Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 30 (15.4.1921)
- Date
- 1921-04-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Diejenigen Mitglieder der Exekutive, die auf dem sogenannten ״amerikanischen Propamm“ standen, sind aus der Leitung aus- ^schieden, weil das Präsidium, das sie eben wegen dieses Programms im Juli in die Exekutive berufen mul ihnen die weitgehendsten Vollmachten ge- ׳eher hatte, anderen Sinnes geworden ist. Es hat;Zieh klar erwiesen, daß eine demokratische Organisation niemals ihrer eigenen Natur untreu werden und der Leitung diktatorische Gewalt geben darf Angesichts der ewigen Leitungskrisen, an denen wir laborieren, wäre es deshalb hoch an der Zeit, einmal von etwas anderem zu sprechen, als von l'crsonen und Programmen der Leiter, nämlich vom Svstein der Leitung. Vielleicht wird es dann dichter sein, eine Lösung der Leitungsfrage zu Telophoa: UhUad 845 «.818. Postscheckkonto: Berlin Nf. 17392• Für Oeslerfsich. Postapsrktsssnsint Wien, Konto Nr. 156 030, Für TichedhosiowaVtel: P«sUps»ksx*e0s£nt Pr«f, Konto Nr. 1560501 RsdakttoassdhUtft Sonnt«« and Mittwoch »achmittaf חרס״א XXVI. 1j8f Zionismus erstrebt fOr das jOdlsche Voll» dta Schaltung einer Öffentlich •rechtlich gesicherten HelmalStte In Palästina. ״Baseler Programm.“ ie Aufgaben der zionistischen Amerikadelegation;mden. Der Mangel an Systematik war auf allen Gebieten der zionistischen Aktivität seit jeher der wundeste!hinkt in unserer Arbeit. Hierin muß Wandel geschaffen werden, soll eine Besserung der Verhältnisse angebahnt werden. Jedes Gemeinwesen, jede Bewegung, schafft ddi Organe nach den speziellen Bedürfnissen, die es zu befriedigen hat. Auch wir müssen das tun. Wir haben eine ganz singuläre Aufeabe zu lösen, können uns daher wenig an t'orhildcr anlehnen, sondern müssen vor allem zu erkennen suchen, was in unserem besonderen Fall zu tun nötig Ist. Wir brauchen Zusammenfassung der zerstreuten Kräfte, Führung der Bewegung und Leitung der sachlichen Arbeit Diesen Erfordernissen gemäß müssen wir die Frage des Systems der Auslese und Zusammensetzung der Leitung zu lösen ver׳ suchen. Fangen wir einmal, entgegen der sonstigen Gewohnheit, mit der sachlichen Arbeit an. Schon vor dem Krieg haben die ״Praktiker“ dafür gckämpft, daß die Exekutive die Leitung aller In- -titutionen in die Hand bekomme. Die Aufgaben sind gewachsen, die Institutionen haben sich ver׳ nehrt, insbesondere ist der Keren Hajessod ge gründet worden. Um so dringender ist es nötig, <lie Voraussetzungen für die Einheit der Aktion zu sdiaffen. Das ist nur möglich, wenn die Exe Knitive tatsächlich in der Lage ist, alle Institutionen ־u führen. Wie sollte sonst ihr Zusammenarbeiten und ihre Unterordnung unter einen Gesamtplan gewährleistet werden? Es genügt nicht, wenn die Direktorien der Institutionen mit bewährten, der Leitung nahestehenden Zionisten besetzt werden, denn trotzdem könnte der Fall eintreten, daß die Direktorien irgendein Projekt, das die Exekutive Ausfuhren will, ablehncn. Daher müssen in der Exekutive die Vorsitzenden der Direktorien von Bank, Jüdischem Nationalfonds und Keren Hajessod ätzen, und die Gesamtexekutive muß das Recht Laben, prinzipielle Beschlüsse über die Mitwirkung 'ler Institute an den von ihr beschlossenen Arbeitern יי׳ fassen. Dabei könnte man bestimmen, daß 'lic Exekutive, falls eine Zweidrittelmajorität eines Direktoriums sich gegen die betreffende Vorlage msspricht, einen gegenteiligen Beschluß nur mit!ualifiziertcr Mehrheit fassen kann u. dgl. Schon 'Velffsohn wollte die Leiter von J. C. T. und J.N.-F. יז das E. A. C. berufen. Wenn diese Absicht bekämpft wurde, so geschah dies deshalb, weil er »las E. A.C. nur aus ihnen bestehen lassen wollte Den einzelnen Direktorien würde, nebst jenem bedingten Veto, ׳noch Propaganda, Verwaltung, 'vontrolle, Vorberatung und praktische Detailaus- Ehrung der Projekte verbleiben. Das ist wohl Interview London. 