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Jüdische Rundschau · 1921-04-15 · Heft 30 (15.4.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 30 (15.4.1921)
Date
1921-04-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30 J UflOISCHB RUNDSCHAU Seite lu > 1a E? 1a In Ergänzung unserer Mitteilung in Nr. 27 der jüdischen Rundschau“ über die Sitzung der ameri- Zwischen Exekutive sind wir jetzt in der Lage, näheres über diese Sitzung sowie über das darin er• «•;ihiitc Memorandum zu bringen. Die Sitzung war einberufen, uin die künftigen Beziehungen zwischen der amerikanischen Föderation und der Zionistischen Welt* Organisation zu regeln. Wie ״Morgen• Journal“ meidet, soll Judge Julian W. Mack, der Vorsitzende ,ge amerikanischen Landesexekutive, vor kurzem einen aus Aegypten datierten Brief von W c i z■ mann erhalten haben, in dem Weizmann die Hand• bnj'.en und Grundsätze der amerikanischen Organisation jnaivsiert und gegen die separatistische Bewegung protestiert. Weizmann erklärt in höflicher Form, daß 4lC Weltorganisation diesen Zustand nicht dulden könne ulid weist auf die Ungültigkeit der Beschlüsse von fjitffalo hin, die zu den Londoner Beschlüssen in Widerspruch stehen. Lange berieten die zionistischen Führer Amerikas über die Stellungnahme zu diesem Brie! und arbeiteten ein neues Memorandum aus, 2n Druckseiten stark, das den Mitgliedern der Landes- Lxekutive in aller Eile, wenige Stunden vor Beginn der Sitzung, zugestellt wurde. Dieses Memorandum soll als Basis für die weiteren Unterhandlungen mit Dr. W c i zmann in Amerika dienen. Bei Beginn der Sitzung erklärte die Opposition, daß sic nicht imstande sei, für oder gegen die Annahme des Memorandums zu stimmen, da die Zeit nicht ausreichend war, um das Memorandum zu studieren. Sic verlangte eine Vertagmy der Sitzung für mindestens eine Woche. Dieser Vorschlag wurde abgclehiit. Die Sitzung dauerte bis 2 I hr nachts und wurde am Sonntag bis 1 Uhr mittags Fortgesetzt. Das Memorandum wurde von der Exc• kutive angenommen; die Opposition enthielt sich der Abstimmung. ״Haiwri“ bezeichnet das Ausscheiden der Op;10sition als den Beginn der Auflehnung gegen die Autokratie der Exekutive, die in der letzten Zeit das gesamte zionistische Leben Amerikas paralysiert hat. Das Memorandum, dessen Inhalt wir dem ״Jiddisehen Volk“ entnehmen, zerfällt in drei Teile. Der erste Teil behandelt die allgemeinen Prinzipien der Zk> nisiisclicn Organisation überhaupt; der zweite Teil bc- «luftigt sich mit der Reorganisierungsarbeit, die nach der Ansicht der Landesexekutive notwendig ist; der dritte Teil enthält die Ansichten der amerikanischen Leitung über die Finanzierung des Aufbaus Palästinas. Zum Schluß folgt eine Kritik Amerikas an der bisherigen Tätigkeit der Exekutive und der Keren Hajessod-Leitung. I. Allgemeine Prinzipien. a) Die Arbeit der Zionistischen Organisation muß sich auf Palästina konzentrieren und sich eicht in Gegenwartsarbeit und Diaspora-Nationalismus zersplittern. b) Die Zionistische Organisation muß als die Jewish Agency funktionieren im Gegensatz zu dem seit 1019 öfters gemachten Vorschlag, die Zionistische Organisation durch eine Körperschaft abzuiösen, die aus Vertretern zionistischer und nichtzionistischer Organi• sationen bzw. aus Personen besteht, die von einem allgemeinen jüdischen Kongreß gewählt werden. c) Der Grundsatz des Staates muß im Gegensatz zum Kulturzentrum besonders hervorgehoben werden. An erster Stelle steht der wirtschaftliche Aufbau und nicht die Kulturarbeit. Ein Judentum, das so aufgeteilt sein sollten zwischen Brotarbeit und sensationeller Erholung — auf dem Krankenbett, während langer Fahrt und an Regentagen eurer Ferien. Und immer wird der lebendige Geist und die Hingabe an unsere rettende Idee euch ebenso vorgclegt werden wie das Abbild der ganzen jüdischen Wirklichkeit. Es bedarf nur zweitausend Abonnenten, um ein Werk zu halten, das, entgleitet es unseren Händen, für