Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 68 (26.8.1921)
- Date
- 1921-08-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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r &, I vVW(. •}1Km 5,, 1״׳«.Vn S *t*?*‘Ihn, <<־״ it״t.?•*Q0|<U »f. Z״H ׳ ihaätt•( Aiidaktioo und Vertag* W 15, Sitchnischo Slr*Üu & Erscheint Divnitog: und Freitag, Bciuguprcit bei der Expcditioo und den Por.tamtefD vierteljährlich IS.— M. io Deulichlaad. AusUadsnbonnemmt« werden in der ,Wabrung der eioielnco lüodcr bcruohuet. Nummer 68 jj Berlin, 26. VIII. 1921 .. _, ___” ——— — — — ————■—1———™יי—M———— An 2t>t <t*!rparmm -V er wa 11 u n sr: Jüdische Rundschau G.m.b.R, Berlin W15, Sächsische Str. 8 Telephon: Amt (Jhlund 845 und 846. An so lg eupre 1• für die •iebenn'e&paUeoe Nonpareille*«»!« 3,־—ML, Fomilici1*nxeig«o 4 M. pro Zeile. Anielgonichlufli DtcosUf und Freitag Dachmitt a? 4 Uhr. TelephonJ UhUnd 845 u.846. Poatscheckkonto* Berlin Nr, 17394:. Für Oesterreich. Poitsparkassenamk Wien, Konto Nr, 156 ÖJÜ. Für Techtchonlowalcci: Poateparkaaaenamt Prag, Konto Nu 166330. —׳ RedaktionaacliluB Sonnteg und Mittwoch D&chiaitt sg— .־ כב, אב< ח~ס״א | | xxvi־.jahr^T Per Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm. Mitteilung der Exekutive Die Exekutive (1er Zionistischen Or* ga n i sa t ion teilt mit: 1. Die Tagesordnung des Kongresses ist wie folgt zu ergänzen: 10a. Palästina-Referat: Ia. Landwirtschaftliche KolonisationsinöglicTikcitcn, Referent: Herr Dr. S. E. So sk i n. 2. Delegierte, die verhindert sind, am Kongrcll teil/miehmcn, sowie diejenigen, die mehrfach gewühlt wurden, werden ersucht, dies׳ dem kongrcübüm in Karlsbad unverzüglich bekanntzu geben, damit die Ersatzdelegicrten rechtzeitig einberuien werden können. J. Es wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, dal! der Sitz der Exekutive, augefangen \0m '25. August bis zum Schluß des Kongresses, sich in Karlsbad befindet und daß alle Zuschriften dorthin, und zwar an die Adresse der Zionistischen Organisation, Schützenhaus, Karlsbad, zu richten sind. Oie erste Sitzung der deutschen Landsmannschaft in Karlsbad Berichtigung.!)1v für den 31. August 1021, 9',־ Uhr vormittags, angekündigte Sitzung der deutschen Landsmannschnft in Karlsbad findet nicht, wie urspriinglieh angekündigt, im Kongreßgebihidc, sondern im Etablissement W e b e r zu Karlsbad statt. Die Delegierten aus Deutschland, einschließlich Oberschlesien, sowie die in Deutschland ansässigen Mitglieder des Actions-Coniites werden zu dieser Sitzung hiermit Ungeladen. Ais Gäste haben alle in Karlsbad anwesenden Mitglieder der Zionistischen Vereinigung für IOcntschland Zutritt, Berichterstattung über den Kongreß Während des Kongresses erscheint die ״Jüd. Rundschau“ regelmäßig und wird einen zusammengefaßten Vcrhandlungsbcricht veröffentlichen. Der genaue Verhandlungsbericht wird auf Grund des Protokolls in der offiziellen Kongreßzeitung veröffentlicht, die während der ganzen Dauer des Kongresses täglich erscheinen wird. Wir empfehlen allen unseren Lesern dringend das Abonncment dieser Kongreßausgabe, da nur aus ihr ein einigermaßen genaues Bild der Kongreßvcrhandlungen zu entnehmen sein wird. Bestellungen sind umgehend zu richten an die Administration der ״Jiid. Rundschau“, unter glelcincitiger Elniendung des Abonnementsbetrages von 35 M. für die gittm• Ausgabe, 1««■■^ ׳— m ווו Die Wettkonferer.z der zionistische!! Studenten in Karlsbad Vom 28.