Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 35 (3.5.1921)
- Date
- 1921-05-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dar Zionismus erstrebt tflr Ja» Jüdische Voll* «Ha Schaltung einer OflantHch-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm". Weizmann beim britischen Gesandten New York, den 23. April. (j.C. B.) Im An* Schluß an den Empfang Weizmanns beim Priisidenten Harding gab der englische Gesandte ein Diner zu Ehren Weizmanns, bei welcher Gelegenheit der Gesandte eine längere Besprechung mit Weizmann über zionistische Fragen hatte. Keren Hajessod in Amerika New York, den 26. April. (Telegramm der ״J. R“) Das neueröffnete Keren Hajessod-Büro untersteht der Leitung eines Komitees, in dem die aus der Landesexekutive ausgeschiedenen Mitglieder, ferner die Poalc-Zion, der Misrachi, die Zeire- Zion und der Orden B’ne Zion vertreten sind. Brooklyuer Kaufleute haben sich verpflichtet, eine Million Dollar aufzubringen. Die Vorsitzenden der Bezirksgruppen Groß-New Yorks haben mit allen gegen drei Stimmen beschlossen, von Mack zu fordern, daß er entweder die Opposition gegen den Keren Hajessod aufgibt oder zurücktritt. Begiuu der Elektrifizierungsarbeiten in Palästina Jerusalem, 15. April. (J. C. B.) ln Jaffa, Tel• Kwiw und Petach-Tikwah wurde die Ausfiihrung des Elektrifizierungsplanes von Ing, Ruthen* berg in Angriff genommen. Die Arbeiten werde» bereits in einigen Tagen im vollen Gange sein. Die erste Arbeiterbank in Palästina J erusalem, 15. April. (J. C.B.) Die jüdische Arbeiterorganisation Palästinas!סיwirbt sich jetzt um eine Konzession für die Eröffnung einer Arbeiterbank mit einem Anfangskapital von 40(100 PW Sterling Hebraisierang der Familiennamen in Palästina Jerusalem, 15. April. (J, C. B.) Die Regierung veröffentlicht soeben ein Dekret, demzufolge den Einwohnern Palästinas und den Einwanderern die Ab• Änderung ihrer Namen ohne weiteres gestattet wird, jedoch muß diese Tatsache im offiziehen Regierungsorgan vcrlautbart werden. Dieser Erlaß erschien notwendig, weil die Einwanderer ihre Namen oft spontan hebraisjert haben. Louis Marshall für Palästina New-York, 26. April. (J.C. B.) Bein» großartigen Empfang, den die New-Yorkcr Juden der Zionistischen Delegation im Metropolitan Opera House gaben, hielt Louis Marshall eine eindrucksvolle Rede, in der er das gesamte Judentum zur Einigkeit aufrief. Er erinnerte an seine Begegnung mit Weizmann und U ssi schk in in Paris und sagte: ״Es sind große Zeiten, in denen wir leben, und das heutige Meeting ist auch eines der größten Geschehnisse. Welche immer unsere Meinungen über den Zionismus in der Vergangenheit waren, jetzt ist die Zeit gekommen, wo kein Jude, der sein Volk liebt und auf seine Geschichte stolz ist, gleichgültig bleiben kann.“ Mr. Marshall wies auf die Wichtigkeit des San Remo- Beschlusses und des englischen Mandates über Palästina hin und betonte mit Nachdruck die Notwendigkeit der Mitarbeit eines jeden Juden an» Wiederaufbau Palästinas. ״Eine Sache müssen wir die Welt lehren“ — sagte Marsliall — ״und dies ist Einigkeit bei den Juden. Wehe denjenigen, welche Unzufriedenheit bereiten, wo , Einigkeit herrschen soll! Die Zeit ist gekommen, wo unsere Taten werden auf die Wagschale gelegt werden, und ich bin überzeugt, daß wir die Prüfung bestehen werden.“ Kercm Hajessod-Bulletin Seit Ende April gibt die Keren Hajessod- Zentrale gemeinsam mit der Zionistischen Organisation in London fünfmal wöchentlich ein Bulletin in französischer, englischer, hebräischer und jüdischer Sprache heraus, ln deutscher Sprache erscheint die ״Zionistische Korrespondenz“ (wöchentlich) und ״Das Neue Palästina“ (monatlidi), die vom Keren Hajessod, Abteilung Zentraleuropa, heraus■ gegeben werden. Aufgaben des Delegiertentages Erhielt bereits der vorjährige Delegiertentag seine Bedeutung durdi die bevorstehende Jahreskouferenz, von der als der ersten allweltlich zionistisdhen Tagung nach dem' Krieg man die rieh tun ggebende Parole für die zionistische Arbeit erwartete, so stellt