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Jüdische Rundschau · 1921-08-12 · Heft 64 (12.8.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 64 (12.8.1921)
Date
1921-08-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Zionismus erstrebt für das JQdlsche Volk die Schaltung einer Oflentllch-rechtllch gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.» An alle Leser! Vom 15. August d.Js. ab befindet sich die Anzelgenverwaltung der ,Jüdischen Rundschau" wieder bei der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Alle Anzeigen und Inseratenbeträge gelangen nunmehr direkt an die ,.Jüdische Rundschau“. Jedem Leser unserer Zeitung ist die Möglichkeit gegeben, durch häufige Benutzung der ״Rundschau‘4 als Insertionsorgan zu ihrer Finanzierung direkt beizutragen. Berlin W 15, Sächsische Str. 8 Jüdische Rundschau Anzcigcaverwakaog. Die Wahlen zum XU. Zionisteakoagreß in Deutschland Vorläufige Mitteilaag über das Wahlresultat Bei Schluß der Redaktion stellt des Ergebnis der Waiden noch nicht vollständig fest. Es fehlen noch die Resultate aus einigen Ortsgruppen und vor allem ist das Resultat der schriftlichen Ab- Stimmung noch nicht festgestellt worden. Die endgültige Ermittlung des. Wahlergebnisses erfolgt in der Sitzung der Hnuptwahlkommission vom 11. September 1921. ' Bei der Hauptwahlkomniission sind bisher die Wahlprotokollc aus 70 Ortsgruppen eingclaufcn. Hiernach sind in diesen Ortsgruppen im ganzen I 4577 Stimmzettel abgegeben worden, und zwar : 465 für Liste Nr. 1 (Binjan Haarez) und 4079 für Liste Nr. 2 (Vereinigte zionistische Gruppen). Ungültig waren 33 Stimmzettel. In den gröberen Ortsgruppen zeigt das Wahlergebnis nachstehendes Bild (freilich ohne Berücksichtigung der brieflichen Abstimmung verreister ()rtsgruppemnitglieder): Binjan Haarez Ver. Zion. Gruppen Ungültig Berlin 182 763 6 Breslau <0 136 2 Chemnitz 6 141 — Cöln 2 174 Danzig 11 35 1 )resden 2׳ 43 1 1 uisseldori M 55 Elberfeld 8 77 Frankfurt a. M. 0 179 J Ftalberstadt — 75 Hamburg 21 13S 3 Hannover 4 105 Karlsruhe ב «M Königsberg Pr. 4 160 Leipzig 24 176 Magdeburg 3 47 München 134 _T, Nürnberg 11 42 — Stettin 15 ל8 Zwickau Ö<> Die Wahlbeteiligung litt unter der ungünstigen Jahreszeit, und zwar ganz besonders in den grollen Ortsgruppen. In einer kleinen Ortsgruppe wie 1, B. Gießen ist mit einem Ergebnis 1 (Binjan Haarez), 85 (Verein. Gruppen), 1 (ungültig) die Wahlbeteiligungsziffer weit größerer Gruppen erreicht oder sogar übertroffen worden. Im ganzen dürften sich etwa 5500 Wähler an der Abstimmung beteiligt haben. . Mitteilung der Exekutive Die Exekutive der Zionistischen Organisation gibt bekannt: Der Sitz der Exekutive wird für die Zeit t: cs Kongresses und zwar vom 25. August Bis 12. September nach Karlsbad verlegt. Alle Zuschriften, die vom 25. August an, die Exekutive erreichen sollen, sind daher zu adressieren: Exekutive der Zionistischen Organisation Schützenhaus, Karlsbad, Tschedio-Slowakei. Oie I e 1 e g r a ni ni a d r e s s e lautet: Gongtezion, Karlsbad. Das A c t i o n s- C o m i t e wird am 29. August!11 Karlsbad zu einer Sitzung zusammentreten. Der Legitimationsausschuß ist für den 28. August nach Karlsbad einberufen worden. m m m Täglich ן bringt den einzig offiziellen [ Bericht * über den 1 XII. Zionistenkongreß j die vom Kongreßbüro herausgegebene j Kongresszeitung I Sie enthält ln jeder Nummer den ausführlichen j Bericht über alle Verhandlungen und Veranstalj tungen des vorhergehenden Tages und wird be- 1 (j reits mit den Frühzügen direkt an die Besteller j m versandt. Sie bietet daher die m 6 schnellste und zuverlässigste \ H 8 5 Berichterstattung über den Karlsbader Kongreß. jj B Abonnements auf die Gesamtausgabe (8—10 * 5 Nummern) zum Preise von Ke. 25.