3. April (J. C. B,). Der Spezialkorrespondent des ״Jewish Corrcnspondcnce Bureau“, der die zionistische Delegation nach Amerika begleitet, hatte mit Prof. Dr. Welz mann eine Unterredung an Deck des Schiffes, in deren Verlauf letzterer sich über die Aufgaben der von ihm geführten Delegation äußerte. ״Ich freue mich, daß ich Gelegenheit haben werde, mit der amerikanischen zionistischen Föderation zusam* menzuireffen — erklärte Dr. Weizmann —. Ich führe mit mir ernste Pläne in bezug auf den Wiederaufbau Palästinas, die das Resultat langer Beratungen und Untersuchungen und meines wiederholten Wcilens in Palästina sind. Allein die ameri* kanischen Zionisten sind imstande, diese Pläne durchzu• führen, und ich bin vollständig überzeugt, daß die europäischcn und amerikanischen Zionisten ihre ganze Energie auf die Durchführung dieser Pläne konzentrieren werden. Dies werde die unter großen Schwierigkeiten arbeitenden europäische» Zionristen zur Fortsetzung ihrer aufopferungsvollen Arbeit für den Keren Hajessod er* mutigen. Der Zweck meiner Reise ist, die Arbeit für den Keren Hajessod in Amerika in Fluß zu bringen.“ Befragt über die innere Lage im Zionismus, sagte Dr. Weizmann, daß die ncugebiklele provisorische Exekutive, die das Vertrauen der jüdischen Massen besitzt, sogleich zu einem Einvernehmen bezüglich der Arbeit gelangt sei, die bis zum Zusammentritt des ordentlichen Kongresses zu leisten ist. Ich bin dessen gewiß, daß sie diese sich gestellten Aufgaben, darunter auch die Kongreß vorbere itungen, mit Erfolg erfüllen werden- Der Kongreß ist jetzt von unerläßlicher Notwendigkeit für die zionistische Bewegung und ich für meine Person kann nur unter dieser Bedingung die weitere Verantwortung als Präsident der Bewegung tragen. Die Ausfindung eines entsprechenden Ortes für Prof. Dr. Weizmann. die Kongrcßabhaltung ist angeordnet worden und e* werden bereits die erforderlichen Wahlformaiitäten ausgearbeitet, damit die Wahlen ehestens stattfinden können. Auf die Frage, wie hoch sich das zionistische Budget für Palästina stelle, erwiderte Dr. Weizmann: ״Das laufende Budget wurde von den Herren Simon und de Lieme mit einem Minimum von 14 500 £ monatlich beziffert. Vielleicht sind noch welche Ersparnisse möglich. Alle Beträge über die Summe von 14 5C0 £ werden für die Einwanderung ausgegeben. Im Monat März überwiesen wir nach Palästina etwa 25 000 £, wovon 10000 £ für Einwanderungszwecke bestimmt wurden. Der ökonomische Rat wird in Kürze als juristische Person registriert werden und wird in enger Verbindun״ mit uns seine Tätigkeit entwickeln. Der Economical Council wird sich nicht an das breite Publikum um Geld wenden. Er wird bestimmte Projekte finanzieren und sich möglicherweise auch bemühen, unsere Bankinstitutionen zu reorgamsicrcn. Die Zionistische Organisation wird durch zwei Delegierte im ökonomischen Rat vertreten sein und auch die ״Ica“ hat die Entsendung von zwei Delegierten beschlossen. Wir werden dem Rate ein Drittel der Keren Hajcssod-Geider für seine Investitionen in Pa- Uistina zur Verfügung steilem Dieses beweist, wie eng wir mit dem Economical Council Zusammenarbeiten werden. Es ist jedoch noch verfrüht zu sagen, weiche endgültige Form diese Zusammenarbeit annehmen wird, da der Rat noch nicht vollkommen organisiert ist.“ Dr. Weizmann schloß seine Erklärungen damit, daß er nach seiner Rückkehr aus Amerika eine Reihe von Ländern, und zwar Oesterreich, Deutschland, Polen, Galizien und Litauen zu besuchen gedenke. aus? Jenes des N.-F. konnte seit Jahren keine wirkliche Vollsitzung abhaltcn. Der Vorsitzende leitete die Arbeit mit dem Hauptbüro fast ganz allein. Bei der Bank finden wir genau dasselbe: Die Direktoren sitzen in Riga, Odessa, Haag, London usw., von einem ständig arbeitenden Direktorium ist keine Rede. Der Keren Hajessod allein hat all seine Direktoren in London sitzen, aber gerade mit dem Wachstum dieses Fonds wird es nötiger sein, als bei den anderen Institutionen, daß Direktoren aus allen Ländern hinzukommen. Als weitere Fachressorts sind nötig solche für Politik, Organisation, Finanzen, Kolonisation, vielleicht auch für Kultur- und Diasporaarbeit. Hierüber will ich in diesem Zusammenhang mich nicht weiter auslassen, ich will hier nur vom System der Leitung sprechen. Bloß über die Frage des Kolonisationsressorts muß etwas gesagt werden, weil dies eine Systemfrage berührt. Man sagt nämlich