Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 28 (8.4.1921)
- Date
- 1921-04-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 JUEDISCHS BÜNQSGHKO Seite 193 Trockenlegung von Sümpfen durch jüdische ’ Kolonisten ^wischen der jüdischen Kolonie Chedcrai und dem benachbarten arabischen Dorfe Seta befinden sich ' rößere Sümpfe, die als Krankheitsherd für die jüdische 'Ko!0uie eine dauernde üefahr bildeten. Die Bcmühun- ,,cn der jüdischen Kolonisten, diesen Sumpf trocken [cpeii, scheiterten bisher an dem Widerstand der benachbarten Araber, die das Eigentumsrecht für diese Rümpfe f'",r Anspruch nahmen, Gegenwärtig "ist c.-, dem Gouverneur von Pliöni/ien (Haifa) gelungen, ,*•tsclic» den jüdischen und arabischen Dörfern ein tcoereüd'Ommcn dahin zu erzielen, daß die Juden sich vtrpil1d1teu, auf eigene Kosten die Sümpfe trocken iejen, wogegen die Araber auf ihre Eigentums- ,Sprüche auf die trockengelegten Teile der Sümpfe *rächte». Die jüdische Kolonie Chedcra Wird ucirMch einen erheblichen Zuwachs an Boden gewinnen ^!c Malariagefahr für immer beseitigen. (״Ffaarcz“.) Rabbi Usiel geht nach Saloniki. In der Voll- ,crsannnli.ng der jüdischen Gemeinde in Saioniki wurde 'ctilossen, den jetzigen Oberrabbiner von Jaffa, Rabbi 1,cn Zion Usiel, 7:1111 Oberrabbiner von Saloniki lurdie Bauer von fünf Jahre» zu berufen, ln derselben Sitwi« wurde attclt beschlossen, daß jeder Jude, der uas 21. Lebensjahr übersdiritten hat, das Wahlrecht bei Art. Die Juden hätten das größte Interesse «an der ״ C״Z ״״l* Außenpolitik des Staates, in dem sie leben. Sie batten das größte Interesse an dem wirtschaftlichen Ergehen der Länder, in denen sie leben. Die Sprache, Kultur und Bildung unserer Umwelt ist zu einem erheb• Lichen Teil die unsere. Dies kann eine Gefahr für unsere jüdische Eigenart sein. Ein Teil der Assimiianten habe ja auch durch den Uebertritt zu anderen Reh- ״innen die Konsequenzen gezogen. Demgegenüber ver־ langen wir die Pflege der jüdischen Eigenart durch jüdische Schulen usw. Herr Dr. Klee erklärte, nach Jahren harten Kampfes sei jetzt die Stunde des Friedcmachens da. Wir haben ein Lebelang für Verwurzelung im Judentum gekämpft, wir wollen nicht wieder hinein in die Assimilation unserer Umwelt und wollen nicht den Strö- ״Hingen der Umwelt erliegen, die vergehen wie die Spreu im Winde, In die Organisation, die wir schaffen, gehört jeder Jude der Welt, Welchem schaffenden Stande man angehört, auf alle, auf die Kaufleute wie ",;ח Gemeine ewahLen besitzen soll. Nathan Nata Samueli Aus Ikulen (Oesterreich) wird mitgcteilt, daß der ••cbräis.die Schriftsteller Nathan Nata Samueli זד Alter von 75 Jahren gestorben ist. Der Verstorbene wurde im Jahre 1846 Ln Stryj Qaüzien) geboren und gehörte zu den ersten Vorkimpfern der ״Haskaia“ (Aufklärungsbewegung) •.;)Galizien. Als hebräischer Schriftsteller gehörte ir dem Kreise der sogenannten ״M a s k i li m“, wie tjottlober, B r a nd s t ä 11 e r, Brodcsusw, an. Seine ersten Erzählungen und Gedichte erschienen tn den seduiger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Samueli hat auch größere deutsche Erzählungen geschrieben, die in drei Bänden unter dem Titel ״Kul-!urbildcr“ erschienen waren. Mehrere seiner hebrüi- ,chen Erzählungen sind ins Deutsche, Russische und Polnische übersetzt worden. Das Hauptthema seiner Erzählungen ist der Kampf der orthodoxen Jugend für kufldärong und hebräische Kultur. Seit der Chib- «ath-Zion -Bewegung in den achtziger Jahren;eilte sich Samueli in den Dienst des Palästina- ״edanken5, für den er bis zu seinem letzten Atemzuge getreten ist. ******* partdnacbrtcbten Binjan Haarez Dem vorbereitenden AtisschuB der Föderation ״Binan Haarez“ gehören folgende Herren an, aus Berlin: k.