Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 77 (27.9.1921)
- Date
- 1921-09-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Für Tschechoslowakei: PotUparksssensmt Prag, Konto Nr. 156430h — Redaktionaschluö •Sonntag un<i Mittwoch nachmittag. *״־־ כחאלול׳ תרפ״א | xxvi. jahrg. Per Zionismus erstrebt fOr das JQdlsche Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm. 1*1־6» Ein Interview. Dr. Schmarjahu L e v i n hatte die Liebenswürdigkeit, vor seiner Abreise aus Berlin unserem Mitarbeiter seine ■Eindrücke über den Kngrcß mitzuteilen. Auf die Frage über die Bedeutung des XII. Ueber die Partcivcrhältnissc auf diesem Kongrell äußerte sich Levin folgendermaßen: Die Parteigruppierung auf diesem Kongrell hat auf mich nicht den Eindruck gemacht, daß sie der Wirklichkeit entspricht, d. h., der wirk- Die nächste Sitzung des Actions-Comitfo Karlsbad, 21. Sept. (J. C.B.) Wie nachträglicli gemeldet wird, wurde in der konstituierenden Sitzung des zionistischen Actions-Gomitdis bcschlossen, die nächste Vicrteljahressitzung im Dezanber in Wien abzuhalten. Das Aetions-Comite zahlt bekanntlich 25 Mitglieder. Ebenso 9011 die nächste Vollsitzung des Komitees der jüdischen Delegationen in Wien stattfinden. Die neue Exekutive des Misrachi Die Schlußsitzung der Misrachi-Weltkonferenz fand am 15. September unter dem Vorsitz von Hermann Struck in Karlsbad statt. Es wurde eine neue Exekutive gewählt, aus folgenden Mitgliedern bestehend: Prof. H. Pick, Rabb. J. L. Fisch• mann, Rabb. V. Schönfeld und J. Riwkind. In das Aetions-Comite wurden gewählt: Sir Stuart S a m u e 1, J. Hirsch, J. L. S p e e r, die Rabbiner Kowalski, Nissenbaum, Dr. Nurek, Dr. L. Landau, A. Teitelbaum, Loewenthal, G. Schmelkes, Citron, Dr. Seliger, J. S i r k i s, N e u f e 1 d und Rabbiner S c h a p i r o. Es wurde beschlossen, das Zentralbüro nach Palästina zu verlegen. Organisierung einer Musterpolizei In Palästina Jerusalem, 21. September. (J.C.B.) Die von <!er Regierung beschlossene Organisierung einer neuen Musterpolizei (Selected Police) ist in vollem Zuge, Die Polizei wird aus Reitereskadronen, einer Kameleskadron und zwei Fußeskadronen bestehen; die Zusammensetzung 9011 in der Weise erfolgen, daß Juden und Araber in gleicher Zahl (zirka 175) aufgenommen werden. Außerdem soll eine Anzahl Tscherkessen aut'geiuunmen werden. Die ReUereskadron wird aus 40, die Fußeskadnon aus 05 Mann, außer den Unteroffizieren, bestehen. Die Entlohnung beträgt für den Reiter ohne Charge 9 Pfund Sterling, für den Fußgendarmen 8 Pfund Sterling im Monat, außerdem Ausrüstung, Wohnung und ärztlichen Dienst, Die Bo rittenen müssen ihr Pferd selbst mitbringen. Bisher haben sich beim Waad Haleumi jüdische Kandiilaten in großer Anzahl gemeldet. Die Boruchow-Siedlung Jerusalem, 21. September. (J.C.B.) Im Früh- Jahr 1919 entstand in Jaffa eine Vereinigung zur Gründüng einer städtischen Arbeitersiedlung bei Tel-Awiw. Nadi zweijährigen Bemühungen ist es der Vereinigung gelungen, vom Nationalfonds ein Grundstück von 600 Dunam für die Siedlung, die den Namen des verstorbenen Führers der Poale-Zion, Boruchow, führen wird, zu erhalten. Der Boden befindet sich in der Nähe der deutschen Kolonie Saroba auf dem Wege nach Petach-Tikwah und eignet sich auch für landwirtschaftliche Bearbeitung. Jedes Mitglied der Vereinigung erhält 2י/* Dunam. Ke Siedlung wird als Gartenstadt angelegt, 100 Dunam werden für eine landwirtschaftliche Kooperative reserviert, 10 Dunam für einen öffentlichen Platz. Die Baustellen werden nur an Arbeiter vergeben Die arabische Delegatioa verlangt Hilfe Jerusalem, 13. Septbr. (J.C. B.) Die jetzt in London weilende arabisch-palästinensische Delegation riehtete an das arabische Komitee in Jaffa eine telegraphische Aufforderung, die öffentliche Meinung in Palästina zugtsnslen der Delegation zu beeinflussen