Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1921)
- Date
- 1921-08-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2652316-2652376--14262-2672068- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
60 r wrff,׳• V \ iin{!8, m, ICH, B.H .זד OCH. «CK. 14 7« UCH. •R. 1» itlE ihtrniR. ־־ M. 8.00 4; Wpsoo •1' a. 12.-1 . 14.4.— *I b. 12.-!»kknr. ■ dnlich•: Veiten•■ 4.85.-,: ) 250.-: ‘ i «h ץ -"■^■ייי*«יי״י,^*יי | . ן .j» C-- c .} V ע. a״ fö \;w Reduktion und Verlag- W 15, S3ch*i*ch© Straße 8. Erscheint jeden DiensUjf und Freitag-. Ber.ugsnrtU bei der Expedition und den PokUiratera vierteljährlich IS.— M. in DeuUehUnd. A»*Uod*nbonoe• ment* Werden in der Wahrungder einzelnen Lhader berechne t. Nummer 67 I Berlin, 23. VIII. 1Q21 -■י■——■*“־————---•—־■-— ■ — ■ ■־ ___י® — An zeigen-Verwaltung: Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Sächsische Str. 8 Telephon: Amt UhUnd 845 und 846. Aaxelge&prels für die ©iobenge״p*!teno Nonpareille*®{!© 3,— M., ramilie0Hf1T«i<>ea 4 M. pro Zeile Ameigen chluQt Dicn*Uf und Fraitag nnchtnttt*jr A Ubr. ^ןךץ־-^סץ^ .*■»3k 4SL* -Ja* c. Telephon: UhUnd 64S u.846. Poetecheckkontot Berlin Nr. 17393. Für Oeiterrelch. Pottfsparkasscnumt Wien,!Conto Nr. 156 030. Für T*ched10slow*kei: Po»t»parkamtene1nt Prng, Konto Nr. 156330. — RecUklion**chSuß Sonnlug und Mittwoch nadbmHtag. ־■— חרח״א א: aav» Jahrg. Dar Zionismus erstreb« tflr das indische Volk die Schaffung einer Offontllch-rechtllch gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Die arabische Delegation bei Churchill Die Delegation des ״palästinensischen arabische» Kongresses“ wurde am 12. August von Mr. Churchill empfangen. Die ״Times“ vom 13. August berichtet j darüber folgendermaßen: j ״Gestern wurden Musa Ka/im Pasha e! Husscini j und die übrigen Delegierten des muselmännischen und i christlichen arabischen Kongresses von Palästina von! . Mr. Churchill im Auswärtigen Amt empfangen und j trugen die Sache der Araber vor. Wie verlautet, fordern [ sie 11. a. die Einsetzung einer aus Landcsvertretern bcstehende Regierung mit einem Parlament, das vor allem von solchen Wählern gewählt wird, die bereits vor dean Kriege in Palästina ansässig waren. Ein Präzedenzfall für eine derartige Maßregel ist gegeben in der Berufung Emir Feisuis auf den Thron von Irak durch ein Plebiszit derjenigen, die in der früheren ottomanischen Wählerliste des Landes eingetragen sind. Ferner möchten die Araber, daß die künftige Kontrolle über die Immigration und das Wahlrecht diesem Parlament obliege" soll, das sie natürlich durch ihr, nummerisches Ucbergewicht beherrschen würden. Audi verlangen sie, daß die Verordnungen, die seit der britischen Besetzung von der Militär- oder Zollverwaltung erlassen worden sind, dem neuen palästinensische» Parlament zur Bestätigung oder Rcvidicrung unterbreitet werden sollen. Es wird sogar proponkrt, daß die Balfour-Deklaration aufgehoben werden soll, da die Araber behaupten, die Zionisten legten sie in solcher Weise aus, daß den übrigen Bevvohn e r 11 Palästinas ein entschiedenes U11recht Zuge fügt würde, trotz der Klauseln, die die Deklaration enthält, und die ihre Bestimmungen zu mildern Und die Rechte der ansässigen Majorität zu wahren scheinen. Was auch das Ergebnis dieser Aktion sein möge, es ist unwahrscheinlich, daß einem palästinensischen Parlament das Recht cingerüumt werden wird, Gesetze zu machen, die mit den Mandatsbestimmungen in Widersprucli ständen; dementsprechend dürfte die Immigratioiiskontrolle, die seit dem Jaffaer Ausbruch im Monat Mai erheblich verschärft worden ist, der Maudatarinacht unmittelbar Vorbehalten werden. Es wird aber im luteresse sämtlicher in Palästina vertretenen Religionen darauf hingewiesen, daß eine präzisere Aus- Icgung der genauen Bedeutung der Baif o u r - D e k 1 a r a t i o n als die, welche der Oberkommissar am 3. Juni gegeben hat, erforderlich ist, da der gegenwärtig in Palästina herrschende Zustand der Ungewißheit die Entwicklung des Landes beeinträchtigt.