Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 58 (22.7.1921)
- Date
- 1921-07-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dar Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schäftung einer CllentdcH-rechtllch gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm. Die Sitzung des Großen A.-C. Die Resolutionen Anm. d. Red. Wir zitireu die in Prag gefaßten Resolutionen nach dem ״Najer Haint“, Warschau, da uns bis jetzt von Prag keine zugegangen sind. Wir müssen in diesem Falle natürlich jede Verantwortung für die genaue Wiedergabe der Resolutionen ablehnen. Exekutive. Das A.-C. bestätigt die Kooptation der Mitglieder der Exekutive, Lichtheim, Ja bot L n sk y und Co wen, und nimmt die Demission der Herren Simon, und de Li eine zur Kenntnis. Das A.-C. spricht der Exekutive iltr volles Vertrauen und ihren Dank aus für die geleistete Arbeit. Kongreß. Die Sitzung des A.-C. hat den Beschluß der Exekutive, den Kongreß am 1. September U1 Karlshad abzuhaiten, gutgeheißen. Die Rechte der Zionistischen Organisationen in Ländern mit wenigen Schekelzahlem sollen gewahrt werden. Für Palästina wird ausnahmsweise bestimmt, daß auf je S00 Schekcizahler ein Delegierter zu entsenden ist. Budget. Das Budget für das nächste Jahr wird mit folgenden Beträgen angenommen: Für die Hypothekenbank 100000 Wund, für die Vorbercitungsarbeiten in Emek Jesreel 20000 Pfund, für das Ruthenbergprojekt 120000 Pfund, für das Schulbudget 100000 Pfund. (Diese Angaben scheinen unvollständig zu sein. Anmerk. der Redaktion.) Palästinaschutz. Das A.-C. beauftragt die Exekutive, alle gceigneten Maßnahmen für die Wiederherstellung des früher vorhandenen jüdischen Regiments zu treffen. Emigration. Das A.-C. ersucht den Waad Hazirini, bei Herbert Samuel dahin Schritte zu unternehmen, daß alle Personen, die bereits im Besitze eines Visums sind, ungestört nach Palästina kommen können. Gemeindewesen in Palästina. Das A.-C. unterstützt die Forderung des Waad Leumi bei der palästinensischen Regierung nach einer Legalisierung der jüdischen Gemeinden Palästinas mit dem Recht der Steuererhebung. Palästinaämter. Bas A.-C. hat die Vorschläge Mcreminskys bezüglich der Reorganisation der •Palästinaämter in Wien und Konstantinopel auf paritätischer Grundläge sowie Gewährung von Darlehen an solche Emigranten, die in Palästina dringend gebraucht werden, angenommen. Die nächste Sitzung des A.-C. findet am 28. August in Karlsbad statt. Amerika. Das A.-C. begrüßt die Konferenz in Cleve- 1 a n d und drückt seine Zufriedenheit aus über die Arbeit für den Keren Hajessod in Amerika. Die Sitzung des Actions -Comites (Von unserem nach Prag entsandten Spezialkorrespomdenten.) Prag, 15. Juli 1921 Es ist nun zum zweiten Mal, daß in Prag eine allweltliche zionistische Konferenz stattfindet. Vor mehr als einem Jahre tagte hier die Vereinigungskonferenz Hapoel-Hazair - Zeire-Zion, und diesmal ist das A c - t i o n s - C o m i t e in die Hauptstadt der neuen tschechoslowakischen Republik ernbe rufen worden, Die Wahl des Konferenzortes erwies sich■ als günstig, cs zeigten sich die Vorteile der kleineren lokalen Dimensionen in einer Intensivierung der Arbeit, im Gegensatz zur Londoner Jahreskonferenz, die wesentlich unter den Londoner Verhältnissen leiden mußte. Nicht nur die Arbeitsweise, audi die Zusammensetzung der Sitzung ist zum Teil von der Lage des Ortes bestimmt Von den Mitgliedern aus Ost- und Mitteleuropa sind fast alle erschienen, dagegen ist der Westen sehr schwach vertreten. Das A.