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Jüdische Rundschau · 1921-06-28 · Heft 51 (28.6.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 51 (28.6.1921)
Date
1921-06-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ETI >r: tckto ,Hol-: ־ ,18 »1100• -j .8. Ein jj Indat ־ re.5 ־ ^-־—•־' V' / / dy v^sJ. Ü R.d»ktio■ ,״d VerUf W 15, Sid»Ud>0 Slr.B8 ־. E־״h«i»» H<״ Di*n»Uz «ad FtUlw. B«»»s*pr«i» 8ci der Eipedttioo und den p0,«mtern »iert.ljlhrHdi 15.- M. ln DoulodiUnd. Anolnndtob••»■ ■ent» werden in der Wihnin* det eimelnen Lender berechnet. Nummer 51 Berlin, 28. VI. 1921 Amelgcn-Vcrwaltungl Verlag Alwin Laewenthal, Berlin NW 7, Dorotheenstr. 35 TsUpboa: Amt Zentrum 4814 uni 4815. AüK^lgaaiprel• für die aivueoyeepelte&e NoopereiUeseile 3»*“ M* Femilienaniw^ea 4 M. pro Zeile. Aaioiynachluflt Dteastaf und Freitag: aachmitta; 4 Uhr. Teltphon; Ubland 845 u.846. PoiUcherkkontot Berlia Nr. 17 3^2. Für Oe*terreic41. Po«t»p»rkaa»en»mt Wien, Konto Nr. 156 030. Für Tachechorlowakei: P»*Up«rka**en«mt Prag־, Konto Nr. 156 030. —־ ReiUktiontschluS Sonntag und Mittwodb aachmitt•?« ■*־ כב׳ סידן- תרס״א• XXVI. Jahrg. Der Zionismus erstrebt fOr das JOdlsche Volk die Schäftung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.' שלום ,עליכם! Die Zionisten Deutschlands begrüßen heute in ihrer Mitte einen ihrer alten Freunde, einen der Schöpfer der Zionistischen Organisation, einen der ersten und ältesten Vorkämpfer für die Wiedergehurt unseres Volkes und unserer Kultur. Die Schwere der Lage und der Ernst der Stunde lassen uns nicht den zurückgelegten Weg überschauen und machen viele zaghaft. U s s i s c h - kin erinnert uns ati eine Zeit, in der unsere Aussichten atii die Zukunft und unsere Erfolge in der Vergangenheit viel geringer waren als sie heute sind, sie waren gleich Null. Erst Leute wie U s - sisch kin und seine Freunde mußten alles aus dem Nichts schaffen. Erst sie waren es, die den vagen Träumen und Hoffnungen praktische Gestalt /.u geben verstanden. Es gehörte unglaubliche Kühnheit dazu, vor 30 Jahren das anzustreben, was wir heute bereits erreicht haben. Daß wir damit unzufrieden sind, daß wir jetzt ganz andere Maßstiibe an unsere Arbeit anlegen, daß wir mit unseren inneren und iiiilicrni Erfolgen gewachsen sind und sowohl an uns selbst wie an andere weit größere Forderungen stellen, ist zum guten Teil ein Verdienst Ussischkins. Er hat in unsere Bewegung vor 40 Jahren nichts mitgebracht, außer dem felsenfesten Glauben an unsere Sache, an unsere Zukunft, an unser Ideal, außer der unermüdlichen Energie und der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß alles von unserem Willen abhängt. Die Zeit hat Ussi sch kin in vieler Hinsicht Recht gegeben. Wir haben gewollt, und haben vieles erreicht. Wer die heutige innere und äußere Lage des Judentums mit der vor 30 bis 40 Jahren vergleicht, muß zugeben, daß wir ungeheure Fortschritte gemacht haben. Oie Lage ist schwer, die Schwierigkeiten groß, aber auch unsere Kräfte sind gewachsen. Und einer der ersten, die das Wachstum dieser Macht gefördert haben, ist Menachem Ussi sch kin. Die Zionistische Organisation Deutschlands bcgrüßt in dem Besuch Ussischkins den Versuch, die im Kriege gelockerte Zusammenarbeit der Zionisten der ganzen Welt wieder herzustellen. Möge uns Ussischkin als ein Muster unermüdlicher zionistischer Arbeit, unverzagten Mutes und