Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1921)
- Date
- 1921-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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נ» _ Redaktion «nd Verlag V 15, Sicfcaiach• Straß« 8. Endwi•» M«■ Dienstag und Freitag׳. Betugsnreis bei der Expedition und den!*•atümtera vierteljährlich 15.— Bi. in Deutschland. Aualandeabonn^ ■tonte werden in der Wahrung de« einxelnea Länder berechn•!. J Anzeige n-Verwaltung! ן Alwrln Locwcathal, Berlin NW 7, Dorotheenstr• 35 1 Telephon: Amt Zentrum 4814 und 4SI}, 3 A•*•!*•nprcli für di• •iebo&goepaltea« Noopau«uU«K*iU3.— 51« | FataiUeaanxolgea 4 KL pro Zeile, ן Anttlf •B *clilufil Dienstag und Freitag ■idmlttaj4 ׳ Ubr. Telephon: Uh!•ad 845 u.846. PoeUdhecJckonto: Berlin Nr. 17 392. Für Oesterreiab. Postsparkaarenaart Wieo* Konto Nr. 150 030« Für Tschechoslowakei: FesUparkaasenamt Prag» Konto Nr. 1563iQ. — Redaktionaschluß Sonntag und Mittwoch aachmUtag. *■ Nummer 52 j Berlin, 1. VII. 1921 כה׳ סידן" תרס״א• j XXVI. Jahrg. Der Zionismus erstrebt tar das indische Volk die Schaffung efnor Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״ Basaler Programm.“ Zum XII. Zionistenkongreß Bekanntmachung über die Wahlen Innerhalb der Z.V. f. D. Die Wahlen zum XII. Kongreß finden in den ersten Augusttagen statt. Der ge• naue Termin wird noch bekannt gegeben. Jedes Mitglied der Zionistischen Welt• Organisation ist wahlberechtigt mit erreichten! 18. Lebensjahr, wählbar mit er• reichten! 24. Lebensjahr. Die Wahlen finden nach dem Propor• tionalwählsystem statt. DieZ.V.f. D. bildet einen einheitlichen Wahlbezirk. Die Wahlvorschläge sind spätestens bis zum 19. Juli 1921, einschließlich, im Büro der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Sächsische Straße 8, einzureichen. Der Wahlvorschlag muß von min• destens 100 Wählern unterzeichnet sein. Kein Wähler darf mehr als einen Wahl• Vorschlag unterzeichnen. Kein Bewerber darf auf mehr als einem Wahivorschlag an erster Stelle stehen. Es wird hierdurch zur Einreichung von Wahlvorschlägen aufgefordert. Im einzelnen wird das Wahlverfahren durch die Wahlordnung geregelt, die von der Hauptwahlkommission demnächst festgesetzt werden wird. Die Hauptwahlkommission wird aus Vertretern aller an den Wahlen beteiligten Richtungen nach Maßgabe ihrer Zahlenstärke gebildet. Berlin, 29. Juni 1921. Der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Felix Rosenblfith. Die Wahlen ״cum Xli. Kongreß stehen bevor. Sie werden nach einer Bekanntmachung der Z. V. f. D. in Deutschland in den ersten Augusttagen, wahrscheinlich in der Zeit vom 31. Juli bis 7. August, stattfinden. Nach den Bestimmungen der Exekutive entfällt auf das erste und auf das zweite Tausend Schekel jedes Landes- und Sonderverbandes je ein Delegierter, dann auf weitere 2000 Schekel wiederum je ein Delegierter. Die deuta-he Delegation auf dem Kongreß wird also eine einigermaßen beachtliche Größe nur erhalten, wenn in der Sehekelaktion die äußersten Anstrengungen gemacht werden. Bei 30 000 Schckalim hätte Deutschland 16 Delegierte zu stellen, bei 20 000 Schckalim nur 11 De legierte. Nach einem Beschluß des Zentralkomitees der Z. V. f. D. sollen die Wahlen nach dem Proportional- Wahlsystem durchgeführt werden, und zwar derart, daß die gesamte Z. V. f. D. einen einheitlichen Wahlkreis bildet. Es handelt sich also diesmal nicht darum, daß einzelne Ortsgruppen für ihren Ort Delegierte wählen werden. Es werden vielmehr ״R e i c h s - listen“ für das gesamte Gebiet des deutschen Reiches aufgestellt, über die in sämtlichen Ortsgruppen abgestimmt wird. Die Einzelheiten des Wahlvcrfahrens werden demnächst durch eine Wahlordnung geregelt und bekannt gegeben werden. Sofort muß aber jetzt die Auf- Stellung der Wahivorschläge in Angriff genommen werden. Hierzu ist erforderlich, daß die Gruppenverbändc, evtl, die Führer der einzelnen Richtungen innerhalb der z׳ V. f. IX mHcinander ln Verbindung treten. Bialik in Konstantinopel Konstantinopel, 26, Juni. (J. C. B.) Der hebräische Dichter Ch. N. Bialik ist aus Odessa hier eingetrolfen und wird von hier seine Reise nach Palästina fortsetzen. Zusammen mit BialLk reisen der Dichter Feuerstein, die hebräischen Schriftsteller