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Jüdische Rundschau · 1921-05-13 · Heft 38 (13.5.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 38 (13.5.1921)
Date
1921-05-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrg. ה׳ אייר׳ תרפ״א• Cer Zlonlsmu» arttreb« für da»!Odlscha VolK dlo Schäftung einer Ottentllch-rechtlich gesicherten Helmst&tte ln Palästina. ״Baseler Programm•*. Arabische Uebeifälle auf jüdische Kolonien ן Jer usa Ic in, S. Mai. (J.C.ß.) Anläßlich der arabischen Feiertage fanden in Ranileh, Na* blus und Talkercm arabische Demonstrationen statt. Gleichzeitig haben arabische Trupps die jüdischen Kolonien C11 odera, Rech0both und Petacli-Tikvvali angegriffen. Es entspann sich ein Kampf, in dessen Verlauf die Araber teils von der jüdischen Selbst wehr und teils von den eingetroffenen Regierungstruppen zu* rückgeworfen wurden. Mehrere Araber sind getötet worden. Bei der großen mohammedanischen Festver- Sammlung in Ramleli hielten führende Araber Ansprachen, in denen sie sich für die Aufr e c h t e 1׳ h a 1111 n g der Ruhe und Ordnung einsetzten. Kriegsschiffe in Jaffa Jaffa, S. Mai. (J.C. B.) Ein englischer Kreuzer ist in den Hafen von Jaffa eingclaufen und setzte Matrosen ans Land. Die aus den kon* linentalen Häfen einlangenden Immigranten wer* den vorläufig auf den Schiffen zurück* gehalten, bis die Ordnung wiederhergestellt ist. Die arabische Polizei ist noch immer nicht entwaffnet. Die Untersuchungskonimission Jerusalem, 8. A׳lai, In Jaffa wurde eine Untersudiungskommission eingesetzt, in welcher die Herren Harry Sacher und Capt. Horace Samuel (ehemaliger Offizier der jüdischen Legion) die jüdischen Interessen vertreten. Die Emigrantenschiffe angehalten Das Bulletin der Zionistischen Organisation in London meldet: Mit Rücksicht auf die Unmöglichkeit, vor völliger Herstellung der Ruhe in Jaffa Passagiere ans Land zu setzen, mußten mehrere Schiffe mit Emigranten in verschiedenen kontinentalen Häfen zurück geh alten werden, bisf die Situation andere Maßnahmen gestattet. Die Maifeier London, 8. Mai. (J. C. B.) Die zionistische Korn* missiou telegraphiert an die zionistische Exekutive, daß die arabischen Ucbcrfiille in Jaffa keinen unm ittel* baren Zusammenhang m i t d e r friedlichen jüdischen Arbeiterdemonstration hatten. Der arabische Pöbel wurde von Elementen aufgehetzt, die sieb offen gegen das englische Mandat und die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästina aut* lehnten. Palästinensische Pressestimmen Jerusalem, 8. Mai. (J. C. B.) Die jüdisch« Presse in Palästina sieht den Ursprung der Ausschreitungen in Jaffa in der Verzögerung der Mandatsbestätigung durch den Völkerbund, ein Umstand, der durch die arabischen Agitatoren der antizionistischen Gruppen ausgenützt wird. Die französische Presse zu den Jaffaer Ereignissen Die französische Presse widmet den antisemitischen Unruhen in Palästina einige Artikel und Leitartikel und benutzt die Gelegenheit, um die zionistischen Be- Strebungen dort anzugreifen. Ein Teil der Presse geht soweit, die französische Regierung zu ersuchen, die Araber vor den Juden zu beschützen, indem sie erklärt, daß die Gegenwart zionistischer Bolschewisten im nahen Orient eine Bedrohung des Friedens im Orient bedeute. (J. C. B.) Keren Hajessod in Amerika Am 1. Mai fand in New York eine große Konferenz in Sachen des Keren Hajessod statt, auf der 221 Delegierte aus 51 zionistischen Distrikten anwesend waren. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen» die sich mit aller Energie für den Keren Hajessod und gegen die Leitung der amerikanischen Föderation ausspricht. Leitung und Leistung Immer wieder seit Herzls Tode, wenn wir vor einem Kongreß standen oder einen! Delcgiertentag, sehen wir, daß versucht wird, die Frage der Leitung unter parteipolitischen Gesichtspunkten zu lösen. Ob die eine oder andere Richtung in der Leitung dominiert, das wird zuin Kriterium ihrer Bewertung. Eine solche Auffassung war möglich, solange wir einen Verein bildeten. Inzwischen sind die Aufgaben, die wir zu erfüllen haben, ins Ungeheuere gewachsen. Es handelt sich nicht mehr darum, die Zionistische Organisation zu repräsentieren, ihre Vercinsgcschäfte zu leiten, diese oder jene Richtung innerhalb der Organisation zum Durchbruch zu bringen. Eine politische Aufgabe von ungeheuerer Tragweite lastet auf uns, die wirtschädliche Entwicklung, der kulturelle Aufbau des jüdischen Palästina stellt uns vor Probleme von unübersehbarer Bedeutung, die Aufbringung der enormen Mittel, die wir benötigen, die Aktivierung des ganzen jüdischen Volkes zur letzten Hingabe für Palästina verlangen eine Arbeit voll schwerster Verantwortung. Und cs zeigt sich, daß die alten Gegensätze innerhalb der Arbeit selbst nicht mehr aufrecht zu erhalten sind. Die Anschauungen kreuzen sich. Dieselbe Richtung, die mit den Anierikanern Hand in Hand gehen möchte in ihrer Anschauung von dem eingeschränkten Aufgabenbereich der Zionistischen Organisation, steht zu ihnen in schärfstem Gegensatz in der Frage des Rechtes auf Föderationsbildung, die Anhänger der Gegenwartsarbeit gehen in der Beurteilung der wirtschaftlichen Grundlagen für den Aufbau Pa- Uistinas einig mit Richtungen, die die Gegenwertsarbeit aufs schärfste pcrhorrcszicrcn, und die radiknien Zionisten treffen sich in ihren Vorschlägen für die Organisation des Aufbauwerks in Erez- Israel auf breiter Grundlage mit jenen, von denen sie sich durchaus scheiden, wo es sich um die Methode für die Aufbringung der Mittel handelt. Man kann sogar sagen, daß selbst die Frage des Sozialismus innerhalb der Zionistischen Organisation die Geister nicht endgültig geschieden hat. Keineswegs steht bei uns einer geschlossenen sozialistischen Anschauung eine ׳ebenso geschlossene bürgerliche gegenüber und erzeugt keineswegs einen Gegensatz, der etwa in allen Fragen zionistischer Theorie und zionistischer Arbeit zum selbstverständlichen Ausdruck kommt. Diese Erscheinung hängt zusammen mit der außerordentlichen Mannigfaltigkeit unserer Aufgaben, und mit der Neuheit der Probleme, die wir zu bewältigen haben. Der Kreis umfaßt letzten Endes das jüdische Leben in seiner Gesamtheit, in Erez-Israel und im Galuth, und die Aufgabe ist in beiden Fällen ohne jedes Vorbild. Die Festlegung auf irgendeine Gesinnung reicht nicht aus, um der Vielfältigkeit dieser Aufgaben gerecht zu werden. Ihre Bewältigung erfordert soviel Kenntnis und praktische Erfahrung, und die Zahl der Menschen, die darüber verfügen und für uns er* rcichbar sind, ist so gering, daß deren Einstellung auf diese oder jene Anschauung innerhalb des Zionismus keinesfalls den Maßstab für ihre Ver* Wendungsfähigkeit abgeben darf. Das trifft nicht nur zu auf die Funktionäre in mehr oder minder untergeordneter Stellung. Vielmehr erweist sich, daß gerade an den leitenden Stellen heute Menschen erforderlidi sind, die praktisch zu wirken verstehen. Gerade in der Leitung brauchen wir die Leistung und brauchen sie dort mehr, als irgendwo anders. Unsere politische Aufgabe z. B. kann nicht bewältigt werden, wenn wir dafür Menschen mit einem abgcstempeltcn politischen Programm verlangen. Audi diese Aufgabe ist so vielseitig und muß mit so außerordentlich verschiedenartigen Konstellationcn und Kombinationen rechnen, daß wir z. B. nichts Törichteres tun könnten, als wenn wir für die Wahl unserer leitenden Politiker ihre Einstellung auf ein bestimmtes politisches Programm, z. B. das Jabotinskysche, zur Voraussetzung machten. Wir müssen verlangen, daß die Menschen, die unsere Politik führen, imstande sind, den besonderen verschiedenartigen Möglichkeiten zu entspredien, die gerade für unsere Politik bestehen. Der Aufbau Palästinas ist eine Frage, die enorme Kenntnisse wirtschaftlicher, technischer, sozialer Natur verlangt und wir sehen ja, wie gerade auf diesen Gebieten Kritik und Forderung jeden gesinnungsmäßig zusammengesetzten Kreis längst gesprengt hat. Auf allen anderen Gebieten ist cs genau so, auf allen