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Jüdische Rundschau · 1921-05-17 · Heft 39-40 (17.5.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 39-40 (17.5.1921)
Date
1921-05-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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/ ISI 12. STIC! 1. ET־*! f! 86. p l J Vw -—-•י vV- ..: A v'j ר! 1 י R«Uktioa .»1 V«!.* W1S. SUO• 8. EmMol l*d«> Dienste« und FreiU«, B«1ugapreU hei der ExpediUo» und aeo Pe»timtero vierteljährlich 15.— M. in DeuteehUnd. Aiule■«****®0»•• «Mal■ werden U der Wiknmg dar eioxclnaa Linder Deretfanei. A n x ei? e n-V erwaltungt 1 Vertag Alwin Loewenthal. Berlin NW 7, Dorotheenstr. 35 I Telephon: Amt Zentrum 4914 und 4915• 1 Tel«ph<m! Uli 1.0.) MS 0.846. PoiUdi.ckkoato! B«rU0 Nr. 17391, F״r Oesterreich, Poetaparkaasenamt Wien, Konto Nr. 156 630, Für Tschechoslowakei 1 PeeUparkaaaeoamt Prag, Konto Nr. 15605a — Redakttonuchluft Sonntag und Mittwoch nachmittag. •— Nummer 39/40 | Berlin, 17. V. 1921 * , FamUUnanxeigeti 4 M. pro Zeile, 1 ן ABielfaaichlufli Dienstag nad Freitag nachmittag 4 Uhr. j ט׳ אייס תרס״א• | XXVI. Jahrg. ן Dar Zlonlamua arstrobt fOr das indische Volk dlo Schaffung einer Öffentlich - rechtlich gesicherten Helmstltte In Palästina. ״ ,Baseler Programm“ w Berlin, 17. Mai. Der siebzehnte Delegiertentag der Z. V. f. D. ist vorüber. Viele Befürchtungen, viele Erwartungen und viele Zweifel waren vorher laut geworden, es wurde sogar in Frage gezogen, ob ein Delegiertentag überhaupt in der heutigen Situation, und zu dieser Zeit einen Sinn und Erfolg haben könne. Der Verlauf der Tagung hat jn glänzender Weise ihre innere Berechtigung erwiesen. Schon lange war keine zionistische Tagung in Deutschland von solcher Kraft und Stimmung erfüllt, schon, lange hat die zionistische Bewegung keine so würdige, sachliche und geschlossene Manifestation gefunden. Alle Teilnehmer des Delegiertentages spürten echten zionistischen Geist und es ist zu erwarten, daß der zündende Funke zionistischer Tat von ihm aus• gehen wird. Der Dclegicrtentag trat in sehr ernster Stunde zusammen. Die traurigen Ereignisse von Jaffa und ihre Folgen haben ihre Schatten über die zionistische Welt geworfen, sie haben das Bewußtsein von der Schwere der Krise, in der wir uns befinden, zur grausamen Deutlichkeit gesteigert. Der Delegiertentag, der das Andenken der Toten ehrte, hat mit unerschütterlichem Ernst den Willen be* kündet, alles zu leisten, was der deutsche Zionismus zu leisten vermag, um die Krise zu beenden und einer umfassenden Aufbauarbeit den Weg zu öffnen. Das Referat von Lichtheim gab Gelegenheit zu einer gründlichen Aussprache über die Lage im Weltzionismus und die Politik der Exekutive. Der lange entbehrte Kontakt mit der Zentrale wurde durch diese Debatte wieder aufgenommen. Fast alle Redner haben mit größeren oder geringeren Unterschieden die Ansicht bekundet, die auch in der einstimmigen Annahme der Resolution ihren Ausdruck fand: daß nur eine Wiederaufrichtung unserer nationalen Weltorganisation und eine konsequente nationale Richtung auf allen Gebieten der zionistischen Tätigkeit uns das Instrument schaffen kann, mit dem wir siegen werden. Die Zionistische Organisation ist unsere einzige politische Macht. Niemals empfinden wir dies stärker als in Zeiten der Gefahr. Nur das organisierte jüdische Volk kann einen Willen kundgeben und Forderungen stellen. Der Dclegicrtentag hat sein Vertrauen ausgesprochen, daß unbeeinflußt von irgendwelche« Zwischenfällen die Politik der Errichtung der jüdischen Heimstätte zur Durchfühnmg gelangen muß. Dazu