Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1921-08-05 · Heft 62 (5.8.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 62 (5.8.1921)
Date
1921-08-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2652316-2652371--14217-2672018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

■י4׳* ״׳־r 58 te3 «■!ל-. -ff ^3ך״ן^יד^י <3ך־י זז_ד■ KwUkttss «nd V«tl«« V IS, SSdi.Udi« Str.S* 8. E1«i16i־» H« DUnatag ud FrelUf. BaMgapaaU bei der Eipadilio« und dao Pealeatere ».«rt.ljihrlich IS.- M, le DaetaAlaed. Au.l״d**t»oo*• aeete «niden fa> der Wibroog da« •toaelnao Läeder baracimal. Nummer 62 I Berlin, 5. VIII. 1921 Ante 1% en-V erwaltuwgl Weilag Alwin Loewenthnl, Berlin NW 7, Dorotheea*tr, SS Telephon: Amt Zentrum 4914 und 4815. Aaiulstipniifur die •iebearuepftltea• N0apar*Ul«MÜa3.— U« F4UBiUnaan1«f«n 4 M. pro Zeile. Amelf•nachl 1131 Dienstag «ad Freitaj *sdbmittaf 4 war. Telephon: Ubtaod 645 0.844. PosUchrckkooto! Berlin Nr. 1759J, Für Oeeteneidb; Poetsparkasaenamt Wien, Konto Nr. 156 430, Für Tschechoslowakei{ Postsparkassen sin t Frag, Konto Nr, 156 030. *—• RedakÜonsachluS Sonntag und Mittwoch nachmittag. •* «אב תרס״א mfxxvi. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaltung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.1 Uebt Euer Euch an d 11111 © © ״ nt 11 T e ap»«.״״ ״״pi» * «p Oie Pafästinafroge auf der Abrüstung®- konferenz Wie das Jüdische Korrespondenz-Büro aus New York berichtet, wird auf der durch den Präsidenten Harding für den Herbst cinbcrufencn Washingtoner Konferenz auch die P a 1 ä s t i 11 a f r a g e zur Diskussion gestellt werden. Diese Erörterung soll im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung über die allgemeine Politik der Großmächte betreffs der Mandate stattfinden, da in gewissen politischen Kreisen sich eine Bewegung zur Auflassung des Mandatssystems bezüglich einzelner Lander geltend macht. Iramigrantenkopfsteucr In Palästina Jerusalem, 1. August. (J.C. B.) Eine soeben verlautbarte Verordnung des palästinensischen Einwandcrmigsdepartenients führt eine Kopf- Steuer von 1 Pfund Sterling für jeden, in einem palästinensischen Hafen 1 an - dcuden Einwanderer ein, mit Ausnahme solcher unter 16 Jahren, die bloß 20 Raster an Kopfsteuer zu entrichten haben. Die in den letzten lagen cingetroffenen jüdischen Immigranten konnten ohne jeden Zwischenfall landen. Die arabische Delegation Paris, 31. Juli. Die arabische Delegation, die von Palästina nach London fährt, ist hier angekonimen. Sie besteht aus 4 Mohammedanern und 2 Christen, sämtlich geborene Palästinenser. Der Führer der Delegation ist Musa K as i in Pascha. Bei ihrer Abfahrt von Palästina hat die Delegation ein Manifest erlassen, worin sie erklärt, der Zweck ihrer Reise sei die Forderung einer selbständigen Regierung für Palästina, an welcher kein fremdes Volk sich beteiligen soll. Sie will verhüten, dal] die Araber ihres Landes beraubt werden und für Schutz ihrer Interessen sorgen. Die Delegation ist auch gegen die Balfour-Deklaratton und fordert ihre Annullierung. ln Palästina soll eine nationale Regierung der Eingeborenen gebildet werden, die einem gewählten Parlament verantwortlich ist Bei ihrer Durchreise in Rom hat die arabische Delegation den Vertretern der dortigen Presse erklärt, daß sie sehr befriedigt ist über die Kundgebung, welche der Papst jüngst gegen den Zionismus gemacht hat. Die Regelung des Palästina •Mandats Nach einer Londoner Meldung des ״Nnjen Hajnt‘׳ fordern der englische Kolonialministcr Winston Churchill und der Oberkommissär von Palästina Sir Samuel die schnellste Regelung des Palästina- Mandats, da diese günstig auf die Entwicklung in Palästina wirken würde. Zentrales FlQchtlingskomltee in Warschau Seit dem 25. Juli