-A. Dr. K o 11 e n s c h e r, fhof. Dr. Weil, Prof. Dr, Carl Lcwin, Prof. L>r. C i t r o n, Dr. Hendryk Cohn, k.-A. Dr. G urau, Dr. Hildesheimer, Direktor K & r e s k i, R.-A. Dr. Klee, Kaufmann Krause, R.-A. Dr. Leszynski, R.-A. Pr. Ludwig Lcszynski, R.-A, Locwenbcrg, Fra-u Ludwig Mayer, Suidicnrat Wagner, Dr. Witkowski, Br. Zwirn; Auswärtige; Justizmt Boden- Heime r-Köln, Dr. Walter S t e i 11 i t z ־ Breslau, R.-A. Lcrthdd L ach ma n n-Breslau, Agronom Dyck- Messingwerk, Dr. He p pne r-Hamburg, Siegfried Brandt-Bochum, Rabbiner Dr. Emil Cohn-Bonn, Br. Adolf Friede m tnit- Amsterdam, Dr. Wunder ,!eh-Oppeln, Dr. Lo e we n s te in-Aachen, R.-A. Dr. V'ohlf ahrt-Frankfurt a. M״ R.-A. Martin Sch »nd - cr-Hiudenburg, Dr. Fritz G1111 m an n- Kattowitz 'ahnarzt Bernheim-Trier. Am Dienstag, den 5. April, faiKl im großen Saal ׳־üs Lehrcrvereinsliauscs eine von ca. 1400 Personen Kiudite öffentliche Versammlung statt, die vom vor• bereitenden Ausschuß zur Gründung einer zionistivhen Föderation Binjan Haarez einberufen war. Herr ' •A. Dr. Kotlenscher leitete die Versammlung 1Ht dem Gelöbnis ewiger Treue zur Zior;istisehcn Organisation ein, der die zu grün- <amic Föderation keinen Kampf änsage. Vielmehr si« als Zusammenschluß zur Durchführung eigener Anschauungen gedacht. Das Zauberwort, das das ge- ״Me jüdisclie Volk zum Aufbau Palästinas einen könne, das Basler Programm. Man habe durch 1*utungen, Beschwerungen und auf andere Weise verj'icbr, dem Basler Programm den Weg zum Herzen des ‘«•ischcm Volkes zu versperren. l>ic zu gründende 1Operation wolle alle Juden auf Grund des reinen ״״״ unverfälschten Basler Programms einen. Die Programmrede Welt Herr Professor Carl -ewin. Da wir wissen, daß nicht alle Juden nach **״» gehen können, müssen wir die Rechte der Jjwn m der Daspora schützen Aber nicht nur aus 0!>n c* “11Brüchen Grunde, sondern weil wir innerlich en Staaten verbunden seien, in denen wir leben. Diqse ׳ ntungen »nd politisclier, wirtschaftlicher und geistiger Erzieht eure Kinder jüdisch! Schickt eure Kinder in die Jüdische Grundschule I auf die Handwerker, auf die Arbeiter und auf die Gelehrten wartet Palästina. Jedes Vorurteil, jede wirtscliafispolitischc Voreingenommenheit hindert den Aufbau. l)as wichtigste ist die Privatinitiative. Jeder deutsche Jude kann versuchen, in Palästina Beziehungen aivzuknüpfen. Rabbiner Dr. Warschauer spricht in zu Herzen gehenden Worten von der religiösen Not des deutschen Judentums und insbesondere desjenigen Teils, der nicht orthodox ist. Sobald das Kind in die Schule kommt, wird cs in einem ihm fremden Geiste unterrichtet. Was machen wir für ein Aufsehen davon, weim ein :[rotier jüdischer Gelehrter sich einmal nicht hat taufen;assen. Die Mischehe hat erschreckende Formen angenommen. Vom I. August 1914 bis zum 3t. Juli 1915 wurden in Berlin 325 rein jüdische Ehen und 31/ Mischdien geschlossen. Das religiöse Judentum ist schwer gefährdet, wenn nicht rechtzeitig Hilfe kommt. Redner hofft auf die religiöse Erneuerung in Palästina. Aus der tiefen religiösen Not, in der sich liberale und orthodoxe Juden in der Diaspora befinden, kann nur die Schaffung des jüdischen Heims in Palästina henusführen. Herr Professor Dr. C i t r o n betonte die ernste Krise, die der Aufbau Palästinas heute durchmacht. Er wies auf die letzten Berichte über ernste