ungebrochcncr Energie in dieser ernsten Zeit dienen! ה5א t• רוף Wahlen zum Zionistcn-Kongreß Die Exekutive der Zionistischen Organisation hat nie Wahlordnung für die kommenden Wahlen der Delcgierten zum!2. Zbnistcnkongrcß publiziert. Die Wahlen werden in der ganzen Welt zwischen dem 1. juli und dem 7. August abgchalten werden. Die Zahl der in. jedem Verband zu wählenden Delegierten wird von der Exekutive auf Grund der Zahl der Schekel festgestellt, die bis zum 30. Juni an die Exekutive abgeführt werden, und zwar entfällt auf das erste und auf das zweite Tausend Schekel jedes Landes- und Sond e r ve r b a 11 d e s je ein Dolegierter, dann auf weitere zweitausend Schekel jeein Delegierter. Bei allen Landes- und Sonde!׳verbänden werden besondere Komitees zur Durchführung und Beaufsichtigung der Wahlen gebildet werden. Diese Komitees werden auch die Einzelheiten des Wahlsystems zu bestimmen haben. Für die Registrierung der Wahlen werden pftir.iellc Formulare herausgegeben, welche zusammen mit der Wahlordnung an alle Verbände verschickt werden. Es wird erwartet, daß in allen Ländern Anstrengungen gemacht werden, sowohl, um das Ergebnis der Schekel- Sammlung noch in letzter Stunde zu verbessern, als auch mn die kommenden Delegiertenwahlen rasch und in größter Ordnung durchzuführen. Oie Schekelsammluno wird fortgesetzt! 1 Ein Referat Dr. Ruppins An! Sonntag, den 26. ds. Mts. fand in Berlin eine Sitzung des Zentralkomitees der deutschen Zionisten statt, welche von Mitgliedern aus Berlin und der Provinz sehr zahlreich besucht war. In der Vormittagssitzung wurde über den Stand der Keren Hajessod-Aktion und über die Vorhandlungen mit nichtzionistischen Persönlichkeiten Berieht erstattet. Der Bericht des Geschäftsführcnden Ausschusses wurde nach ausführlicher Debatte billigend zur Kenntnis genommen. Die Naclunittagssitzung erhielt eine besondere Bedeutung dadurch, daß zwei Mitglieder der Exekutive, Ru pp in und später auch Ussischkin an den Verhandlungen teilnahmcn. Dr. Ruppin erstattete ein Referat über die nächsten Aufgaben in Palästina. Einleitend betonte er den außerordentliche«» Ernst der Situation. Wir befinden uns in einer Krise wie nie zuvor, und die Stunde drängt, ln Palästina selbst herrscht die Stimmung, daß wir das Versäumte solvjrt wieder gutmaclieii müssen, sonst Ist es nicht gut zu machen. Wir haben bei alter unserer Arbeit bisher einen Faktor zu wenig berücksichtigt. Die ,Zeit. Die Entwicklung bleibt in Palästina nicht Stillstehen, und wenn wir säumen, gewinnen unsere Gegner, die numerisch im Linde viel stärker sind als wir, die Zeit, Dr. Ruppin warnt davor, sich jetzt internen Streitigkeiten oder theoretischen Diskussionen hinzugeben, sonst wird der entscheidende Augenblick vorübergehen, während wir diskutieren. Im folgenden Teil seiner Rede entwickelt Ruppin den Arbeitsplan für die nächste Zeit. Er erinnert daran, daß er selbst vor zwei Jahren in einem umfangreichen Buche ein A u f b au p rogr a m. m auigcstellt hat, das er noch heute vollinhaltlich aufrecht erhält. Leider sei es nicht zur Grundlage eines Systems der Arbeit gemacht worden, und Redner müsse daraus schließen, daß dk׳ Bewegung nicht Zeit oder Fähigkeit zur Aufnahme umfassender Programme hat. Darum wolle er jetzt nur eine Reihe konkreter Forderungen herausgreifen. Er skizzierte hierauf folgende vier Forderungen, die mit einem Gesamtbudget von