die Schmach eurer seelischen Verfassung symptomatisch sein wird. Abonniert den ״Juden"! Rettet eine Zeitschrift — ihr werdet damit weit mehr als nur eine Zeitschrift gerettet hajaea. * r Die Monatsschrift ״Der Jude“ erscheint im Jüdisehen Verlag, Berlin NW 7, Dorotheen- Straße 35. Der Bezugspreis beträgt jährlich 60 M., halbjährlich 30 M. Chad-Gadjo Unter den vielerart kunsthandwerklkhen Erzeug-!rissen, die, noch viel zu wenig bekannt, den ganzen Verlauf der jüdischen Geschichte begleiten, sind wohl die vornehmsten und jedenfalls dem jüdischen Geiste besonders entsprechenden die Werke der jüdischen Buchkunst, die innige Verbindung von Geisteswerk und Kunstwerk. Da geht die Idee vom Inhalt befruchtend auf das Kunstwerk über und klingt von diesem wieder schmückend auf das Geisteswerk zurück. So muß jeder, ucni das Ncuerstchen jüdischen Kunstschaffens am ״erzen liegt, die ersten Schritte auf diesem Wege begrüßen, zumal wenn sie mit so viel Glück getan werden, wie cs in dem Chad-Gadjo-Werk Menachem Birnbaums (Welt-Verlag, Berlin 5680) ge- *chieht. Erinnert man sich, was sonst an Haggadotl*• bannizwah-Oeschenken und dergl an jüdischer ״Buchkunst" Erschreckliches geleistet wurde, so erfreut hier “hon die äußere Erscheinung dieses Werkes: der vornehme handgemalte JapaneTnbaad, die gute Qualineue Kulturwerte schafft und verbreitet, ist nur dann existenzfähig, wenn es auf dauerhaften wirtscluftüdicn Grundlagen ruht. d) Es ist notwendig, die Fonds für die Wirtschafthebe Entwicklung des Landes von den für öffentliche Zwecke bestimmten zu trennen. Ein Zusammenwerfen dieser Fonds wird nur zu einer Vernachlässigung der Verantwortung für die für die wirtschaftliche Entwicklung bestimmten Gelder führen. e) In die Paläslinaarbeit müssen ein Budgetsystem und sachliche Methoden eingc führt werden. f) Die Organisation muß auf einem föderalistischen System aufgebaut werden, bei dein die Landesorganisationen sich stark entwickeln können im Gegensatz zu der Zentralisation, die sowohl in den Methoden der zio nistischen Arbeit wie in ihrem Endziel eine starre Einfönnigkeit zur Folge hat. II. Reorganisierung. A. Die Landesexekutive fordert Durchführung der Vorschläge der Reorg a ui sicriuigskonimission in Palästina, und zwar: a) Die Zionistische Organisation wird zur Je wish Agency in Palästina und schafft die Zionist Commiss ion ab. b) Das Zcntralbiiro wird nach Palästina verlegt. c) Die Hauptarbeit muß die Ansiedlung und wirtschaftiichc Entwicklung sein. d) Diese Tätigkeit darf nicht auf Befugnisse der palästinensischen Regierung oder des palästinen* sischcn Judentums ftbergreifen. e) Die Zionistische Organisation muß die Univers i t ä t mul das Technikum fördern. Das allgemeine Schulsystem soll aber dem palästinensischen Judentum unter langsamer Reduzierung der Subventionen übergeben werden. Gleichzeitig muß eine unter der Aufsicht des palästinensischen Judentums stehende Körper- Schaft gebildet werden, die dafür zu sorgen hat, daß sich das ganze jüdische Volk an der Erhaltung des Schulwesens beteiligt. f) Die wichtigsten wirtschaftlichen Unternchmungen sollen fachmännischen Institutionen, Körperschaften oder Genossenschaften anvertraut werden, die unter entsprechender Kontrolle stehen im Gegensatz zu dem jetzigen zentralistischen und bürokratischen System der Zionist Commission. B. Revision der Beziehungen zwischen der Welt- Organisation und den Landesorganisationen. a) Das wichtigste politische Ziel, das die Einheitlichkeit der zionistischen Arbeit erforderlich gemacht hatte, ist erreicht. Die weitere kompliziertere Ent- Wicklung bedingt die Verschiedenartigkeit in Auffassung und in Organisationsmethoden des Zionismus. b) Die Zionistische Weltorganisation hat die politisdie Arbeit fortzusetzen, die wirtschaftliche Arbeit zu koordinieren und eine Treuiiandgcselischaft ins Leben zu rufen für diejenigen Kapitalien, die zu öffentlichen Zwecken verwendet werden. c) Die Redite und Pflichten der Landesorganisationen und der Fraktionen müssen festgesetzt und gleichmäßig verteilt werden. Jetzt sind die Fraktionen tatsächlich von der Zionistischen Weltorganisation unabhängig und tragen keine finanziellen Verpflichtungen. Trotzdem sind sic in der Lage, durch Verbindung mit anderen Gruppen Beschlüsse durdizusetzen. Dieser Zustand muß geändert werden. |"■■יי»"י1«י'י1יי-י«1'י י״י.