Rawni-tzki, Drujanow, Moses Kleinmann, Rabinowitz und die Pädagogen Dinaburg, Semiatytzki, Jerusalimski und Wilenski, denen es gleichfalls gelungen ist, Rußland zu verlassen und die Visa für Palästina zu erlangen. Das Programm der zionistische□ Opposition in Amerika New York, 23. Juni <J.C. B.) Unter Vorsitz des Oberricliters Brandeis fand hier in den Büroräumen Najthan Straus׳ eine längere Konferenz der zurückgctrctcnei* Zionistischen Führer statt, um das Prograimit ihrer künftigen Tätigkeit zu entwerfen. Die oppositionelle Oruppe beabsichtigt, eine eigene unabhängige Aktion zugunsten Palästinas, insbesondere auf solchen Gebieten einzuleitcn, die außerhalb des Tätigkeitskreisesder Zionistischen Kornmlssion liegen. Brandeis׳ Vorschlag, eine Groß- Handelsgenossenschaft für Palästina zu gründen, fand allgemeinen Beifall. Es wurde einstimmig beschlossen, daß die Oruppe nichts gegen dieneugewählte Leitung unternehmen solL Die Führer der gegenwärtigen Minderheit verbleiben in der Organisation, lehnen jedoch jegliche Verantwortung für die Politik ab, mit der sie nicht einverstanden sind. So wurde beschlossen, daß kein Mitglied der Gruppe ein Mandat für den zionistischen Kongreß übernehmen solL Es wurde ein Komitee zur Vorbereitung einer altgemeinen Konferenz der Oppositionellen für den 3. und1 4. Juli in Buffalo oder Pittsburg gewählt. Diese Konferenz wird den Namen, die Statuten und die Haltung der Gruppen festsetzen. Keren Hajessod in Amerika London, 26. Juni. (J. C. B.) ״Daily Telegraph“ bringt folgendes Telegramm aus New York: Vor der Rückreise Dr. Weizmanns nach England wurde ein grandioses Abschiedsbankett veranstaltet, wo offiziell mitgeteilt wurde, daß Dr. Weizinann 200000 Pfund Sterling in bar mitführt, die sogleich für das große Irrigationswerk in Palästina verwendet werden sollen. Ueberdies liegen Zeichnungen amerikanischer Juden auf den Betrag von 1 Million Pfund Sterling, zahlbar ln Raten innerhalb sechs Jahren, vor, die für konstruktive Arbeiten in Palästina bestimmt sind. Die arabische Aktion ״Egypticn Gazette“ vom 18. Mai bringt den Wortlaut des Telegramms, welches das ägyptische Palästinakomitcc namens der moslemisch-christlichen Gesellschaft von Jaffa nach dein Jaffaer Pogrom an den König von England abgesandt hat. Das Telegramm lautet folgendermaßen: ״Aus Furcht vor der Zensur hat uns das moslemischchristliche Komitee ersucht, Euer Majestät folgenden Bericht zu unterbreiten. Die Unruhen wurden bcgönnen durch bolschewistische Juden, die Jaffaer Zionisten haben sich beteiligt. Die Folge waren Hunderte von Opfern unter den Palästinensern, einschließlich Frauen, Kinder und sogar Säuglinge, die grausam getötet oder verwundet wurden. Die Regierung hatte Keiuitnis von der Anwesenheit der Bolschewisten und der unerwünschten jüdischen Einwanderer. Ihre Aufmerksamkeit wurde wiederholt darauf gelenkt, jedoch sie hat keine Maßregeln ergriffen. Da der High Commissiemer unter Mitwirkung des Justizsekretärs Bentwich, eines bekannten eifrigen Zionisten, die Gesetze mißachtet und unter Hmtanstdlung unserer Interessen die Juden begünstigt, bitten wir instäudigst Euer Majestät im Namen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, einen unparteiischen britischen Richter zu ernennen, welcher die Sache zu führen hat und die Sache als Ganzes durch ein Sondergericht verhandeln läßt. Die ordentlichen Gerichte sind unmöglieh, da sie durch die zionistischen Beamten beeinflußt; sind. Wir glauben aufrichtig an eine Aenderung der Politik. Die Aufhebung der Baifour-DekLaration und üie Nichtunterstützung der zionistischen Ansprüche ist die einzige Lösung. Retten Sie das heilige Land und beugen Sie künftigem Blutvergießen vor!