heute unter allgemeiner Zustimmung leichthin: die Kolonisation und was mit ihr zusammenhängt, muß von Palästina aus geführt werden. (Ueber die Frage der Machtverteilung zwischen Diaspora und Palästina wird noch gesprechen werden.) Diese so apodiktisch aufgestellte Behauptung bedarf einer näheren Prüfung. Wir können und dürfen uns nicht auf den Standpunkt stellen, daß der Aufbau Palästinas eine Sache des palästinensischen Jischub ist. Sie wäre cs, wenn es sich um eine kleine Erweiterung des Bestehenden handelte, sie ist es nicht, da der Aufbau des Landes eine Angelegenheit der gesamten nationalen Judenschaft ist und von den großen Perspektiven des Zionismus (Errichtung einer Heimstätte für das jüdische Volk zwecks Lösung der Judenfrage) aus geleistet werden muß. Ich halte die Trennungslinie zwischen ״Palästinaangelegenheiten“ und anderen für eine gefährliche Bedrohung unserer Arbeit, wie der Zukunft und des Inhalts unserer Bewegung. Schon hat man in bezug auf ein wichtiges Gebiet einsehen gelernt, daß diese Trennung nicht gemacht werden kann; ich meine die Frage der Vorbereitung und Organisierung der Chaluzimwanderung. Will man durchaus den Aufbau von Palästina aus leiten, dann müßte die Oesamt exekutive nach Palästina gehen. Ob dies heute schon opportun wäre, ist kaum zu bejahen, ücnug, um den Einwand zu entkräftigen, daß Ihnen I Ich spreche hier aber nur rein prinzipiell. Eine 1״it dem letzten Entscheidungsrecht eigentlich die Abtrennung von ,;Palästinaangelegenheiten“ gibt es Existenzberechtigung entzogen wäre. Wie sah es iin!1S1**«A LI.!.4_t _•1 j_ a _1_ti.it _i_i*Nt__ übrigens bis jetzt mit der ״Arbeit“ der Direktorien im Zionismus nicht, und es ist bezeichnend, daß hauptsächlich diejenige Gruppe sie verlangt, die in nationaler und kultureller Beziehung sich noch nicht zum Vollzionismus dtirchgcrungen hat. Kann die Gesamtexekutive nicht in Palästina sein, dann schlägt man den Ausweg vor, es so zu machen, wie bisher: 3 Mitglieder der Exekutive sitzen Ln Palästina, verstärken sich durch 2 vom Waad Halcumi präsentierten Mitglieder, und diese 5 Männer sind die ״Palästinakommission“ — ein Gebilde, das organisatorisch völlig in der Luft hängt, das auch gar keine fest abgegrenzte Kompetenz hat oder je wird haben können. Das zeigte sich schon bisher mit voller Deutlichkeit. Ich erinnere daran, wie das von der Palästinakommission auf die Londoner Konferenz mitgebrachte Kolonisationsprojekt glatt unter den Tisch gefallen ist, weil die Exekutive erklärte, es noch nicht geprüft zu haben. Versteht man nicht, daß der größte Teil der Arbeit, die in ungeklärten Kompetenz- Sphären geleistet wird, völlig unfruchtbar bleiben muß und daß die Streitigkeiten um die Personen, welche die Exekutive in Palästina ״vertreten“ sollen, nie aufhören werden, da niemals eine einzelne Person allen Seiten genehm sein kann? Nur die G e s a m t exekutive, wenn sic tatsächlich eine Integration der Kräfte der Bewegung darstellen wird, kann die nötige Autorität aufbringen. Man stelle sich auch den praktischen Vorgang vor. Die Palästinakommission wird Projekte ausarbeiten und — hier stocke ich schon —- ihre Ausführung beschließen. Beschließen? Wie kann sie das? Sie ist nicht die Exekutive und wird deren Zustimmung immer bedürfen, so auch jener der Institutionen, die die Mittel geben sollen. Auch sind die Probleme der Kolonisation politischer Natur. Die Frage z. B., ob man lieber (falLs die Mittel nicht zu beiden reichen) die bestehende Kolonisation ausbauen oder an einem neuen Punkt eine zusammenhängende größere Siedlung schaffen soll (welche Frage in London zur Diskussion stand) ist eine politische, und dasselbe gilt für die meisten anderen, gar nicht zu reden von dem mehr oder minder starken Gewicht, das man auf die sozialen Prinzipien der Kolonisation legt. Der kleine Jisdiub soll, weil er in Palästina sitzt, diese Fragen entscheiden? Die Palästinakommission wird aber nichts anderes sein, als die Exekutive für den Willen des Jischub, wobei noch die Frage, ob es so leicht zu einer einheitlichen Willensbildung des Jisdiub in prinzipiellen, umstrittenen Fragen kommen wird, eine offene bleiben muß. 1;! il: 16