bedarf es einer ununterbrochenen Kontinuität der Einwanderung und Kolonisation; jede Sperrung der Einwanderung kann schweren Schaden bringen. Der Dolegiertentag hat die Forderung ausgesprochen, daß die durch die Ereignisse in Jaffa verursachte Sperre sofort aufgehoben wird. Die deutschen Zionisten haben auch ihre Stimme erhoben und an die amerikanischen Gesinnungsgenossen appelliert, sie mögen in dieser Stunde die Zwistigkeiten begraben und die Einheit der Organisation wieder herstellen. Der Dclegicrtentag hat seine besondere Bedeutung dadurch bekommen, daß er in der Frage der inneren zionistischen Politik und der Arbeit in Deutschland volle Klarheit geschaffen hat. Die repräsentative Versammlung des gesamten deutsdhen Zionismus hat einstimmig zum Ausdruck gebracht, daß sie die Politik des Geschäftsführenden Ausschusses im vergangenen Jahre billigt und daß sie fordert, der Geschäftsführende Ausschuß möge zur Stärkung der zionistischen Gesinnung, zur Erziehung der für Palästina notwendigen Menschen eine einheitliche und entsdiiedene Haltung in Propaganda und Presse einnehmen. Die Einmütigkeit und Geschlossenheit dieser zionistischen Kundgebung hat keinen. Zweifel daran gelassen, daß die überwältigende Mehrheit der deutschen Zionisten diese Anschauungen billigt. So wird der Delegiertentag zur Klärung und inneren Stärkung des Zionismus in Deutschland beitragen. Darin liegt seine Bedeutung, und es ist zu erwarten, daß er nicht ohne Einfluß auf den kommenden Zionistenkongreß bleiben wird. Der 17. Dclcgiertcntag der Z. V. f, D. wurde am 13. d. Mts, in Hannover eröffnet. Von den 222 gewählten Delegierten waren bis zur Stunde der Eröffnung über 160 cingetroffcn. Der große Saal des Volkshcitns in Hannover war von vielen Gästen gefüllt, die beweisen, welches starke Interesse die jüdische Bevölkerung Hannovers der zionistischen Tagung entgegenbringt. Trotzdem bietet dieser Dclegicrtentag ein anderes Bild als das gewohnte (Bild der Berliner Tagungen, wo das leidenschaftliche Interesse der starken Zuhörerschaft und der Rahmen eines lebhaften und von Gegensätzen erfüllten zionistischcn Lebens auf die Stimmung des Delegiertentages einwirkten. Ke Zionistische Ortsgruppe Hannover hat sich tun die Vorbereitung der Tagung große Verdienste erworben. Schon am Bahnhof empfangen die ankommenden Delegierten Abordnungen des Zionistischen Büros. A!n Bahnhof ist eine Auskunftstelle eingerichtet, und die Delegierten erhalten eine von der Ortsgruppe herausgegebene Begrüßungsschrift, die über alles Wissenswerte orientiert. Die Eröffnung Der Vorsitzende der Z. V. f. D., Herr Rosenbltith, eröffnet den Delcgiertentag mit einer Anspräche, in der er zunächst der jüngsten Ereignissc in Jaffa gedenkt. (Ke Versammlung erhebt sich.) Er gibt der tiefen Trauer des Delcgiertcntagcs über die Verluste wertvoller Menschenleben Ausdruck und würdigt insbesondere die Bedeutung Brenners, der bei den Vorgängen den Tod gefunden hat. Die Zionistische Organisation wird diesen Opfern ein ehrenvolles Gedenken bewahren und wird mit aller Kraft daran arbeiten, das Werk fortzusetzen, um dessenwillen sie gefallen sind. Der Wille des jüdischen Volkes, Palästina aufzubaucn, ist durch keine Zwischenfälle zu erschüttern. Der Vorsitzende verweist kurz auf die wichtigen zionistischen Probleme, mit denen sich der Delcgiertentag zu beschäftigen haben wird. In unserer Weltorganisation ist ein Konflikt akut geworden, der insbesondere durch die amerikanischen Vorschläge charakterisiert wird, die von Welzmann abgelehnt wurden. — Wir verfolgen mit tiefster Anteilnahme die