Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 30 (15.4.1921)
- Date
- 1921-04-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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N 30 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 207 as zu in *• ad »g un te. en m- -8ן en mo- Mo ter Ser en :n, ■rw ne kr mr ■di (״ en ar, kr en tzt •d- 31. di iß•;rs let ter dsnit len nd »g »ß ■inat, demir «dt Ser len on htnitet im E. ms Ite in- '% die als vodie len alb joder len tte, ren ■em 'ort inaen den zioudi;ine ben die und 1eit. eie» uns als vo? ich ern. jehder ler alen xänrzen;ani* >ider and* vinz. t an j Die Leitung hat dafür zu sorgen!, daß die Wahlen ’ 7um nächsten Delcgicrtentag ordnungsmäßig und {׳enaii nach den Wahlbcstinumuigcn erfolgen, 2 sic hat dafür?11 sorgen, daß die ״Jüd Kund- ” schau" das Organ aller deutschen Zionisten ist und bleibt, und daß auch abweichende Meinungen voll tanl ganz darin zum Worte kommen, olme abgckanzelt zu werden, 3, Sie hat dafür zu sorgen, daß auf dein nächsten Dclegicrtentag der Opposition — auch der neuen Föderation — volle Gelegenheit gegeben wird, dir Piogramm, ihre Wünsche dem Delcgicrtentag hekaimtzugcbeii, am besten in Form von Korrcf e r a t e 11. 4, Vor allen Dingen muß ei,11c Kommission sofort ernannt werden, die zwischen der deutschen Landsinannschaft und der neuen Föderation vermittelt, deren Beschwerden zur Kenntnis nimmt und ver• sticht, die Einigung herbeizuführen. Sclbstverstämliich muß die Kommission mir aus solchen Gesinnungsgenossen bestellen, die beiden Parseien erwünscht sind. Ich glaube, daß mit der Annahme dieser meiner Wünsche der Frieden wieder in die deutsche Organisaüon cinzichen wird und daß alle Gesinnungsgenossen s)ci1 brüderlich die Hände wieder reichen werden zur gemeinsamen Arbeit für den deutschen Zionismus. Mögen diese meine Anlegungen, die ich im Interesse Friedens und unseres gemeinsamen Ideals niederschrieb, ein williges Ohr auf beiden Seiten finden. Eine Fraktion des zionistischen Bürgertums Von Dr. M. J. Bodenheim er. l1Hie.11 ich das unten folgende Programm einer gr.Äewi Oeffcntlichkeif übergebe, gestatte idi mir eim;c ücl i.woric vorauszuschicken. Ich halte die Bildung cüicr Fraktion der bürgerlichen Zionisten für unbedingt erforderlich. Die landsmannjchafilkhcn Organisationen auf den allgemeinen zioaistisehen Tagungen sind neben der Fraktion des Misrachi und den /ionis'.ischen Gruppen, die sich nach programmatischen Grundsätzen entscheiden, auf die Dauer unhaltbar geworden. Die rechtsgerichteten Zionisten mit traditionell rclignucr Färbung sind ebenso unter sich vereinigt, wie die liaksgcrieh.ctcn in den Gruppen des Hapoi'I-Hazair und der Poale-Zion. Die heute noch die Mehrheit bildende Gruppe des Bürgertums ist ohne pnogramma- Indien Zusammenhang. Sie ist datier widerstandslos den Einflüssen von links und rechts preisgegeben, so daß tische Forderungen erlioben werden* die einen besonderen Standpunkt gegenüber der Föderation Binjan Haarez erkennen ließen. Ul. Er seizt die bisherige Taktik in der Propaganda und Organisation fort, die durch Unterdrückung jeder anderen Anschauung in Deutschland zur Zersplitterung und gegenseitigem Mißtrauen geführt hat, die eine Gefahr für die Jugend bedeutet, die sic aus ihrer Umgebimg zu entwurzeln strebt, ohne in der Lage zu sein, ihnen euren anderen positiven Inhalt zu geben. IV. Er ist eine Kampforganisation gegen diejenigen zionistischen Gruppen, die den beschleunigten Aufbau Palästinas zum Kernpunkt ihres Programms machen wollen und verhindert hierdurch den notwendigen Zusammcnsdiluß zu positiver Arbeit. Das von 1uir veröffentlichte Pro-,;ramm soll alle Zionisten um sieh vereinigen, die gewillt sind: 1. Im Einvernehmen mit der Gruppe Löwe-Gronemann und gemeinsam mit ״Binjan Haarez“, falls diese den Födcniiioiisgcdanken zuriickslellt, eine Gruppe des zionistischen Bürgertums zu bilden. 