— (Mk. 25.— ) m S sind unter Einsendung des Betrages aufzugeben g 1 an das Büro des XU. Zionistenkongresses, Karls- ■ g bad, Schützenhaus, oder an die Administration der g H M 3 י&dista Rundschau, 0 IS, Sächsischs Str.8 | s 3 lUIIHIIIIIUIUIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIIiail Gä Gl m m Kt Eine Kolonisattonabonferenz in London Wie wir erfahren, findet dieser Tage in London eine Konferenz statt, welche den Problemen der Kolonisation Palästinas gewidmet ist und entsprechende Pläne für den Kongreß vorbereiten 9011. An der Konferenz, welche von der Exekutive der Zionistischen Organisation einberufen ist, werden außer den Mitgliedern der Exekutive noch eine Reihe von Sachverständigen teilneiimen. Aus Deutschland sind die Herren Dr. Ruppin, der sich seit der A. C.-Sitzung in Deutschland au (hielt, Trietsch und Auhagen geladen. Die Herren Ruppin und Trietsch sind bereits nach London abgereist. Die arabische Delegation in London Lo n d o 11, S. August (J. C. B.) Die arabische IX'ligation ist in London eingetroffen. Die englische Presse hat bisher wenig Interesse für die Delegation an den Tag gelegt. ״Daily News“ bringen ein paar Worte, die die Ankunft der Delegation anzcigen. "Die antisemitisehe ״Moniing Post“ veröffentlicht ein langes Interview mit den Führern der Delegation, worin diese erklärten, sie seien zwar Gegner der zionistischeil Bestrebungen, aber nicht Feinde der Juden. Die moslemischen und christlichen Notablen Palästinas haben alle Anstrengung gemacht, um die Bevölkerung von einem allgemeinen Aufstand und von der Vertreibung der Zionisten aus dem Lande zurückzuhalten. Die Hauptforderung der Delegation sei die Einsetzung einer gewählten Regierung unter britischer Oberherrschaft. Die Zionist Commission begrüßt König Faisul Wie aus Jerusalem, gemeldet wird, hat Dr. Eder!vinuMis der Zionist Commission folgendes Telegramm an den Emir Faisul gesandt: ״Ich habe die Ehre und das Vergnügen, Euerer Majestät im, Namen der Zionistischen Kommission sowie persönlich die aufrichtigsten Glückwünsche zu Ihrer Proklamation zum König von Irak zu übermitteln. Möge Evv. Majestät Herrschaft eine lange und friedliche sein.“ Grabsteintegiing Ißr Dr. Ttchlenow London, S. August. Gestern wurde hier aut dem Wilsden-Frledhof die feierliche <irabsteintegung für Dr. Jechiel T schienow vorge!vommen. Dr. Tschlenovv kam bekanntlich im Jahre 1017 nach London, um als Mitglied des E. A. an den Arbeiten der dortigen Exekutive teilzunehmen, wurde aber vom Tode hinweggerafft, Zu der Feier haben sich die prominentesten zionistischen Persönlichkeiten eingefunden, darunter Weizniam», Sokolow, Ach ad Haam, Ingenieur Ruthenberg 11 sw. Rabbiner Dr. De i c 11 es ItieM eine Rede, in welcher er die großen ־Verdienste des unvergeßlichen Führers schilderte. Hierauf sprachen noch Sokolow und Ro־ow, welcher die Mitteilung machte, daß TscWenow י Familie bereits auf dem Wege nach London ist. Die beste "Ehrung für Dr. Tschienow wird cs 9eia, wenn man sich seiner Familie annimmt. Rundschau RW. Berlin, 10. August. Der niederländische Zionistenbund hat dem Großen Aktionskomitee zu seiner letzten Sitzung ein Memorandum vorgelegt, in welchem er das Problem der Zusammenarbeit mit nichtzionistischen Kreisen erörtert. Es ergeben sich hierfür nach der Meinung der holländischen Gesinnungsgenossen drei Möglichkeiten, entweder die Zionistische Organisation wird aufgelöst in eine allgemein-jüdisehe Organisation zum Aufbau Palästinas; oder die Zionistische Organisation versucht, zu