-C. hat sich zum erstenmal, und wahrscheinlich zum letzten Mal versammelt, und es ist klar, daß es einen entscheidenden Einfluß auf die Entwick-!ung der zionistisdien Arbeit in dieser Periode nicht nehmen konnte. Trotzdem bedeutet sein Zusammentreten vor dem Kongreß wenigstens den Anfang eines Ueberganges zu verfassungsmäßigen Zuständen in der zionistischen Bewegung. Die späte Zusammenberufutig des A.-C. rächt sich auch in den Verhandlungen selbst. Es ist in dieser ereignisreichen Zeit soviel Stoff aufgestapelt worden, cs ist soviel bereits ohne A.-C. definitiv erledigt, daß die Reden der A.-C.-Mitglieder sieh zum großen Teil mit vergangenen Dingen beschäftigen müssen, und so wertvoll manche nachträgliche Kritik auch sein mag, am Gesdiehenem vermag nichts geändert zu werden, und: von revolutionärem Wollen ist auch gerade dieses A. C. ziemlich weit entfernt. Das A.-C. besteht aus weit mehr Mitgliedern, als sonst üblich war, es hat den Charakter eines kleinen Kongresses von der Jahrcslconferenz erhalten, gerade wegen der großen Verantwortungen, die ihm aufcrlcgt wurden und von denen nur die Einsetzung der Exekutive (im Gegensatz zu aller früherer Praxis) und das Budgetrecht erwähnt seien. Trotzdem oder gerade dämm zeigte sich in den Debatten, daß den A.-C.-Mitgliedern bisher zu wenig Gelegenheit zur Acußerung gegeben war und daß sie auch nicht so informiert worden sind, daß die Debatte sich auf die sachlichen Probleme hätte konzentrieren können. Man hat von dieser Sitzung erwartet, daß sie über gewisse Fragen Klarheit schaffen wird, die in letzter Zeit die zionistische Welt beschäftigt haben. Solche Fragen waren vor allem durch die Demission, von Simon und de Lieinc entstanden, welche in ihrem Demissionsschreiben das Abkommen Weizmanns mit Jabotinsky als Ursache ihres Rücktrittes bczeichnetcn und als sachliehe Fundierung ihrer abweichenden Anschauungen über Palästinaarbeit den Bericht der Rcorganisationskoinmission vorlegten. Aber anifallenderweise war von diesen Dingen sehr wenig die Rede. Zwar haben mehrere Redner die Art und Weise kritisiert, in der diese Personalvcriindcrungcn vor sich gegangen sind, aber der Bericht der Reorganisationskommission, der in den Referaten Ussischkins mul Kuppins in sachlicher und würdiger Auseinandersetzung widerlegt wurde, spielte fast gar keine Rolle in den Debatten, das Problem stand gar nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Dazu mag der Umstand beigetragen haben, daß kein einziger der verantwortlichen Männer der Reorganisationskommission zur Sitzung erschienen ist, auch nicht die beiden ehemaligen Mitglieder der Exekutive, Julius Simon und de L i e m e, die doch dem A.-C. Rechenschaft schuldig sind und die Mandate in der Exekutive vom A.-C. erhalten haben. Der eigentliche Grund dieser Tatsache liegt aber darin, daß in dieser Sitzung von Anfang an die politische Frage im Vordergrund des Intercsses stand. Die Sitzung, die nach dem Jaffaer Pogrom, nach dem Eimvandcrungsvcrbot und nach der die Bah four-Deklaration mißintcrprcticrcmJcn Erklärung Herbert Samuels vom 3, Juni stattfand, erwartete natürlich Aufklärungen seitens der verantwortlichen Träger unserer Politik. Die Erklärungen über Aktionen, die noch im Stadium der Verhandlung sind, wurden in