Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 74 (16.9.1921)
- Date
- 1921-09-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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T?T\ a! \ \! \ I_! 1 / \ i'/.* \ \ \ \ Anzctgen-Vcrwaltung: Jüdische Rundsdmu G.n.fc.H״ Berli» W15, Sächsisch« Str. 8 Tikphoa: Amt UUUud 615 und 816, ABB*i|6«)1reta lur 41• •ieWageapalW»e N0Dpar«n1ex«]]• 3,— M., 4 M. pro ZeiU, AaMlfBaicliUfl» Dicftnt&f uad Freit•; ntehmittag 4 Uhr. Tclephoa? Uhlund 845 y.846. l>©®l9ch<*«״]ck0ntof PtrHrt Nr.!?SOS1, Für Oesterreich. Postsparkassen* mfc Wien, Konto Nr. 156 030, Für Tackedio#l0w*k«-t: Po*UpMka*»r יח*ח\ Prr.1*, Konto Nr. 156330. — FedaktionaiuJiluS .Sonnte; umi MiUwoda tibchmiit«;, — יג׳ אלול׳ תרפ״א XXVI. jahrg. Oer Zionismus erstrebt iör das Jüdische Volk die Schaltung olner öffentlich-rechtlich gesicherten HeSmsSSlte In Palästina, ״Baseler Programm. /JbiiU Verhandlungsbericht Zwölfte Sitzung Mittwoch, den 7. September, nachm. R. Lichthcini: Herr liodenhebner hat eben die Frage der Verlegung unserer Institutionen Angeschnitten und auf das Veto der Exekutive hingewiesea Es ist selbstverständlich, daß die Exekutive sich einem Be* Schluß des Kongresses fügen wird. Die Frage muß ernst geprüft werden; es genügt vielleicht vorläufig, wenn ich Ihnen mitteile, daß die Exekutive einstimmig gegen die Verlegung Stellung genommen hat. Ich werde diese Frage im Organisationsreferat berühren.!,räs. Sokolow erklärt auf eine Anfrage, daß dieser Antrag der Palästina-Kommission und auch der Organisations-Kommission übergeben werden müsse. Agronom Dyk: Die offiziellen Berichte haben über den Versuch der Gppenheimcrschcn Sicdlungsgcnossenschaft bisher keinen Nekrolog gebracht. Nach dem X. Kongreß wurde ich beauftragt, diesen Versuch durchzuführen. Was ist eigentlich aus dem Versuch geworden? Er ist _ in Palästina niemals begonnen worden und es i<d meine Pflicht als Schüler Oppenheimers, das zu erklären. Was ich zu tun hatte war. Jn einer unbcsiedeU ten Oegend Palästinas und mit Arbeitern, die dem laudwirtschaftlichen Berufe erst zugeführt werden mußten, einen Betrieb zu schaffen. Diese Aufgabe ist dank der Opferfreudigkeit und Tüchtigkeit der Arbeiter in Merchawiah erreicht worden. Nach drei Jahren stellten sich Hindernisse in den Weg. De Arbeiter der Nationalfarmen haben nicht nur für sielt, sondern auch in der Siedlungsgenossensehaft durch Zwang den Einheitslohn für alle Arbeiter ohne Rücksicht auf Qualifikation und Alter durchgesetzt, womit der Kommunismus proklamiert wurde. Ich halte den Kommunismus für kein Verbrechen, aber er kann nicht der Beginn der Arbeit sein, sondern die Fortsetzung der kapitalistischen Wirtschaft. Ich gebe den Dingen radikale Namen, um mich deutlich zu machen. Ich muß konstatieren, daß 7.ur Zeit, als ich den Betrieb im Jahre 1914 verließ, er halbwegs in Ordnung war, was heute nicht der Fall!st. Der Fehler besteht darin, daß die Arbeiter, be- 90nders aber die Arbeiterführer, die sozialen Tendenzen des europäischen Proletariats schlechtweg nach Palästina übertragen. Sind denn unsere Arbeiter nur Vertreter einer bestimmten Intcressenklassc? Sie sind zu 90 #/0 Idealisten, zum Teil auch zufällig hingekommen, und haben das Bestreben, die Landwirtschaft zu erlernen, um Siedler zu werden. Ihr Ideal ist die Kleinbürgerliehe Ansiedlung. Sie sind größtenteils vom besten Willen beseelt und verdienen das höchste Lob in den Stunden der Arbeit