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Jüdische Rundschau · 1921-08-02 · Heft 61 (2.8.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 61 (2.8.1921)
Date
1921-08-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Zionismus erstrebt tQr das Jüdische Volk die Schaltung einer äfiqntllch-rechtllch gesicherten Helmstitte In Palästina. ״ Baseler Programm." Offizielles Kommunique Die Zionistische Exekutive in London berichtet: Freitag, am 22. Juli, hat Dr. ־Weizmann an einer wichtigen Konferenz über die Palastinat’ragc teilgcnommen, bei welclier der Premierminister Lloyd George, Balfour, Churchill und Sir Maurice Hankey anwesend waren. Wcizmann setzte ausführlich die zionistische Anschauung über die gegenwärtige Lage in Palästina ausein• ander und machte eine Reihe von Vorschlägen für durchzuführendc Reformen, die für die Vcrwirklichung der Balfour-Deklaration unerläßlich sind. Diese Vorschläge werden nun von der englischt n Regierung beraten. * Per politische Korrespondent des ״Jowish Chro- »ick•‘• berichtet hiertu noch folgendes: Die erneuerten lV!1:ühtuy.;c11 der zionistischen Führer, von der Regieran;: eine klare und bestimmte Erklärung ihrer Politik in be/ug aut den Zionismus zu erlangen, haben zu einer wichtigen Unterredung zwischen Dr. Wcizmann und dem Premierminister geführt. Der Präsident der Zionistischcn Weltorganisation hatte am letzten Freitag eine Unterredung mit Lloyd George in der Wohnung Mister Balfours. Außer den erwähnten Persönlichkeiten war auch Churchill anwesend. General Smuts hat gleichfalls seine Anwesenheit in Aussicht gestellt, war jedoch am Kommen verhindert. Die Unterredung dauerte eine beträchtliche Zeit, und in ihrem Verlaufe erstattete Wcizmann ein ausführliches Expose, ,in welchem er die zionistischen Forderungen in Palästina verlegte. Er scltildertc die gegenwärtige unbefriedigende Lage im Lande und betonte die Notwendigkeit, daß die Regierung so wohl in ihren Erklärungen als auch in ihren Taten eine Politik verfolge, die mit dem wahren Sinn der B atf o u r- D 0 k 1 a r a t i o n in größerer Uebcreinst im mutig steht. Wie ich höre, hat er auch betont, welche große Gefahr in einem weiteren Aufschub der Bestätigung des Man d a t e s liegt und verlangt, daß die Verwaltung Pal ä s t inas in ihrer Politik mehr Klarheit und Entschlossenheit in bezug auf die zukünftige Rolle der Juden in Paliistina zeige. Die anwesenden Minister beteiligten sich lebhaft an der Diskussion, insbesondere der Kolonialminister, und Lloyd George gab Wcizmann die Versieherung, daß das Kabinett allein, was er gesagt hat, die!größte Aufmerksamkeit schenken wird. Das Palästina-Mandat New York, 28. Juli. (J. C. B.) Soeben gelangte der volle Text der Antwort des Völkerbundes an die amerikanischen Zionisten zur Verlautbarung, welche beim Völkerbund telegraphisch die prompte Ratifizierung des P a 1 ä s t i n a - M a n d a t s urgiert haben. Die vom Direktor der Mandatssektion Rappard Unterzeichnete Antwort bestätigt den Empfang der telegraphischen IJrgcnz sowohl seitens der Cleve-!ander zionistischen Jalncskonferettz. als auch einer ähnliehen seitens Branden, und Mucks und teilt den ameriklinischen Zionisten mit, daß diese Urgenzen sogleich unter allen Mitgliedern des Völkerbundes verteilt wurden und daß die auch d e!11 Völkerbünde