und durch Meetings, Resolutionen u. a. ihre Forderungen zu unterstützen. Die arabische Presse und Ruthenbergs Elektrifizierungsplan Jerusalem, 20. September. (J.C. B.) Ke arabische Zeitung ״Palastin“ erklärt in bezug auf die Errichtung elektrischer Kraftanlagen, daß, obwohl sie den großen Vorteil, der daraus für den Wohlstand des Landes erwächst, anerkenne, sic doch die Hand zurückweisen müsse, die ״unter dem Deckmantel der Hilfe uns unterdrücken will“ Das Blatt meint, wenn der Plan durchgeführt wird, werde die palästinensische Bevölkerung in der Macht der Zionisten sein. Kongresses antwortete Levin folgendes: Man kann den XII. Kongreß als einen gediegenen bezeichnen, wenn er auch nicht sehr viel äußeren Glanz aufzeigte. Er hatte keine besonderen die Phantasie reizenden Momente aufzuweisen. Er verlief ohne Feuerwerk. Dafür war er aber von Anfang bis zu Ende von einem gleichmäßigen Ernst durchdrungen, der sich in der Beziehung der Delegierten zu allen Problemen, die auf der Tagesordnung standen, ausdrückte. Und gerade dieser Ernst wird zur Stärkung und inneren Kräftigung der Zionistischen Orgenisation außerordentlich beitragen. Wir dürfen nicht vergessen, daß auch die Zionistische Organisation dem Einfluß der Kriegspsychologie ausgesetzt war, und diese besteht ja hauptsächlich darin, daß man mit sehr kurzen Zeiteinheiten rechnet. Jede Aemlerung muß sich mit kaleidoskopischer Geschwindigkeit vollziehen. Und als wir sahen, wie manche Völkerschaften und Nationen wie durch ein Lotteriespiel ihre Selbständigkeit zurückgewonnen hatten, zogen wir unwillkürlich Parallelen zwischen der Befreiung der anderen Nationen und der Verwirklichung des Zionismus. Selbstverständlich fielen alle diese Parallelen zu unserem großen Nachteil aus. Beinahe vergaßen wir unsere Hauptaufgabe: Vor allem die Juden nach Palästina zu bringen. In diesem Sinne wirkte der XII. Kongreß ernüchternd. Er schuf den Uebergang von der Kricgspsychologie zur normalen Denkweise. Wir beginnen das Moment des Zufälligen und des Plötzlichen, des wie durch einen. Zauberspruch Kommenden, aus allen unseren Kalkulationen auszuschalten und eignen uns allmählich die Klar heit der Perspektive an. Gar manche Zionisten werden dadurch vielleicht eine Enttiiuschung erleben, denn sie reizte ja gerade das Plötzliehe und Unerwartete. Die Organisation als Ganzes aber, die den Zionismus als historische Notwendigkeit erkannte, kann dadurch nur gewinnen. Es ist darum meine feste Ueberzcugung, daß erst jetzt die richtige zionistische Arbeit beginnen wird. Es müssen im nächsten Jahre Mittel aufgebracht werden, um in Palästina Bedingungen für eine große jüdische Einwanderung zu schaffen. Das ist die erste und wichtigste Bedingung. Denn alle Miß- Verständnisse und Reibungen, die in Palästina im letzten Jahre entstanden sind, sind ausschließlich der schwachen Einwanderung zuzuschreiben. Die ganze Welt hat von uns mehr erwartet, sogar die Araber. Schaffenskraft imponiert auch dem Gegner. Schwäche und Nachgiebigkeit beeinträchtigen auch das Entgegenkommen des Freundes. Ich bin ferner überzeugt, daß das jüdische Volk der Zionistischen Organisation die nötigen Mittel zur Verfügung stellen wird, um eine intensive und ausgedehnte kolonisatorische, industrielle und kulturelle Arbeit zu beginnen, wenn wir zu ihm mit der vollen Wahrheit kommen und ihm die Situation ohne jede Ausschmückung darlegen. 5070 unkultivierten Bodens in Palästina Jerusalem, 15. Sept. (J. C. B.) Die von der palästinensischen Regierung im August 1920 ernannte Bodenkommission zur Untersuchung der Bodenverhältnissc im Lande und zur Feststellung der Größe des zur Kolonisierung geeigneten Bodens hat soeben ihren offiziehen Bericht der Regierung unterbreitet. Diesem Berichte zufolge sind 50 % des zur Kolonisierung geeigneten Bodens noch nicht kultiviert. 