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Jüdische Rundschau · 1921-06-24 · Heft 50 (24.6.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 50 (24.6.1921)
Date
1921-06-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Postsparksuuenamt Praf, Konto Nr. 156030* «— KedaktionMchluS Soontag und Mittwoch aschmittag״• .־• יח׳ פיון׳ תרס״א• XXVI. Jahrg. Dor Zionismus erstreb! lür das JQdlsche Volk die Schaffung einer Onontltch-rechtllch gesicherten Heimstätte ln Palästina. ״Baseler Programm. Die Brandeli-Oruppe kommt nicht zum Kongreß New York, (J.C.B.) Die von den früheren Mitgliedern der Exekutive der amerikanischen zionistischeu Organisation, die in Ckvcland demissioniert haben, einberufene Konferenz fand in Gegenwart von etwa 130 Personen in New York statt. B r a n d c i s hielt eine lange Rede, in welcher er ausdrücklich dariegte, daß er kein Mißtrauen gegen Wcizniann hege, sondern daß er und seine Freunde nur bestrebt seien, ökonomische Methoden und eine sachliche Verwaltung in die Palästinaarbeit einxuführen. Nach einer lebhaften Diskussion wurde beschlossen, daß die Teilnehmer der Konferenz dem Zionistenkongreß in Karlsbad fernbleiben werden. Sie werden jedoch dem Kongreß eine ausführliche Denkschrift über die künftige Politik der Zionistischen Organ!- tion i!1 Palästina vorlegen. Für den 4. Juli wird eine außerordentliche Tagung einberufen, welche Mittel und Wege zur Durchführung der künftigen Arbeit festsetzen soll. * Diese Nachricht ist geeignet, größtes Befremden und Entrüstung in der zionistischen Welt hervorzurufen. Es ist unbegreiflich, daß Brandeis, der Demokrat, der früher auch im jüdischen Leben seine politischen Grundsätze so wirksam zu vertreten wußte — wir erinnern nur an seine großartige Campagne für den Sieg des demokratischen Gedankens in der amerikanisch-jüdischen Kongreß- Bewegung —, sich jetzt dazu versteht, sich der offenen Diskussion vor dem großen demokratischen Forum der zionistischen Weltbewegung zu entziehen. Es ist sehr traurig, daß diese Art der Obstruktion in unserer Bewegung einreißt. Der Kongreß kann sich nicht darauf einlassen, daß zionistische Gruppen mit ihm per ״Memorandum“ verkehren. Wir hoffen, daß diese Beschlüsse, die vielleicht unter dem ersten Eindruck der Konvention in Clevcland gefaßt wurden, nicht endgültig sind. Sie können es nicht sein, denn Brandeis, Mack, de Haas, Wise usw. werden nicht auf dem ersten Kongreß seit acht Jahren fehlen, gerade jetzt, wo die ganze zionistische Welt den stärksten Wunsch hat, sich mit ihnen sachlich auszusprechen. Wenn sic nicht kommen, dann freilich wird es notwendig sein, zu dieser unzulässigen Taktik Stellung zu nehmen. Neue Eiobürgerungsschwierigbeiten in Amerika New York, 23, Juni. (J. C. B.) Die Kampagne gegen die Einwanderung artet in Schikanen gegen die bereits eingewanderten Ausländer aus. So werden jetzt Maßnahmen erwogen, jeden neuen Immigranten das erste Jahr hindurch unter Polizeiauf sicht zu stellen. Weiter sollen die Frauen der im Auslande geborenen Männer sich separat um die Naturalisierung in den Vereinigten Staaten bewerben müssen, obwohl deren Ehemänner bereits im Besitze sämtlicher Einbürgerungspapiere sind. Dadurch soll die Naturalisation von Ausländem bedeutend erschwert werden Diese Maßnahmen, riefen in maßgebenden Kreisen der jüdischen Bevölkerung Amerikas große Aufregung hervor. Verhaftung arabischer Boykottarrangeure Jerusalem, 6. Juni. (J. C. B.) Mehrere moharnmedanische und christliche Scheichs, die die Boykottbewegung gegen die jüdische Bevölkerung geleitet haben, "׳urden verhaftet und nach Jerusalem gebracht Sie wurden jedoch bald gegen Hinterlegung einer Kaution bis zur Durchführung des Gerichtsverfahrens auf freien büß gesetzt. Die amerikanische Juwelensammiung Während der Anwesenheit der zionistischen Dcle Kation in Amerika organisierte Frau Weizmann eine juwelensammiung, die Werte von mehreren tausend Dollar cingcbracJit hat. Viele Frauen brachten Schmuck- Sachen und sonstige Wertgegenstände. Es wird beabsichtigt, von diesem Oelde Heime für Owluaoth und Kinder zu errichten. Der Papst gegen den Zionismus W, T. B. berichtet; Nach einer Stcfanimeldung hat der Papst in einem Geheimen Konsistorium der Beunruhlffung über die Tätigkeit der Juden in Palästina Ausdruck vcrliencn. Er würde versuchen, den armen Bewohnern dieses Landes Hilfe zu senden, aber