erwünschte rasche Ratifizierung der Mandate der Klasse A und B lediglich durch die unentschlossene Haltung der amerikanischen Regierung, die seit ihrer ersten Note in der Maiidatsfrage von sich nichts mehr hören lasse, bis zur Klärung des amerikanischen Stand- Punktes autgeschobcn werden mußte. Die Selbstveiwaltmig Palästinas Anfrage Im Unterhaus London, 28. Juli. (J.C, B.) Auf eine Anfrage des Sir W. Johnson Hicks im Unterhause, ob die ״Zionisicrttng‘‘ Palästinas sich im Einklänge mit der Proklamation A 11 e n b y s vom Jahre 191S befind., mviderte Captain G liest in Vertretung des Koionialmiuisters. Da die Balfour- Deklaration schon im Jahre 1917 erlassen wurde, so konnte Alleuby n 1! r i וזז S i n n e d i e s c r Deklaration die erwähnte Proklamation erlassen haben. Daher kann Allen!))׳ keinerlei Schtnälerung der Balfour-Deklaration beabsichtigt haben. Es werde somit in Palästina die einheimische Bevölkerung zur S eIb s ז v e r w aI tun g bloß in einem solchen Grade herangezogen werden, als dies mit der in der Balfour-Deklaration festgelegten Politik eines National Home für die Juden nicht unvereinbar ist. Poale-Zion-Konferenz in Amerika I>ie 13. Jahreskonferenz der Poalc-Zion-Partci Amerikas fand in New York Anfang Juli statt. Es kam dort zu einer Auseinandersetzung zwischen dem linken und rechten Flügel der Partei. Der Führer der Linken, Leon C h a sa no vvi-t sch , griff die Parteileitung an, weil sie durch Unterstützung des Keren Hajessod die Arbeit für die eigenen Fonds der Poalc-Zion vertiachljtsrigi habe, Dr. 'S y r k I n, David P i n s k y und Baructv Zuck ermann verteidigten die Parteileitung und betonten die Bedeutung des Keren Hajessod für die aufh,׳,!ivnde Arbeit der Arbeiterschaft. Der Vertreter der Weltordanisation, S. Kaplansky, warf der Linken vor, daß sie ein billiges Werkzeug In der Hand der bolschewistischen Diktatoren geworden ist. Um Moskau• zu gefallen, habe die Unke faktisch alle zionistischen Ideen preis-gegeben. Kaplansky betonte die Notwendigkeit der Teilnahme der Poale-Zion an allen zionistischen Institutionen, um nicht den Aufbau Palästinas den bürgerlieben Zionisten aitszuücfern, denen es vor allem nie gelingen werde, ein Einvernehmen zwischen jüdischen rtid arabischen Arbeitern herz.ustellen. Die Aufgabe der Poale-Zion sei die Einigung des arabischen und des jüdischen Proletariats, die aber nicht durch revolutionäre Proklamationen, Standern durch ernste Anstrengungen einer Verständigung in politischen und ökonomischen Fragen erzielt werden könne. Es wurde mitgeteilt, daß 100 000 Dollar seitens der Poale-Zion ztitti Zwecke des Ankaufs von Maschinen und Werkzeugen für Palästina aufgebracht worden sind. In der Schlußsitzung der Konferenz wurde eine Anzahl Resolutionen angenommen, darunter folgemle Beschlüsse: Die Partei soll für den Keren Hajessod arbeiten, gemäß den Prinzipien und Fordertmgen der aliweÜIichcr• Poale-Zion-Organisation; die Partei soll der auf der Wiener sozialistischen Konferenz gegründeten Internationale angehören; ein jüdischer Ar- IxT.crkongreß soll darüber entscheiden, ob die jüdischen Arbeiter. Amerikas an dem jüdisch-amerikanischen Kongreü teilnehmen, wobei die Poale-Zion sich für die rciluahmc einsetz.;. Ein Arbeiterkongreß für Palästina ist einberufen und eine intensive Schekelkampagne