geschlossencr Sitzung erteilt; Weizmann selbst, der nach seiner Rückkehr von Amerika nur vier Tage in London war, dann nach Prag fuhr, mußte nach einem Aufenthalt von 36 Stunden wieder nach London zurückkehren. Der eine Tag seiner Anwesenheit bedeutete den dramatischen Höhepunkt der Tagung. Weizmann, der von den beispiellosen Strapazen der amerikanischen Tour körperlich stark mitgenommen ist und trotzdem die anstrengende Reise nach Prag nicht scheute, hat mit einer Bestimmtheit und Kraft gesprochen, die alle Hörer auf richtete. Mau sieht, wie dieser Mann die Ver antvvortung zu tragen weiß, die immer wieder auf ihn zurückrollt; auf ihn, der — während alle anderen ״demissionieren" oder sich der Arbeit entziehen können ■ als einziger nicht von der Stelle kann, alles tragen und zusammen mit Sokolöw durchkämpfen muß, der, wie er selbst sich nannte, einzige ״Gehangene der Zionistb sehen Organisation“. Weizmann betonte, daß wir der Balfour-Dcklaration einen Inhalt der aufbauenden Arbeit geben müssen, daß wir jetzt endgültig zu Taten übergclien müssen. Er ist entschlossen, diese Auffassung nach innen und nach außen mit allen Machtmitteln zu vertreten. Weizmann zeigte sich in der Größe des Führers, der durch fast magische Wirkung seiner Seelenkraft die Menschen in seinen Bann zwingt. Sein Auf■ treten offenbart das Geheimnis seiner politischen Er• folge. Die Versammlung war bei aller Kritik an manchen Handlungen der Exekutive so sein־ von Bewunderung für diese Persönlichkeit erfüllt, daß sie es — als das Selbstverständliche — kaum mehr aussprach. Berührgend wirkte nicht nur Weizmanns selbstbewußter Opti mismu9 in den politischen Hauptfragen — ungeachtet der Erkenntnis der Schwierigkeiten —, sondern auch seine Mitteilungen über die Lage in Amerika, wo jetzt nach seiner Meinung ungeheure Summen gesammelt werden können. Weizmann hat über seine Tätigkeit in Amerika ausführlich berichtet und mit aller Deutlichkeit ausgesprochen, daß die Beseitigung der früheren Leitung nur als Beseitigung eit1e9 Hindernisses aufzu- | fassen ist. Der Weg für die Arbeit, der seit der Londoner Jahreskonferenz künstlich versperrt war, ist jet2t frei und die Resultate werden ,sichtbar werden, wenn nach dein Kongreß eine Delegation unserer Besten nach Amerika geht. Im Laufe der Diskussion wurde auch die Frage der Wiederherstellung der jüdisch-englischen Bataitlonc angeschnitten, in der Jabotinsky seine bereits aus der Presse bekannten Anschauungen vertrat. Diese Frage rückte nach Weizmanns Abfahrt in den Mittelpunkt der Diskussion und führte zu einer Reso- Iution, die die Exekutive auffordert, Schritte zur Wiederherstellung der Bataillone zu unternehmen. In der politischen Debatte wurde seitens der Mitlieder der Exekutive und des A.-C. die große Bedeutung eines freundlichen Verhältnisses zu den Arabern nachdrücklich betont. Vor allem Herr Sokolow war es, der diese Lebensfrage des Zionismus ausführlich behandelte. So aufgeregt auch jetzt die Stimmung ist, wir müssen diese Frage mit ruhiger Uebcrlcgung behandeln und werden einen gerechten modus vivendi für beide Völker finden. Die Palästinadebatte erhielt ihre Bedeutung durch die schon erwähnten Referate der Leiter der Zionist Commission, die konkrete Vorschläge über die Arbeit des nächsten Jahres machten und ein Budget von 1y, Millionen zur Durchführung eines Minimalprogramms einbrachten. Bis zur Stunde ist nicht sicher, ob das A.