™- : JL ■ J- .. ■I1״.!.״■■* J'i.l 1'■S'jaL■■■! J tat des Kartons, die geschmackvolle Gegenübcrstellung von Schrift und Bild, das Fehlen aller protzigen Ucbcrladcnheit. Jede Station dieser Geschiente vom Lämmchen, im Urtext mit einer feinsinnigen Uebersetzung von U r i e i Birnbaum, ist von einer phantasievollen handkoloricrten Federzeichnung begleitet. Und jene alte Geschichte, den Jungen ein nauptstück der Scd'er-Pocsic, den Aelteren Symbol der ewigen Weitkausalität, sie erwacht hier zu neuem Leben, da sie durch Birnbaums Bilder so anschaulich dargestellt und zugleich in mystischen Schimmer getaucht wird. Ohne im geringsten jene alte Buchkunst zu imitieren, ist ihre Tradition hier aufs würdigste fortgesetzt. F. Dr. W. Jakobi, Die Ekstase der atttestamentlichen Propheten. München und Wiesbaden 1920, Verlag von J. I. B e r g m a n n, 9 M. Jn dieser Studie, die als eine der Einzeldarstellungen der ״Grenzfragen des Nerven- und Seelenlebens“ erschienen Ist, versucht ein psychiatrischer Forscher, dem Problem der Prophetie von der psycho-pathologisehen Seite gerecht zu werden. Gestützt auf die Kenntnis des Textes und der umfangreichen wissenschaftlichen Literatur über die Propheten charakterisiert er zunächst Wesen und Bcgleitersclicinungca der prophetischen Ekstase, vergleicht sie mit ähnlichen Erscheinungen bei andern Völkern der vordcroricntalischen und griechischen Welt und geht dann zur psychiatrischen Beurteilung über. An der Gestalt des Ezechiel zeigt er die Beziehungen zwischen Ekstase und Hysterie auf, prüft Ursprung und Wesen der Halluzinationen, Visionen, Audittonen der Propheten. Allerdings meint Jakobi wohl mit Recht, eine gewisse Einschränkung insofern machen zu müssen, als ein Teil der Schilderungen der prophetischen Erlebnisse nicht im wörtlichen Sinn zu nehmen sind, sondern als großartig künstlerische Darstellung des großen inneren Zwanges Ihrer originalen Gesetzlichkeit, die nicht nach Regeln zu messen ist. So zeichnet das Büchlein neben den Vorzügen populärer Darstellung bei ernsthaftem Eindringen vor allem die maßvolle Zurückhaltung im Rationalisieren des Geistigen au®, die bei der Arbeit eines Naturwissenschaftlers besonders hervorgehoben zu werden verdient —0— d) Di« Zionistische Weltorganisation darf für Sie Gegenwartsarbeit nur solche Gelder verwenden, die zu diesem Zweck gegeben wurden. Andererseits nruß es jeder Landesorganisation erlaubt sein, sich von jeder Gegenwartsarbeit fcrnzuhaitai, wenn sic sich an ihr nicht beteiligen will. e) Die Methoden, nach denen verschiedene Fob s geschaffen werden sollen, müssen von jeder Landes- Organisation für das betreffende Land bestimmt werde 1. f) Um die La 11 desorganisatk*1 cn zu stärken und bei den Diaspora-Juden ein regeres Interesse für die Palästinaarbeit hervorzurufen, «soll die Zionistische Welt• Organisation jedesmal, sobald sic es für wünschenswert hält, die Initiative für gewisse Uuterrwhuuv.gc« ergreifen, die von den Landesorgatiisatkmen auszuführen sind, wobei die öffentlichem Interessen durch die Kontrolle der Zionistischen Organisation gesichert sc*1 müssen. III. Fonds und wirtschaftliche Methoden. A. Die amerikanische LandcrexckuÜve spricht ei ta aus für: a) Die Schaffung eines speziellen Fonds - cm besten unter dem Namen ״Keren Hajeesod“ -- für Ökonomisch unrentable, aber vom nationalen Standpunkt au« wichtige Arbeiten, wie Erziehung, nationaler Landkaitf, Sauitätswesen, Inunigration, öffentliche Arbeiten usw, b) Die Schaffung von Körperschaften für öffentliche Unternehmungen, die