der heutige Delegiertentag vor der Tatsache, daß der Kongreß einberufen ist. Viel klarer als vor einem Jahr kann man diesmal die Aufgaben und Probleme erkennen, die unsere Weltorganisation beschäftigen. Vor der Jahreskonferenz tappte man im Dunklen, man wußte nicht, was die Exekutive vorlegen wird, welche Pläne für die weitere politische und kolonisatorische Tätigkeit vorbereitet sind, welche neuen Kräfte iu der Bewegung hervortreten werden. Vor allem schaute man fragend über den Ozean hinüber, von wo zum ersten Male zu einer Zionistentagung eine große Delegation kommen sollte, die größte Landsmannschaft, durch das Verhängnis Europas zu stärkster Leistung berufen. Diese Unklarheit mußte auch auf den deutschen Delegiertentag wirken. Ganz anders liegt es heute. Die durch die Jahreskonferenz eingelcitcte Periode der Verwirrung und inneren Auseinandersetzung geht ihrem Ende entgegen; das letzte Jahr, das trotz allen Prinzipien von konkreter Aufbauarbeit mit ^Kämpfen und Diskussionen ausgefüllt war, hat gezeigt, daß ohne einen machtvollen Willen, ahne eine zwingende Idee statt Sachlichkeit nur Zerfahrenheit herrschen wird. Die Amerikaner haben bei ihrem ersten Auftreten in der Weltorganisation versucht, der ganzen Bewegung eine neue Riehtung zu geben, sie haben sich aber als zu schwach erwiesen, diese neue Richtung wirklich zu tragen. Der Kampf, der heute in Amerika geführt wird, geht nicht nur um gewisse Methoden der Verwaltung der Fonds, sondern um die Frage, welche grundsätzliche Haltung zur Judenfrage in der Zioriistischcn Organisation gelten soll. Wir haben diese Gegensätze in der letzten Zeit so oft zu besprechen Gelegenheit gehabt, daß wir eine neuerliehe Charakteristik ersparen können. Der Delegiertentag stellt diesmal vor der Notwendigkeit einer Entscheidung. Er muß die Anschauung der deutschen Zionisten in der akut gewordenen Streitfrage zum Ausdruck bringen. Der deutsche Zionismus hat nicht nur historisch in der zionistischen Geschichte eine große Rolle gespielt, er könnte gerade jetzt, wo nochmals die Auffassungen des aus dem altcingewurzelten nationalen Empfinden organisch hervorgewachsenen und des nach einer Periode der Assimilation aus politischen und sozialen Erwägungen entstandenen amerikanischen Zionismus aufeinanderprallen, aus seiner tiefen psychologischen Erfahrung heraus das richtige Wort finden. Auf diese Weise könnte der Delegiertentag eine wertvolle Vorbereitung des Kongresses werden. 1111 Mittelpunkt aller zionistischen Probleme stellt heute die Aufbringung der Geldmittel für den nationalen Aufbau. Es ist charakteristisch, daß sich auch der in Amerika ausgebrochene Konflikt an dieser Frage entzündet hat. Die deutschen Zionisten haben die Parole der Jahreskonferenz über die Schaffung des Keren Hajessod mit vollem Verständnis aufgenommen, und im Laufe eines halben Jahres wurde hier eine beträchtliche Arbeit geleistet und beträchtliche Resultate erzielt. Der erste Delegiertentag, der nadi der Jahreskonferenz stattfindet, wird die Beschlüsse der Landesvor- Standssitzungen über den Keren Hajessod zu bestätigen haben. Er wird nochmals eindeutig unc feierlich die Verpflichtung jedes Zionisten zur Zahlung des Maasser proklamieren. Er wird die Meinung der deutschen Zionisten aussprechen, daß die durdi den Keren Hajessod geführte nationale Kolonisation die Grundlage und Voraussetzung der ganzen ji'idisdien Arbeit in Palästina sein muß. Darüber hinaus jedoch wird der Delegiertcntag als das Willensinstrument des deutschen Zionismus laut und vernehmlich an das ganze deutsche Judentum die Aufforderung zur Mitarbeit in Palästina ergehen lassen. Die letzte Zeit hat gezeigt, daß sehr viele niditzionistisclie Kreise und Persönlichkeiten großes Verständnis und Interesse für den Aufbau Palästinas haben. Dagegen hat gerade | jetzt wieder ein antizkxnisti9cher Vorstoß begonnen, der durdi den bekannten Beschluß des Zentral- Vereinvorstandes charakterisiert wird. Der Delegiertentag wird zu diesem Beschluß der am Beginn eines der