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Jüdische Rundschau · 1921-09-06 · Heft 71 (6.9.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 71 (6.9.1921)
Date
1921-09-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion und Verlny W IS, SadhftUche Strafl« 8. Erichetat Jeden D'tinst«^ und Frrilftg־, ßcxufiprcil bei der Expedition und den Poitaratcrn vierteljSltrüch 15.—־ M, in DtuUchUmi» AuiUadtabo*»«• bkuU werden io der Wahrung der «Soxclaeo Läadar bercdmeU Nummer 1 \ך Betlin, 6. 1X. 1921 Anzetgen-Verwnltung: Jüdische RundschauG.m.b.H., Berlin W15, Sachskthe Sir. 8 Tticphoo: Amt UhUud 843 und 646. An**lff«1»pr«i■ für die »׳ehetn׳eep«!tene Nonpareille**!!• 3,—* W-* FumiUeamteii;«» 4 M. pro Zeit•. Aa*•!ff •n ןchl u0! Dienstag uod Freitag Bachaittig 4 Uhr. Tei«phon: UhUnd 84$ \j.S45. Poitudierkkontoi Bertin Nr. 17 »?2. Für Oesterraich. Foaiipirkaatcnamt Wien, Konto Nr. 156 0'0. Fuf TaciiechoiicrwaVei: PoaUparkaaiemmt P•׳•*, Konto Nr. 156330. —* Rediktionaschluß fUaonUj und Mittwoch *־-־־ ג׳ אלול׳ תרס״א r XXVI Jahrg. Der Zionismus erstrebt 3Dr das Jüdische Volk die Schäftung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In PalSsMna. ״Baseler Programm. 0 Die Eröffnungssitzung Donnerstag, 1. September. Um 11 Uhr vormittags eröffnet der Priisident dex Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chakn Wcizmann, nachdem die Exekutive, von den Teilnehmern des Kongresses mit lange anhaltendem Applaus begrüßt woöden war, den Kongreß mit einer hcbriiisdien Ansprache. WeJzmanns Rede Es ist acht Jahre her, seit wir zuletzt zun! Kongreß zusammentraten, Jahre schicksalsreidver Wandlungen im Leben der Nationen. Sie waren nicht weniger bcdeutuiigsvoU für das jüdische Volk. Wenn wir unsere heutige Lage mit jener von 1913 vergleichen, so müssen wir staunen, daß ein so kurzer Zeitabschnitt 90 gewaltige Veränderungen gebracht lut. Wie war die Lage vor acht Jahren? Nach Jahren anstrengender Arbeit hatte sich uns die Ueber/engiing aufgezwungen, daß wir vor einer unübersteigbaren Mauer standen, die wir mit den gewöhnlichen politischen Mitteln nicht durchbrechen konnten. Die Kraft des jüdischen nationalen Willens schuf sich in dieser Lage zwei Mittel zur Erringung unseres Zieles: die allmähliche Erweiterung und Stärkung unseres Jischuw in Palästina und die Verbreitung des zionistischen Gedankens in allen Schieb* teil des Judentums. Unsere Kolonlsationsarbeit hatte die ersten Stadien unsicherer und zufälliger Versuche erfolgreich überwunden und konnte einer Periode ständigen Wachstums entgegensehen. Wir hatten eben einen siegreichen Kampf für die Vorhcrrsclmft der hebräischen Sprache in Palästina ausgefochten, einen Kampf, der den Pulsschlng unseres jischuw belebt und sein Seibstvertrauen und sein Bewußtsein einer hohen nationalem Aufgabe gestärkt hatte. Wir näherten uns ernstlich der Aufgabe, unseren großen Plan einer hebräischen Universität in Jerusalem zu verwirklichen. Audi in der Diaspora sahen wir, wie unser nationaler Gedanke Boden gewann und durften hoffen, daß es uns durch stetige Arbeit gelingen würde, ihm den Sun zukommeitden Platz im Leben des jüdischen Volkes zu gewinnen. Der Weltkrieg ersdiüttcrte unser ganzes Werk in seinen Grundfesten, Die Existenz unserer Organisation war bedroht. Wir mußten alle Kräfte nufhictcn, um aus dem Zusammenbruch zu retten, was zu retten war. Wir mußten zugleich die politische Bühne betreten, um uns nach Möglichkeit Bedingungen zu sichern, die uns nadi dem Kriege instand setzen sollten, unsere Arbeit auf dauerhafteren Grundlagen und in größerem Maßstabe als in der Vergangenheit fortzuführen. Das jüdische Volk, das in diesen Jahren ein Martyrium ertrug, das