Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 43 (31.5.1921)
- Date
- 1921-05-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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"יי■ RedaktionsschtuS Sonnte? und Mittwoch naobmitta?, •— Nummer 43 | Berlin. 31. V. 1921 FsmiUsnantetgsn 4 M, pro Zeit«, AttE«lf«ns<3hlu01 Dienste? und Freit»? ■•chmUte? 4 Uhr* •כגי אייס תרס״א | xxvi. jahrg. 0«r Zionismus erstrebt IQr das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte In PalBstlne. .,Baseler Programm* Telegramm des Oberkommissars an Wtizmann Auf das Telegramm, das Wcizmanic au Samuel wegen der Ereignisse in Jaffa gerichtet hat, er* widerte Samuel mit folgendem Telegramm: ״Ich spreche Urnen meinen Dank aus für den Ausdruck Ihre ־ guten Gesinnung und für das Mani* fest der zionistischen Exekutive, Ich stimme in allem mit der darin ausgedrUcktcn Ansicht überein, daß der Erfolg der vorläufig eingestellten jüdischen Einwanderung nach Palästina gänzlich von der Bereitstellung von Mitteln für die ökonomische Entwicklung des Landes abhängt,“ Die offizielle Verlautbarung des Einwanderungsverbotes Die palästinensische Regierung erließ gemäß ״Haarcz“ vom 16. Mai folgende offizielle Kundgebung: ״Seine Exzellenz der Ober* kommissar führt gegenwärtig Unterhandlungen mit der Regierung Seiner Majestät in London über gewisse wichtige Fragen Palästinas (Erez-lsral) und hofft, in der allernächsten Zeit einen dies* bezüglichen Bericht erstatten zu können, ln* zwischen ist die Einreise nach Palästina (Ercz* Israel) unterbrochen worden.“ Die Erklärung Churchills im Parlament (Von iinserem Londoner H-Korrcspondciitcn.) London, 26. Mai 1921. ln der Sitzung des englischen Parlaments vom 25. Mai erklärte Herr Churchill, daß er seine all* gemeine Erklärung über den mittleren Osten am nächsten Donnerstag, den 2. Juni, abgeben wird Eine Interpellation Hendersons London, 27. Mai. (J.C, B.) Henderson, der Führer der englischen Arbeiterpartei, kündigte im Parlament an, daß er eine Interpellation seiner Partei eingereiclit habe, in der er die Regierung auf* fordert, die Gründe für die Einstellung der jüdischen Einwanderung anzugeben. Demission des Oberst Margolin Jerusalem, 26. Mai. (j.C, B.) Oberst Margolin, einer der früheren Offiziere der ״Judea11s“, der die Verteidigung von Tel-Awiw während der letzten antijüdischen Aufstände in Jaffa organisierte, hat um Entlassung von dem Posten, den er in der britischen Armee einnahm, gebeten. Als Grund wird angegeben die Haltung des Oberbefehlshabers gegenüber seiner Handlungsweise während der Jaffaer Unruhen. Arabische Quertreibereien London, 20. Mai. (J. C. B.) Das Exekutivkomitee des arabischen Kongresses riehtute an den P a pst und an die Hauptmächte ein Memorandum, in dem gegen die britische Politik der Unterstützung des Zionismus und der jüdischen Einwanderung protestiert wird. Das Memoranduin behauptet, daß ein großer Teil der jüdischen Einwanderer Bolschewiken seien und deshalb eine Gefahr für den Orient bilden. Die Alijah-Slockung in Wien Zufolge der verfügten provisorischen Sperre der palästinensischen Häfen werden zirka 800 Palästina- ",anderer, welche mit dem Schiffe ״Camiolia“ von Triest abreisen sollten, in Wien zuriic.kgd1a!tcn. Der Präsident des Zionistischen Landeskomitees, Ingenieur Robert Strick e r, erschien beim englischen Gesandten in Wien, Herrn Lindley, und ersuchte ihn, bei seiner Regierung für die in Wien weilenden Palästiaafahrer ungestörte Weiterreise und die Erlaubnis zur Landung in Palästina zu erwirken. Gesandter Lindley versprach in zuvorkommender Weise, bei seiner Regierung dahinzielende Schritte zu unternehmen. Wo bleibt die Gerechtigkeit? Von I, Sok er, Jaffa. Das Spiel beginnt von neuem, Das in den Straßen Jaffas und Petach-Tikwahs vergossene jüdische Blut, der organisierte Ucberfall im ganzen Lande, das. Morden und Plündern, die Schande und Schmach, all das wird vcrfuscht, gegen alle Gerechtigkeit und ohne daß die Verbrecher bestraft würden. Die Geschichte des vorigen Jahres wiederholt sich. Juden werden geschlagen und beleidigt und Juden werden auch verhaftet und