2. Unter Zugrundelegung des nationalen Gedankens, die wirtschaftliche Entwicslung Palästinas auf den Grund- Sätzen der Freiheit aufzubauen, 3• Den politischen Gedanken der Bew'egung und die Beschleunigung der Bildung einer jüdischen Majorität in Ercz-lsrael in die erste Reihe der Aufgaben der Gegenwart zu stellen. Köln, April 1921. Programm einer demokratisch-zionistischen Fraktion. Die Zugehörigkeit der Fraktion wird bedingt durch das Bekenntnis zum Baseler Programm und den Willen, sieh an der Vcrwirklicluuig desselben und der Erriehtung der nationalen Heimstätte tür das jüdische Volk in Palästina tatkräftig zu beteiligen. Die Fraktion verlangt: 1. Die Nationalisierung des Bodens Palästinas auf dem Wege der Gesetzgebung und einer Bodenpolitik gemäß den Grundsätzen des Jüdischen Nationalfonds, ln Industrie, Gewerbe und Handel vertritt sie bei Wahruag des Gesamtintercsscs der Nation die Freiheit des Wettbewerbes zwischen privaten und genossenschaftlidier» Unternehmungen jeder Art. 2. Sie vertritt die Auffassung, daß der nationale Zu• sammenhang des gesamten Judentums die Grundlage des Zionismus bildet. Sie erachtet aber die kulturelle um! politische Arbeit im Galuth lcdigEch als eine Aufgabe der Landesorganisationen. 3. Sie verlangt bei der Erziehung der jüdischen lugend in erster Lime Charakterbildung durch He* bung des jüdischen SelbstbcwußLscins Förderung der Kenntnis der jüdischen Geschichte und des Hebräischen als lebendige Umgangssprache; sic verlangt unter Ablehmmg aller auf die geistige oder wirtschaftliche Ent* Deutschland Zentralverein und Palästinaarbeit Cer ״Zcntralvcrein deutscher Staatsbürger jüdisehen Glaubens“ hielt am vergangenen Sonntag eine Sitzung des Gesamtvorstandes ab, in welcher nachstehende Resolution mit Majorität gegen eine erhebliche Minderheit, die sich lebhaft für die Teilnahme an der Palästinaaktion einsetzte, angenommen wurde: ״Wäre die Besiedlung Palästinas nichts weiter wie ein soziales Hilfswerk, dann wäre vom Standpunkt des Zentralvcreins nichts dagegen cinzuweoden. Die Besiedlung Palästinas ist aber in erster Linie Ziel nationaljüdischer Politik. Ihre Förderung und Unterstützung ist daher abztilchncn. Solange die sozialen und kulturellen Einrichtungen des deutschen Volkes und die religiösen und kulturellen Bedürfnisse des deutschen Judentums bitterste Not Leiden, solange zahlreiche heimatlos gewordene Juden unsere Hilfe dringend brauchen, hat jüdischer Wohltätigkeitssinn Pflicht u nd Möglichkeit zu fruchtbarerer Arbeit“ Mit dieser Resolution, auf die wir noch des Näheren cingchcn werden, hat der Zentralverein der Sache des deutschen Judentums einen schlechten Dienst erwiesen. Wir sind überzeugt, daß weite Kreise des deutschen Judentums und auch ein erheblicher Teil der Mitglieder des Zentralvereins kein Verständnis dafür haben werden, daß bei einer für die Zukunft des Gesamtjudentums so entscheidenden Aktion, in diesem geschichtlichen Augenblick, eine Organisation deutscher Juden den Versuch macht, das deutsche Judentum selbst von der Teilnahme auszuschalten. Diese Ablehnung ist eine direkte Kampfansage an den Zionismus, die die Gegensätze im deutschen Judentum erheblich zu verschärfen droht Dresden, 14. April (Tel. d ״Jüd. Rundschau“.) 11» einer großen Versammlung sprach Dr. Alfred Apfel über Gcsamtorganisatlon und Palästinafrage. Er wandte sich heftig gegen der» Beschluß des Zentralvereines, den er als Sabotage der am 23. Januar geschaffend» Einheitsfront bezeiclmete. (Wir werden über die Versammlung noch ausführlich berichten. — Red. d. ״Jüd. Rundschau“.) Verband nationaldentscher luden Der neue ״Verband nationaldentscher Juden e. V,“ hielt vergangenen Montag seine Gründungsversammdu• Abstimmungen häufig zu Zufallsmajoritätcn fuhren, 1 vwrzcümg der Jugend gerichteten Bestrebungen die lung ab. Bei dieser Gelegenheit wurden vor einer Oe* der Mehrheit der Versammlung nicht Vorbereitung fürj die Möglichkeit eüuu Uebcrsiedelung seil sch alt, deren Ein die der Anschauung ei'.'sprwhin. iiv landsmannschaftliche Organisation, soweit sie neben der Fraktion liesteben geblieben ist, bißt die ’•!