Das Unglück beginnt in den Feier- und Altendstunden. Es wird hier ein Programm der Aufteilung der Farmen vorgebracht. Darin sehe ich als Landwirt ein ungeheures Unglück. Ke Fannen haben, wenn sie auch keine Renten abwarfen, eine erzieherische Wirkung auf die Arbeiterschaft gehabt. Man hätte sie von Anfang a!» als Lehrfarmeii bezeichnen sollen, so hätte niemand eine Rente verlangen können. Ke Farmen müssen erhalten bleiben und dem Nachwuchs in Palästina Ausbildungsmöglichkeiten bieten. Ich nppelliere an den Kongreß, die Aufteilung der Farmen nicht zuzulassen, sondern sic mit Mitteln auszustatten, die es ermöglichen, den neuen Zuzüglern Bildungsmöglichkeit zu geben. Ke Intensivierung der Arbeit ist eine Antwort auf die Bevölkerungsdichte, nicht auf Boden, Kuh nir und Klima. Wenn Soskin daran denkt, mit seinen Methoden dort voratgehen, wo Land, Boden und geeignete Menschen vorhanden sind, bin ich dafür. Falls aber nicht, wird das eine so große Aufgabe sein, wie sie kein Mensch wird verantworten können. Ich will nur noch an die Linken die Bitte richten, daß sie ali diese Dinge erwägen, damit wir alle in Rücksicht auf das Endziel, in dem ich mit Ihnen übercinstimme, die Dinge machen, die notwendig sind, um ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina zu schaffen. Präs. Sokolow ersucht alle Anträge schriftlich zu überreichen. E, Jaffe macht den Vorschlag, die Reden der Agronomen m vertagen, bis der Saal einigermaßen gefüllt sein und die Exekutive anwesend sein wird. Der Vorschlag wird abgelolint. Agronom Wilkansky: Das Referat des Horm Soskin eignet sich eben für einen Kongreß von Agronomen. Viele erwarten von Soskins Plan eine wunderbare messianischc Lösung der ökonomischen und politischen Probleme im Lande. Soskin hat in Palästina die Sonne entdeckt Ich fürchte, daß solch übertriebene Hoffnungen, wie sie Herr Soskin erweckt, zu einer grausamen Enttäuschung führen können. Nächstens wird Soskin vielleicht Vorschlägen, die palästinensische Sonne יש detail zu verkaufen, von ihr Konserven herzustellen und nach dem Ausland zu verschicken. Diese übertricbenen Phantasien sind für uns sehr schädlich. Das Prinzip eines arbeitenden Jischuw, der nicht von Lohnarbeit abhängig Ist, wurde schon vor 14 Jahren durch den jüdischen Arbeiter in Palästina aufgesteltt. Es ist nicht wahr, daß die verschiedenen Formen unserer Wirtschaft deshalb keinen Erfolg hatten, weil die Bodenflache zu groß war. Die tatsächliche Ursache lag Vor Schluß des Kongresses (Telegramm snieret nach Karlsbad entsandten Berichterstatter#.) Die neue Exekutive Karlsbad, 15. September, t/Äl Uhr morgen». Der Kongreß soll heute nacht zuende gehen. Eine cinstündige Pause ist anberauint, nach deren Ablauf die Wahlen vor sich gehen sollen. Falls nicht im letzten Augenblick Uebcrraschungen eintreten, wird die ganze alte Exekutive wiedergcwählt und ihr von neuen Männern Leo Motzkin und Dr. Soloweitschik hinzugefügt werden. In die palästinensische Exekutive > treten neu ein Judge Rosenblatt (Amerika), Prof. Pick als Vertreter des Misrachi und Sprinzak als Vertreter der Arbeiter. Neben der Exekutive wird ein Wirtschaftsrat gebildet, dem die Leitung der Firmnzinstitute der Organisation unterstehen und dem Dr. Georg Haipern, Dr. BerthoLd Feiwel und Naiditsch, sowie als Vertreter der Arbeiterparteien Kaplanski und als Misrachivcrtreter Dr. Arnold Barth angehören sollen Das Budget. Die letzten ־zwei Tage waren mit den