verurteilt. Was hier geschieht, steht in der ganzen Welt einzig da. Der Justizmord ist viel schlimmer als der Menschenmord. Die meisten Mörder und Plünderer laufen noch frei herum, das geraubte Gut ist den Plünderern noch nicht abgenommen worden, und das ganze Justizgebaren macht den Eindruck, daß hier eine Tendenz verfolgt wird, alles zu verwischen und das Gleichgewicht zwischen Unschuld und Verbrechen herzustellen. Im vorigen Jahre wußten wir wenigstens, woher das Unglück kam. Wir wußten, daß im Schoße der damaligen palästinensischen Verwaltung gegen uns eine politische Intrige gesponnen wurde. Wir wußten, wer die Hetzer, wer die Feinde sind und was sie im Schilde führen. Jelzt sind wir in eine neue Intrige verstrickt, deren Ausgangspunkt wir noch gar nicht kennen. Wir zweifeln nicht einen Augenblick an den lauteren Absichten des Oberkoinmissars und seiner Hingabe an unsere Sache, Aber was geschehen ist und was noch geschieht, läßt vermuten, daß hinter seinem Rücken heimlich eiir Netz von Intrigen gespannt wird, das seine friedliche Politik, die er während seiner Tätigkeit in Palästina verfolgt hat, zu Fall bringen will und die Hetzpolitik seiner Vorgänger wieder fortsetzen möchte. Scheinbar hat General Bois seine Agenten in Palästina zurückgelassen, die teils offizielle, teils offiziöse Stellungen im Lande innehaben. Möglich ist auch, daß eine engiandfcindliche Politik ihre Hand im Spiele hat. Wenn die Untersuchung mit einer entsprechenden Rücksichtslosigkeit und Un- Parteilichkeit geführt worden wäre, hätte man vieles entdecken können, 'Aber was jetzt in Jaffa vorgeht, ist dazu angetan, nicht die Spuren der Verbrecher zu entdecken, sondern im Gegenteil, sie zu verwischen und womöglich die Verbrecher freizusprechen und Unschuldige zu verurteilen. Vielleicht ist auch das Politik. Vielleicht liegt hier die Absicht vor, den Eindruck der Ereignisse nach außen hin abzuschwächen. Aber diese Politik kann für uns verhängnisvoll werden. Sie kann nur den geheimen Feind stärken mul die offenen Feinde dazu ermutigen, ihre gräßlichen Taten zu wiederholen. Das Spiel hat begonnen, Diejenigen, die mit aller Strenge des Gesetzes verurteilt werden sollten, spielen weiter die Rolle der Hüter des Gesetzes und der Ordnung. Personen, die von unzähligen Zeugen als Mörder und Plünderer bezeichnet werden, sind mit dem Suchen der. Schuldigen beauftragt. Eine solche Ironie, ein solcher Holm war sogar bei den klassischen Pogromen des zaristischen Rußland unerhört. Die erste Bedingung jeder gerichtlichen Untersuchung ist vor allem, alle Verdächtigen unter Schloß und Riegel zu bringen und alle Störungen zu beseitigen. Was aber in dieser Hinsicht hier geschieht, ist gerade das Gegenteil davon. Die Untersuchungsprozedur wird mit äußerster Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit durchgeführt. Wir fragen: Wo bleibt die Gerechtigkeit? Wir rufen nicht nach Rache, aber wir fordern Gerechtigkeit. Wir fordern die volle Wahrheit und eine Strafe für die Verbrecher. Wir fordern, daß unser Blut nicht mehr vogelfrei ist. (Aus ״HapoelrHazair“ übersetzt.) Die Strafe für den Ueberfaii auf Chedera London, 28. Mai. (J. C. B.) Die Araber in den der jüdischen Kolonie Chedera benachbarten Dörfern, die an den jüngsten Angriffen gegen die Juden tetgenommen hatten, wurden von der palästinensischen Regierung zur Zahlung von 30 000 ägypt. Pfund verurteilt Die Ereignisse in Palästina Von l)r. Hugo Bergmann, Jerusalem. (J. C. B.) Jerusalem, 8. Mai. Heute ist eine Woche seit den blutigen Ereig- Hissen von Jaffa verflossen — für den schon oft genug schwergeprüften palästinensischen Jischub eine der allerschwersten Zetten. Kein Tag verging ohne Hiobspost, Die ersten Nachrichten aus Jaffa meldeten 3 Tote, dann 22, schließlich 38 Tote und 150 verwundete Juden. Als die Meldung kam, daß am Abend des 1. Mai Punzeraufomobik aus Jerusalem lind Truppen aus dem Lager von Lodd in Jaffa emgetroffen waren, beruhigte man sich ein wenig. Aber die Truppen hatten BcfeiiJ, nicht zu schießen, und so brachen am Vormittag des 2. Mai die Unruhen von neuem aus. Dann, als schließlieh Jaffa sich