beschränkte Gewinne bringe* sollen; ein Trustee für Uebergewinnc; die Sich•«■- Stellung von lebensnotwendigen Interessen des jüdischen Palästina. Dieser Trustee kann der Economic Council oder irgendeine andere Körperschaft sein, die die Approbation der Zionistischen Weltorganisation erhält. c) Die Individualisierung bei der Gründung von Fonds öffentlichen und nationalen Charakters. d) Die Ermutigung der privaten Gesellschaften, die dazu angeregt werden sollen, Kapital in Palästina zu investieren, wobei die Prinzipien des Allgemeinwohls in bezug auf Arbeit und Gewinn berücksichtigt werden. B. Die Zionistische Organisation Amerikas ist gegen: a) Das Zusanunenv.crfen von Spenden und Invee - ments, weil ein gemischter Fonds i :nan/iell ungesund ist; ein gemischter Fonds keine scharfe Abgrenzung zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit rn Pa• Iästina möglich madit; ein gemischter Fonds k< der Tat als ein Aufruf zu Spenden wirken wird; e» gemischter Fonds, der zu kompliziert ist, muß die persönliche Beziehung und da« wachsende Interesse de• Spenders schwächen. b) Die Anwendung des Maasserprinzipe auf 11 v• vestinents. Die Maasserfordenmg soll sich nur auf da» Spendenfonds beziehen. C. Ke Zionistische Organisation Amerikas erklärt: a) Dieser Plan bedeutet eine Anpassung des Keren Hajessod-Gcdankens an die amerikanischen Verhältnisse. Diese Anpassung war infolge der dauernden Acmlcmngea in der Struktur des Keren Hajessod, der noch bis jetat keine feste Form angenommen hat, notwendig geworden. b) Nach der zionistischen Tradition haben Landes- Organisationen bei der Gründung von Sammlungen und Fonds auf ihrem Territorium immer freie Hand gehabt c) Der oben angeführte Plan strebt absolut keinen Separatismus um! keine Verminderung der Autorität der Exekutive der Weltorganisation an, deren Stellung zum Keren Hajessod bis heute noch nicht festgclegt ist. Er kann auch nicht als ein Zeichen des Mißtrauens de» jüdischen Massen gegenüber gedeutet werden, außer man befürchtet, daß sie die ungesunden wirtschaftliche«» Methoden und den unendlichen Wirrwarr ewig dulden werden, der das Unreale mit dem Idealen verwechselt d) Die Zionistische Organisation Amerikas protestiert ihrerseits gegen die sezessionistische« Tendenzen der Keren Hajessod-Führer. Diese Führer haben die Autorität der gesetzlich konstituierten Exekutive der Zionistischen Weltorganisation angegriffen und untergraben. Schon zu Beginn ihrer Tätigkeit haben sie ein Abkommen getroffen, das den Keren Hajessod in eine selbständige Körperschaft, die von der Exekutive unabhängig ist, verwandelt, hot*- dem zwei Mitglieder der Exekutive, denen die wirtschaftiichc und finanzielle Aufsicht oWag, dagegen protestiert hatten. Jetzt, nachdem die Spaltung in der £xekutive durch ihre Agitation hcrbeigefülirt ist, sind sie bestrebt, das Keren Ffajessod-Büro in eine Körperschaft zu verwandeln, die praktisch von der Zionistischen Organisation unabhängig ist. Bald darauf ist ein Privatabktxnmen geschlossen worden, das die Machtbefugnisse der nadh Palästina gegangenen Reorganisierungskommission einschrankt, trotzdem diese Kommission das Recht der vollen und endgültigen Kontrolle seiten« der Exekutive erhalten hatte, was bei der Wahl des amerikanischen Mitgliedes in diese Kommission offiziell bestätigt wurde. Ferner haben sic die Herren Simon und de Lieme zum Ausscheiden aus der Exekutive gezwungen, die alie Anstrengungen gemacht haben, um die Organisation zu reorganisieren und die konkrete Arbeit auf gesunder wirtschaftlicher Basis zu ermöglichen. Dadurch, daß die Exekutive sich geweigert "hat, die Resolutionen unserer Konvention in bezug auf Keren Hajessod zu bestätigen, wir aber nicht geneigt waren, etwas ohne Zustimmung der Exekutive zu unternehmen!, ist die zionistische Arbeit in Amerika in der letzten Z*ö zurückgegangen. i 7 t 1 I I ) I lii ' * s> I i ו I ן;. t t

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