Abstimmungen über die Resolutionen der Ausschüssc ausgefiillt. Den Vorschlag der Budgetkommission vertrat Dr. Halpcm. Er legte ein Budget von einundeinhalb Millionen Pfund Sterling vor. Hiervon beträgt das Palästina-Budget 656000 Pfund mit 90000 Pfund für das Schulwesen. Jeder einzelne Posten wurde heiß umstritten, besonders der letztere, da die palästincnsische Lehrerschaft und die Kulturkommission entschieden für Erhöhung eintraten. darin, daß unser Kolonist nicht verstanden hat, seinen Boden richtig auszunutzen, ln den mustergültigen deutschen Kolonien in Palästina, bearbeitet jeder Kolonist durchsdinitttich eine Fläche von 240 Dunam und hat dabei noch eine Milchwirtschaft. In Petach-Tikwah und anderen Kolonien beschäftigt man so viele Lohnarbeiter, weil die Arbeitsmethode schlecht ist. In den Plantagen sind die Bäume in einem Abstand von 3 m gepflanzt, während i!1 Kalifornien der Abstand 7 m beträgt und so die Arbeit mit Masdüuen möglich macht Ich werde in der Kommission mit Ziffern belegen, daß die Lohnarbeiter den Ertrag nicht vergrößern. Man spricht überall von den Defiziten, die die Kwuzoth haben. Ich möchte die wichtigste Ursache der Defizite folgendermaßen kurz formulieren: Unvorbereitete Menschen, unvorbereiteter Boden und ungeeignete Bedingungen. Ich möchte hier von den vielen Fragen nur eine heran!-.greifen - die Frage der Absatzmöglichkeitcn. Palästina, so wie es in der Baifour-Deklaration festgesetzt ist, sogar das Palästina, das wir erstreben, ist kein selbständiger Organismus. Im klimatischen, ethnographischen und ökonomischen Sinne ist und bleibt Palästina ein kleiner Bestandteil des großen Gebietes, das Aegypten und Syrien in sieb einschließt. Deshalb müssen wir immer mit den Absatzbedingungen Aegyptens und Syriens rechnen. In Aegypten und Syrien befinden sich 14 Millionen Kleinbauern, deren Bedürfnisse sehr klein sind, und diese Bauern bestimme!» die Marktpreise. Deshalb sind die I‘reise sehr niedrig, und das macht uns die Konkurrenz sehr schwer. In Kalifornien, Florida und anderen Ländern gibt es 100 Millionen Abnehmer, deren Kaufkraft selir groß ist. Der palästinensische Markt dagegen ist sehr klein. Wir müssen unser Land 90 gestalten, daß es durch den häufigen Konjunkturwechsel nicht erschüttert wird. Unsere Wirtschaft muß altes erzeugen, was sie braucht. Dafür ist Palästina sehr geeignet. Es stimmt nicht, daß unsere Wirtschaftsformen nicht geeignet sind. Wir müssen nur Verbesserungen durchführen. Aber diese Verbesserungen müssen mit modernen Mittel!» durchgeführt werden, Soskins Vorschlag ist nicht nur eine unbegründete Theorie. Auch die theoretische Spekulation ist nicht richtig. Es srenügt nicht, daß cs Wasser gibt, man braudit auch'Boden und nicht jeder Boden ist für die Bewässerung geeignet. Die ganze Sache der Inten־- sivierung, & Herr Soskin hier «»gebracht hat, ist , Ein beigelegter Konflikt. j Einen Konflikt vor offenem Kongresse erregte i der Antrag der Föderation Misrachi, die Organisation dürfe nur solche Institutionen! subventionieren, deren Führung und öffentlidve J Handlungen nicht gegen die Vorschriften der liej ligion und Tradition verstoßen. Ein Gegenantrag | auf Uebergang zur Tagesordnung wurde i!1 na* I nicntlicher Abstimmung mit 155 gegen 146 Stirn- | men angenommen. Hierauf gab der Vertreter de» Misrachi die Erklärung ab, daß der Misrachi sich in dieser Situation außerstande sehe, an der Arbeit für den Keren Hajessod teilzunehmen. Der Konflikt wurde jedoch durch einen Ko uv promiß-Antrag von Obarrabiner Dr. .C h a j e s-Wien aus der Weit geschafft, der die Forderung des Misrachi Ü1 milderer Form wiederaufnahm und dahin lautete, ״daß die Institutionen der zionistLschen Organisationen im öffentlichen Leben die religiöse Tradition zu beachten haben.