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Jüdische Rundschau · 1921-07-19 · Heft 57 (19.7.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 57 (19.7.1921)
Date
1921-07-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Zionismus erstrebt tOr das JOdlsche Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״ Baseler Programm.“ ÜITCCDI^CC: D!e Resolutionesi U:e erste Hälfte des J1achsi׳cl1endeft Tele* gramms ist 1ms bis Schluß des Blattes noch nicht zugestellt worden, und trotz unserer Bemühungen beim Haupttclcgraphenamt ist es uns nicht gelungen, sie zu erhalten. Prag, 17. Juli. (Tel. d. ״Jüd. Rundschau‘‘.) Das Actions-Comite fordert die strenge Bestrafung aller an den Ereignissen in Palästina schuldigen Personen, sowie vollen Schadenersatz für die zugefügten ■Schäden. Ferner fordert das Actions- Coniite, daß in Zukunft politische Stellungen in Palästina nur an Beamte übertragen werden, von denen man mit Bestimmtheit weiß, daß sie loyale Anhänger der Balfour-Deklaration sind. Alle Ein- Wanderung sbes ch r an k u n gen müssen abgcschailt wenden, die Regelung der Einwanderung muß ini Einvernehmen mit der Zionistischen Organisation erfolgen. Das Actions-Comite besteht auf einer gründlichen Reform des palästinensischen Polizeiwesens, sowie auf einer Regelung der Grenzfragen, die den wirtschaftlichen Anforderungen Palästinas Rechnung trügt. Das Actions-Comite beauftragt die Exekutive, Schritte zu unternehmen, um die endgültige Regelung des Mandates durch den Völkerbund herbeizuführen und das Mandat so auszubauen, daß es als eine vollständige Garantie der jüdisch-nationalen Heimstätte und ihre einzige rechtliehe Grundlage angesehen werden kann. Bis zur Erreichung dieser Forderungen sollen aber keine Maßnahmen getroffen werden, die mit der Balfour- Deklaration in Widerspruch stehen. Der Bericht Wir haben über die Sitzung vom 11. und 12. Juli bereits ein Telegramm unseres SpczialkorrespaivJcntcn veröffentlicht. Nachfolgend geben wir noch den vollen Bericht: Prag, 13. Juni 1921. Nachdem W e i z m a n n in der Vormittagssitzung vom 11. Juli sein großes Referat über die politische Lage und die Arbeit der zionistischen Delegation in Amerika erstattet hatte, wurde am Nachmittag in ge• sch’.osscner Sitzung die Generaldebatte über die Referate von Sokolow und Weizmann durchgeführt. Es wurde die Mitteilung gemacht, daß Dr. Weiz• mann infolge dringender politischer Angelegenheiten Dienstag früh nach London zurückkchren muß. Es sprachen die Herren Tcmkin, Dr. Boden- 11 c i in e r, Dr. Brand e, 1 )r. Leon Reich, T r i e t s c fy Jean Fischer, R o s o vv, M o t z k i u. In der Debatte wird die Politik der Exekutive kritisiert und von mehreren Seiten der Leitung vorgeworfen, daß sie zu schwach auf• getreten ist. Rosow kritisiert besonders Weizmanns Haltung in Amerika, während Motzkin in sehr eindrucksvoller Rede neben sachlicher Kritik der Leitung auf Grund seiner eigenen Erfahrungen darlegt, warum Weizmann nicht anders handeln konnte, Trictsch beschäftigt sidi vor allem mit der Frage der iipuen Exekutive und wendet sicit dagegen, daß R!1 p p i n das Ressort für Kolonisation erhält, da er nach Trietschs Meinung auf falschen kolonisatorischen Anschauungen aufbaut. Auch die Frage des Oberkoinmissars wird von den meisten Rednern behandelt, und seine Maßnahmen nach dem