selbst tn seiner tragischen Geschichte beispiellos ist, klammerte sich sehnsuchtsvoller als je an die Hoffnung auf Zion, den einzigen Lichtstrahl, der das Dunkel seiner Verbannung erlvdlte. Dich wie konnten wir hoffen, unserer Stimme inmitten des ringsum tosenden Kncgslännes Gehör zu verschaffen? Wir hatten nicht Waffengewalt noch Geld noch Einfluß. Selbst die ji'tdische Legion war nur ein Symbol unserer Bereitschaft /um Opfer, weit entfernt von jeder aggressiven Absicht. Wir hatten nichts als die moralische Kraft unserer Idee, unser historisches Recht, unsere unerschütterliche Treue zu Zion und den Hinweis auf unsere bisherige Arbeit für die Wiederbelebung Palästinas. Mit diesen Waffen, und nur mit diesen, gingen wir in den Kampf •für unsere Anerkennung als eine Nation, deren Ansprüche beim Friedensschluß ein Anrecht auf Berücksichtigung hätten. Und mit diesen Waffe» siegten wir. Einmal wenigstens in der Weltgeschichte galt bloße Gercditigkert, ohne daß Gewalt hinter ihr stand. Ich brauche Ihnen die Geschichte unseres Kampfes um unsere A!> trkemvung nicht im einzelnen darzulegen. Sie ist Ihnen wohlbekannt. Bas Ergebnis war die Balfoursche Deklaratfcm, die Bestätigung dieser Deklaration durch die verbündeten Regierungen, ihre Aufnahme in den tür- Wschen Friedensvertrag und die Annahme eines Mandates für Palästina durch Großbritannien mit der ausdrück־ liehen Verpflichtung, die jüdische nationale Heimstätte zu machten. ln der Balfowsche» Deklaration haben wir jene öffentliche Anerkennung unseres historischen Ansprüche« und jene rechtlich gesicherte Grundlage unserer natiorüden Arbeit, welche die Zionistische Organ!latton •tat» an die Spitze ihrer Forderungen stallt«. Oie Batfowrecha Oaklaratkm för steh', darüber •eien wir am klar, löst nicht 1»1»»«e Fr«*! 11• bietet uni nur dl• Möglichkeit 11• m löten, fl« Ut Mt» Mg•« ittttiöftale* Heim, sic ist die Grundlage eines nationalen Heims. Wenn wir andererseits das nationale Heim nicht sogleich unter Dach und Fach sehen, wenn wir noch im. Schweiße unseres Angesichts am Erdgeschoß mauern müssen, so sollen wir doch nicht in unserer Ungeduld die Fundamente untergraben. Wir müssen daran denken, daß der politische Erfolg, der dem Zionismus einen so mächtigen Antrieb und einen so gewaltigen Zuwachs an Würde und Ansehen gab, auch dazu beitrug, unserer Bewegung offene! Gegnerschaft zu schaffen. Wenn Sk versucht sind, darüber zu klagen, daß auf der Grundlage der Deklaration nicht melir gescliaffcn wurde, so vergessen Sie nicht, daß der Nahe Orient noch ln ständiger Unruhe ist, daß der Friedervsvertrag mit der Türkei noch der Ratifizierung harrt, daß das Mandat noch nicht unterzeichnet ist. Diese Tatsachen beherrschen die Situation. Wir haben nicht aufgehört und werden nicht aufhören, auf die Schaffung solcher Bedingungen zu drängen, wie wir sie in Ercz-Israe! zu erwarten berechtigt sind. Ich vertraue darauf, daß wir Bedingungen erhalten, welche die Möglichkeit fruditbringender Arbeit sichern. Allerdings kann selbst die mächtigste Regierung Lm Getriebe der weltpolitischen Verwicklungen nur behutsam auf die Durchsetzung »Irrer Absichten himrbeiten. Doch hat ms die briüsclve Regierung ihr Wort verpfändet, in voller Kcruvtuis der Verantwortungen und der Schwierigkeiten, die dies mit sich bringt. Die britische Regierung will ihr Wort halten. Davon sind wir überzeugt. In einer Welt, in der so vieles im Flull ist, steht das Fundament unseres nntio-!ule» Heimes unerschüttert. Vergessen Sie aber nicht, daß einstweilen noch keine gebahnte Straße nach Ercz- Israels führt. Die Straße muß erst durch unsere eigene mühevolle Arbeit geschaffen »»׳erden und diese Arbeit wird