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Jüdische Rundschau · 1921-06-17 · Heft 48 (17.6.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 48 (17.6.1921)
Date
1921-06-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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fj}' «LA2 F.d.kU0• aod V«rl«f W IS, Si«h.U*• Stfrf. S. £״*•>•» Di.n.to* e.d Preitnjr. B»1uj1nr«i« bei de? Expedition und den Po.timter. rl«t.ljihrlid1 15- KL In D.uUdtUnd. A״l.nd«bo־־•• ■ent• werden in der Wihrunt der einxelnen L11nd«r berectmet^ Nummer 48 | Berlin, 17. VI• 1921 Anzeljf en-V crvnltungi Verlag Alwin Loewenthal, Berlin NW 7, Dorotheenstr. SS Teltpboa: Amt Zeatrua 4014 und 4815• Aas«if«Bprela für d*• a1e1>«1»sr*«p«1tea« NoapareUUgtü• 2,50 M« F4mUUn*Q1*igea 4 m. pro Z«iW, An«o!f«nachlußi DieunUg «ad PrciU2־ ■adhmltUf 4 UKr, \ 5־ ג-יייי* I vl (Z'frlJJ l I —.*2• fc■*׳.. TeUphoa: Ublmd MS 0.815. Postscheckkonto: Berlin Nr. 1392ל. I״ür Oestenreich. Poat>p«rk«*Mmamt Wien, Konto Nr. 156 030. Für Techcchoelowakei: PoeUparkaMenemt Praf» Konto Nr. 156050, — RedaktiooMcfatuft Soootaf und Mittwodb •achmitt•?. — יא׳ סיון׳ תרס״א• XXVI. Jahrg. IJar Zionismus erstrebt tor das |0dische Volk dlo Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm" Zählung Kongreß und Schekel gehören zu• sammen! Der letzte Kongreß hat 1913 stattgefunden. Der Schekel hat daher in den letzten acht Jahren im Bewußtsein der Zionisten keine große Rolle mehr gespielt. Krieg und Nachkriegs־ zeit haben das Gefühl für die Bedeutung des Wahl• rechts zum Zionistenkongreß abgeschwächt. Am 1. September d. Js. beginnt in Karlsbad der 12. Kongreß. Gefahrvoll und undurchsichtig ist unsere Lage in Erez-lsrael und überall. Der Kongreß laßt bindende Beschlüsse für die Arbeit der nächsten zwei Jahre. Das Schicksal unserer Bewegung wird durch diese Beschlüsse entscheidend beeinflußt. Nach der Zahl der Schekel wird unsere Be• dcutung in der jüdischen und nichtjüdischen Welt bemessen werden. Nach der Zahl der Schekel entfallen auf uns Mandate für den Kongreß. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland muß die ihrer wirklichen Bedeutung entsprechende Vertretung haben. *Wozu diese Mahnung? Wir wissen, daß in den Sommermonaten nach der anstrengenden Arbeit des Winters unsere Gesinnungsgenossen schwerer zu aktivieren sind als sonst. Der Saumseligen sind viele! Die von uns in dieser Nummer veröffentlichte Schekelstatistik zeigt dies in erschreckendem Maße. Der Ablieferungstermin für die gesammelten Schekel ist auf unsere dringenden Vorstellungen bin von der Zionistischen Exekutive auf kurze Zeit hinausgeschoben worden. Die Exekutive verlangt aber von uns bis spätestens 25. Juni einen Voranschlag über die Höhe der voraussichtlich bei der Z. V. f. D. eingehenden Schekel, um danach die Mandate festzusetzen. Wir wissen, daß unsere Zahl in den letzten Jahren gewachsen ist. Jetzt gilt es zu zeigen, wieviel organisierte Menschen hinter uns stehen. Ihre Zahl ist wesentlieh auch für unsere Arbeit in Deutschland, für die Arbeit für den Keren Hajessod, für unsere Vcrsuche, gemeinsam mit allen jüdischen Gruppen im Keren Hajessod für den Aufbau Palästinas zu arbeiten. Lest diesen Aufruf nicht als einen von vielen, sondern bedenkt, daß aer Erfolg unserer Schekel* sanunlung das Geschick Palästinas und der zionistischcn Bewegung beeinflußt. Beachtet folgende Vorschriften: 1. Jede Gruppe soll wenigstens dreimal soviel Schekel aufbringen, wie die Zahl ihrer Mitglieder beträgt. Alle nichtorganisierten Zionisten müssen erfaßt werden. 2. Schickt sofort einen Bericht über das bisherige und tlas zu erwartende Endergebnis der Schckelsaminlung an die Z. V. t.D. ein, sonst fehlen die Unterlagen für die Berichte an die Zionistische Exekutive. 3. Jede Gruppe ist verpflichtet, die ausgegeber.cn Schekelsammellistcn an ihre Mitglieder zu verteilen. 4. Jeder Zionist, der keine Schekelsammelliste erhalten hat, muß sie von seiner Gruppe oder direkt von uns cinfordern. 