—31. August 1921 findet in Karlsbad die Jahreskonferenz des Weltverbandes zionistischer Studentenorganisationen im Etablissement ״Schweizerhof“ in Karlsbad mit folgender Tagesordnung statt: 1. Eröffnung der Konferenz am 2S. August, 10'/s Uhr vprmittags. 4. Wahl eines Statuteivausschusscs. 2. Wahlen des Büros und des Präsidiums. 3. a) Rechenschaftsbericht der Exekutive; b) Ziele und Aufgaben der Studcntenwcltorganisation. K Jahresberichte der einzelnen Landesorganisationen. <>. Pie Erziehung des zionistischen Studenten im Galuth. Die jüdischen Studenten und die Universitäten im Galuth. 8. Hcc Studenten und die Jugendbewegung 9. Bericht des Studentenausschusscs. 10. Wahl der Exekutive. 11. Schluß der Konferenz. Eine oder mehrere der Sitzungen werden den Sitzungen der Fachgruppen eingeräumt werden, wo die allgemeinen und speziellen fachlichen Fragen erörtert werden. Im Rahmen der Konferenz finden einige Voranstaltungen statt. Es werden von allen Ländern ins• gesamt etwa 70 Delegierte anwesend sein. Adresse des Vorbereitungskomitees und der Konferenz: A. Hirsch, Karlsbad, Haus ״Verdi“. Abdankung des Emir Abdullah? ״Haarcz“ wilJ in Erfahrung gebracht haben, daß der im Ostjordanland zum Oberhaupt der Verwaltung eingesetzte Emir Abdullah abgedankt hat. Als Ursache soll die wachsende Unsicherheit im Ostjordanland dienen, zu deren Bekämpfung der Emir englische Verstärkungen erbeten hatte. Der Oberkommissar hat die Abdankung nicht angenommen. Wie verlautet, soll die Reise des Colonel Lawrence zu Hussein, dem König von H ed - schas, dein Vater Abdullas, mit dieser Angelegenheit in Zusammenhang stehen. Die Unsicherheit im Ostjordanland ״Haare/.“ veröffentlicht ein Zitat aus einer a ra• bischen Zeitung, in der in einem offenen Brief an den Oberkominissar und an den Emir Abdullah über die in der let/tcn Zeit wachsende Unsicherheit im Ostjordanland Klage geführt wird. Die Beduinen überfallen ganze Dorier, nehmen die Herden mit und ph'mdern die Felder usw. Die Bevölkerung lebt in dauernder Angst und ist gezwungen, oft mit den Beduinen regelrechte Kämpfe zu führen. Die Zeitung fordert von der englischen Regierung, die das Mandat über Palästina übernommen hat, daß sie für die Sicherheit von Leben ti n d Eigentum der friedlichen Einwohn er Sorge trägt. Die Zustände im Ostjordanland sind für uns insofern von liiteTesse, als sie die Lage im Orient beleuchten, zumal in einer Gegend, in der man mit Bolschcwistcnmärchou und Zionismus nicht operieren kann. Die Notwendigkeit von Reformen in Falästina Das Organ des britischen Palästina-Komitees ״Palestine“ bespricht in seiner letzten Nummer an leitender Stelle die Lage in Palästina, und legt eingehend dar, daß sie unter großen Mängeln in der Verwaltung leidet, wodurch vielfache Schwieigkcitrcu und AliiS- Verständnisse entstanden sind, die vorläufig dem jüdischert Volke, insbesondere den Zionisten, beim Aufbau der nationalen Heimstätte hinderlich in den Weg treten. Das Blatt weist darauf hin, daß die an Herbert Samuel geknüpften Hoffnungen nicht an der Person Samuels felilsclilngcn, da der High Commissioner ein guter Zionist ist und er immer darauf ängstlich bedacht ist, die ihm