beruhigte, begann das Morden auf den Straßen, die von den Kolonien nach Jaffa führen. So kam Josef Chaim Brenner, dieser ehrliebste und reinste unter den hebräischen Schriftstellern, ums Leben. Er wohnte bei einer Familie, die in einem Gehöft zwischen ‘Jaffa und Mikvveh Israel eine Milch- Wirtschaft betrieb. Noch am Nachmittag des 1. Mai wurde ein Automobil geschickt, um Brenner zu holen. Aber da in dem Wagen nur ein Platz, war, wollte Brenner nicht fahren, um nicht die Familie J a tzker, hei der er wohnte, zu verlassen. Am Vormittag des 2. Mai gaben sich die Freunde Brenners alle Mühe, ein bewaffnetes Automobil zu erhalten, um die Familie abzuholcn, aber erst tun 3 Uhr nachmittags erhielten sie ein Panzerautomobil, und da war es schon zu spät. Vordem Hause lagen die Leichen seiner Inwohner, der Kleider beraubt, die Leiche des jungen Schriftstellers Luidor, der mit Brenner zusammen gewohnt hatte, mit auf den Rücken gebundenen Händen. Die Nachrichten aus Jaffa erregten natürlich im ganzen Land unter Juden und Arabern eine ungeheure Aufregung, Die Araber hielten in Nablus, Tulikarem, Ramleh grolle Versammlungen ab, verlangten von der Regieruog Waffen, um gegen die Juden zu ziehen, In Ramleh und in zwei Dörfern zwischen Jerusalem und Jaffa versuchten die Demonstranten, den Bahn- und Autoverkehr zwischen Jaffa und Jerusalem zu unterbrechen, in Ramleh wollten sic die wenigen jüdischen Familien, die dort unter Arabern wohnen, überfallen, wurden aber von den Honoratioren des Ortes davon zurikrkgehaiten. In, Gaza mußten s:ch die Juden in ein Haus zurückziehen, wo sie 3ö Stunden lang eingesperrt und von der Polizei bewacht waren. Die Kolonisten von Kafr Saba mußten ihr Hab und Gut' verlassen und sich mich Pctach-Tikwah zurückzielten. Pctach-Tikwalt selbst aber hatte einen sehr schweren Ucberfall zu bestehen. Am Vormittag des 5. Mai überfielen mehrere tausend Araber, geführt von einem Scheich mit grüner Fahne, die Kolonie. Die jüdische Selbst wehr zog iihnen entgegen und warf sie nach zweistündigem Kampf zurück. 15 tote Araber blieben am Platz, 3 Juden wurden getötet, 13 verwundet. Ein Acroplan warf Bomben unter die Angreifer, die im ganzen 10 Tote cinbtilttcn, etwa 10 verwundete Araber blieben in der Kolonie, Bemerkenswert ist, daß alle Verwundeten Verbandstoffe bei sich führten. Die R c g i e r t! n g hat es leider au der nötigen Energie fehlen lassen. Man hat es unterlassen, rechtzeitig in Jaffa nach den geplünderten Waren zu sucltcn, man hat den Plünderern Zeit gelassen, ihre Beute zu verbergen, und hat nicht schnell genug gestraft. So kam es, daß noch am Ende der Woche schwere Angriffe auf Rechobotii und Chcderah unternomtnen wurden, daß die Angreifer in Chcderah mehrere Häuser von Kolonisten aiuündcn und plündern konnten, und daß sie schließlicherst durch BomVcn von Aeroplanen auseinandergetrieben wurden. Die Bewegung hat in den letzten Tagen den Charakter eines Aufruhrs im ganzen Lande angenommen und niemand kann heute noch sagen, ob die Gefahr vorüber ist oder nicht. Welches war die Ursache der blutigen Ereignisse dieser Woche? Die Regierung hat die Erörterung dieser Frage in der Presse untersagt, um dein Resultat der gerichtlichen Untersuchung nicht vorzugreifen. (Die Untersuchung liegt in den Händen des Untersuchung^- richtcrs, der die Untersuchung gegen Jabotinskygeführt hat.) Die Regierung selbst aber hat in ihrem offiziehen Communique über die Ereignisse in Jaffa die Maidemonstration der jüdischen Arbeiter in Zusammenhang mit den Ereignissen gebracht und den Eindruck erweckt, als wäre die sozialistische Demonstration it» ursächlichem Zusammenhang mit den traurigen Ereignissen. Dieser Legendenbikiung des offiziellen Coinmuniquls muß entgegengetreten werden, und cs muß gegen den Ton protestiert werden, mit dem die offiziellen Nachrichten davon sprechen, daß ״einige“ Fälle von Plünderung vorgekommen sind und daß ״ein Kampf zwischen Juden und Moslims stattgefunden hat“, während bewaffnete arabische Polizisten und die Menge das Heim der eben erst aus Europa angekommenen, wehr- und waffenlosen Chakizim überfielen und 15 Menschen ermordeten.