Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 80 (7.10.1921)
- Date
- 1921-10-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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X. 1921 An 7. eigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin Wt5, Sächsische Str. 8 Te!c|1hon: Amt UbUod 815׳ und 648. A&xeigt&prela für dt« giebengeftpalteo« N«ap4reiUec«Ue 3,—* M., Fa1׳n:lienHntei״eo 4 M. pro Zeile. A&xeljeQiehluOl Dienstag und Freitag neebenittnf 4 Uhr. הרפ" Telephon: Uh!and 845 u. C4S. P״»t»cht־ckkor.tor Berlin Nr. 17392, Für Oe«U-rT*ich. P0itij>ark«e»en»«nt Wien, Konto Nr. 156 LM0, Füf T»d1»:ch0'־.low»ke11 Poettparkutirrem( Pr«*׳, Konto Nr. 156 d-H). — Kedakiioaesdituö Sountag und *a.Uwoiii uechmiUrig* •־’־ ה׳ תשרי f xxvi. jahrg. Der Zionismus erstrebt för das Jttdloche Volk die Schaffung oiner öflanttfch-recbUJch gesicherten Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm.“ An unsere Leser! Die soeben in Kraft getretene außerordentliche Steigereng der Löhne im Zeitungsgewerbe zwingt auch «ns, den Inscrat-Zeücnpreis mit Wirkung vom 1. Oktober zu erhöhen. Es kosten allgemeine Anzeigen pro Zeile M. 4.— und Familienanzeigen pro Zeile M. 5.—. Kerlin, den 1. Oktober 1921. Verlag der Jüdischen Rundschau a. m. b. H. Oie neuen Direktoren des Keren Hajessod VV'c wir erfahren., ist die von uns in der letzten Nummer der ״j. R.“ g ebrachte Mitteilung des J. C. B. über die Zusammensetzung des neuen Direktoriums des Keren Hajes:sod nicht vollständig. Auf Grund der von uns eiiigezogcnen Informationen können wir über di-e Zusammensetzung des Dircktoriums folgendes mitteilen: Der Kongreß in Karlsbad hat bekanntlich einen Finanz- und Wirtschaftsrat gewählt, der aus den folgenden Personen besteht: Dr. Berthold Feivvel, j Dr. Georg Ha Iper 11, J. A. Naiditsch, Ing. j S. K a p 1 a n s k y , Dr. Arnold Barth, S. S e 11 o k - ken jun. und Peter Schweitzer. Aus diesem Finanz- und Wirtschaftsrat haben die Herren Dr. Feiwei, Dr. Ha Ipern und J. A. Naiditsch in der Exekutive der Zionistischen Organisation Sitz und Stimme bei der Behandlung ökonomischer Fragen. Für die Bildung •des Direktoriums des K. H. wurde vom Kongreß bestimmt, daß die Exekutive ״' im Einvernehmen mit dem Großen Actions-Comite zunächst drei bis fünf Mitglieder des Direktoriums aus den Mitgliedern des Finanz- und Wirtschaftsrates zu entsenden habe. Demgemäß wurden die Herren Dr. Feiwei, Dr. Halpern, J. A. N a i - d i t s c 11, Dr. Bart 11 und Ing. K a p 1 a n s k y zu Direktoren des i<. H. bestellt. Ein« ebenso große Anzahl von Direktoren wird nach den Kongreßbescliliissen vom Council des Keren Hajessod als der Vertretung der Zertifikatsinhaber einzusetzen sein. Dem Beschluß des Kongrosses zufolge soll die Bildung des Council Ende 1922 ein geleitet sein. Qis zu diesem Zeitpunkt sind die vom Council zu besetzenden ,Dircktorstellen provisorisch von der Exekutive der Zionistischen Organisation zu besetzen. Die Exekutive bat für die Besetzung dieser Stellen dem Großen Actions- Comite die Herren Dr. Schmarja Lcvin, V. Jabotinsky, Hilel Zlatopolsky und Israel Sie ff vorgeschlagen und hierfür die Zustimmung des A.-C, gefunden. Das Direktorium des K. H. bestellt demnach aus den Herren Dr. Berthold Feiwei, Dr. Georg Halpern, J. A. N a id i tsc h, Ing, S. Kaplansky, Dr. Arnold Barth und den Herren Dr. Sclnwarja Levin, V. Jabotinsky, Hilel Zlatopolsky und Israel Sieff. Neue Bewegung im Misrachi lm Zusammenhang mit den Wahlen des Zionististhen Weltkongresses zeigt die Misrachi-Orgatvisation in Palästina eine neue Tendenz, in Berührung mit der arbeitendem Bevölkerung des Landes zu kommen. Sie hat begonnen, die zum Misrachi gehörigen Arbeiter im ״Hapocl-Hamisrachi״ zu organisieren. Gleichzeitig gründet sie einen ״Hamisrachi Haamami“ (Volksmisrachi), in welchem sie versucht, große Massen der jüdischen Bevölkerung in Palästina zu organisieren. Der ״Ha* misrachi Haamami“ steht unter der Leitung von Schiermann, ln Jerusalem fanden bereits eure Reihe von Versammlungen zum Zwceke einer Programm!»Idung Reise det arabischen Delegation nach Amerika J erUs a 1 em, 25. September. (J.C. B.) ״Palest ine“ meldet aus Genf: Die arabische Delegation! beschloß, nach Amerika zu gehen, um dort von den Ausgewanderten