Gebieten muß verlangt werden, daß Leistung Voraussetzung für die Berufung in die Leitung ist. Dies heißt nicht Gesinnungslosigkeit predigen. Noch soviel Kenntnisse genügen nicht, um die Hingabe, die Entsagung, das Verantwortungsbevvuütsein erzeugen zu können, das gerade unsere Arbeit verlangt. Der Glaube an das Werk, der Glaube an das Volk ist allererste Voraussetzung. Defaitisten gehören nicht in unsere Leitung. Die Anforderung, die an jeden gestellt werden muß, ist zu groß, als daß sie nur mit Technik überwunden werden könnte. Der Wille zur nationalen Erfüllung ist zweite Voraussetzung. Nur wer die nationale Heimstätte will, vermag die Voraus- Setzung und die Folgerungen, die Bindungen und die Zusammenhänge zu erkennen, die das Gedeilien des Werkes begründen. Wer nicht glaubt und wer nicht will, gehört nicht in die Leitung und mag er ein noch so tüchtiger Mann sein. Aber cs genügt nicht, nur zu glauben und nur zu wollen, wenn einem die Fähigkeit abgeht, Glauben und Willen in aufbaueude Faktoren zu verwandeln. Noch so große Verdienste, eine noch so starke Tradition, eine noch so enge gefühlsmäßige Verbundenheit genügen nicht, um die Leitung zu bilden. Und wenn wir auf dem Kongreß an diesen Punkt kommen, so müssen wir rücksichtslos und rückhaltlos alle ausscheiden, die diesen Anforderungen nicht entsprechen oder nicht mehr entsprechen. Vielleicht werden dabei manche ergrauten Köpfe fallen und manche liebgewordenen Gesichter verschwinden, die Aufgabe ist zu ernst, als daß dies uns abhalten könnte, das zu tun, was nötig ist. Das verlangt also, daß die Leitung der Organisation bestehen muß aus Menschen, die imstande sind, eine bestimmte Aufgabe zu bewältigen. Was wir ablehnen, sind die Funktionäre vom Unglückliehen Typ jener Generalsekretäre, wie wir ihn einmal gebildet haben, die von Amts wegen verpflichtet waren, von allem etwas zu wissen und die infolgedessen nichts ganz wußten. Wir brauchen in der Leitung Ressortvorsteher und die, die die Ressorts leiten, müssen verantwortlich sein für ihre Ressorts. Wir müssen die Leute hineinwählen-, die die Ressorts beherrschen und wenn sie versagen, müssen wir sie entfernen, gleichviel welche Parteikonstcllation damit verknüpft ist. Wir brauchen kein Kollegium, das insgesamt für alle verantwortlich ist, das insgesamt über alle Fragen berät. Es ist ganz unnötig, daß jede Frage der Politik in! ganzen Kreis der Leitung beraten wird und es muß eine gedeihliche Arbeit unmöglich machen, wenn über jede Frage des Aufbaus alle Mitglieder der Leitung mitzusprechcn haben, auch diejenigen, die davon nichts verstehen. Die großen Gesichtspunkte müssen festgelegt werden und im übrigen soll jeder voll und allein verantwortlich sein für das, was in seinem Ressort passiert. Eine solche Regelung setzt zweierlei voraus: zunächst, daß die Mitglieder der Leitung samt und sonders imstande sind, ihre Kraft uneingeschränkt der Bewegung zur Verfügung zu stellen. Wir können keine Leitung mehr brauchen, deren Mitglieder diese Aufgabe im Nebenamt besorgen und die sich außerdem noch mit der Sicherung ihrer Existenz zu befassen haben. Es muß verlangt werden, daß diejenigen, die in unsere Leitung eintreten, für die Dauer ihrer Zugehörigkeit zur Leitung sich von ihrem bürgerlichen Beruf suspendieren. Wir brauchen ganze Kräfte und volle Zeit. Ebenso ergibt sich, daß bei einer solchen Regelung die Menschen, die an zweiter Stelle stehen, die sozusagen Unterstaatssekretäre, an Bedeutung gewinnen. Wir legen die Verantwortung für ein Ressort ganz auf seinen Leiter; das verlangt, daß er Mitarbeiter haben muß, die ihre Aufgabe beherrschen, die da einzuspringen haben, wo die Kenntnisse des Chefs nicht ausreichen (und jedes Ressort ist heute schon so vielseitig und so verantwortungsvoll, daß kaum eines mehr von einem Menschen würde universell beherrscht werden können), die den Chef verantwortlich zu vertreten imstande sind, die die .Verantwortung mit. ihm

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