etwa 3 Millionen Pfund für das nächste Jahr rechnen. Diese Forderungen sind: 1. Bau von Häusern. Es ergeben sich dafür alte möglichen Methoden, durch private Ballgesellschaften, durch Hypothekenbanken, die Einzelnen Kredit gewähren, oder durch gemeinnützige Bauvereine usw. Diese verschiedeiiartigen Methoden können durchaus nebenein• ander bestellen. Es kommt nur darauf an, daß überhaupt etwas gemacht wird. Man kann jetzt in Palästina wieder einigermaßen zu normalen Preisen bauen. Eine Zweizimmerwohnung in Jaffa ist für 150 bis 200 Pfund lierzusiellen, also je 1000 Häuser etwa 150 000 Pfund. Es gibt jetzt schon 1500 bis 2000 Reflektanten auf solche Wohnungen in Palästina, die selbst Beträge beitragen können. Wenn man mehr als 2000 Häuser bauen kann, so ist schon für neue Ankömmlinge auch gesorgt. Dies ist eine durchaus sichere Kapitalsa 111 a g e, und auch vom nationalen Gesichtspunkt sehr wichtig, damit wir nicht auf die arabischen Hausbesitzer angewiesen bleiben. Für diesen Zweck benötigen wir dringendst 30000t) Pfund. 2. Wir müssen daran gehen, die landwirtschaftliche Kolonisation auszudehnen. Unsere Kolonien beherbergen in Wirklichkeit eine sehr geringe Zahl von Kolonisten, zirka 800. Wir sind jetzt imstande, durch die Käufe, die wir im letzten Jahr durchgeführt haben, «och 1500 Familien anzusicdeln, d. h., unsere bisherige landwirtschaftliehe Bevölkerung verdreifachen. Bisher war die landwirtschaftliche Ansiedlung sehr schwierig wegen der hohen Preise. Inzwischen ist eine gewisse Ermäßigung cingetreten, so daß wir heute imstande sind, eine Familie mit ungefähr 500 Pfund ohne Häuser und 800 £ mit Häusern anzusicdeln, wobei der Boden selbstverständlich nicht inbegriffen ist. Von diesen 1500 neuen Ansiedlern sind 300 auf Bilden anzusicdeln, wo sielt jetzt Farmen des Ni,-F. oder anderer Gesellschaften befinden. Nach der angcstcllten Rechnung wird die Ansiedlung insgesamt zirka 1 200 000 Pfund kosten, wieder ohne Boden. Diese Ansiedlung wird zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Wir müssen bedenken, daß die Ansiediung von 1500 Familien in der Landwirtschaft einer weit größeren Anzahl nichtlandwirtschaftlicher Ansiedler Existenz bietet, so daß damit die Möglichkeit für 25 000 bis 30 000 Seelen, gegeben ist. 3. ()öffentliche Arbeiten. Da steht zunächst das Bewässerungsprojekt von Ru¬ Rün- Rupsind. thenberg, das zur Bewässerung von Böden und zur Erzeugung elektrischer Kraft dienen soll. Dieses große Projekt erfordert große Summen, die das Privatkapital allein nicht aufbringen wird, wenn es nicht durch den Eintritt der Organisation gewisse Sicherheiten gewonnen hat. Die Organisation muß sich also stark beteiligen. Auch diese Investition ist zweitellos rent a b e 1. Allerdicngs ist es unmöglich, den Zeitpunkt der Rentabilität anzugeben. Dafür müssen wir eine Million Pfund aufbringen. 4. Wir müssen für die Einführung einiger landwirtschaftlicher Industrien sorgen, die in Palästina eine ähnlich bedeutende Rolle spielen können, wie einst die Schaffung der Weinkellereien in Risch,׳,nle-Zion. Dazu gehört vor allem Tabakbau und Rohrzucker. Für diese liegen außerordentlich stige Gutachten vor. Im weiteren Verlauf seiner Rede bemerkt Dr. pin, daß leider in der letzten Zeit sehr viele falsche Ansichten über Palästina in der Diaspora verbreitet worden Zunächst weist er die Vorwürfe zurück, die gegen die Zionist