Betniihungen des Präsidenten unserer Weltorganisation in Amerika. Auf unseren amerikanischen Gesinnungsfreunden lastet heute am stärksten die Verantwortung für Gdingen oder Mißlingen unseres Werkes. Wir begrüßen lebhaft den Beschluß der Exekutive, den Kongreß für diesen Sommer cinzuberufen. Der Delegiertentag muß zu den sachliclien Fragen, die diesen Konflikten zugrunde liegen, Stellung nehmen und sich für bestimmte Prinzipien des Aufbaues Palästinas entscheiden. Ebenso muß der Dclegicrtentag sich zu den in!Deutschland in der letzten Zeit her,vorgetretenen Anschauungen äußern und Richtlinien für die zionistische Arbeit in Deutschland fcstlcgcn. Der Dclegicrtentag wird dies tun mit dem Gefühl der Verantwortung und in dem Bewußtsein, daß alles, was jetzt im zionistischen Leben geschieht, dem schnellen Aufbau Ercz-Israels nützen soll. Rosenblüth bcfrüfit mit herzlichen Worten das anwesende Mitglied er Provisorischen Exekutive, Herrn Richard Lichtheim, ferner begrüßt er den Rabbiner Dr. Freund, Hannover, den Sekretär der Misrachi-Wcltorganisation, Herrn Leo V o ß, London, die Vertreter der Hannovcraner jüdischen Gemeinde und zionistischen Ortsgruppe, Herrn Schleißner und Herrn Go 1 dstein. Es wird die Wahl des Büros vorgenommen. Ins Präsidium werden gcwiilüt die Herren Felix Rosen- | blüth als Vorsitzender, Aron Barth, Bodcnheimcr-Cöln, Frau Epstein- Duisburg, Gronemann, Hantke, Landau-Hamburg. Egon Rosenberg, Schachtel-Breslau, Max Strauß, W o l f f ־ Frankfurt. Sodann wird folgendes Begrüßungstelegramm Weizmanns aus Ottawa (Canada) verlesen: Weizmanns Depesche Ottawa, 6. Mai. Zu meinem größten Bedauern verhindern mich die dringenden Arbeiten in Amerika, der Konferenz in Hannover vom 13. Mai beizuwohnen. Ungeachtet des Abscitsstehens der amerikanischen Organisation hat der Keren Hajessod dort einen ermutigenden Start gehabt. Ke finanziellen Möglichkeiten in Amerika sind ganz unbegrenzt, verlangen aber eine organisierte Anstrengung auf breitester Grundlage. Ich erwarte zuversichtlich, daß Ihre Arbeitskonferenz fruchtvoll und erfreulich verlaufen und Ihren Kongreßdclcgierten Richtlinien geben wird. Wenn unbedingt nötig, vorbereitet meinen Besuch In Deutschland vor dem Kongreß. W «i z m 8 n a Telegramm des Keren Hajessod-Direktoriums Wir begrüßen herrikhst Eure Tagung. Die deutsehen Zionisten haben fn wahrhaftiger Durchführung der von der Wdtoiganlsation beschlossenen Keren Hajessod-Prinzipicn beispielgebend gewirict Wir er* warten zuversichtlich, daß es Euch, nach der Erfüllung der zionistischen Maasscr-Verpflichtung, gelingen wird, den Keren Hajessod als gesamtjüdisches Instrument in Deutschland zur Geltung zu bringen. Ke Keren Hajessod-Aktion in allen Ländern entwickelt sich verheißungsvoll. Auch in Amerika hat dk Keren Hajessöd-Bcwcgung neue Energien geweckt und erste materielle Rcsoltate gezeitigt. Begrüßungen Rabbiner Dr. Freund begrüßt die Tagung namens der jüdischen Gemeinde Hannover. Er erklärt, daß er, obwohl er selbst nicht Zionist ist, doch der Hoffnung Ausdruck geben möchte, daß nicht das Trennende, sondern das Einigende in den Vordergrund treten soll und auch in der zionistischen Bewegung das Bewußtsein sich durchsetzt, daß der religiöse Charakter des Judentums ihm noch eine große Zukunft sichert. Sodann sprechen Herr "Karl Schleißner im Namen der jüdischen Gemeinde von Hannover und R.