seine Mittel seien beschränkt. Er beklagt das U cbergcwicht der Juden an den heiligen Stätten der Christenheit und ermahnt die Regierungen, bei dem Völkerbund Schritte zu tun, der die Regelung des englischen Mandats in Palästina zu prüfen habe. Der Heilige Stuhl und Palästina (Von unserem italienischen Korrespondenten.) m.b. Rom, 17. Juni 1921. Am 13. d. Mts. hat der Papst im ״Geheimen Kirchenrate“ bei der Ernennung der neuen Bischöfe eine Rede gehalten, in der er 'Vielleicht zum ersten Male seine Politik in bezug auf den Zionismus und die jüdischen Forderungen in Palästina zum deutlichen Ausdruck gebracht hat. Man ,wird sich erinnern, daß einige Andeutungen dieser Art schon in der päpstlichen Rede vom Miirz 1919 enthalten waren; damals hat er aber noch nicht ganz klar gesprochen und ist über Andeutungen nicht hinausgegangen. Diesmal lassen seine Worte keinen Zweifel über seine Stellung. Nachdem der Papst in allgemeinen Ausdrücken über die Notwendigkeit der Versöhnung aller Völker gesprachen hat, ist er zur Palästinafragc übergegangen. Er habe sich mit ganzem Herzen der allgemeinen Freude angeschlossen, als Palästina von den Christliehen Heeren wiedergewonnen wurde; schon damals sei aber seine Freude durch die Besorgnis über das zukünftige Geschick des Heiligen Landes getrübt worden. Jetzt könne er leider nur feststellen, daß diese Bcsorgnis wohl begründet war. ״Es ist bekannt, daß die Lage der Christen in Palästina sich nicht nur nicht gebessert, sondern verschlechtert hat und daß infolge der neuen Einrichtungen, die als Ziel haben — wenn nicht beabsichtigt von denjenigen, die sie eingeführt haben, so doch jedenfalls tatsächlich — die Christen aus den Stellungen, die sic bis jetzt eingenommen haben, zu vertreiben und sie durch die Juden zu ersetzen.“ An dieser Stelle wiederholte der Papst ein Märchen, welches schon früher in der italienischen katholischen Presse reichlich ausgenützt wurde. Er sprach von der angeblichen, teilweise schon verwirklichten Absicht der Juden, das Heilige Land mit einem Netz von Hotels und weltlichen Belustigungsunternehmungen zu bedecken, und schloß mit einem heißen Aufruf an die christlichen Regierungen, sie mögen bei der Mandatbespreclumg darüber wachen, daß die Rechte der Juden denen der Christen nicht vorangesetzt werden. Er bemerkte aber dabei, daß cs keinesfalls sein Wunsch ist, die Rechte des jüdischen Elementes in Palästina verringert zu sehen; er will nur nicht, daß die Juden irgendwelche Vorrechte genießen. Am Schlüsse der Rede sprach der Papst noch seine Freude darüber aus, daß die ״Erstgeborene der Kirche“, Frankreich, nunmehr in den Schoß des Hcüigen Stuhles zurückgekehrt ist. Der Palästinafrage wurden im ganzen ctw׳a drei Viertel der Rede gewidmet. Die päpstliche Ansprache wurde am nächsten Tage vom ״Osscrvatore Romano“, dem offiziellen Organ des Vatikans, in einem langen Artikel kommentiert. Die jüdischen Bestrebungen in bezug auf Palästina verstoßen nicht mir gegen den Charakter des Landes, das für viele Völker und drei Religionen heilig geworden sei, sondern auch gegen geschichtliche und ethnische Rechte der Eingeborenen — Christen und Moslim — für welche Palästina durch ihren jahrhundertelangen Aufenthalt das Vaterland geworden ist und die das Land ״nie um anderer reicherer, fruchtbarerer, geräumigerer Linder willen verlassen haben“. — ״Wenn die ge schiehtlichen Forderungen der Juden anerkannt werden, so müßte, wenn dasselbe Prinzip auch auf andere Gebiete angewendet wird, die politische Geographie der ganzen Welt vollständig umgestürzt werden.“ Es ist natürlich, daß auch die übrige katholische Presse die Rede des Papstes freundlich kommentiert hat. Be zeichnend ist aber, daß zwei offiziöse Regierungsblätter, ״II Tempo“ und ״La Tribuna“, ebenfalls eine günstige Stellung ihr gegenüber einnchnven, .wobei beide mit Genugtuung hervorheben, daß der Papst, dank seiner unabhängigen politischen Stellung, ״klare und aufrichtige Worte“ gebrauchen konnte dort, ,wo andere ihre Stellungnahme vertuschen müssen, und daß seine Rede hauptsächlich gegen die eng lische Wcltpolitlk gerichtet ist. Die übri gen Blätter bringen die Rede ohne jeden Kommentar. Es wäre ein Irrtum, die Bedeutung der päpst liehen Ansprache unterschätzen zu wollen. Es ist kaum zu bezweifeln, daß in letzter Zeit die politische Be detrtung des Heiligen Stuhles viel größer geworden ist. Schon während des Krieges haben verschiedene kriegführende Staaten bei ihm Unterstützung gesicht. Nach dem Kriege hat er eine äußerst rege Tätigkeit in vielen der neuen Staaten entwickelt, so vor allem in!»