Gegensätze ״egen die zionistcnfrcundlicho Politik Englands hin. uäriuu müßten wir jetzt alle Kräfte anspannen, um alle luden der Welt zu einem klaren Votum für den Aufbau Palästinas zu gewinnen. Man könnte die Frage aufwerlcr״, warum nennt Ihr Euch eine zionistische Orgamsation? Warum nennt Ihr Euch nicht alljüdisch? Wir naben die Frage ernst durchdacht. Er tür seine Person sei zu dem Schluß gekommen, daß jetzt, wo der Mandatsvertrag die Zionistische Organisation als die Jcwidh Agency bezeichnet hat, die den Aufbau durchführen soll, die neu zu gründende Föderation unbedingt innen• halb der Organisation bleiben und versuchen müsse, den zionistischen Kongreß tür sich und ihre Anscluinungen zu gewinne». Magdeburg. Eine Versammlung der Ortsgruppe Mnbgdeburg vom 5. April 1921 hat folgende Resolution beschlossen: ״De Zionistische Ortsgruppe Magdeburg erblickt in dem Vorgehen der Anhänger des ״Binjan Haarez“ eine ungeheure Schädigung des deutsehen Zionismus und des Zionismus überhaupt. Sie appelliert nochmals ciiuiringlichst an das Verantwortung:'.- gefiihl unserer Gesinnungsfreunde und malmt sie, gerade jetzt, da unser aller Sehnsucht Wirklichkeit zu werden beginnt, die Geschlossenheit und Einheitlichkeit des Zionismus nicht zu stören. Sie weist darauf hin, daß für die Bildung einer neuen Föderation jede inner« Notwendigkeit fehlt. Während die anderen bestehenden Föderationen ein ganz besonders geartetes und aufgebautes Ziel anstreben, ist der ״Binjan Haarez“ mit den Anhängern des allgemeinen Zionismus einig in dem Wunsche, daß in Palästina eine nationale jüdische Heim- Stätte entstehe; was er als Besonderes verkündet, sind höchstens Fragen der Taktik oder der Einstellung auf dieses gemeinsame Ziel Dieses reicht aber keine» wegs aus, um die Gründung einer neuen Föderation als gerechtfertigt erscheinen zu lassen. — Die Gruppe des ״Binjan Haarez“ hat die Möglichkeit und darf unter aßen Umständen nur innerhalb der bcstehenden Organisation ihren Einfluß geltend machen.“ Zionistischer Arbeiter• and Handwerkerbund Der Zionistische Arbeiter- und Handw c r k e r b u 11 d ist in der Lage, Lehrwerkstätten für C h a hi z i m in Töpferei• und Keramik zu vermitteln, in denen eine vorzügliche Ausbildung (mehr Kunsthandwerk) garantiert ist. Ferner wird des• Zionist Arbeiter- und Handwerkerbund in allernächster Zeit Ausbildungsmöglichkeiten in jeder Art Bauhandwerk, sowohl für Lehrlinge als auch für Vorgeschrittene, haben. Wir bitten alle Chaluzim, die sich in diesem für Eit*- Israel notwendigen Bauhandwerk ausbildcn waten, sich an den Zionistisshen Arbeiter- und Handwerkerbund, Berlin, Auguststr. 17, zu wenden. Zionistischer Gruppenverband Rechtsrheinland-Wcstfaiea Am Sonntag, den 10. April, findet in Düsseldorf, Restaurant Scluuispiclhaus, Karl-Theodor-Str. (Linie 8 und 9 ab Bahnhof, Haltestelle Graf-Adotf-Platz) ein außerordentlicher Gruppen verbandstag mit folgender Tagesordnung statt: ״Die gegenwärtige äußere und innere Lage des Zionismus“, Referent: Herr Dr. Fritz Löwenstein-Berlin. Die daran anschließende Aussprache gewinnt durch die gegenwärtige Situation in Deutschland und im Hinblick auf den bevorstehenden Delegicrtentag besonders aktuelle Bedeutung. Wir erwarten daher zahlreichen Besuch aus allen Ortsgruppen. ״Haarez" Die Leser der ״Jüdischen Rundschau“ sind darüber unterrichtet, welch wichtige Informationsquelle für alle Vorgänge des palästinensischen Lebens, Probleme der Kolonisation, sowie die kulturellen und wirtschaftlichen Fragen die Jerusalemer Tageszeitung ״Haarez“ da» stellt. Die Zeitung erfüllt aber auch eine äußerst wichtige erzieherische politische Aufgabe. Sie ist die eigent- Liehe Repräsentantin der besten zionistischen Tradition, ln ״Haarez“ schreiben die bedeutendsten hebräischen Schriftsteller, und sie zählt zu ihren Mitarbeitern die fortschriftliche nationale Intelligenz, die vor allem im letzte« Jahre zahlreich aus Rußland gekommen ist. Zu den ständigen Mitarbeitern gehören Männer wie Leib Jaffe, Ljudwipol, Dr. Josef Klausner, M. Glücksohn, Boruchow u. a. Im Interesse einer engen Verbindung des deutschen Zionismus mit Palästina wäre es außerordentlich wünschenswert, daß die Zeitung auch in Deutschland die weiteste Verbreitung findet. Zum ind e st jede zionistische Ortsgruppe sollte ein Exemplar abonnieren und ihren Mitgliedern ständig den Inhalt vermitteln. Wie uns die Verwaltung des Blattes mitteilt, hat sie beschlossen, im Interesse der waten Verbreitung des Blattes und in der Annahme, daß Ln Deutschland wegen der Valuta die Zahlung des vollen Abonnementspreises unmöglich sein wird, den Abonnementspreis für!Deutschland auf die Hallte zu ermäßigen. Es kostet ein Jahresabonnement zwei »gyptische Pfund, Der Bezug erfolgt am besten durch die Agentur ״Hamewasser“, Berlin C 54, Rosenthal er Straße 43 Hebräische Sprachgesellschaft in Frankfurt a. M. In Frankfurt a. M. bestehen seit einiger Zeit unter der Leitung des Herrn Dr. Rabin hebratsche Sprachkurse, die das Interesse an der hebräischen Sprache und dem jüdischen Leben überhaupt in Frankfurt wesentlich gefördert haben. Die Kurse waren nach dem Berliner Vorbild eingerichtet und hatten sich das Ziel gesetzt, den Erwachsenen das Studium der hebräischen Sprache und Literatur zu ermöglichen, ohne die Tätigkeit der Religionsschitlen in irgendwelcher Weise zu beeinträchtigen. Die Kurse wurden von der Zio- »istischen Vereinigung subventioniert Mit der Ausdehnung der Tätigkeit war es der Zionistischen Vereinigung nicht mehr möglich, die Kurse zu unterhalten, weshalb man zur Bildung einer ״Hebräisehen Sprachgesellschaft“ schreiten mußte, die die Verwaltung und die finanzielle Sorge für die Kurse übernehmen sollte. Der Mitgüedsbeitrag ist auf mindestens 100.-- M. jährlich festgesetzt Dem Vorstand der ״Hebräischen Sprachgesellschaft“ in Frankfurt a. M. gehören u. a. Rabbiner Dr. Nobel, Rabbiner Dr. Salzbergcr, Leopold Merzbach, Professor Dreyfullaa.nv.aa Näheres ist bei Herrn Edwin’ Feist, Frankfurt a. M., Boekenheimer Landstr. 25, zu erfahren. Ostjfidische Peßachf&rsorge Der Verband der Ostjuden trifft Veranstalhmgcn, um alleinstehenden Ostjuden, die nicht in der Lage sind, die ortsüblichen großen Kosten der Peßachvcrpflegung zu tragen, solche zu sehr mäßigen Preisen zu verschaffen. Es werden in bekannten, streng rituell geführten Restaurants Gerne inschafts- S sedarim abgehalten und die übrige Feiertagsverpflegirng in guten und reichhaltigen Mahlzeiten geboten werden. Ostjuden, die von machen wollen, werden spätestens bis Sonntag, Verbandes, Auguststraße dieser Gelegenheit Gebrauch ersucht, sich umgehend, den 17. April, ira Büro des 17 HI, zu melden. Um aber auch völlig Unbemittelten die Möglichkeit zur Versorgung über die Festtage zu verschaffen appelliert der Verband der Ostjuden gleichzeitig an alle jüdischen Familien, die in der Lage sind, am Peßach einen Oast unentgeltlich zu verpflegen, ihre Adresse dem Verbandsbüro mitteilen zu wollen, damit ihnen bedürftige und würdige Personen weiden. zugewiesen die Ergebni unm sofort Aktion ein! I 1! I 1! ' 1