“ Die ״Morning Post“ vom 13. August bringt eine Unterredung mit Mr.• Shibley Jamal, dem Sekretär der Delegation, in welcher die arabischen Forderungen ausführlich wiedergegeben sind. Danach bestellen die Forderungen ausführlich in folgendem: 1. Daß eine nationale Regierung in Palästina geschaffen werden soll, die einem Parlament verantwortlieh sein soll, das von Leuten gewählt wird, die vor dem Kriege in Palästina wohnten — Christen, Moslemen und Juden. 2. Daß das Prinzip der Schaffung eines nationalen Heims für die Juden aufgegeben werden soll, da cs sich nicht mit der Sicherung der Rechte der Araber vereinbaren läßt. 3. Die Sperrung jeglicher jüdischer Immigration nach Palästina bis zur. Bildung einer nationalen Regicrung. 4. Dal! sämtliche Gesetze, die seit der Besetzung durch England erlassen worden sind, aufgehoben werden, und keine neuen Gesetze gegeben werden bis zur Bildung der nationalen Regierung. Die ״Morning Post“ berichtet noch, daß Churchill in seiner Antwort versprochen hat, alles zu tun, was in seiner Macht liegt, um den Forderungen der Araber cntgcgciizukonimeii. Er betonte, daß er nicht cinsche, warum dk־ Prinzipien des Vertrags von 1915 und die Versprechungen der Regierung an die Juden nicht in Einklang zu .bringen wären. Die Delegation wird nächste Woche noch eine Unterredung!mit Churchill haben. Die Delegierten der palästinensischen Schriftsteller Nicht Politik — Kolonisation Von Dr. Hugo B e r g m a n n, Jerusalem. Wir entnehmen diesen Aufsatz dem Sammclbuch ״Die Araberfrage“, das im Verlag der ״Freien Zion. Blätter“, Heidelberg, erschienen ist. Daß durch Aufsätze, noch dazu deutsch geschriebene, sehr viel zur Klärung der Frage beigetragen wird, kann ich leider nicht glauben. In den letzten Monaten ist von deutschen Zionisten sehr viel Theoretisches, ach allzu Theoretisches, über die Araber geschrieben worden, ohne daß uns einer einen gangbaren Weg gezeigt hätte. Bloße Schlagwortc, wie ״Solidarisierung mit den Arabern“ sind als solche ebenso gefährlich wie die Blindheit der meisten palästinensischen Juden, die in der arabischen Bewegung das Werk von ein paar Führern sehen, die man entweder mit ״starker Hand“ oder mit Aemtcrn oder mit Geld benihigen könnte. Das Problem ist deswegen so schwierig, weil niemand weiß, was die palästinensischen Araber eigentlich wollen. Ihre nationale Politik ist ganz negativ: Keine Juden! Und ihre offiziellen Deklarationen, die an Churchill gerichtete zum Beispiel, rieche» so sehr nach europäisch-antiscmitischcr Küche, daß sie sicherlich nicht von Araber» geschrieben wurde, sondern von Europäern, denen sich die arabische Bewegung zum willfährigen Werkzeug macht. Müsse» wir also die Last des Judenhasses auch nach Palästina bringen? Fast scheint es so, und doch sind die Verhältnisse so ganz anders. In Europa sind wir die ökonomisch Ueberfliissigen, die Nutznießer, die Parasiteu. ln Palästina sind wir, wenn auch in noch so bcschcidcncm Maße, schöpferisch gewesen. Der Jischub ruht auf der schöpferischen Arbeit der Kolonisten, Arbeiter, Lehrer, Wir brachten Werte ins Land. Wir können den Arabern helfen, wie noch kein Volk dem anderen