-C. sich für kompetent erklären wird, das ganze Budget zu genehmigen oder ob nur ein Provisorium bis zum Kongreß beschlossen werden wird, das die Aufnähme der Arbeit ermöglicht, jedoch die definitive Ent- Scheidung dem Kongreß Vorbehalt. Hoffnungsvolle Anfange sind vom Jüdischen Nationalfonds gemacht worden, der — abgesehen von dem bekannten Kauf im Emek Jesreel, der die Ansiedlung von 1500 Familien ermöglicht —, jetzt eine großzügige Aktion für Kauf städtischen Bodens in Jerusalem, Jaffa und Haifa einleitet. T3ic Generalversammlung des N.-F. hat diese Aktionen einschließlich die des Emek genehmigt. Die Mittel für die Aufbauarbeit muß der Keren Haje&sod bringen, über dessen bisherige Erfolge Berichte erstattet wurden, die zwar lange noch nicht zufriedenstellend sind, die aber immerhin beweisen, daß der Gedanke sich im Volk durchsetzt. Ueber Formen und Statut wird der Kongreß endgültig zu entscheiden haben, was von dem Referenten noelunals ausdrücklich betont wurde, gegen die böswilligen Gerüchte, die besonders in Amerika ausgestreut wurden und dem Direktorium usurpatorische Neigungen insinuieren. Die Sitzung hat — so vier ist schon heute zu übersehen — zweifellos ■wichtige Arbeit geleistet; aber sic hat auch gezeigt, daß der Kongreß noch in der kurzen verfügbaren Zeit einer sorgfältigen Vorbereitung bedarf, um für wirkliche Entscheidungen reif zu sein. Die Bodenkäufe des {fidischen Nationalfonds Die Bodenkäufe im Emek Jesreel erweckten überall unter der. Juden Befriedigung und lebhaftes Interesse an paheren Details. Beim Kaufabschluß wurde nicht übersehen, die Ansprüche der auf jenen Böden bisher als Pächter angesiedelten Fellachen zu berücksichtigen. Nachdem die P. L. D. C. (Palästina Land Development Comp.) einen Teil der neuerworbenen Böden, und zwar die Komplexe Djindjar und Rub el Nasra übernommen hat, verbleiben dem Jüdischen Nationalfonds 41600 Dttnam. Als Vorzüge dieser Nationalfoiidsbäden werden günstige Lage und Eignung für mannigfaltige, besonders auch intensive Kulturen bezeichnet. Die Böden liegen in zwei zusammenhängenden Stücken, M a 1 u 1 samt Anhängen westlich und Nuris östlich der Gruppe jüdischer Siedlungen Merchawia, Balfouric und Tel-Adas, mit welchen sie wahrschcinlich bald durch kleine Zukäufe zu einem abgerundeten Areal von 70000 bis 80 000 Dunam verschmelzen werden. Da weiters der Westkomplex Malul von der Straße Haifa—Nazareth—Betschlan und der Ostkomplex Nuris überdies von der Bahnstrecke Haifa— Betschlan— Damaskus durchschnitten wird und an der Station Schatta nur 35 km vom Hafen Haifa liegt, können die Boden- Produkte rasch, leicht und billig den Markt erreichen. Malul ist zum größten Teile eben, doch auch im Hügelland für Pflanzungen gut geeignet; besonderen Erfolg verspricht der Anbau von T a b a k. Nuris ist fast durchwegs flach und gehört zu den fruchtbarsten Emekböden, wo Zuckerrübe, Zuckerrohr und Baumwolle gedeihen. Hier entspringt die Ajin Djaluth (Goliathquelle), welche samt zwei anderen, dem Jordan zufließenden Quellen, hinreicht, um ein Viertel des Landes das ganze Jahr und ein Viertel für Winterfrucht — durch bloße Gravition — zu bewässern. Doch bevor Juden diese Böden besiedeln können, muß deren Sanierung und Aptierung erfolgen, indem man Wasserläufe reguliert und, be» sonders Nuris, entsumpit, das Bergland stellenweise entsteint, eventuell terras9iert.