5. Jeder Zionist muß den Schekel für seine Person zahlen. Zionistische Familienangehörige haben jeder für sich den Schekel zu entrichten. Der Schekel ist das sichtbare Symbol für die Einheit der zionistischen Bewegung. Die Verwirk- Jichung des Baseler Programms ist ohne eine starke Zionistische Organisation undenkbar. Gerade der gegenwärtige Augenblick %׳erlangt eine starke Organisation, die Repräsentantin des unerschütterlichen Willens des jüdischen Volkes, Palästina als seine nationale Heimstätte aufzubauen. Jetzt ist die oberste zionistische Pflicht, den Schekel zu sammeln. Begreift den Augenblick! Oie Schekelstatistik ist in der heutigen Nummer auf Seite 346 veröffentlicht. Neue Unruhen in Jaffa? Die ״Voss Ztg.“ schreibt: ״Den französischen Blättern wird aus Jerusalem gemeldet, daß sich der mohammedanisehen Bevölkerung von Jaffa wegen der Ankündigung der Ankunft eines Schiffes mit 500 zionistisehen Einwanderern für den 14. Juni große Aufre gung bemächtigt hatte. Am 13. Juni kam es zu Tumulten, als ein bei einem Ueberfall verwundeter Israelit zum Regicrungsgebäude gebracht wurde. Drei Israeliten wurden dabei getötet, acht Israeliten und ein Mohammedaner verwundet. Die Hafenleute sollen beschlossen haben, bei der Landung der Zionisten keinerlei Beistand zu leisten.“ Direkte Nachrichten liegen noch nicht vor. Der Eindruck von Samuels Deklaration D!c Versammlung ln Jerusalem Jerusalem, 9. Juni (J.C. B,). Am 8. Juni fand in Jerusalem eine große jüdische Versammlung zur Besprechung der politischen Situation statt. Die Redner waren Dr. Josef Klausner, Dr. Hugo Bergmann, Schwartz, SHinan, Ben-Zwi. Bei Eröffnung der Versammlung wurde eine scharfe Resolution gegen die Zensur angenommen um! die tiefe Entrüstung der Jmknlicit Palästinas über diese Maßnahme der Regicrung ausgesprochen. Die Redner erklärten, es sei die allgemeine Ansicht der jüdischen Bevölkerung Paläsiinas, daß die Rede Herbert Samuels vom 3. Juni bezüglich der künftigen Politik im Lande praktisch gleichbedeutend sei in iteincr Aufhebung der B a 1 f o u r - D e l< 1 a r a 1 i o 5. Weiter wurde Klage darüber geführt, daß einige Juden in Palästina letzthin von der Regierung als Ausländer behandelt und ausgewiesen worden sind. Eine solche Handlungsweise sei unvereinbar mit dem Gedanken der jüdischnationalen Heimstätte. Ben-Zwi und Dr. Hugo Bergmann betonten in ihren Reden insbesondere die Notwendigkeit einer völligen Verständigung mit der arabisehen Bevölkerung. Stargard Die Untersuchung wegen der Schandtaten im Interniertcnlager Stargard hat bis jetzt bereits schauerliehe Tatsachen zutage gefördert. Es wird berichtet, daß der Lagerkommandant, Hnuptmann Lange, während des Brandes verreist war und nach seiner Rückkehr eine Untersuchung angeordnet hat. Die Untersuchung wird von dem von der preußischen Regierung entsandten Vertreter mit anerkennenswerter Energie durchgeführt. Eine große Reihe von Polizisten und Wachmannschaften ist bereits entlassen worden. Es hat sicli gezeigt, daß nicht nur während des Brandes, der ein besonders charakteristisches Beispiel war, sondern auch sonst die unbarmherzigste Brutalität der Wachmannschaften sich an den wehrlosen Internierten ausgetobt hat. Die öffentliehe Meinung Deutschlands ist über diese Vorfälle nicht unterrichtet gewesen und hat geschwiegen. Wir haben bereits lange vorher wiederholt darauf hingewiesen, daß die Einrichtung der lnterniertenlager ein Unfug ist, eine Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit, die unbedingt vermieden werden muß. Unsere Warnungen und die Warnungen der jüdischen Aemter sind jedoch unbeachtet geblieben. Man hat unter dem Druck der reaktionären Parteien die lnterniertenlager eingerichtet und muß nun das Schauspiel erleben, daß die beschämendsten, die deutsche Regierung vor der ganzen Welt kompromittierenden Tatsachen ans Licht gefördert werden, ln den Interniertcnlngern sind die Juden der Willkür und Roheit der Wachmannschaften schutzlos preisgegeben. Wenn jetzt von der Regierung Maßnahmen in Aussicht gestellt werden, die derartige Vorkommnissc, wie sic sich in Stargard ereignet haben, in Zu-!kunft unmöglich machen sollen, wie Unterschreiben eines ״Reverses" seitens der Wachleute, so kann sich die jüdische Öffentlichkeit damit nicht mehr zufrieden geben. Die Mißstände werden sich in dieser oder jener Form notwendigerweise wieder cinstcllen, weil das ganze System der Interniertcnlager eine Ungeheuerlichkeit ist. Wir fordern daher sofortige Aufhebung der Interniertenlager. Vor allem müssen diejenigen Internierten, welche ohne jeden wirklichen Grund, wegen Arbeitslosigkeit oder irgendeines formellen Mangels