tagt in Warschau eine Konferenz von Delegierten der in Polen befindlichen jüdischen Emigranten und Flüchtlinge. Auf dieser Konferenz sind 75 Delegierte aus allem Teilen Polens vertreten; übrigerns wohnen ihr auch Vertreter der in Bellarabien und in der Bukowina befindlichen jüdischen Flüchtlinge bei. Die Konferenz beschloß, ein zentrales Exekutivkomitee für alle Fragen, welche die Emigration und das Flüchtlingswesen betreffen, mit dem Sitze in Wars c b a u zu gründen. Schekelsammlung Bei der Z. V. f. D. sind bisher zirka 16600 Schekalim eingegangen, hierzu kommen die Sehekalim aus Oberschlesien, ferner zirka 4000 Schekalim des Misrachi. Die Schekelsammlung wird fortgesetzt Konzentrationspolitik Prinzipielles zur gegenwärtigen Lage und zum Kongreß Von Dr. Siegmund Kazneiso» II.*) Bisher hat m;1n vielfach im Zionismus auf jeden Ausbruch einer neuen Krise mit der resignierten Erkenntnis reagiert, daß eine wirkliche Abhilfe unmöglich sei, weil wir keine Menschen haben, über die wenigen, schon an leitender Stellung stehenden und damit oft genug auch schon verbrauchten hinaus. Es gibt kaum etwas Gefährlicheres als diese ebenso billige wie falsche Suggestion, auf die freilich keine Antwort mehr gegeben werden kann; denn sie bedeutet die Bankrotterklärung des Zionismus als einer lebendigen, schöpferischen und aus eigener Kraft wachsenden Bewegung. Und doch gibt der Augenschein offenbar dieser müden Verzweifhing recht: das Verzeichnis unserer ״handelnden Personen“ weist schon seit Jahren in der Hauptsache immer die gleichen, allbekannten Namen auf und ist angesichts des Wachstums der Bewe* gung in de1׳ letzten Jahren erschrecke ad klein. Was an neuen Männern und Namen hinzugetreten ist, hält mit unserem alten ״Personalbestand“ kaum einen Vergleich aus, soweit sich das allerdings heute schon beurteilen läßt. Aber die Tatsache, 'daß diese Jüngeren Kräfte sich freiwillig mit Nebenrollen begnügen, ohne auch nur auf die füllrenden zu aspirieren, beweist, daß sie, in selbstgewählter Bescheidung verharrend, sich Aufgaben, wie sie von der obersten zionistischen Leitung gefordort wurden, anscheinend nicht gewachsen fühlen. Mau mag die Anforderungen, wie sie an die zionistische Exekutive gestellt werden, für noch so schwer und gewichtig halten, sie können es aber nicht sein, die an diesen! katastrophalen Mangel an Menschen schuld tragen. Die politischen Aufgaben, die den meisten anderen Völkern in dieser Zeit gestellt werden, sind im Vergleiche zu den unseren mindestens gleich groß und werden trotzdem bewiiltigt. Wie, ist allerdings eine andere Frage. Kaum etwas vermag unsere politische Führung so gegen die schon kläglich aimuitendeu ewigen Vorwürfe einer gewissen, sich ״politisch“ (lticus a non lucendo!) nennenden Opposition in Schutz zu nehmen und in ihrem wirklichen Wert erkennen zu lassen, als ein solcher Vergleich. Die staatsmünnische Kunst, weldie die Regierungen fast aller Staaten der Welt in den letzten Jahren auszeich- »etc, haben unsere Fülirer jedenfalls auch bewiesen und der zionistische politische ״Standard“ kann sich sehr gut sehen lassen. Jedoch kann uns auch eben derselbe Vergleich mit den anderen Nationtm auf das erwähnte Grundübcl in der zionistischen Bewegung nachdrücklich und mit lebendiger Anschaulichkeit hinweisen. Man nenne das Land, in dem seit dem Kriegsende eine Regierung noch nicht gewechselt hat, von England abgesehen, wo dies nur die wahrhaft überragende Begabung Lloyd Georges, eines der größten Meisters politischer Taktik in der Geschichte, verhindert hat, Wenn man Weizmann und Sokolow nun auch manches nachrülitncn kann, so doch diese Eigenschaff einer vollendeten innerpolitischen und parlamentarischen Strategie am wenigsten. Die zionistische