aiivertraute große Aufgabe zu erfüllen. Die Mängel und Widerstände liegen woanders und erst wenn sie gänzlich beseitigt werden, wird Herbert Samuel seine Freiheit wiedergewinnen, um die von ihm übernommene Mission auszuführen. Diese Fehler resultiereu hauptsächlich aus der sogleich zutage getretenen Opposition mancher militärischen H ä 1! pt e r, als die Regierung ihre Politik der Balfour-Deklaration verkündete. Da die'Regierung ihre Politik euergisch durelmifiilmu wünsche, so muß Palästina zunächst aus seiner militärisch eit Abhängigkeit von Aegypten befreit werden. Das militärische ö. H. Q. Palästinas kann nicht, wie bisher in Kairo sein, Palästina muß sein eigenes MliililrlifttijilijiinriltT haben, es miUse aufhören, ein Aiiliilngwl Aegypten» ln mllitlirischem Simm xu «ein. Die Zukunft tendiert «her zu einer Palilntlnn-Oamlson, die gleichzeitig eine Garnison für Aegypten sein werde. Dis' zweite Ursache ist, daß ein großer Teil des gegenwärtigen Ve r w a 11 u n g s p e r s o ״ a 1 s in Palästina der Politik des Home Government aktiven W i d c r s t a n d 1 e i s t c t. Dieser Nonsens muß ehestens aufhören. Unsere Politik in Palästina muß durch die Zcntralregierung in London geführt werden, keinesfalls Zaber durch Leute, die sich nie die Mühe gaben, den Zionismus im Zusammenhänge mit dem britischen Gemeinwesen zu verstehen. Alle dieser Politik unfreundlieh gegenühcrstchciidcn Beamten müssen daher deren vorgefaßte Ansichten ändern, oder ihre!*osten verlassen. Denn hier stellt nicht bloß der Zionismus auf dein Spiele, sondern die ganze Autorität der Zentralregierung. Es ist besser, die Empfindlichkeit dieser Beamten zu letzen, als daß das britische Wort seine Geltung im mittleren Osten verliere, oder daß dem guten Namen Großbritanniens in allen Ländern, wo Zionisten leben, dadurch präjudiziert werde. Sir Herbert Samuel hat den Willen und die Fähigkeit, dieses große Werk auszuführen, sobald ihm nur eine fair chancc zuteil wird. Für diese fair chancc legen wir mm unser Wort ein. EiiTofllzleller Bericht Aber die Lage 10 Palästina Auf eine Anfrage von Ormsby-Gorc im englischcn Parlament teilte der Unterstaatssekretär im Kolonialministcrium, Air. Wood, mit, daß am 18. August im Kolonialministcrium ein Bericht des Oberkommissars über die Lage in Palästina eingetroffen sei, der so schnell wie möglich als Weißbuch veröffentlicht werden wird. Slawische Juden Von Clt. A. Krtipnik. Als die deutschen Armeen tief in Rußland vorgedrungen waren und die deutschen Generäle die Ostgrenzen nicht östlich genug abstecken konnten, da haben die alldeutschen Juden mosaisehen Glaubens bei all ihrem damaligen patriotisehen Annexionismus doch ein unbehagliches Gefühl gehabt bei der Aussicht, bald ein paar Milliorien sonst natürlich lieber Glaulvensbriidcr in ihrer Mitte als gleichberechtigte deutsche Staatsbürger begrüßen zu müssen. Die deutschen Zionisten, die, ohne die Besonderheiten der russischeu Juden zu verkennen, in ihnen auch früher bereits gleichberechtigte Brüder gesehen hatten, Ivättcn, ohne mit ihrem Patriotismus in Widerspruch z\1 geraten, sich über den Zuwachs zum deutschen Judentum nur freuen können. Die anderen aber mußten zu verschiedenen Theorien greifen, um die Sonderstellung der russischen Juden zu rcchtfertigen. Sie machten sich damals sogar die ״Ostj u d e n“ theorie zugute, gaben zti, daß int Osten, wo die Sonne der Emanzipation unsere armen Glaubensgenossen noch nicht beschienen hat, die Verhältnisse anders lägen, dort habe sich noch die jüdische Eigenart, die jüdische Sprache und die jüdischen Sitten, kurz das eigenartige jüdisch» Leben voll erhalten. Sie gaben sogar zu, daß für jene Juden der jüdische Nationalismus, ja, der Zionismus seine Berechtigung habe. Das assimilatorische ״Berliner Tageblatt“ brachte sogar Proben von ״ostjüdischcr“ Kunst (Sajomon Deinbizer). Manche — uns nicht ganz fernstehende Personen - gingen freilich noch weiter. Sie erklärten einfach alle;Juden Rußlands für Deutsche, da sie ja schließlich einen deutschen Dialekt sprechen. Die russische Heeresleitung hat sieh diese jüdischdeutsche Theorie zu eigen gemacht und hunderttausende Juden aus der Kriegszone ״als Deutsche“ evakuiert und zugrunde gerichtet. In jener für Rußland nicht günstigen Zeit hat es der russische Jude und deutsche Journalist, Herr P. Barchan, der im ״Berliner Tageblatt“ als Fachmann für Rußland gilt, vorgezogen, seinen echt russischen Namen Pawel in den deutschen Paul umzutaufen. Seit jenen Jahren hat sich vieles geändert. Die Gefahr der Invasion von Ostjuden spukt nur noch in den Köpfen von kopflosen preußischen Poütikem, Die deutschen Juden dagegen haben sich beruhigt lind können auch die nach jüdischen» Nationalismus aussehende Theorie von der Eigenart der russischen Juden ablegen. Rußland ist jetzt Mode geworden. Das Interesse für Rußland steigt mit der russischen Hungersnot, die die Aussichten auf einen baldigen Sturz der BoUchcwiki und auf dai ÄufblUhen de» ruiulschon Geschäftes bietet — und Paul Barchan, der minmelir wiederum Pawel heißt, — beweist im ״Berliner Tageblatt“, (daß es in Rußland eigentlich gar keine Juden gibt. Er versteigt sich dort zu folgenden an Unsinnigkeit kaum noch zu übertreiienden Sätzen: ״Das Semitentum der nndschcn Juden ist eia problematisches Ding. Andersrassige Sekten, Gemeinden und einzelne, die ztim Judentum übergetreten, sind, die Blntmischungen, die, sagen wir, von der Zeit Bogdan Chmelnit/kis bis aus die Gegenwart ihnen allerlei russische Rassenclementc eingeimpft haben, haben die russischen Juden zu einem tatsächlichen Bestandteil des Russentums gemacht, und inan darf getrost sagen, daß der größte Teil des russischjüdischen Blutes nicht semitischen Ursprungs ist.... Und wenn jetzt von manchen Winkeln herausgoschrien wird, daß in Rußland unter der kommunistischen Herrschaft hauptsächlich oder gar ausschließlich Juden am Werke sind, was durch jede Statistik widerlegt ist (außerdem: gerade die von den Juden beweinten Striche sind von dem kommunistischen System 1111berührt geblieben), selbst wenn es wahr wäre, daß gegenwärtig Rußland von jüdischen Führern regiert wäre, so konnten diese folgendes antworten: ״Immerhm fließt noch in unseren Adern mehr slawischen Blutes als in den Adern jenes Häufleins, das die letzten zweihundert Jahre hindurch Rußland regierte Sie alle zusammengenoramen.“ Einen Beweis für diese Theorie sicht Herr P. Barchan in dem Drang der russischen Juden zur Landwirtschaft, der auf die Beimischung des slawischen Blutes zurückzuführert sei. Die Juden hätten also an sich diesen Drang (als ob׳ der Drang zu einem gewissen Erwerbs-