den wahren Sinn der Balfourschen Deklaration! bestimmen. Wir dürfen nicht int Rückschläge nach übertriebenen Hoffnungen gc-rbgschätzen, was wir bereits auf diesem Fundament gebaut haben und noch bauen. Die Ein- Wanderungsbeschränkung und die Schwierigkeiten, die unseren Unternehmungen manchmal in den Weg gelegt weiden, geben uns manche harte Nuß zu knacken. Selbst heute, mehr als ein Jahr nach dein Beschluß von San Rcmo, tritt die dunkle Seite des Bildes noch scharf hervor und ich habe nicht die Absicht, seine!Düsterkeit zu leugnen oder auch nur zu verschleiern. Aber unsere Arbeit geht vorwärts. Wenn wir nicht mit Riesenschritten vorwärts kommen, wie wir gerne möchte», so liegt das hauptsächlich daran, daß uns die große Weltkatastrophe zeitweilig geschw'ächt hat; trotzdem lassen wir die Zeit nicht ungenützt verstreichen. Unsere Chaluzim haben dem Jischuw und dem Lande als ganzem ein Element der Kraft zugeführt. Der Kongreß wird Pläne für eine Erweiterung unserer Kolonisation&arbdt beraten und beschließen, für die Festigung unserer be• stehenden Siedlungen und für die Schaffung neuer Kolonie!» auf dem kürzlich in Nordpalästina erworbenen Boden. Ein großzügiges Projekt für Bewässerung und Ausnützung der Wasserkraft, das eine stattliche Zahl jüdischer Arbeiter beschäftigen und von außerordenb- Hoher Bedeutung für die Entwicklung des Landes sein wird, nähert sich der Verwirklichung. Eine Hypothekenbank ist in Bildung begriffen, die das Tempo der städtischen Kolonisation und der Bautätigkeit, die für die Entwicklung des Landes von so grundlegender Bedeutimg ist, beschleunigen wird. Der Kongreß wird den weiteren Ausbau unserer Finanzinstitute in gründliche Erwägung zu ziehen haben. Ein ärztliches Lehrinstitut im Rahmen unserer geplanten Universität wird hoffentlich bald Tatsache sein. Ernste und schwere Zeiten stehen uns noch bevor, wenn aber diese Zeiten vorüber sind, werden wir finden, daß wir auf unserem Wege weiter vorwärts gekommen sind, als wir damals glaubten, da noch die Wolken unseren Bück trübten. Ich sprach von den gegnerischen Kräften, die unser politischer Erfolg ausgelöst hat. Wir bedauern aufs tiefste, daß wir zurzeit noch einen Teil der arabischen Bevölkerung Palästinas zu diesen widerstrebenden Machten rechnen müssen. Unsere Politik gegenüber den Arabern, wie gegenüber all unseren anderen Fragen, ist klar und geradlinig. "Wir wollen kein Jota der uns durch die Balfoursche Deklaration zugesicherten Rechte preisgeben und die Anerkennung dieser Tatsache durch die Araber ist eine wesentliche Vorbedingung für die Herbeiführung befriedigender Beziehungen zwischen Juden und Arabern. Ihre einstweilige Weigorang, diese Tatsache anzwerkennen, zwingt tmt, auf Mittel *u sinnen, durch di« wir unteren Jiiehuw am best»״ gegen #111011 Angriff ichötien töntwtv teHMV iehuti Ist ein« «lemtirart Wlloht Aber wir pwkto■ mleren auf! feierlichste und unsweideutlggt«, daß wir keinen Gedanken an Angriff iri unseren Herzen hegen und keine Absicht haben, die legitimen Rechte unserer Nachbarn aiuutasten. Wir hoffe» auf eine Zukunft, in der Juden und Araber in Palästina nebeneinander leben und gemcüisam für das Gedeihen des Landes arbeiten. Nichts wird dieser Zukunft im Wege stehen, wenn erst unsere Nachbarn cinsehen, daß uns unsere Rechte ebenso heilig sind wie ihnen die ihrer». Die innere Lage unseres Volkes ist noch immer von den Kricgsfoigen beherrscht. Dieselbe Zeit, die uns die Balfoursche Deklaration gab, brachte Zer- Störung und Verzweiflung ühcr die stärksten Zentren jüdischen Lebens, eben jene Zentren, aus dewa» unsere nationale Bewegung ihre Kraft sog. Solange sich das Ostjudentum nicht in einem gewissen