen Abgeordneten des polnischen Sejm brachten eine liilcrpcilation ein, die sich mit den linregehnaftigkoiten bei der kürzlich statt^efundenen VcsUszählung in Polen beschäftigt. Während das Statistische Amt durch entsprechende Aiisfiihningsbestiniinungen, die der Bevölkerung ermöglichen, sich an den Zahlung» kommissionen zu beteiligen, dafür gesorgt hat, dal) die Zahlung ein richtiges Bild der Zusammensetzung der Bevölkerung der polnischen Republik gibt, haben die ausfiihrcnden Organe diese Zählung »1 einer Parodie gemacht, indem sie künstlich die Zahl der Polen auf Kosten der anderen nationalen Minderheiten gesteigert hahen, ohne auf die Proteste der letzten zu achten. Die polnische Administration hat alles daran gesetzt, um die Vertreter der Minderheiten von den Zählung»״ ämtern fernzuhalten und durch geheime Zirkulare war dafür gesorgt, dal) die Zahl der Angehörigen der nationalen Minderheiten möglichst gering erscheint. Wo es nicht anders ging, scheute man sich auch nicht vor flagranten Oesct/esüberschreitungen. Die nationale Min* derheit, die infolge ihrer Zerstreutheit am meisten unter diesen Vergewaltigungen gelitten hat, sind die Juden. Schon die Tatsache, daß die Zählung für den letzten ä*,n nabend vor Roscli-Haschanali festgesetzt wurde, mußte Befremden hervorrufen. Auf «ine Anfrage antwortete das Ministerium des Inneren, daß man die Juden nicht zwingen würde, die Zählungslisten eigen* händig auszufüllen und zu unterzeichnen. Die Absicht war klar. Man wollte die Juden als Kommissare nicht /!!lassen und den polnischen Kommissaren ermöglichen, die Listen willkürlich auszufüllen. Und tatsächlich hat man überall, wo sich Juden trotz der Feiertage an* geboten haben, an den Zählungsämtem sich zu be- ,eiligen, sie zurückgewiesen. Und wo Juden /!!gelassen wurden, hat man sie als Kommissare in die Dörfer geschickt, während in den Städten nur politische Kommissare /;׳.gelassen wurden. Durch ein zahlreiches Tatsachen* Der Mandatscntwutf dem englischen Parlament vorgelcgt London, 2. November. (Tel. d, ״J. R.“).Im Unterhaus fragte Sir Johns ton Hicks den Kolomalminisier, ob er in der Lage sei, eine Exklärung über die Verhandlungen mit der arabischen Delegation aus Palästina abzugeben und wann der Mandatsentwurf dem Parlament vorgelegt werden würde. In Vertretung des Ministers antwortete Unter- Staatssekretär Wood, die arabische Delegation sei noch immer in England und er könne über die Verhandlungen mit dieser Delegation noch keine Erklärung abgeben. Was das Palästiiia-Mandat nnbclangt, so sei der Entwurf in seiner letzten Fassung dem Parlament bereits vorgelegt worden. material beweisen die jüdischen Abgeordneten, wie die polnischen Kommissare bemüht waren, das Zahlung*• ergebnis zu beeinflussen und undeutlich zu machen. Auf die Frage der nationalen Zugehörigkeit wollten die Konunissare nicht die jüdische Nation, die in den Minderheitsvertragen völkerrechtlich anerkannt wurde, eintragen. Juden, die nur jiddisch schreiben können, wurden als Analphabeten bezeichnet, ln vielen Städten, die eine jüdische Majorität haben, gibt die Zählung einige Hundert und in anderen Orten sogar nur zehn Juden als dort anwesend an. ln manchen Listen wurde die Rubrik: Nationalität und Muttersprache mit Blei ausgefüllt, was die Liste, die laut den Austührungsbestimmungen nur mit Tinte ausgeiiillt werden mußte, unvollständig und ungültig machte. Viele Zählungskommissare gaben offen zu, daß sie durch Rundschreiben au9 Warschau instruiert wurden, mit allen Mitteln zu versuchen, die Juden als Polen einzutragen. Die jüdischen Abgeordneten protestierten gegen diese Art der Volkszählung und erklärten sie offen als absichtlich gefälscht. Eine Volkszählung, deren Hauptzweck die Entstellung der Tatsachen ist, kann nicht als wissenschaftlich zuverlässige örundlage dienen. Die Wahrheit zu verheimlichen, ist nicht möglich, und kein Mensch wird diese Volkszählung ernst nehmen. Indessen hat diese Volkszählung Riesensummen gekostet, di« vollkommen unnütz vergeudet wurden. Die Abgeordneten fragen daher den Minister des Inneren