Jaffaer Pogrom wurden scharf angegriffen. Nach de« genannten Rednern ergreift Dr. Weizm an n das Wort. In großangelegter Rede setzt er sich mit den Vorwürfen auseinander. Er weist nach, daß er gezwungen war, selbst nach Amerika zu fahren, weil niemand anderer diese Arbeit hat tun können. Sodann berichtet er über die verschiedenen Strömungen im englischen politischen Leben, mit denen wir rechnen müssen. Auf Einwendungen anderer Redner eingehend, bespricht Weizmann nochmals ausführlich das amerikanischc Problem, Er sagt, Brandeis habe nur ein negatives Programm gehabt; wir haben kein Geld, die Politik ist zu Ende, Erziehung soll nicht gemacht werden usw. Er hat de Haas von Stadt zu Stadt geschickt, und in jeder Stadt wurden Aktiengesellschaften gegründet. Es ist gut, daß daraus nichts geworden ist. Denn sie hätten den Zionismus diskreditiert. Es handelt sich in Wahrheit gar nicht um die Kritik der Palästina* arbeit oder um technische Fragen des Keren Hajessod. In vielen Punkten der Kritik bin ich mit Brandeis ei»vverstanden, und wegen der technischen Fragen hätte ich es nicht zu einer Spaltung kommen lassen. Aber cs handelt sich um die Grundauffassung des Ziouismtis. Und da konnte ich nicht nadtgeben. Die Herren, die in Pitts bürg das radikalste Programm beschlossen haben, haben plötzlich in Buffalo neue Gegensätze geschaffen. Wenn in vielen Punkten das Actions-Comite vor ein fait accompli gestellt würde, 90 müssen Sie bedenken, daß ich heute in London sein müßte und morgen in Jerusalem und übermorgen in Amerika, und viele Be- Schlüsse müßten auf der Eisenbahn oder auf dem Schiff gefaßt werden. Da war es nicht möglich, das A.-C. cinztibcrufen. Wir brauchen eben nur Männer, die die Verantwortung mit tragen können. Zum Schluß erklärt Redner, daß in Palästina einschneidende Aendcrumgcn vorgenommen werden müssen. Es müsse eine sinnvolle arabisch e Politik geführt und eine Bodenpolitik und ein Minimum an kolonisatorischer Politik festgelegt werden. Solche Aeuderungen sind aber etwas ganz anderes, als dasjenige, was Herr Brandeis verlangt hat. Die Rede Weizmanns hinterlicß einen sehr starken Eindruck, Die Debatte wurde in einer Nachtsitzung fortgeführt. Es sprachen: R u p p i n, Rosenbaum (Kowno), Stricker (Wien), Sprinzak (HapoU-Haza'ir, Palästina), der über die gegenwärtige Stimmung im Lande berichtet, das er vor zehn Tagen verlassen hat. Die niedergedrückte Stimmung sei vor allem darauf zurückzuführen, daß in den drei Jahren trotz des Aufschwungs der Politik gar nichts geschaffen worden ist. Redner erinnert an die Unterredungen, die er und seine Freunde vor drei Jahren mit Weizmann gehabt haben, wo sie ihm die Situation darstclttcn. Seitdem ist eine Zeit voll unvermittelter Schwankungen vorgangen, und Palästina Ist arm und leer geblieben. Darum fordert der Redner, daß wir die Illusionspolitik; liquidieren und endlich zu praktischer Arbeit übergehen. Schließlich berichtet er über eine Reihe von Resolutioncn, die der Waad Leumi in seiner Sitzung vom 25. Juni gefaßt hat. Hierauf spricht Jabotinsky. Er stellt in ausführiieher Rede dar, daß der Schlüssel zur Situation in Palästina die militärische Lage ist. Die militärischen Machthaber sind uns zum Teil nicht freundlieh gesinnt, und die Araber wissen das und werden dadurch ermutigt, der jüdischen Einwanderung Widerstand