*’gUchkcit ollen, daß die den Fraktionen ungehörigen .Mitglieder der Landsmannschaft ihren Einfluß sowohl in der Landsmann ebaft zur Geltung bringen können, wie sie diese major.sieicn können, währenddem sic andererseits ihren geschlossenen Einhtüswillen in der Fraktion gleichfalls zum Ausdruck bringen Die landsmannschaftliche Organisation bedingt weiterhin, durch ihre Mehrheitsbeschlüsse einen GewLicnszwang der nach ihren Anschauungen disscnticrtndcn Minoritäten, falls die Abstimmung im Plenum gc.v.äß diesen Beschlüssen durch Fraktionszwang verlan.f wird. Wenn ich mich trotzdem zurzeit gegen den An sc hl 11 ß an die kürzlich begründete Föder 1! i o 11 ״Binjan Haarez“ ausspreche, so geschieht die י aus felgenden Gründen: 1. Ich halte die Gründung einer Föderation der bürgerlichen Zionisten an Stelle einer Fraktion außerhalb der Landesorganisation für verfrüht. Eine solche ist erst möglich, wenn sich zeigt, daß in den vcrschie denen LamlcsorganLsationen gleichartige Bestrebungen bcsähen, die im Zusammenschluß von Gruppen auf Grund ähnlicher Pro;;ranunc zum Ausdruck kommen. Vor Gründung einer solchen Föderation ist daher eme Aussprache zum mindesten im Actions-Comitö oder aber im Kongreß erforderlich. 2. Das Programm des Binjan Haarez erscheint mir unvollständig. Andererseits enthält cs aber überflüssige und mißverständliche Formulierungen. Dieses Programm ist daher nach verschiedenen Richtungen zu ändern. Unvollständig erscheint es mir, weil der politische Cha- *,afctcr der Bewegung in demselben zu wenig energisch betont wird und weil der Trennungsstrich gegenüber den Scheinradücalismus bisher führender Kreise des dwitschen Zionismus zu wenig hervorgehoben ist Dagcgen fehlt cs an einer klaren Betonung, daß der natio ״ale Zusammenhang des Judentums den Grundgedanken des Zionismus bildet. Die Hervorhebung der Bindung gegenüber dem Staat ist überflüssig, da sic 5Tcng genommen in kein zionistisches Programm hineingehört Der dieser Anschauung zugrunde liegende Gedanke scheint mir in meinem Programmentwurf besser מ«! Ausdruck gebracht zu sein. Den ״Nationalen Einbcitsblodc“ halte ich für ein nationales Unglück und auf das Entschiedenste zu bc kämpfen. 1. Er verschleiert die wirklichen Gegensätze durch die Hinzuziehung sozialistisch-radikaler Elemente und macht hierdurch die Bildung der so notwendigen bürgerlichen Gruppe unmöglich. N• Er berauscht sich an national-radikalem Phrasen* ßeklüigel, ohne daß konkrete wirtschaftliche oder poli* nach Palästina durch entsprechende BcrufsvorbikUmg, Unterstützung der Ausbildung der Chaluzim und ihrer Ueberfahn. 4. Sie verlangt energische Fortsetzung der politischen Arbeit behufs Erlangung der natürlichen Grenzen des 1-andcs und Erweiterung der Rechte der Zionistischen Organisation bei der Verwaltung des Landes im Mandatsvertrag. 5. Behufs intensivster Beschleunigung des Aufbaues verlangt sie eine zweckmäßige Propaganda zur Heran- Ziehung der Juden der ganzen Welt für die Mitarbeit auf Förderung aller au? Ftebung von Industrie und Gründung von Gartenstädten gerichteten Bestrebungen. Ein zionistisches Organ Amerikas über Binjan Haarez Der misrachistische ״H a i w r i“, New York, widmet der Gründung von Binjan Haarez einen Leitartikel, dem wir folgende Zeilen entnehmen: ״Es gibt keine falsche Ansicht und keine schädliche Theorie, die nicht irgendwo Anhänger fände, besonders fern von ihrem Entstehungsort, wo man sie meist in verzerrter Form kennen lernt. Wir in Amerika wissen, wie schädlich diese Gedankengänge für das zionistische Ideal werden können. Sie haben auch die richtige Verbreitung im amerikanischen Zionismus nicht gefunden; nur die zionistischcn Führer, oder richtiger der Führer, vertreten diese Anschauungen. Nun hören