Maße von dem Unglück, das cs getroffen hat, erholt, muß unsere nationale Arbeit unweigerlich schwer behindert sein. Wir können aber nicht warten, bis das Ostjudentum imstande ist, seine Kraft wiederzugewinnea Es ist unsere Pflicht, unser äußerste« zu tun, um alle Kraftquellen des Judentums, die uns noch erreichbar sind, unserer nationalen Arbeit zuzulcitea Keine andere Absicht beherrschte uns in unseren Beziehungen zum amerikaniselten Zionismus. Wir dürfen hoffen, daß das amerikanische Judentum sich der schweren Verantwortung bewußt ist, die auf ihm als der einzigen großen jüdischen Gcmeii»- schaff ruht, die verhältnismäßig von dem Zerstörung«- elend, das der Krieg mit sich brachte, verschont blieb. Für jene Juden, die heute außerhalb der Zionistischei» Organisation stehen, ist auf dem Gebiete praktischer Tätigkeit in Palästina sowie kultureller und erzieherischer Arbeit ein weites Feld, auf dem gemeinsames Wirken möglich sein wird, ungeachtet unvermeidlicher Differeuzen in der Auffassung. Ich hoffe und glaube, daß siel» die Berührungspunkte als dauernder erweisen werden ah die Differenzen. Die Juden Großbritanniens haben durch die Schaffung des ״Economic Board“ ein Beispiel gegeben, von dem wir praktische Leistungen von höchstem Wert erwarten. Wir hoffen, daß auch die jüdischen Gemeinschäften in anderen Ländern ihre Kräfte mit denen der Gesamtheit in der einen oder in der anderen Form vereinigen werden. Wir unsererseits sehen im Keren Hajessod das Insirument des nationalen Willens zum Wiederaufbau Palästinas. Aber wir verstehen, daß nicht alle Juden ebenso wie wir anerkennen, wie nötig ein einheitlicher Ausdruck des nationalen Willens ist Wir sind bereit, zuzugeben, daß mehr als ein Weg mach Palästina führt und es ist nicht unser Wunsch, andere Wege für jene zu sperren, die nicht den unseren gehen wollen. Mögen sie nur in Aufrichtigkeit und Ziel• strebigkeit Hand ans Werk legen und wir werden sie bereitw₪g als Genossen unserer Arbeit anerkennen. Ich hielt es in diesem Augenblick nicht für notwendig, mehr zu tun, als in Kürze die wichtigsten Punkte der äußeren und inneren Lage des Zionismus zu herühren. Trotz allen Schwierigkeiten steht eines fest: unsere Organisation ist heute viel stärker als je zuvor. Der nationale Wille lebt und wirkt in weiten Schichten unseres Volkes. Hindernisse, die jetzt gewaltig scheinen, werden durch Entschlossenheit, zähe Arbeit und Opfer überwunden werden. Met, Selbstvertrauen und Einheit sind, was uns not tut. Mit ihrer Hilfe werden wir siegen. Emst und feierlich ist die Stunde, in der der Kongreß seine Beratungen beginnt. Es ist mein heißer Wunsch, daß er sich der Verantwortung gewachsen zeige, die auf ihm ruht. Oie Rede Sokolows Verehrter Kongreß! Eine ereignisreiche und schicksalsschwere Zeit Ile zwischen unserem früheren und gegenwärtigen Korrroe De ruhige Fciertagsstimirning unseres letzten Kon׳׳rcss war kaum verrauscht, als der Weltsturm ausbrach. D Idyll des Völkerfriedens verwandelte sich plötzlich einen verheerenden Völkerkrieg, wie ihn die Geschieh der Menschheit me zuvor gekannt hat. Die Säulen d Erde erzrtterten. Mit unwiderstehlicher, elementarer G wall wütete der Kampf bis die Stunde der Entscheid״! schlug und der große Sie״ errungen worden ist. U! nun stehen »vir vor den Trümmern einer verdorben( zerstörten und vor dem Gerüste einer neuen, besser st ÄS• s;nd *«ÄS 1»fm untergegangenc Staaten critandcn wie Vhönlxe aus ih Asche und neue Staatigebildc wurden Ins Leben ׳ Wien. politische Lindkarte, die der gegenwärt Kongrift vorfindet, lieht pn* Anden all die frühere a זים *•Hkr»״ und da« jftdiiclit Valh 1

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