entgegenzusetzen und jüdisches Leben und Eigentum zu bedrohen. Wir müssen daher unbedingt für die Verteidigung und den Schutz der Juden sorgen, und der einzige Weg dazu ist die Wiederherstellung der englisch-jüdischen Bataillone. Als es 5000 jüdische Soldaten in Palästina gab, war völlige Ruhe im Lande, obwohl Aegypten gleichzeitig in Flammen stand. Redner erörtert eine Reihe von Einzelfragen, die mit dieser Frage im Zusammenhang stellen. Die von Jabotinsky aufgeworfene Frage rückt von da an in den Mittelpunkt der Diskussion. Es sprachen Dr. Thon (Warschau), Grünbaum (Warschau), Dr. Georg Halpern, Dr. Hantke; Weizmann, der infolge einer wichtigen Unterredung einem Teil der Debatte nicht beiwohnen konnte, erschien um 1 Uhr nachts noch einmal in der Versammlung, um sich zu verabschieden, da er am nächsten Morgen verreisen muß. In der Abendsitzung wurde außerhalb der Tagesordnung ein Dringlichkeitsalltrag Kaplan behandelt betreffend das Schicksal derjenigen unterwegs befindliehen Chaltizim, welche vom palästinensischen Einwar.de■׳ rungskommissar Morris zurückgcwiesen worden waren. Es wurde eine Resolution angenommen, die dringend fordert, den unterwegs befindlichen Chaluzim, die bereits im Besitz englischer Visa sind, die Einreise zu gestatten. Um J/s2 Uhr nachts wurde die Sitzung geschlossen. Sitzung vom 12. Juli. Vorsitzender Motzkin. Den ganzen Tag über wird die Diskussion des vorigen Tages fortgesetzt. In erster ,Reihe wird die Araberfrage besprochen und im Zusammenhang damit der Antrag von Jabotinsky diskutiert. Böhm betont die unbedingte Notwendigkeit einer Verständigung mit (len Arabern als Voraussetzung der Verwirklichung des Zionismus, da wir stets eine Insel im arabischen Meere bleiben werden. Im zweiten Teil seiner Rede spricht Böhm über die Frage der Exekutive und erhebt Einspruch dagegen, daß man die Persönlichkeiten, die in der Exekutive gearbeitet haben, in unzuverlässiger Weise behandelt. Es geht nicht, daß wir mit unseren Personen 90 umspringen und unsere wertvollsten Kräfte in dieser Weise vergeuden. Redner hebt hervor, daß auch So ko low und Weizmann gegenüber nur kleinliche Kritik geübt wurde, aber kein Wort der Bewunderung und des Dankes für ihre ungeheure Arbeit. Dadurch wird eine Stimmung der Verürgerung geschaffen, statt einer Atmosphäre des Vertraueris. Bcrl Katznelson (Adiduth Awodah) spricht über die Araberfrage und betont, daß auf seiten der jüdischen Arbeiter die ehrlichste Absicht ist, gute Beziehungen zu den Arabern zu schaffen. Er kritisiert die Haltung Samuels und betont, daß das Militär und die Polizei die Hauptrolle gespielt hat bei den letzten Vorgängen. Samuel und die Clique, die ihn umgibt, hat dazu beigetragen, die arabische Bewegung zu organisieren. Redner wendet sich dagegen, daß Samuel bei drei Gelegenheiten unberechtigterweise das Schlagwort vom Bolschewismus mit der jüdischen Sache in Verbindung gebracht hat. Hierauf setzt Sokolow in ausführlicher, tiefgründiger Rede seine Anschauung über die politischen Fragen, insbesondere die Frage des Oberkommissars, die Araberfrage, die Politik gegenüber Frankreich und dem Vatikan, sowie seine Anschauung in der Frage des militärischen Schutzes Palästinas auseinander. ln der Nachmittagssitzung sprachen die Herren Blumcnfeld (Berlin], Farbstein (Misrachi, Warschau), Dr. Reich (Lemberg), Rosow, Motzkin, Ruppin, Schweiger (Zcire-Zion, Warschau), Dr. V. J a ־ cobsoji, Trietsch, Grünbauni (Warschau), Ussisclikiu, Sprinzak, Ben G o r i o n, T w o r s k y, Jean Fischer, Berl Locker, Liehtheitn. Sodann erwidert Jabotinsky in zweistündiger Rede auf die Einwejiduivgen, die gegen seinen Vorsculag gemacht Worden sind. Er bezeichnet diese als Nachklänge des ״Kleümonismus“, die zum Teil vom Kultur- Zionismus, zum!eile vom Territorialistnus herrühren. Er wiederholt, daß die erste Voraussetzung für jede Arbeit in Palästina die Sicherheit von Leben imd Eigentum ist, daher sei die Frage des Schutzes für ihn die entscheidende Frage. Er sieht darin den einzigen Weg und vermißt in den Reden seiner Gegner jeden konkreten Vorschlag, wie die Sache gemacht werden könnte. Er bezeichnet die vorgebracluen Argumente als Literatur, der die harten Tatsachen gegenüberstehen. Er fordert, daß das A.-C. einen Beschluß faßt, der es ihm ermöglicht, in der Exekutive zu bleiben und seinen Plan durchzuführen. Nach Jabotinskys Rede entspinnt sich eine Geschättsordnungsdcbatte über die Frage der Abstimmung, in deren Verlauf schließlich beschlossen wird, daß die vorliegenden Resolutionen in Kommissionen redigiert und in einer der nächsten Sitzungen zur Abstimmung gestellt werden sollen. Die anderen Resolutionen zu den politischen Fragen werden gleichfalls in einer bereits früher gewählten Resolutionskommissioii bearbeitet. Damit ist die politische Debatte beendet urjd die Sitzung wird um ItM/z Uhr abends geschlossen. Mitt woch, den 13. Juli, fanden zunächst Sitzungen der Kommissionen statt. Die Plenarsitzung wurde um II Vs Uhr eröffnet und zunächst der Bericht über die Finanzen der Organisation von Herrn Joseph Co wen entgegengenommen. Darauf wurde beschlossen, die Debatte über die Finanzen bis nach den Referaten über den Keren Hajessod auizuschieben. In der Nachmittagssitzung fand die Palästinade batte statt, welche duren Referate von Ussischkin und Kuppin cingcleitet wird. Ferner wurde eine Sitzung des Au ,'sicht States des Jewish Colonial Trust abgehalten, bei der besdüossen wurde, der Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 5 Prozent vorzusclilagen. Sitzung vom Mittwoch, den 13. Juli. Beide Sitzungen dieses Tages waren den großen Berichten über die Palästinaarbeit gewidmet. Den Beginn machte Josef Co wen, Schatzmeister der Exekutive, mit dem Berichte der Finanz- und Budgetkommission der Leitung. Dem Bericht, der sich auf die Monate März und Juni d. J. erstreckt, ist zu entnehmen, daß in dieser Zeit durchschnittlich £ 22 000 monatlich nach Palästina überwiesen wurden, wovon £ 8000 monatlich für Immigrationszwecke bestimmt waren. Die Ausgaben der Exekutive außerhalb Paläs.inas betrugen im Durchschnitt £ 3900 monatlich. Die Einnahmen wurden zum größten Teil aus den Samnvlungen für den Keren Geulah (Palästinaaufbaufonds) gedeckt, für den in der Berichtszeit £ 45000 einliefen. Hiervon hat den Löwenanteil in der Höhe von £ 23006 die Südafrikanische Zionisteiiföderatiori gedeckt. Für das Paläsiinabudget trug der Keren Hajessod in der Berichtszeit £ 39000 bei. Unter den Ausgaben ■weist Co wen auf die außerordentliche Ausgabe von £ 15000 für die Hilfsaktion nach dem Pogrom in Jaffa hin. Für die Zukunft empfiehlt Cowen, um im

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