palästinensischen Arabern moralische und finanzielle Unterstützung zu erfüllten. Die neue Leitung Die neue Leitung, die vom Karlsbader Kongreß gewählt worden ist, stellt im wesentlichen eine j Erweiterung jener Exekutive dar, welche vom Präj sidiutn der Organisation nach der Demission von > Simon und' de Licmc durch Kooptation gebildet j worden war. Es war von vornherein klar, daß I der Kongreß keine umwälzenden Aenderungen in j der Leitung vornehmen würde; dazu besteht nicht j einmal die theoretische Möglichkeit, da unsere j Politik auf ihren gegenwärtigen Kurs zu sehr festj gelegt und zu eng mit den beiden führenden polij tischen Männern» persönlich verknüpft ist, als daß an eine Acmlerumg gedacht werden könnte. Weiz- | mann und Sokolew haben diesem Kongreß für eine | lauge Zeit Rechenschaft abgelegt, sie haben die | Resultate ihrer Arbeit dem Kongreß gebracht, und j der Kongreß, der die geschaffenen Tatsachen mit j dankbarer Anerkennung entgegennahm, mußte diese! beiden Männer mit der Fortführung der Arbeit betrauen. Ihre Wahl stand von vornherein fest, und cs war wahrscheinlich, daß auch ihre Mitarbeiter nach denselben Gesichtspunkten ausgewählt würden, die für sie bei ihrer letzten Auswahl maßgebend waren. Um einzelne Persönlichkeiten wurde allerdings ein Kampf geführt. Die Divergenzen, welche bereits der abgelaufenen. Periode zwischen einzelnen Mitgliedern der Exekutive bestanden, wurden jedoch nicht entschieden und sämtliche Mitglieder der alten Exekutive wicdergcv/ählt. Es wäre müßig, die einzellten Phasen des Werdens der neuen Exekutive, wie es sich im Permarienzausschuß des Kongresses vollzog, wiederzugeben; das Entscheidende bleibt das Resultat: die neue Leitung, die nunmehr mit legaler konstitutioneller Autorität ausgestattet, die Geschicke unserer Organisation in den nächsten zwei Jahren zu. bestimmen hat.. Wenn wir diese neue Leitung betrachten, so ergehen sich zunächst drei prinzipielle Neuerungen, von denen im folgenden die Rede sein soll. Das erste prinzipiell Neue der gegenwärtigen Leitung ist die Wah. einer palästinensischen Exekutive. Zum erstenmal hat ein Kongreß eine Leitung gewählt, deren eine Hälfte in Palästina ihren Sitz haben wird. Zwar wurde die palästincnsischc Exekutive nicht ausdrücklich als solche bezeichnet, aber es war stillschweigende Voraus- Setzung, daß von den dreizehn en bloc gewählten Herren sechs in Palästina tätig sein werden. I )iese Wahl ist das Ende einer Entwicklung, die mit der Entsendung der ersten, unter Führung Dr. Wcizmanns stehenden Zionist Commission (Waad Hazirim) nach Palästina ihren Anfang genommen hat, vielleicht kann man sic sogar bis auf den Beginn der Arbeit Dr. Ruppins im Jahre 1908 zurückverlegen. Die ״Zionist Commission“ hat viele Wandlungen durcligemacht. Sie stand bekanntlich eine Zeitlang unter amerikanischer Leitung (Szold- Fricdenwald), wurde dann unter dem Vorsitz Ussischkins reorganisiert, doch sind die meisten von der A.-C.-Sitzung int Februar 1920 ernannten Mitglieder niemals zum Antritt ihres Amtes gekommen, und auch die beschlossene Heranziehung des Jischuw wurde nicht realisiert. Bei der Jahreskonferenz wurde Ussischkin in die Exekutive gewählt, bei der letzten Rekonstruktion auch Ruppin und Eder zu Mitgliedern der Exekutive ernannt. Der Kongreß hat diese drei Herren wiedergewählt, dazu die Herren Pick, Sprinzak und Rosenblatt. Außerdem wurde die Zuziehung von zwei Vertretern des Waad Letuni als der obersten Instanz der palästinensischen Judenschaft in Aussicht genommen. Die sechs Mitglieder der palästinensischen Exekutive bilden ein Kollegium, das sich seinen Vorsitzenden selbst *wählt. Dieser Vorsitzende wird Ussischkin sein, im übrigen wird das System der Ressortteilung mit selbständiger Verantwortlichkeit der Ressortleiter möglichst streng durchgeführt werden. Zur Leitung der gesamten Kolonisationsarbeit hat der Kongreß ein Kolonisationsamt zu schaffen beschlossen, dessen Leiter offenbar Ruppin sein wird. Ein neuer Mann ist der Amerikaner Judge Rosenblatt, der seinen Riohtcrposten in Amerika verläßt und nach Palästina übersiedelt. Rosenblatt vertritt seit langer Zeit im Zionismus die bodenreformerischen Ideen der von Henri George begründeten Single Tax-Bewegung. Er ist auch durch ein Buch