Commission erhoben werden, insbesondere den Vorwurf der Verschwendung von Geldern, wobei jedoch genau unterschieden werden müsse zwischen der Amtszeit der jetzigen Leiter der Z. C. und den früheren Perioden, in welchen z. B. die Amerikaner Friedcnwald und Shold die Arbeit geführt haben. Als ein u 11 sinniges Märchen bezeichnet Ruppin die Gerüchte über die Untauglichkeit der Arbeiterschaft, welche von verschiedenen Kritikern in letzter Zeit geradezu als eine Schar von Schmarotzern hingestellt wird, die nichts tut als debattieren und Defizite machen. Diese Auffassung ist ein grober Irrtum, ln Wahrheit sei die Arbeiterschaft die stärkste Stütze unserer ganzen palästinensischen Position. Sie sind die festeste Burg in Palästina. Tatsache ist auch, daß die Arbeiter ihre Arbeit mit größter Hingabe und geradezu mit Selbstaufopferung tun. Selbstverstündlich sind sie nicht geschulten landwirtschaftlicher» Kräften gleichwertig, das liegt jedoch daran, daß für ihre Ausbildunggar nichts geschehen ist. Wir müssen mit der Tatsache rechnen, daß wir keine gelernten Bauern haben, und wir müssen in Palästina und außerhalb Palästinas für Ausbiklungsmögüclikciten sorgen Schon die letzten Chaluzim aus Mitteleuropa, die wenigstens gewisse Kenntnisse mitbrachtcn, wurden in Palästina freudig begrüßt. Daß bisher für die Ausbildung der Leute nichts geschehen ist, ist Schuld der Zionisten, nicht aber Schuld der Arbeiter. Infolge der mangelnden Schulung brauchen unsere Arbeiter viel mehr Kraft und Arbeitseifer als geschulte Landwirte. Trotzdem erlahmt ihre Arbeitsfreude niemals. Ein südafrikanischer Land- -wirt, der jetzt vier Monate die Verhältnisse in Palästina genau studiert hat, habe dem Redner erklärt, daß das Menschcnmatcrial insbesondere in den Kwnzoth erstklassig sei an Arbeitseifer, jedoch infolge der mangelnden Ausbildung oft mehr Zeit und Mühe brauche. Als eine Fabel bezeichnet Dr. Ruppin auch das Gerede von der Defizitwirtschaft der Kwuzoth. Tatsächlich hätten einige Kwuzoth, die während des Krieges als Notstandarbcitsgelegcnheitcn geschaffen worden waren, sich später infolge der geänderten Verhältnissc unrentabef erwiesen und wurden dann auch aufgelöst.;Wenn Defizite entstehen, so liegt dies keineswegs am genossenschaftlichen System, sondern an ganz anderen Gründen, welche sich auch in Individualwirtschaften cinstcllcn. Die Arbeiter selbst haben den größten Wunsch, aus der Zuschuß Wirtschaft hera u s zu koin m en, und haben vor einiger Zeit in einer Konferenz selbst beschlossen, diejenigen Wirtschafte« zu schließen, die von Zuschüssen leben. Redner verweist zum Schluß auf die Verderblichkeit verständnisloser Kritik und betont, daß es auch bei der Kritik notwendig ist, die Zustände genetisch zu analysieren. Nach der Rede Ruppins werden zunächst eine Reihe von Fragen gestellt, auf welche Ruppin ausführlich antwortet. Sodann wird über seine Ausführungen die Debatte durchgeführt. Da inzwischen Ussischkin im Saale erschienen ist, erhält er während der Debatte das Wort, tun über die Lage in Amerika und die Tätigkeit der zionistischen Delegation zu berichten. Aus seiner Rede, über die wir noch ausführlicher berichten werden, erwähnen wir heute nur die Tatsadhen, daß in Amerika, bisher 6*/* Millionen Dollar an Zeichnungen für den Keren Hajessod vorliegen,!und daß bis zum Kongreß

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