an: 1. Zu welchem Zwecke die ausführenden Organe die Wahrheit bei der Volkszählung entstellt haben und die Ausführungshcstiinmungen des Statistischen Amtes umgangen sind und 2. falls dies ohne Wissen des Herrn Ministers und gegen seinen Willen geschehen ist, was er zu tun gedenkt, um die Ergebnisse der Volkszählung richtig zu stellen und nicht zuzulassen, dal) die Summen, die die Zählung gekostet hat, unnütz ausgegeben seien. Arabische ״Trauer“ am 2. November Jerusalem. (J.C.B.) Ganäß Flugschriften, die im Lande verteilt wurden und die die Araber auffordern, am 2. November gegen die Baifour-Dek 1 aration zu protestieren, hat die arabische Bevölkerung beschlossen, diesen Tag als Trauertag zu begehen. Die Flugblätter und die Vorbereitungen zu dieser ״Trauer“ riefen in Jaffa und Jerusalem Besorgnis hervor, aber die Regierung hat Schritte unternommen, um Ordnung und Ruhe im Lande zu sichern. Aufforderang za einen* arabischen Generalstreik Jerusalem, 29. Okt (J.C.B.) Die arabischpalästinensische Vereinigung in Aegypten versandte in 1 aiastina, und Aegypten ein Rundschreiben mit der Auftoraerung zu einem arabischen Generalstreik am 2. November *irm Prok-&t gegen die Balfour-Dcklaration. Eine arabische Antwort auf das Weißbuch der palästinensischen Regierung .״״!?aiia’,25; 0ktob«■. (J.C.B.) ״Carmd“ teilt mit, daß das Exekutivkomitee des arabischen Kongresses be- «chlosscn hat, eine Antwort auf das Weißbuch der palästinensischen Regierung herauszugeben in arabischer und englischer Sprache und in Tausenden von Exem- P ,e . /13*־k Luropa zu senden. Das Exekutivkomitee »1 än .fwe1 hervorragende Araber, den Scheich ״“L an .^ad1a Bustra״‘ in Haifa gewendet und sie zur Mitarbeit ersucht Vor der Einberufung des amerikanischjüdischen Kongresses New York, 25. Okt. (J.C.B.) Der Generalsekretär der Zionistischen Organisation in Amerika richtete an sämtliche Distriktskomitees ein Zirkular mit der Aufforderung zur Zusammenarbeit bei der Errichtung eines permanenten jüdischen Kongresses in Amerika. Die zeitweilige Organisation des jüdischcn Kongresses hat Schritte zur Unterdrückung des Antisemitismus in Amerika, wie auch zur Verhinderung weiterer Angriffe auf die Juden in Osteuropa unternommen. Eine Abordnung der amerikanischen Jaden vor der Washingtoner Konferenz New York, 30. Oktober. (J, C. B.) hn Zusammenhang mit der bevorstehenden Abrüstungskonferenz in Washington wird in hiesigen jüdischen politischen Kreisen der Vorschlag erörtert, auch eine aus den promineivtesten jüdischen Persönlichkeiten bestehende Abordnung nach Washington zu entsenden, die auf dem Empfang bei der Konferenz durchaus bestehen soll, um bei den anwesenden Regierupgshäuptern gegen die Judenvcrfolgütigen in Osteuropa zu protestieren Ein Konflikt mit dein Joint in Litauen Wie der ״J. P.-Z.“ gemeldet wird, wurde in Kowno auf Grund einer Vereinbarung des Joint mit dem lilatiP sehen Jüdischen Nationalrat eine Wiederaufbaukonferenz einberufen, an welcher überdies Vertreter aller jüdischökonomischen Organisationen Litauens, wie Volksbankcti, Genossenschaften, Handwerker- und Landwirtevcreinigimgen, tcilnahmcn. Alle diese stellten die Forderung auf, dal) die gesamte Aufbauarbeit von den litauisehen Juden selbst unter Kontrolle des Joint besorgt werde. Die Vertreter des Joint lehnten diese Forderung des seine Autonomie verteidigenden litauisehen Judentums ab und schlugen vor, an die Spitze der Arbeit eine Joint-Koinmission zu stellen, welche allein die ganze Arbeit leiten sollte und in der Nationalrat und lokale Organisationen vertreten sein sollten. Da dies allgemeine Ablehnung fand, löste sich die Konferenz auf, nachdem sie bestimmt hatte, daß demnächst eine zweite Tagung einberufen werden soll, um die Frage des Wiederaufbaues mit eigenen Mitteln zu studieren. Außerdem wurde beschlossen, die jüdische Qeffcntlichkcit in Amerika genauestens über das Verhalten ihrer Vertreter zu informieren, die de facto die Organe der jüdischen Autonomie beseitigen und die ן ganze Arbeit ohne sie führen wollen. Zur zionistischen Politik Von Martin B11 bcr. ln dein soeben erschienen«) ersten Heft de« neuen Jaltrganges der Zeitschrift ״Der Jude“ veröffentliclit Martin Buber an leitender Stelle ״Kongreßnotizen zur zionistische» Politik“, die er in den nächsten Heften fortzusetzen gedenkt. Buber gibt nach einer kurzen historischen Entwicklung» darstcllung der zionistischen poütisdien!