zu führen, ferner wurde eine Resolution angenommen, welche der britischen Labour-Partei für die den paläsiinensischen Juden gewährte Freundschaft und Unter- Stützung den Dank ausspricht. Nach einer langen Diskifssion wurde beschlossen, die Weltorganisation aufzu/fordenv die Gründe für die Verfolgung der jiddisehen Sprache in Palästina zu untersuchen. Ein Antrag, daß die Poale-Zion sich der dritten Internationale anschbcßen solle, erhielt lediglich, drei Stimmen. Arabische Prcssesummen Jerusalem, 23. Juli. (J. C. B.) Das antizionistische arabische Blatt ״Palcstmc“ schreibt unter gestrigem Datum; ״Wir Bewohner Palästinas sind überzeugt, daß die Rede Churchills vom 14. Juni der Unwissenheit der Maiulatsmaclit über die wahre Lage im Lande entspringt. Würde die Mandatarmacht die Baif ou r D c k 1 a r a t io n aufheben und die Tore des Landes für die Einwanderung von diitdcn und anderer, die nach Palästina kommen wollen, öffne n, so wäre das unseres Erachtens zum Wolde des Landes und der Juden selbst. Das würde beweisen, daß die Juden wirklich friedliche Absichten hegen und daß sic nicht die Sch a ז f t! rv g eines jüdischen Staates erstreben. Die arabische Zeitung ״Al Salut!“ wendet sich in einem scharfen Artikel gegen die Verhetzung der arabischen Bevölkerung gegen die Juden und warnt das Volk, den daran interessierten Hetzern auf dem Wege von Judcuexzcsicn und Unruhen zu folgen. Das Blatt schreibt: ״Du mußt, o Volk, Deine Augen öffnen und sehen, welche Scheußlichkeiten in Deinem Namen von Leuten verübt werden, die sich als Deine Freunde ausgeben und Dich in eine Politik des gegenseitigen Mordes hineintreiben. f>‘c Mordpolitik wird die Rückkehr der Juden nach Palästina nicht verhindern können. Der einzige Weg ist der der friedlichen Verständigung mit ihnen, da deren Ahnen unsere Propheten sind und deren Geschichte auch die unsere ist." esc w OCflC Verlautbarungen auf S.438 dieser Nummer Eine Weltkonferenz der ״ORT“ in Berlin Sonntag, den 31, Juli, wurde ln Berlin die erste Weltkonferctiz der Gesellschaft zur Förderung des Fhr.dwerks und der Landwirtschaft unter den Juden ״ORT“ eröffnet. Die Gesellschaft, die früher nur in Rußland arbeitete, hat infolge der Zersplitterung des russischen Judentums und der starken Emigration aus Rußland, einen Teil ihrer Arbeit ins Ausland verlegen müssen, insbesondere in die großen Auswanderungszentren der russischen Emigranten. Eine Aushudsdclcgation, Ixstehend aus den Herren Bram sott unel Lwovvicz, hat sich in die westlichen Länder begeben, um dort Interesse für die Bestrebungen der Gesellschaft zu wecken. Wir hatten vor einiger Zeit Gelegenheit, unseren Lesern über die Resultate dieser Bemühungen auf Grund eüicr Unterredung mit Herrn Bramson zu bcrichten (siche ״Jüdische Rundschau“ vom 3. Juni). Die Konferenz, die jetzt in Berlin zusammenirat, hat als wichtigsten Zweck die Aufgabe, eine zentrale Organisation für die gesamte Arbeit der ORT zu schaffen, die bisher nur von lokalen Komitees geleitet wird. Bei dieser Gelegenheit werden auch die Erfahrungen der einzelnen Komitees ausgetnuscht und Richtlinien für die weitere Arbeit aufgcs'.ellt werden. Trotz der großen Reiseschwierigkeiten sind die meisten wichtigen Komitees bei der Konferenz vertreten. Es sind Vertreter aus