interniert worden sind, ohne weite ren Verzug sofort freigelassen werden. Wir erwarten, daß die deutsche Oeffcntlichkeit und vor allem die freiheitlichen und sozialistischen Parteien all ihren Einfluß aufbieten werden, um diesem traurigen Kapitel der Polizeipraxis ein Ende zu machen. Zur Araberfrage Von Chajiin Arlosorow, Jaffa. Jaffa, Ende Mai. Wenn es für den Einsichtigen des empirischen Beweises bedurft hätte, die letzten Wochen haben ihn gebracht: auch in Palästina sind wir noch weit, weit entfernt davon, eine nationale Politik zu führen, Wirklichkeit nach ihr zu gestalten. Auch! in Palästina ist der Inhalt unserer sogenannten nationalen Politik, ihr Grundprinzip, ihr positives Programm nicht der organisierte und zielklare Wille des Jischuw, nicht sein diszipliniertes Bckenntnis zu Weg und Ende, nicht seine innere Verantwortlichkeit, nicht seine schöpferische Selbstkritik - sondern Forderungen. Forderungen von anderen, an andere gerichtet, Forderungen in positiver Formung: ״Tue das!" oder ״Lasse das!" — im Namen unserer nationalen Politik. Oder in negativer Formung, als Protest: ״Wir protestieren im Namen unserer nationalen Politik, warum hast du dieses getan, oder jenes gelassen!" Immer ein Du, von dem man fordert, eine Adresse, an die man sich bängt, sei es Regierung oder Landes- Oberhaupt, Verwaltung, Gerichtsbarkeit oder zwanzig andere Stellen, die inan beschuldigt, die man anfleht, mit denen man verhandelt, gegen die man schreit. Auch in diesen Tagen habe ich, außer maßloser Verwirrung und leerem Gerede unter uns keine höhere oder tiefere Einsicht entdecken können. Die ״Geschichtsauffassung" der Allgemeinheit — auch der politisch verantwortlichen —• gipfelte wohl darin, daß man mit rücksichtsloser Unterdrückung, mit ״schneidigem Vorgehen" leicht der Situation hätte Herr werden können, und daß es Schuld der Regierung, ihrer ״Schwäche", ihrer ״Nachlässigkeit" sei, wenn der Sturm losgebrochen ist. U11scre Philosophie dieser Tage war die Apologie der Gewalt; voll des ironischen Verhältnisses zu einer Friedens- und Verständnispalitik zwischen den beiden Völkern des Landes. Der Na/iw, gestern nocH ״gracious and noble", wurde heute merklich kühler behandelt. Billige Parallelen mit Joscphus Flavius wurden versteckt mit seiner Haltung verknüpft. Selbst unserer ״gemäßigten Sozialisten" Weisheit letzter Schluß war in diesen Stunden die Forderung einer ״Politik der starken Hand" von der Regierung, hemmungslose Anklagen wurden gegen sie geschleudert ob ihrer Weichheit und Unversieht. Vor mir steht aber nicht die Frage des Naziw oder der Regierung, ob sie schuldig sind oder nicht, was sie wollen oder nicht. Sondern vor mir steht die Frage: ״Was wollen wir eigentlich?" Vielleicht ist endlich wieder eine Stunde gekommen, in der wir uns Rechenschaft abzugeben versuchen, nachdem wir, jahrelang von äußerlichen Erfolgen berauscht, nach außen geblickt haben. Rechenschaft über den Weg, der vor uns liegt, und der zu unserer nationalen Zukunft im Lande führen soll. Vielleicht ist endlich wieder eine Stunde gekommen, wo u׳ir ohne jene Ueberspanntheiten des Gefühls, die aus der nervösen Situation der verflossenen Wochen stammen, unhystcrisch und unphilosophisch, ohne die schönen Gefühle von Rache und Vergeltung, kaltblütig und unsentimcntal, unser politisches Verständnis sprechen lassen, um die innere Lage im Lande begreifen und bewerten zu können. Denn dieses Begreifen der Kräfteverhältnisse im Lande ist die Voraussetzung einer riehtigen Schlußfolgerung für die politisch notwendi» gen Beziehungen zwischen Juden und Arabern. Schalten wir aus der Erörterung zunächst eins aus, das seit den Ereignissen von Jaffa unseren klaren Blick zu trüben geeignet war: Die Forderung nach strenger Bestrafung der Mörder und Plünderer verwischte sich und vermischte sich mit der Forderung nach der ״Politik der starken Hand". Und dennoch sind dies zwei grundverschiedene Dinge: arabischer Mob hat Juden angegriffen und getötet, hat das Beth-Chahmm überfallen und verwüstet, hat Läden beraubt und geplündert und zur Zerstörung der Kolonien schreiten wollen. Das sind Schwerverbrechen gegen das Landesgesetz und gegen Menschenrecht, und solange unsere Stimme nidit ganz unterdrückt ist, wollen wir nicht auf-

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