ölen, und unterhält auch Beziehungen mit _ Litauen, Ukraine, Tschechoslowakei und Jugoslawien. Sein Einfluß wächst, scheint es, auch in Irland, und seine Arbeit im Orient, speziell in Syrien, hat ebenfalls viel größere Dimensionen angenommen. Die Wiederaufnahme der Beziehungen scitcni der französischen Republik und die Ankunft von Jonnart (steht vielleicht diese Ankunft im Zusammenhänge mit der im Vergleich mit der vor zwei Jahren viel schärferen Stellung des Papstes in der Palästinafragc?) ist ciiw deutliche Anerkennung dieser vergrößerten internationalen Bedeutung des Heiligen Stuhles. Sie hat auch ihre Rückwirkung in Italien selbst gehabt, wo die katholische Partei, wenn auch in ihrem sozialen Programm ziemlich nach links orientiert, immer noch unter dem starken Einfluß des Vatikans steht und in den letzten Wahlen ein Fünftel der Parlamentssitze besetzt hat. Die italienische Presse, die offiziösen Blätter an der Spitze, bespricht gerade jetzt die Frage der Wiederaufnahme der diplomatischen Be- Ziehungen mit dem Vatikan, und es ist gar nicht ausgeschlossen, daß die famosen ״guarentigie“, das Cavoursche Gesetz, das die Beziehungen zwischen dem italienischen Staate und dem Papst mir einseitig, ohne Beteiligung und Genehmigung des Heiligen Stuhles reguliert hat, in nächster Zukunft revidiert sein werden. Wir haben somit mit einem Gegner zu tun, dessen Bedeutung sich im Wachstum befindet und dessen Einfluß deshalb zumindest neutralisiert sein sollte, sei es an Ort und Stelle, bei dein Vatikan selbst, sei es, und dies vor allem, bei den Völkern, bei welchen das Wort des Hauptes der katholischen Kirche ein großes Gewicht hat. Wir haben zu viel Gegner, um an der Opposition des Vatikans gleichgültig vorbeizugehen. Eine Palästina-Resolution der englischen Arbeiterpartei London, IS. Juni. (J.C.B.) Wie wir erfahren, wird der am 21. d. Al. in Brighton zusammentretenden Jahreskonferenz der britischen Labour Party nachstellende Palästina-Resolution unterbreitet und zur Annahme empfohlen werden: ״Indem die Konferenz die Annahme des Mandats über Palästina durch Großbritannien mm Zwecke der Sicherung der Entwicklung jüdischen autonomen Gemeinwesens zur Kenntnis nimmt, fordert die Konferenz, daß der Wiederaufbau dieses Landes — die Regelung der Bodenfrage, die Institutionen öffentlieber Arbeiten, die landwirtschaftlichen und industriellen Unternehmungen — nicht auf der Grundlage der kapitalistischen Ausbeutung, sondern im Interesse der Arbeiter durchgeführt werden soll. Die Konferenz bedauert, daß die Wirtschaftliehe und administrative Einheit Palästinas der imperialistischen Rivalität zwischen Frankreich und England zum Opfer gefallen ist, wodurch das Land, namentlich infolge des Verlustes des Hauran und fast des ganzen oberen Galiläa empfindlich verkleinert und die Möglichkeiten für dessen Besiedlung ernstlich gefährdet wurden. Die Konferenz fordert die Regierung auf, der unnatürlichen und überaus schädliehen Teilung des britischen Mandatst e rri toriuni s ein Ende zu machen und die Vereinigung des Ostens Palästinas mit dem Westen zu bewerkstelligen. Die Konferenz glaubt, daß es im Interesse der friedlichen Erschließung Palästinas und der künftigen Entwicklung der sich selbstverwaltcnden Einrichtungen gelegen ist, beiden Wohnvölkern des Landes, den Juden und den Arabern, eine volle demokratisch organisierte Autonomie behufs Regelung ihrer inneren Angelegenheiten und mit dem Rechte auf Einhebimg von Steuern zur Deckung ihrer spezifischen Bedürfnisse zu gewahren.“ Die Grenel von Stargard Das Arbeiterfürsorgeamt der jüdischen Organisationen Deutschlands teilt uns mit: ״Wie wir aus dem Ministerium des innern hören, wird die Untersuchung wegen der Vorfälle im Intern!e/teniager Stargard mit dem wünschensvverten und erforderlichen Nachdruck geführt. Ein abschbeßender Bericht liegt zurzeit noch nicht vor, ist aber in den nächsten Tagen zu erwarten. Es werden auch alle!Maßnahmen getroffen, die auf Grund de* Berichte* des Arbeiterfürsorgeamt* festgestdlten Schäden abzustellen und die Schuldigen der Bestrafung zuzu führen.“

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