“ Nachdem Präsident Weizmann zu diesem Anträge die Erklärung abgegeben hatte, daß Eingriffe in die individuelle Freiheit nicht geduldet werden würden, und die linken Gruppen ihrerseits erklärt hatten, daß sic der Ansicht seien, die reli- | giöse Frage gehöre nicht auf den Kongreß und sie würden sich deshalb der Abstimmung enthalten, wurde der Antrag Chajes angenommen. Der Votierung des Budgets stand nach Losung dieses Konfliktes nichts mehr entgegen. Den Tag darauf wurden die Resolutionen der Kolonisationskommission, der Emigrationskommission und der politischen Kommission zur Abstimmung gebracht. Der Wortlaut dieser Resolutionen wird in unserer nächsten Ausgabe nachgetragen. ein Wortspiel. In Japan sind die Wirtschaften so klein, weil dort großer Mangel an Boden herrscht Deshalb ist auch die Auswanderung ungeheuer groß. In Kalifornie-11 leben 100 000 japanische Bauern die durchschnittlicli 10 acres (40 Dunam) besitzen. Diese Bauern hätten Japan nicht verlassen, wäre ihr Leben dort leicht gewesen. Soskin hat uns durch die ganze Welt geführt, nur nicht durch Palästina. Er hat uns ein Budget vorgclcgt und dabei nicht für nötig gefunden, Palästina zu Besuchen, sondern sich auf die Angaben des großen Spezialisten für Zahlen, Herrn Trietsiit verlassen. Es war vor 15 Jahren in Palästina, und inzwischen wurde doch dort ziemlich viel getan. Er brauchte nicht narf» China und Japan zu gelten, auch in Aegypten und Damaskus besteht eine sehr hohe Gemüsekultur. Audi die Araber kultivieren Gemüse. Hat er aber gefragt, wie diese Araber leben? Wer Vorschläge macht, in Lehmli.iusern zu wohnen u. dg!., möge doch selbst de» Versuch machen. Soskin hat die palästinensische Sonne und ihren Glanz gerühmt. Ich preise auch den Schöpfer, der uns eine solche Sonne gegeben hat. ich kann ihm aber nicht verzeihen, dal) er Aegypten den Ni] gegeben hat und!ms den kleinen Jordan. Soskins Philosophie ist schon ganz alt. Das ist der Kultus des Spaten•;. Die Entwicklung geht aber vom Spaten zur Maschine und nicht umgekehrt. Das Beispiel für uns ist nicht der chinesische oder japanische Bauer, sondern der amerikonische Farmer. Für uns muß die deutsche Kolonie mustergültig sein, die alle ihre Bedürfnisse befriedigen kann. Eine einseitige Wirtschaft schaffen, heißt Luft- Schlösser bauern Ob Moschaw-Owdim oder Kwuzoth — d- ist Geschinacksache. Darüber kann der Kongreß nicht beschließen. Was er fcstsetzen kann und muß das ist, eine gemischte Wirtschaft zu sdiaffen, die sich’ selbst erhält. Agronom Ettinger; Zun! Tätigkeitsbericht des Kolon!sationsdepartements, der sich in ihren Händen befindet, habe ich nichts hinzu zu fugen. Uwin-Epstein hat die Kwuzoth in Palästina kritisiert. Ich will ihm sagen, daß die schärfste Kritik von Serien eines Teiles der Arbeiter in Palästina geübt wird, aber aufgegeben haben sic sie trotzdem nicht und s.e denken auch nicht daraa Es gibt eine Strömung unter den langjährigen Arbeitern In Palästina, die auf keine andere Weise als genossenschaftlich arbeiten wiU und kann und ^ne andere, welche nur für die Arbeit auf individueller Grundlage eintritt; die letzteren können f