*riivipien eine ausführliche Kritik der •aktuellen zionistischen Politik. Wir können aus Raummangel den umfangreichen kritischen Teil, auf den wir noch zurückkommen werden, nicht vollinhaltlich abdrucken, geben aber im folgenden den historisch-prinzipiellen Teil wieder, dessen Präzision der Formulierung von besonderem Interesse ist, indem wir gleichzeitig die Aufmerksamkeit unserer Leser auf den ganzen bedeutsamen Aufsatz lenken. D. Red. Die ersten zionistischen Politiker waren die Chotvewe Zion. Ihr mehr oder minder bewußtes Programm war: erst Siedlung, dann Rechte. Dieses Programm war auf einer politischen Wahrheit begründet: daß eine völkerrechtliche Sanktion stets nur ein Seiendes, nicht ein Werdendes betrifft; daß der Anerkennung seiner Wirklichkeit stets die Wirklichkeit selbst vorangehen muß; mit anderen Worten: daß Diplomatie nicht Tatsachen schafft, sondern Tatsachen — veröffentlicht, ihnen zur Öffentlichen Geltung verhütt. Dieses Programm hatte keinen prinzipiellen Fehler; aber einen praktischen. Nämlich: wenn erst Siedlung, so muß man doch die Siedlung erst machen können. Alles Recht mag später konimen, nur nicht das Recht auf die Siedlungsarbeit selbst Alle Sicherung darf dem Werke folgen, nur nicht die Sicherung des Werkes selber. Es gibt ein lebensnotwendiges Minimum der Arbcitsbedingungeri, das als Voraussetzung einer gesunder! Arbeit gefordert, erkämpft werden muß. Auf welcher Basis ׳ל* Ein leistungsfähiger Handwerker kann, che er ans Werk geht, nicht die Be- Zahlung dafür, wohl aber einen Werkzeugkredit beanspruchen. Unsere Leistungsfähigkeit: wir, gerade wir, nur wir können aus diesem Und Palästina ein Land machen. Unser Werkzeugkredit: die Arbeitsbedingungen, die unumgänglich nötig sind, damit wirs machen können. Und der Kreditgeber?. In erster Linie der staatsrechtliche Besitzer de» Landes; in zweiter die vereinigten Subjekte der Wcltpolitik. Hier setzte der Nachfolger und Gegner der Giowewe Zion ein: Hcrzl. Er kehrte das Programm um: erst Rechte, dann Siedlung. ״Wir Juden aber haben, wie die Dinge jetzt stehen, kein Interesse, auch nur einen einzigen Kolonisten hinzuscliicken.“ Das war Herzls Grundirrtum, in der Atmo- Sphäre der französischen Demokratie erwachsen, in der Rechte, droits, scheinbar über Nacht, unverschens proklamiert werden; scheinbar, denn verkündet wird nur, was in der Macht des Volkes schon Realität geworden ist. Diesem Irrtum stellten wir Jungen, als wir die demokratische Fraktion gründeten, die Einsicht gegenüber: ״Die Politik ist, wie das Recht, der Ausdruck der realen Machtverhältnissc. Die Dipiomatie ist die Kunst der Machtverwertung. Unsere 1 Bewegung ist bestenfalls Machtmöglichkeit.“ I (Buber, Zionistische Politik, 1903). Wir forderten! daher eine ״große, wohlorganisiertc und produk- J tionsfähige“ Siedlung als realen Machtfaktor; ״um 1 sie zu schaffen, sind freilich auch Verhandlungen j nötig, aber nur eine ungehinderte Kolonisations- ן arbeit betreffend.“ | Aber wenn Herzl mit diesem Irrtum hinter ן die Chowewe Zion zurückging, so tat er einen großen Schritt über sie hinaus, indem er Palästina nicht bloß wie sie als das Gebiet unserer nationalen Kolonisation betrachtete, sondern es — die Gedanken Erneste Laharannes und Moses Hess׳ aus- * bauend — in seiner weltwirtschaftlichen und weit- | politischen Bedeutung erkannte. 1 Herzls Grundauffassung, die er selbst niemals! ^reichend formuliert hat, läßt sich etwa folgen- | dermaßen formulieren: Palästina ist eine große 1 wirtschaftspolitische, verkehrspolitische, somit weit- I ^ukuufkposition. Darum rivalisieren alle Machte insgeheim um seinen Besitz. Es kann keiner | Zufällen, weil dieses Land mit seiner religiösen

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