“ ״Egyptien Gazette“ vom 21. Mai veröffentlicht die Zuschrift eines Augenzeugen, eines amerikanischen Bürgers, welcher nachweist, daß die erwähnte Depesche völlige Unwahrheiten enthält und in keinem Punkte richtig ist. Die arabische Europa-Delegation Jerusalem, 25. Juni. (J.C. B.) Unter der mohammedanisch-arabischen Bevölkerung in Palästina macht sich eine Opposition geltend gegen die Zusammensetzung der Europa-Delegation des arabischen Kongresses, weil sie zur Mehrheit aus Christen besteht. Es wird auch geltend1 gemacht, daß die Mitglieder der Delegation keine europäische Sprache beherrschen, auch nicht die englische. Miß Newton, die bekannte antisemitische Hetze rin aus Haifa, hat die Delegation nach England begleitet. Zur Ostjudenfrage Die Ostjudenfrage in Deutschland ist heute an einem Punkt angclangt, wo die jüdische Oeffcntlichkeit alle Ursache hat, sich noch einmal erneut darüber Rechenschaft zu geben, ob hier Schweigen noch einen Sinn hat, ob nicht vielmehr die Zeit gekommen ist, laut zu protestieren und von allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln Gebrauch zu machen, um eine Lösung der Ostjuden frage in Deutschland in einem menschlichen und politisch vernünftigen Sinne zu erzwingen. Betrachten wir einmal die Situation, wie sie im Laufe der Jahre sich entwickelt hat, betrachten wir die Politik der jüdischen Oeffentlichkeit, vor allen Dingen der jüdischen Organisationen dieser Entwicklung gegenüber und prüfen wir, ob nicht die Ostjudenpolitik der Regierung an einem Punkt angelangt ist, wo längeres Schweigen Verbrechen wäre. Die reaktionäre Presse hetzt unter stillschweigender Duldung der Regirrung, ja sogar unter amtlicher Förderung — Vertraucnsbrüche durch Veröffentlichung amtlicher Schreiben sind an der Tagesordnung — gegen die ״Masseneinwanderung“ der Ostjuden. Die ״Schnorrer und Verschwörer“ Bülows heißen jetzt ״Schieber und Bolschewiki“. Die Verwallungspraxis, die vor dem Kriege Leuten, die 20 und 30 Jahre lang in Deutschland ansässig gewesen sind, die Einbürgerung versagte, ist dieselbe geblieben. Die öffentliche Meinung wird weiter ganz wie früher irregeführt, wie früher ward das Problem der astjüdischen Ein- Wanderung von engsten parteipolitischen Gesichtspunkten aus gesehen, wie früher wird mit Unwrahrheit, mit erlogenen Angaben gearbeitet, um überall Furcht und Mißtrauen gegenüber dem ostjüdischen Arbeiter zu erwecken, Wir haben nichts zu verdecken. Wir können Tatsachen bringen, Tatsachen, die in erschreckender Weise die Fehler der deutschen Politik aufzeigen. Die Ostjuden sind nicht freiwillig nach Deutschland gekommen. Der deutsche Antisemitismus konnte die Ostjuden nicht locken. Jüdische Zwangsarbeiter waren es, die als erste Ostjuden im Kriege Deutschlands Boden betraten, Zwangsarbeiter der deutschen Kriegsindustrie. Zwangsarbeit, das war die Verwirklichung der Freiheitsproklaniationen Ludendorffs an die ״Herren Jüden in Paulen“, und diesen Zwangsarbeiten! folgten Tausende anderer auf ״freien Arbeitskontrakt“. Die Deutsche Ar beiterzen tralc, die noch heute Tausende von polnischen Arbeitern monatlich nach Deutschland hereinbringt, grundsätzlich aber Juden ausschließt, war es, die damals, als man sie brauchte, massenhaft jüdische Arbeiter nach Deutschland vermittelte. Und wenn nach der Revolution in den Jahren 1019 und 1920 noch einige Tausend ostjüdischer Arbeiter hinzu kamen, die noch heute in Deutschland ansässig sind, dann sind es diejenigen, die ihr bißchen Leben vor den Pogromen zu retten suchten, diejenigen, die vor den Botschewiki und vor den Mißhandlungen beim polnischen Militär fliehend, nach Deutschland gekommen sind. Die deutsche Regierung war es, die durch ilire Aufrufe Unfrieden zwischen Polen und Juden hervorgemfen hat, auf die deutschen Proklamationen berufen siel! die Polen, wenn sie die Juden der Deutsch freundlichkeit bezichtigen. Und wenn weiter Tausende Deutschland durchwanderten, Tausende in Deutschland sich Wochen und Monate auflüeiten, so waren das die Amerikawanderer, die in Deutschland Paß und Visen und Papiere der Verwandten in Amerika erwarten mußten. , Wie steht es mit den Zahlen dieser Ein- und Durchwanderung? Noch nicht einmal 100000 sind in den Jahren 1914—1921 kürzere oder längere Zeit in Deutschland gewesen, und kaum die Hälfte nur — 50 000 — befindet sich heute noch in Deutschland. Wir Zionisten hielten es als erste für unsere Pflicht, uns der Flüchtlinge anzunehmen. Wir waren und sind solidarisch mit diesen Mensehen, die die Not hierhergetrieben hat, wir sind solidarisch mit ihnen, weil wir das jüdisdie Schicksal erkannt haben, das heute unsere Brüder zu uns treibt, bei uns Zuflucht zu suchen, und morgen uns jenen Flüchtlingen gleich macht. Es ist uns