einem Kompromiß mit anderen jüdischen Organisationen zu gelangen, indem sie sie dazu bringt, in irgendeiner Form am Aufbau Palästinas teiizunehmen; oder drittens die Zionistische Organisation sucht die Zusammenarbeit mit den Kreisen, die ihr bisher fernstanden, innerhalb des eigenen Organismus zu verwirklichen. Die erste Möglichkeit lehnen die Verfasser des Memorandums ah, der zweite Weg ist bis jetzt von der /ionistischen Leitung beschritten worden, habe aber zu keinem Resultat geführt, wie sich beim Economic Council erwiesen habe. Beim Zusammengehen mit anderen Organisationen müßte die Zionistische Organisation überdies Opfer bringen, die ihre Stellung erheblich mindern. Daher scheine als einziger Weg die dritte Eventualität zu empfehlen. Dazu sei es allerdings notwendig, daß die Struktur der Zionistischen 6rganisation so umgebildet wird, daß lediglich das Bekenntnis zum Baseler Programm, nicht aber das Bekenntnis zum nationalen Judentum gefordert wird. Das Memorandum verlangt, daß der Kongreß hierüber eine formelle Erklärung beschließt. Die Niederländer erkennen selbst die Gefahren eines so!- eben Standpmktes, vor allem die Gefahren der ״Erschlaffung des nationalen Geistes“, aber sie meinen, daß die radikalen Zionisten es in der Hand haben, auch innerhalb der so erweiterten Organisation über die Reinheit der nationalen Idee zu wachen. Auf diese Weise könnte der Zionismus aus einer Parteisache zu einer Volkssache werden. Das Memonandum hat an die Prager A. C.-Sitzung eine Reihe von Anträgen gestellt, die dieses Problem betreffen; diese Anträge sind jedoch nicht zur Ver- Handlung gelangt, und die ganze Frage, deren Wichtigkeit außer Zweifel steht, wurde in Prag nicht aufgerollt. Achnlichc Gedankengänge wie in diesem Memorandum sind in dem Artikel von Dr. Dukas entwickelt, den wir in der heutigen Nummer veröffentlichen. Auch hier wird der nationalen Riehtung der Vorwurf gemacht, daß sie den Zionistnes ״zu einer Weltanschauung verengt“ und dadurch große Kreise des jüdischen Volkes von ihm ausgeschlossen habe. Der Zionismus sei der von der Erkenntnis der nationalen Einheit des Volkes dik- 1 ierte ״Aufruf zu einer gemeinsamen Aktion“ der Judcnheit. Diese Aktion werde aber erschwert oder gar unmöglich gemacht, wenn sich die Zionisten in scharfen Gegensatz zu den Nichtzionisten setzen. Diese Auffassung scheint uns an der entscheidenden Tatsache vorbeizusehen, daß der Zionismus zunächst ausgeht von der Verneinung der gegenwärtigen Lage des Judentums, daß er überhaupt undenkbar ist ohne den von dieser radikalen Verncinung geschaffenen Impuls zur Aenderung des gesamten jüdischen Lebens. Daher kann der Zionismus nicht, wie Dukas es fordert, die im heutigen Judentum vorhandenen ״gut jüdischen“ Energien schlechthin bejahen, wenn er auch nicht verkennt, wie viel Gutes und Wertvolles auch noch in der Verzerrung enthalten ist. Gewiß geht sein Ruf prinzipiell an jeden Juden, aber er stellt an jeden Juden Forderungen, deren Erfüllung ihn erst zur nationalen Tat befähigt. Diese Forderungen richten sich vor allem auch an jeden Zionisten, und ihre Anerkennung ist noch nicht identisch mit ihrer Erfüllung. Wenn wir heute festzustellen geneigt sind, daß im Zionismus selbst sieh Symptome innerer Schwäche zeigen, so liegt das nicht daran, daß zu viel nationale Forderungen gestellt wurden, sondern daran, daß zu wenige erfüllt wurden. Der Zionismus kann durch keinerlei mechanische Konstruktion verwirklicht werden, sondem nur durch die eigene Schöpfung des jüdischen I Volkes, dessen Seele heute trotz 25 Jahren Kongreß-

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