geholfen hat. Wir trocknen Sümpfe, sanieren, wir errichten Schulen (auch für Araber: Rosch Pinah), Krankenhäuser, ,Bibliotheken, Museen, deren Nutznießer auch die Araber sind. (Man sehe am Morgen den Hof des Rotschildspitals — voll von Arabern!) Und dennoch dieser Haß. Freilich, wir haben ihn genährt. Wir haben beantragt, daß man die Araber aus Palästina wegkoloni« siercu (Zangwill), daß Palästina so hebräisch sein müsse wie England englisch (Weizmann vor der Friedenskonferenz), wir schrien (während wir tatsächlich keine tausend Araber beschäftige» konnten!) ״jüdische Majorität!“, das heißt Herrschaft, Herrschaft. Wir sind ganz verseucht von europäischer Machtidcologie. Aus diesen Herreninstinkten heraus schlug der Kolonist seine arabischen Arbeiter, schuf der ״Schomer“ eine ganze Ideologie der Kraft. Wir glaubten, daß eine politische Maßnahme gerechtfertigt ist, wenn sie ״zum Wohle des Volkes“ geschieht. Nationaler Egoismus war höchster Wertrnesser. ״Wir müsse» nach Palästina, wir haben keine Wahl, wir müsse» die Araber verdrängen, weil wir ohne Heimat sind. Sie haben Mesopotamien und Arabien“ — so sprechen die besten unter uns in Palästina, die wenigstens die Tragik sehen. Aber tatsächlich liegt die Tragik in Wörtern Tatsächlich hat unsere Kolonisation arabische Dörfer reich gemacht und gefestigt. (Daß wir dumm genug waren, an einzelnen Orten, die wir okkupierten, die Inwohner zu expropriieren, ist wahr, aber im ganzen haben die Araber durch uns immer gewonnen.) Aber wie bei an* deren Völkern heute die politische Phrase der Wirklichkeit nicht entspricht, so schreiben und sprechen auch wir von dem arabisch-jüdischen Gegensätze, der in Wirk- Uchkeit gar nicht besteht, sondern nur gemacht wird durch die klingenden Deklarationen, die mau uns und ihnen von verschiedener Seite verspricht. Nicht unsere tatsächliche Arbeit in Palästina (gleich Null) regt die Araber auf, sondern die politische Deklaration, die hinter jedem Immigranten zn stehen scheint. Eine Aenderung kann nur kommen, wenn im Zionismus wieder einmal — wenn auch auf höhere» Niveau — der praktische Zionismus den politischen ablöst. Wir können nicht zurück zum kleinen Maßstab früherer Zeiten, aber wir müssen das Bauen, das Kolouisiere» an die erste Stelle rücken. Ob die politischen Führer mit ihre» Machtträumen zu dieser Umstellung des Denkens fähig sind, weiß ich nicht. Aber die Wirklichkeit hat keinen Platz für politische Deklarationen. Politica ancilla realitatis — das ist der Weg. Worte trennen, Tatsachen vereinigen. Mandat und Verfassung für Palästina j London, 18. August (J.C.-B.) ן ״Times‘‘ erfahren, daß der volle Text des Pai lästina-Mandates anfangs September offiziell veröffentlicht werden wird. Fenier soll gleichzeitig ein zweites Dokument, das die Verfassung für Palästina enthalte, dem Völkerbünde vorgelcgt werden, damit auch dieses Dokument die Sanktionen und die Autorität des Völkerbundes erhalte und gleichzeitig mit dem Mandatstexte verlautbart werden kann. Die Kolonisations-Konferenz L. Z. B. Im ZentraLbüro der Zionistischen Organisation London wurde vom 10. bis 15. August 1921 eine Kolonisations-Konferenz abgeh alten. Sämtliche Ln London anwesenden Mitglieder der Exekutive waren anwesend, ferner Dr. R11 p - pin, Dr. Soskin und Herr Trietsch als Sachverständige. Es wurden fünf Sitzungen abgelialtcn, in welclien die verschiedenen Probleme der landWirtschaftliehen Kolonisations-Methoden eingehend behandelt wurden. Die Ansicht der Konferenz lief darauf hinaus, daß intensivere Bewirtschaftungs-Methoden eingeführt werden müßten. Folgende, dem Kongreß zu unterbreitende Beschlüsse wurden .angenoinmen: 1. Die Exekutive ist der Meinung, daß dem Vorschlage von Dr. Soskin gemäß, eine Kolonie von etwa 500 Kolonistenaufbe wässertem Lande in Palästina allgesiedelt werden sollte auf der Basis intensivster Bewirtschaftung. 