schwierigsten Geineinschaftswerke aller Zeiten den Keil der Uneinigkeit, der Spradienverwirrung in die Reihen der zum Aufbau Berufenen zu tragen versucht, Stellung nehmen. Der Beschluß des Zentralvereins führt die deutschen Juden irre. Denn es ist eine Irreführung, wenn man die Mcinung erwecken will, als ob Ln Hinkunft innerhalb oder außerhalb Deutschlands irgendeine Betrachtung der Judenfrage möglich wäre, die an Palästina vorbeigeht. Alle Aufgaben, die der Zentralverein sidi in negativer oder positiver Beziehung gestellt hat, hängen auch mit dem Gelingen des Palästina- Werkes zusammen. Denn nichts wird dem Antisemitismus, der Verachtung der Juden, stärkere Nahrung bieten, als wenn sie jetzt durch ein Versagen beim Palästinaaufbau den Theorien iener Rasseantisemiten recht geben, welche den Juden jeden Sinn für wahrhaft produktive Gemeinschafts- Arbeit und die Fälligkeit sozialen Schaffens absprechen. Ebenso wird in Hinkunft keine positive Beschäftigung mit jüdischer Kultur oder Religion möglich sein, ohne Beachtung der in Palästina lebendig gewordenen Kulturwerte. Solange Palästina nur der Gegenstand zionistischer Phantasien war, konnte die übrige jüdische Welt es negieren. Heute ist es werdende Wirklichkeit; und diese Wirklichkeit kann nicht mehr ignoriert werden, sie wird immer wieder mit unwiderstehlicher Gewalt in den Bezirk der vor ihr fliehenden und sie verleugnenden Judenschaft entbrechen. Wir haben einen Kampf um die Seele des deutschen Judentums 7u führen und wir werden diesen Kampf ausfechten. Je stärker Palästina wird, desto geringer wird der Widerstand sein. Schon jetzt aber müssen alle diejenigen Elemente mit uns gehen, die genügend innere Kraft haben, um Realitäten vorzustellcn, die erst geschaffen werden müssen. Wir fordern vom deutschen Judentum energische Mithilfe. Dies auszusprechen ist eine der wichtigsten Aufgaben des Delegiertentages. Die Palästinafragen, die auf den letzten Delegiertentagen einen breiten Umfang eingenommen haben, sind heute aus dem Stadium theoretischer Behandlung herausgetreten. Diesmal wird sich der Delegiertcntag mit der Frage befassen müssen: Was können die deutschen Juden für Palästina tun? Es ist oft genug gesagt worden, daß infolge der Entwertung des deutschen Geldes die Situation für die deutschen Juden wie für die osteuropäischen außerordentlich erschwert ist. Trotzdem hat die Erfahrung bereits erwiesen, daß Betätigungsmöglichkciten auch für deutsche Juden in Palästina vorhanden sind. Der Delegiertcntag wird eine ganze Reihe von Persönlichkeiten umfassen, die in der letzten Zeit Palästina besucht und die Verhältnisse studiert haben. Er wird zu beschließen haben, in welcher Weise und durch welche Einrichtungen er die Betätigung deutscher Juden in Palästina fördern will. Insbesondere wird er auch der Frage der Ausbildung von Arbeitern verschiedener Art seine Aufmerksamkeit zuwenden müssen. Es wurde schon oft betont, daß gerade Deutschland als Ausbildungsstätte für Qualitätsarbeiter außerordentlich geeignet ist, trotzdem wurde jedoch die Organisierung bis heute nicht planmäßig und umfassend in die Hand genommen. Der Delegiertentag wird sich mit der Frage befassen müssen, wie die Mittel zu beschaffen sind, um einer bestimmten Anzahl ausgewählter Menschen die Vorbereitung in bestimmten Berufen und die Uebersiedlung nach Palästina zu ermöglidien. Diese Menschen sind es, die einen lebetidigen Kontakt zwischen den zurückbleibenden Zionisten und dem aufblühenden Palästina werden herstellen können. Die Frage des Keren Alijah (Immigrationsfonds), die seit der letzten Landesvorstands- Sitzung akut ist, wird vom Delegiertentag endgültig geregelt werden müssen, sowie es in anderen Landesorganisationen bereits geschehen ist. Der Delegiertcntag wird eine Fülle von Frager» zu behandeln haben, eine Fülle sachlicher Arbeit zu leisten haben. Er wird ein Bild von der Kraft des deutschen Zionismus geben. Der deutsche Zionismus ist im letzten Jahr der Schauplatz scharfer innerer Auseinandersetzungen gewesen. Die