über die sozialen Probleme des Zionismus bekannt geworden. Rosenblatt hat besonders an der letzten Entwicklung des amerikanischen Zionismus lebhaften Anteil genommen, er war einer der ersten, der die Keren Hajessod - Bewegung in Amerika inaugurieren half. Durch ihn sind die amerikanischen Zionisten in der Leitung vertreten, da es ihnen unmöglich war, auch nach London eine geeignete Persönlichkeit zu entsenden. So wie Rosenblatt, der Vertreter der Amerikaner, so sind auch die Vertreter der großen Parteien im Zionismus in die palästinensische Exekutive eingetreten. Damit ist die zweite große Neuerung in der Zusammensetzung in der neuen Exekutive bezeichnet. Durch den Eintritt von Pick und Sprinzak ist zumindest die palästincns i s c h e Exekutive eine Art K o n z e n t r a t i o n s ־ k a b i n e 11 geworden. Dieser Kongreß hat in weit höherem Maße als irgendein vorausgehender sein j Gepräge von den Fraktionen erhalten, zwischen denen die ״allgemeinen Zionisten“, obwohl an Zahl überlegen, im Bilde des Kongresses zurücktraten. Bei zahlreichen Abstimmungen war die Spannung zwischen rechts und links ausschlaggebend, und cs zeigte sich auch, daß gerade den palästinensischen Institutionen und den Fragen der Arbeit in Palästina gerade von den Fraktionen das größte Interesse zugewandt wurde. Entsprechend der gewachst:- nen parlamentarischen Bedeutung dieser Gruppen mußten sie zum Tragen der Verantwortung mit herangezogen werden. Es mag trotzdem aufgefallen sein, daß sowohl die Vertreter der äußersten Linken als auch des Misrachi bei den Wahlen die Erklärung abgaben, daß sie sich an den Wahlen der Exekutive nicht beteiligen. Die sozialistischen Poalc-Zion und Ze'tre-Zion wollten damit ihren prinzipiellen Standpunkt zum Ausdruck bringen und haben auch keine Vertreter in die Exekutive entsandt, seitens des Misrachi handelte es sich jedoch lediglich um einen taktischen Vorstoß, weil über seine Beteiligung an der Londoner Exekutive keine Einigung erzielt worden war. Trotz dieser Abstinenz bei der Wahl hat der Misrachi Professor Pick in die Leitung entsandt. Als Vertreter der Arbeiterschaft wurde Sprinzak gewählt, der bereits viele Jahre in Palästina als einer der Führer des Hapoel-Haza'ir und neuerdings auch als Mitglied des Zentralstes der allgemeinen Organisation der palästinensischen Arbeiter- Schaft tätig ist. Wir hoffen, daß die nunmehr der Leitung aitgeltörenden Vertreter der Fraktionen ihre Stellung in der Exekutive nicht nur als eine Interessenvertretung ihrer Parteien auffassen werden, sondern daß sic auch umgekehrt die Arbeit der Leittmg durch Aufbietung der in ihren Parteien vorhandenen Kräfte stützen werden. Die palästincnsische Exekutive kann bei dieser Zusammensetzung wirklich einen großen Rückhalt im Volke finden, sie kann Amerika, die Arbeiterschaft und auch die Unterstützung der orthodoxen Massen gewinnen. Sie wird diesen Rückhalt brauchen, denn es stehen ihr in ihrer Amtsperiode die ungeheuren Aufgaben der beginnenden großen Kolonisationsarbeit bevor. Die dritte Neuerung ist die Einführung des Finanz- und Wirtschaftsrates. Der Zionistischcn Organisation erwachsen in Zukunft schwierige Aufgaben wirtschaftlicher und finanzieller Natur, zu deren Bewältigung es eines eigenen Apparates bedürfte. Seit der Jahreskonferenz wurden verschiedene Vorschläge gemacht, um dieses Problem zu lösen. Von amerikanischer Seite wurde bekanntlich vorgeschlagen, die Organisation überhaupt zu einer Art Kolonisationsgesellschaft umzubauen. Ein anderer Versuch war die Schaffung des Economic Council. Der Kongreß hat einen anderen Weg beschritten. Er hat sich das Prinzip der Sachverständigen zum Teil zu eigen gemacht, indem er ein siebengliedriges Kollegium zur Leitung, Vorbereitung und Durchberatung Wirtschaftlicher und finanzieller Projekte einsetzte. Von den Mitgliedern dieses Kollegiums haben drei in der Exekutive Sitz und Stimme in allen wirtschaftlichen und finanziellen Fragen, deren Entscheidung nach wie vor der Exekutive Vorbehalten bleibt. Zwei dieser Mitglieder, Berthold Feiwei und Isaac Naiditsch, sind schon bisher durch ihre Steilung irrt Keren Hajessod-Direktorium indirekt an der Behandlung dieser Fragen mitbeteiligt gewesen. ן Neu hinzu tritt Dr- O^org Halpern, der auch auf