Exekutive hat in den letzten Jahren in der Behandlung und Führung der jüdischen Massen zumindest ebensoviel Fehler gemacht wie richtig *) Siehe Nr, 58 vom 22. Juli gehandelt. Die infolgedessen unvermeidliche Enttäuschung und Unzufriedenheit ist dann auch' nicht ausgeblieben, ja bis jetzt noch ■wirken diese Fehler nach und verhindern zum Teil eine gerechte Ein- Schätzung der wirklich bedeutenden politischen Leistungen der Exekutive. — Wenn Meier Großmann in der Londoner ״Tribunc“, aus demselben Gefühl der Verzweiflung über unseren erschreckenden Mange! an Menschen, die Neubildung der Exekutive durch Auswahl ihrer Mitglieder aus den Vorsitzenden einiger Studentenvereine vorgeschlagen hat, so braucht zwar vom Kongreß diese einigermaßen naive Anregung nicht ernst genommen zu werden. Um so mehr aber die Stimmung und das Gefühl, denen sie entstammt. Wo sind wirklich die Jungen, die die Nachfolge unserer heutigen Führer anzutreten die Fähigkeit haben? Jede Leitung und Regierung muß sich mit der Zeit verjüngen und erneuern, auch die beste, sonst erstarrt sie und stirbt ab. Das Gesetz des Generationswechsels gilt auch für das politische Leben. Wir wollen aber die Frage nicht bloß auf den Wert und die Fähigkeiten der heraufkomtr.enden jungen Generation im Zionismus abstellen. Entsprach bei einem Volke eine Generation nicht den ihr gestellten Aufgaben, so fanden sich aus den älteren immer noch die Männer, die ein Uebergangsregime zu bilden imstande waren. Wir stellen hier, angesichts des Kongresses, der die neue Leittmg zu wählen hat, und angesichts der Situation unscrer Bewegung, die die tätigste Mitarbeit aller Fälligen und Brauchbaren verlangt, einfach die Frage, ob wir die notwendigen Menschen haben, wo diese sind und, falls wir sie nicht finden können, warum wir sie nicht haben. Um die entscheidende Wichtigkeit des Problems zu illustrieren, sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß dies tatsächlich heute unsere Kernfrage ist, von der alles, die Beschaffung des Geldes, die politische Arbeit, der ökonomische Aufbau Palästinas, die Stärkung und Vergrößerung der Organisation, abhängen. Was wir in den nächsten Monaten beispielsweise aus Amerika für den Keren Hajessod herausholen werden, hängt (wie Weizmann und die anderen Mitglieder der Delegation, die Amerika bereist haben, mit Recht meinen) nur davon ab, wieviel unserer besten Männer und für welche Zeit wir sie dorthin entsenden werden. Die ersten der beiden Teilfragen lassen sich natürlich nur praktisch lösen; von allen Seiten wird bestätigt, daß wir nicht die Menschen in der nötigen Zahl und mit den erforderlichen Fähigkeiten haben, die die zahlreichen Aufgaben des Zionismus jetzt verlangen. Wir können gleich zur dritten Frage, der nach dem Grunde dieser bedenkliehen Erscheinung, übergehen. Es ist leicht, sich mit dem Hinweis auf die Schwäche und Unfruchtbarkeit der Bewegung, die keine neuen Menschen zu zeugen imstande ist, zu begnügen. Vor diesem gleich allen anderen Verfalls- und Dekadenze-Philo- Sophien sehr suggestiven Fatalismus wurde schon früher gewarnt. Im übrigen ist auch mit den ästhetenhafton Dandys und losgelassenen Literaten, durch die leider die jüngere zionistische Generation häufig und nicht gerade vorteilhaft repräsentiert wird, «ine weitere Erörterung nicht möglich. Wer so leichten und kalten Herzens einfach den Bankrott des Zionismus ausspricht, mag sich die Antwort selbst zu geben versuchen. Wer aber an die schaffende Macht und wirkende Kraft der zionistisehen Bewegung glaubt, wird trachten, die Ursache des JJebels anders als in der Bewegung selbst ausfindig zu machen. — leih sehe den Grund in der verfehlten Menschenpolitik der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.