2. Zur weitmöglichsten Ausnutz 11 ngu 11 bewässerter Ländereien sollen Versuche mit dem Anbau von Getreide und Baumpfl.mzungen gemacht werden. Dr. Soskin wird mit der Ausführung der Vorschläge im Zusammenwirken mit der Exekutive betraut. 3. Die Exekutive ist der Meinung, daß Besiedlung Ln Form einer Gartenstadt für unsere Arbeit in Palästina von größter Wichtigkeit ist Ein Sondcr-Departenient soll ins Leben gerufen werden, dessen Aufgabe es sein soll, die Anlegung von Garten-Städten zu fördern, die von seiten der ZU onistischen Organisation unternommene Gartenstadt-Kolonisation zu verwalten und etwaige Privat- Initiative nach dieser Richtung zu beraten und zu fördern. 4. Die technischen Begründungen des Vorschfags zur Errichtung eines ״Mo s c h a w O vv d i m“ (Arbeitersiedlung), sollen nochmals eingehend geprüft werden, und Dr. Soskin soll gebeten werden, sich an dieser Prüfung zu beteiligen. 5. Die Frage der ersten Besiedlung der kürzlich in Palästina erworbenen Liindereien, sowie jener Ländereien, die innerhalb der nächsten Jahre erworben weiden dürften, soll gelegentlich einer in Karlsbad abzuhaitenden Sitzung der Exekutive, zu welcher Sachverständige geladen werden sollen, besprochen werden. Das Gerichtsverfahren über die Exzesse Im Zusammenhang mit den Jaffaer Exzessen wurden etwa 30(1 Personen, Araber und Juden, verhaftet. Bis Ende Juli wurden davon 35 Juden und 4t Araber abgeurteilt, je sieben Juden und Araber wurden freigesprochen. Die Hatiptbesehuldigung gegen die Juden war Widersetzlichkeit gegen Befehle der Behörden oder das Tragen von Waffen. Einige Urteile gegen die Juden sind sehr streng und wurden vom Appdlationsgericlit derart abgeändert, daß aus der Art der Abänderung schon hervorgeht, daß sic vom AppetiaUonsgcrieht für ungerecht angesehen wurden. So wurde einem Juden, welcher wegen unbcrechtigte» Tragens einer Uniform zu drei Monaten Arrests verurteilt worden war, diese1 Strafe vom Appellation»• gericht in eine Geldstrafe von 1 Pfund umgewandelt. Diese Umwandlung von Gefängnisin verhältnismäßig kleine Geldstrafen kam öfters vor. Von den fünf Juden, die einem Spezialgerichtshof überstellt waren, wurden zwei freigesprochen. Von den zwei Arabern, die sich vor dem speziellen Gerichtshof zu verantworten hatten, wurde einer zu 13 Jahren, der andere zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt Jerusalem, 15. August (J. C. B.) Ein« in An- Wesenheit der neucingetraffencn hebräischen Schriftsteller aus der Ukraine abgehaltenc Sitzung der hebräischen j Schriftstellerveremigung Palästinas, wählte die Herren Dawid Y e 11 in, Wilk a n sk i und Dr. Glückson als Delegierte dieser Vereinigung zum XII. Zionistenkongreß. Auf der gleiche» Sitzung wurde die Begründung einer j großen Vertagsgescllschaft zur Herausgabe klassischer ‘ heb! scher Literatur, beschlossen ..—.-. י Das Kunstgewerbe fn Palästina Jerusalem, 15. August (J.C.B.) Die Verein;- gütig der jüdischen Künstler Palästinas hat auf Vorschlag des .Waad Lcumi ein Memorandum über die Mögliclikeiten zur Entwicklung verschiedener Zweige jüdisehen Kunstgewerbes im Lande ausgearbeitet um es dem Zionistcnkongreß in Karlsbad zu unterbreiten Das Memorandum zählt eine Reihe solcher Kunst«- werbetndustrien auf, die auf sicheren Erfolg rechne» kon-nett.