wir, daß jenseits des Ozeans sich Zionisten gefunden haben, die iin ״amerikanischen System“ die Lösung der zionistischen Frage sehen. So haben deutsche Zionisten eine besondere Föderation gegründet, ״Blpj.111 Haarez“, ,Aufbau des Landes“ genannt, um damit anzudeuten, daß die bisherige Tätigkeit der Organisation nicht auf den Aufbau des Landes gerichtet gewesen sei. Wenn es wahr sein sollte, so ist es nur schade um diejenigen Zionisten Deutschtands, die seit jeher als die besten Zionisten bekannt waren, daß sie auf den schlüpfrigem Weg der zionistischen Führer Amerikas geraten sind. Diese Zionisten scheinen nicht zu wissen, daß das ״amerikanische System“ gar nicht amerikanisch ist, denn fast alle Zio* nisten Amerikas widersetzen sich mit aller Gewalt diesem System. Das beweist zur Genüge die Bewegung für den Keren Hajessod, die spontan in allen Ortsgruppen eingesetzt hat und die Arbeit für dem Keren. Hajessod, die in aller Kürze beginnen wird. Wenn die Begründer des Binjan Haarez nicht rechtzeitig ihren Irrtum erkennen, werden sic in der Organisation ebenso einsam und verlassen bleiben wie die zionisti* scheu Führer Amerikas. Wir sind sicher, daß die Mehr* heit der Zionisten Deutschlands ihnen die Gefolgschaft versagen wird. Durch ״Binjan Haarez“ wird das Land nicht aufgebaut weiden." Einverständnis mit der Grundtendenz der Neugründung der» Veranstaltern bereits bekannt war. Ziel und Satzungen der Organisation erörtert. Dr. Naumann erklärte in seinem Referat, durch die Schaffung einer aktiven Organisation müsse man endlich einmal zum Ausdruck bringen, daß der nationaldeutsche Jude alle Entscheidungen aus seiner Kultur* und Gefühlsgemcinschaft mit Deutschland und dcutsehen Menschen heraus treffe. Diese Gemeinschaft sei es dem» auch, die alle Sorxlergeiühle des jüdischen Deutsehen in den einzigen Strom des Deutschtums fließen lasse. Die Erfahrung habe gelehrt, daß es dem ״Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ nicht gründlich genug gelungen sei, das deutsche Judentum im Deutschtum aufgeliet! zu lassen. Deshalb müsse man neben dem Zentralverein den neuen Verband schaffen, um mit dessen Hilfe gegen Ersehe»- mingen anzukämpfen, die entweder die Vertiefung des jüdischen Nationalgefühls oder gar den lnternationalismus förderten, fn diesem Sinne gelte der Kampf dem Zionismus, der ״Zwischenschicht“, und vor allem dem verallgemeinernden Antisemitismus. Auf die Ostjudenfrage eingehend, erklärte üct Redner, daß er das Problem nur als Deutscher betrachten könne. Als solcher spreche er der östlichen Grenzsperre das Wort. 15 der Aussprache wurde von mehreren Rednern bemängelt, daß der Verband auch getaufte Juden auf nehme und dem ״Zcntralverein“ gegenüber eine Stellung zu suche!» scheine, die geeignet sei, den Antisemitismus zu fördern. Die Mehrzahl der gelattenen Gäste trat schließlich dem Verbände bei. Keren Hajessod ia Oberschiesien Lm Anschluß an den Oberschlesischen Gruppenverbandstag besuchte Herr Otto Lehm an n die Orte Bcuthen, Kattowitz, Taraowitz, Ratibor, Königs hütte, Gleiwitz, Groß-Strehlitz und Oppeln. Er sprach in Zabrze in zahlreichen Ver- Sammlungen, die zum Teil von den Logen, Gemein* den und lokalen jüdischen Verbänden gemeinsam veranstaltet wurden. Zahlreiche führende Nidhtzionisten (Rabbiner, Gemeindevorsteher, Logenpräsidenten) gaben die Zusicherung tatkräftiger Mitarbeit. Gemischte Komitees aus Zionisten und Nichtziamsten wurden teilweise bereits gebildet, teilweise vorbereitet. Weizmann-Tag in Amerika Anläßlich der Ankunft der Zion. Delegation hat das Organisationsdepartment der amerikanischen Zionist Föderation den 3. April als ״Weizmamv-Tag" bestimmt. Alle Ortsgruppen werden verständigt, daß dieser Tag, wo zum erstenmal ein Präsident der Zion. Weitorgan;- sation nach Amerika kommt, als Festtag gefeiert und zu erhöhter zionistischer Aktivität, insbes. der Werbung neuer Mitglieder, benützt werden soll. 1