-A. Gold stein im Namen der Ortsgruppe. Bcgrüßungstelcgramme sind eingclaufen von den zionistischen Landesorganisatäonen Englands, Littauens, Jugoslawiens, Hollands, aus derTschcchoslowakei, Oesterreich, Westgalizien, Belgien, Skandinavien, Ungarn, der Schweiz, Estland, ferner von Dr. K o 11 e n s c n e r, Dr. Herlitz, R ab in-Breslau, Dobrzynski-Beuthen, F u ch s- Leipzig. Von Herrn Dr. Alfred Klee ist folgendes Schreiben eingelaufen: Berhn NW 23, den 12. Mai 1921. An den Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Hannover. Liebe Gesinnungsgenossen! Wenn ich diesmal den Beratungen des Delegiertentages nicht persönlich beiwohne, nicht an ihnen teil־ nehme und mich damit begnügen muß, den Beratungen besten Erfolg zu wünschen, so möchte ich doch jedem Mißverständnis über mein Fernbleiben von vornherein begegnen. Die ungetrübte Einigkeit der Zionistischen Organisation ist über jeden Zweifel erhaben. Die große gemeinsame Arbeit, welche uns verbindet, insbesondere die Notwendigkeit, rasch und mit Energie die erforderliehen Mittel für den Aufbau Palästinas aufzubringen, auch den Keren Hajessod zu fördern, muß alle sonst vorhandenen Meinungsverschiedenheiten zurücktreten lassen. Ich könnte es mir aber wohl denken, daß bei den Debatten auf dem Delegiertcntag die Fragen, in welchen ich grundsätzlich einen ander« Standpunkt einnehme, als ein beträchtlicher Teil der deutschen Landsmannschaft, berührt werden und ich gezwungen sein würde, meinen Standpunkt darzulegen. Das könnte aber wieder lange, an sich vielleicht interessante und klärende, in diesem Moment aber die gemeinsame Sache wenig fördernde Debatten hervorrufen. Ich glaube, daß diese Debatten vor der Hand gegenüber der gemeinsamen .von mir bezeichnten Arbeit zurückstehen sollen. Ich glaube und hoffe, daß die große Arbeit, die uns jetzt bevorsteht und zu der uns hoffentlich der demnächst zusammentretendc Kongreß für die Gesamtbewegung bindende Richtlinien geben wird, am einfachsten und besten über alle Schwierigkeiten hinw׳eghdfen wird. Mit herzlichen Zionsgrüßen Dr. Alfred Klee. Es folgt nun das Referat über Die allgemeine Lage der zionistischen Bewegung Richard Llchthcim: Ich bin nicht gekommen, nur um dem Dclegiertentag die Grüße der Exekutive zu bringen, sondern um mich mit Ihnen rückluitlos auszusprcchen, die ernste Lage ungeschminkt darzustelkn und zu sagen, was die Exekutive zu tun gedenkt Es ist die erste Gelegenheit, die der Provisorischen Exekutive geboten wird, mit diesen Erklärungen in, die ()Öffentlichkeit zu treten und den verloren gegangenen Zusammenhang zwischen Zentrale und Landesverbahden wieder herzustellen. Unsere Organisation scheint eine Krise durchzumachen. Der Meinungskampf in Amerika erschüttert unsere Organisation, unsere Finanzlage ist schwierig, die politische Lage ist nicht ganz klar, der Aufbaupjan für Palästina fehlt noch. Diese Schwierigkeiten sind nur eine Folge unseres schnellen Wachsens, wir sind durch den Erfolg in Verwirrung geraten. Es ist aber an der Zeit, daß wir uns entschließen, den großen Aufgaben ins Auge zu sehen. Ke Exekutive hat Wohl den richtigen Weg gefanden, als sie sogleich nach ihrem Amtseintritt den Kongreß einberief. Der Kongreß wird am 28. August in Karlsbad sein. Beim Kongreß sollen die Fehler der Jahreskonferenz vermieden werden. Schon äußerlich soll strengste Ordnung herrschen. Kein Mandat wird anerkannt werden, wenn nicht die entsprechende Schekel- Zahlung voBiegt. Ke Hauptprobleme müssen voc d«m Ko&grefl in den Landsmannschaften, Föderationen und in1 A.C. geklärt werden. Ein klares und ausführ- Lehes Programm der Leitung muß die Debatten fnichtbar machen. Nur so kann der Kongreß gelingen. Die provisorische Leitung wird versuchen, diese Aufgabe» zu erfüllen.

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