Moskau, Kiew, Kischinew, Warschau, Wilna, Kowno, Pinsk, Brest, Bialystok, Grodno, Petrakow, ferner aus Paris, London und Berlin anwesend. Unter den Teilnehmern befindet sich eine ganze Reihe von Persönlichkeiten, die als Männer des jüdischen öffentlichen Lebens Rußlands und als prominente Führer der sozialen und ökonomischen Arbeit bekannt sind. In seiner Eröffnungsrede begrüßte Bramson insbesondere die zwei Delegierten aus der Ukraine, Dr. Silbe rfarb und den bekannten ökonomischen Forscher und Schriftsteller Jakob L e s z y 11 s k y, sowie den Delegierten aus Sowjetrußland, Jakob Zegelnizki. Im ganzen sind 23 Delegierte erschienen. Bramson erklärte, daß in der letzten Zeit infolge des ungeheueren ökonomischen Zusammenbruches das jüdische Volk von einem inneren Feind bedroht sei, von Schmuggelei und unredlichem Handel in jeder Form, der die Position der produktiven Arbeit zu erobern versuche. Diesem Feind wird der schärfste Kampf der Gesellschaft gelten. Nach der Wahl der Präsidiums, in welches als Vorsitzender Dr. Schabad (Wilna) und als Stell- Vertreter Dr. Silberfarb (Kiew), Wladimir Temkin (Ukraine), Professor Frankfurt (KLw; gewählt wttrden, erstattete Herr Bramson das Referat der Auslandsdclegation. Anschließend wurden die Berichte der Lakaikomitees erstattet, und zwar sprachen über den Grodno- Pinsker-Rayon Agronom jaschunski, über Ukraine Dr. Silberfarb und Jakob Leszynsky, über Sowjetrußland Zegclnitzki, über den Wünrtcr Rayon B. K a 11 a n, über Kowrto J. B ii r g c r, über Bclkirabieit G. B e n d e r s k i, über Berlin J. F r u m k i n, Paris Dr. Schein und über London Frau J. Mowschowicz. Ein ausführlicherer Bericht über die Verhandlungen, die Montag, Jen 1. August, fortgesetzt wurdet! und auf drei Tage berechnet sind, wird am Abschluß der Konferenz folgen. Verband der ״Old Judeans“ Wie das Bulletin dos Londoner Zionistischen Büros mitteilt, wurde am 28. Juli in London die zweite Voll- Versammlung des Verbandes der Old Judeans nbgehnlten. De» Vorsitz führte Jabotinsky. Gemäß den Statuten, welche endgültig bestätigt wurden, hat der Verband folgende Ziele: 1, Den ehemaligen und ״gegenwärtigen Judeans (Legionäre-, sowie anderen Personen Gelegenheit zu bieten, alte und liebe Bekanntschaften zu erneuern und die Zwecke eines kameradschaftlichen Verbandes zu erfüllen. 2. Allen Bestrebungen, welche auf die Errichtung und Erhaltung jüdischer Truppen unter der britischen Herrschaft in Palästina abzielen, moralische Unterstützung zu verleihen. Der Verband steht auch allen Juden und Jüdinnen offen, welche in anderen Einheiten der britischen Armee gedient haben und solchen Personen, welche der Angelegenheit der jüdischen Bataillone Interesse entgegenbringen. Es wurde beschlossen, die ehemaligen Komm andanten der jüdischen Batailolne, Patterson, Margolin Scott und Samuel zu ersuchen, die Ehrenpräsidentschaft der Liga zu übernehmen. Ferner wurde ein Exekutivkomitee gewählt, dessen Vorsitzender Jabotinsky ist. Kongreßdelegation der russischen Zionisten Riga, 26. Juli. (J.C.B.; Wie aus Rußland zuverlässig gemeldet wird, treffen die russischen Zionisten große Vorbereitungen zur zahlreichen Beschickung des Zionistenkongresses in Karlsbad. Sie bemühen sielt um die Ausreisebewilligung für 70 Delegierte, darunter 18 Zeire-Zion.

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