700 Tonnen Werkzeuge aus Amerika Jaffa, 13. September. (J. C. B.) Aua New York ist hier ein Dampfer mit einer Ladung von 703 Tonnen Werkzeugen cingetroffen, die unter den Auspizien der Poale-Zion von den jüdischen Arbeitern Amerikas gesammelt wurden. Die Ladung stellt einen Wert von 800000 Dollar dar. liehen Zusammensetzung der Zionistischen Organssation. Es kann doch nur als Zufall angesehen werden, daß Polen am stärksten vertreten war, und als nicht minderer Zufall, daß der Misrachi die stärkste önippe war. Er wirkte auch außerordentlich befremdend, daß die Gruppe der sogenannten ״Allgemeinen Zionisten“, die doch die ganze Last der zionistischen Pflichten auf sich trug, so unorganisiert war. Das war aber keine natürliche Erscheinung und ist nur durch die Verwirrung, die der Krieg in die Struktur des jüdischen Volkes im Osten hineingetragen hat, zu erklären. Es wäre mir auch schwer, über die Neugruppierung der Zionistischen Organisation schon jetzt ein Urteil zu fällen. Ich glaube, Abwarten ist hier am Platze, zumindest bis zum nächsten Kongreß. Auf die Frage, welche Gebiete zionistischer Arbeit auf diesem Kongreß vernachlässigt wurden, meinte Dr. Levin: Zwei Gebiete sind auf dem Kongreß absolut vernachlässigt worden. Erstens das Gebiet der Propaganda und zweitens die Organi sierungder geistigen Kräfte im Judentum. Unter Propaganda verstehe ich nicht nur die mündliche Agitation, sondern die Ausarbeitung der Grundlagen, auf denen die Propaganda ausgebaut werden kann. Dieses Gebiet ist bei uns noch bis auf den heutigen Tag desorganisiert. Die Organisation als solche überläßt es jedem einzelnen Agitator, unsere Probleme nach seinem eigenen Gutdünken zu beleuchten, den Zionismus je nach lokalen Bedingungen zu deuten, ohne ihm eine bindende Richtschnur zu geben. Das ist ein primitiver Zustand, der in einer ziclbewußten Organisation nicht geduldet werden kann. Sogar neuentstandem! Staaten haben den Sinn, den Wert und die Tragweite der Propaganda tiefer erfaßt als wir Zionisten. Sie haben deshalb bei ihren zentralen Regierungen Abteilungen für Propaganda geschaffen, in denen die besten Kräfte sich bemühen, die Propaganda zu systematisieren. Auch die schriftliche Propaganda ist bei uns bis auf den heutigen Tag vollständig unorganisiert und hängt vom reinen Zufall ab. Und aus der Not wird eine Tugend gemacht, indem die Behauptung aufgestellt wird, daß das Volk für Bücher auf dem Gebiete der zionistischen Aufklärung kein besonderes Interesse besitzt, was ganz falsch ist. Das geschriebene Wort und das riehtigcWort spielen in unserem Leben auch jetzt keine minder wichtige Rolle als vor dem Kriege. Um unsere Propaganda gut auszubauen, wäre es geboten, die geistigen Kräfte im Judentum zu mobil:- sicren, ihnen die Möglichkeit zu geben, in unmittelbare Berührung tnit der Arbeit der Verwirklichung des Zionismus zu kommen. Eine solche gut organi'- siertc Propaganda mündlicher und schriftlicher Art könnte unserer Sache neue Schichten der Judcnhcit zuführen, und ich will hoffen, daß die neugewählte Leitung diesem wichtigen Problem ernste Aufnierksamkeit widmen wird. Die zerstörten Kolonien Jerusalem, 21. September. (J.C.B.) Während der Maiunruhen mußten die beiden Kolonien Kfar- Saba und E n-Ch a j bei Petach-Tikwah von den Kolonisten geräumt werden; sie stehen bis heute noch verlassen. Ke geflüchteten Einwohner hoffen auf einen Schadenersatz, ohne welchen an eine Rückkehr über■ haupt nicht zu denken ist. Aber auch dann wird eine Fortführung der Arbeit auf die bisherige Weise nicht möglich sein. Man schlägt jetzt vor, diese beiden Kolonien und die bei Kf ar-Saba von Amerikanern angekaufte Bodenstrecke zu einer Kolonie zu vereinigen. Zu einem Resultat ist man noch nicht gekommen, und unterdessen sind die beiden verlassenen Kolonien weiteren Plünderungen durch die Umwohner ausgesetzt ו י