Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 25-26 (30.3.1921)
- Date
- 1921-03-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahrg. per Zlonlemu« erstrebt tOr da» (Qdlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm." Der 12. Kongress ist einberufen! Zum ersten Mal seit acht Jahren wird im Herbst dieses Jahres das zionistische Parlament zusammentreten. Seine Aufgabe wird so schwer und verantwortungsvoll sein wie noch nie. Es Ist die Pflicht jedes Zionisten, dafür Sorge zu tragen, daß die deutsche Organlsation auf dem 12. Kongress würdig vertreten Ist. Jeder Zionist muß sich deshalb in den kommenden Wochen in den Dienst der Schekelaktion stellen. Die Exekutive hat beschlossen, daß nur die bis zum 1. Juni d. J. nach London überwiesenen Schekallm zur Wahl berechtigen. Alle Ortsgruppen und Vertrauensleute, die In derScliekeipropaganda noch nicht begonnen haben, müssen sie jetzt sofort und mit aller Energie in Angriff nehmen. Wir verweisen auf unsere Rundschreiben und unsere Informationen, die genaue Anweisungen enthalten. Wer für den Schekel wirbt, stärkt die Position der deut• sehen Landsmannschaft auf dem Kongress. Geschäftsführender Ausschuß der ZioBistischen Vereinigung für Deutschland 1, A.: Rosenblüth. XVII. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland am 13., IS., 16. Mal ln Hannover. Tagesordnung des Delegiertentages. Freitag, den 13. Mai 1921, Vormittagssitzung 10 Uhr. 1. Eröffnungsansprache. 2. Wahl des Büros. 3. Referat: Die allgemeine Lage der zionistischen Bewegung; Referent: Ein Mitglied der Exekutive Nachmittagssitzung 3y« Uhr: 4. Debatte über das Referat zu 3. 6. Referat: Zionistische Arbeit in Deutschland; Referent: R.-A. Felix Rosenblüth. Sonntag, den IS. Mai 1921, Vormittagssitzung 10 Uhr: 6. Debatte über das Referat zu 5. Nachmittagssitzung 3y» Uhr: 7. Fortsetzung der Debatte. Montag, den 16. Mai 1921, Vormittagssitzung 10 Uhr: 8. Referat: Praktische Palästinaaufgaben für Juden ir. Deutschland; Referent: wird noch bekannt, gegeben. 9. Debatte. Nachmittajjssitzung 3y» Uhr: 10. Organisationsstatut; Ref.: 0r. Saily Hirsch. 11. Debatte. 12. Decharge. 13. Wahlen: a) Geschäftsführender Ausschuß; b) Zentralkomitee; c) Finanzausschuß; d) Revisionskommission; e) Ehrengericht; 0 Vertretungskörperschaften der Welt-Organisation. Rothschild und Sokolow in Palästina!Wie dem J.C. B. aus Jerusalem gedrahtet wird, jst James Rothschild bereits in Jaffa eingetroffen. Sokolow ist in Jerusalem angelangt und hat sofort der Farm Dilb einen Besuch abgestattet Professor Einstein über die Universität Jerusalem Seine Stellung zu Palästina und zum Keren Hajessod Professor Ein9tein hat sich über die Gesichtspunkte, welche ihn bei seiner Amerikaretse leiten, die er zurzeit zur Vorbereitung der Jüdischen Universität in Jerusalem unternimmt, vor seiner Abreise in einem Interview ausgesprochen. Professor Einstein äußerte sich zunächst über das Universitätsprojekt in folgender Weise: Die Jüdische Universität in Jerusalem soll derart angelegt werden, daß sie den gegebenen Bedürfnissen des Landes nach wissenschaftlichen Forschungsiustituten entgegenkommt. Sie kann ki ihren Anfängen nicht verglichen werden mit einer der vollausgebauten Universitäten der westlichen Kuiturwclt. Vorerst wird es sich um eine Reihe von Forschungs- Instituten handeln, welche sich damit befassen, die natürlichen Bedingungen Palästinas zu erforschen und wissenschaftlich zu bearbeiten. In erster Linie kommt ein agrikulturwissenschaftliches, daneben vielleicht ein chemisches Institut in Frage. Diese Institute müssen in engste Berührung treten mit den bereits bestehenden und noch zu entwickelnden Ver- Suchsstationen und Lehranstalten der Landwirt- Schaft. Ferner kommt vor allem in Frage ein Institut für Mikrobiologie. Seine praktischen Aus- Wirkungen werden der Bekämpfung der Seuchen in Palästina zugute kommen. Endlich kommt für den Anfang noch in Frage ein orientalisches Institut, welches der Erforschung des Landes und seiner historisehen Denkmäler und der Wissenschaft der Landessprachen dient, des Hebräischen und Arabischen, vielleicht auch weiterer orientalischer Sprachen. Diese Institute werden die Grundlagen der wissenschaftlichen Forschungstätigkeit in Palästina darstcllen. Eine eigentliche Lehrtätigkeit der Dozenten dürfte einstweilen weniger in Frage kommen. Es ist sogar wünschenswert, daß vermieden wird, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas, die noch sehr klein ist und erst langsam rnwachsen wir«L von Anbeginn an wieder in allzu einseitiger Weise auf die geistigen Berufe hingedrängt wird: es ist vielmehr wünschenswert, daß eine normale Verteilung der jüdischen Bevölkerung auf die verschiedenen Berufe stattfindet, und daß die bekannten Einseitigkeiten in der Berufsausbildung der Juden außerhalb Palästinas nicht in gleichem Maße cintretcn. Erst mit dem Anwachsen der Bevölkerung wird die Universität eine allmähliche Verbreiterung erfahren und wird allmählich neben die reine Forschungstätigkeit auch die Lehrtätigkeit in höherem Maße treten. Allerdings können diese Gesichtspunkte dadurch variiert werden, daß von Anfang an der Jerusalemer Universität zahlreiche, namentlich jüdische Studenten aus aller Weit zustreben dürften. Wie weit dieser Tendenz von Beginn an Rechnung zu tragen ist, bedarf besonderer Erwägung. Mit der Zeit jedenfalls wird sich die Jerusalemer Universität hoffentlich zu einem Mittelpunkt des jüdischen Geisteslebens und überhaupt zu einem geistigen Zentralpunkt ausbilden. Ueber den allgemeinen Aufbaupian für Palästina, von dem das Universitätsprojekt ein Teil ist, äußerte Professor Einstein, daß er nach großen, grundlegenden Gesichtspunkt«! erfolgen müsse; keineswegs könne er völlig der Willkür der Privatinitiative überlassen bleiben. Der Keren Hajessod (Palästina-Grundfonds), den die Zionistische Organisation zu schaffen im Begriffe sei, und zu dessen Programm auch die Universität gehöre, sei das große, gemeinnützige Institut, mit welchem die Grundlagen des Aufbaus des jüdischen Palästina gelegt werden sollen. Aiies komme darauf an, daß die Grundlagen in einer Weise gelegt werden, welche ein gedeihliches soziales Leben versprechen. Es handle sich nicht nur darum, die Prosperität einer Reihe von Einzelindividuen zu ermöglichen, sondern dämm, die Basis eines vülklichen Organismus zu schaffen. Aus diesem Grunde sei der Keren Hajessod aufs wärmste zu unterstützen. Ueber seine allgemeinen Anschauungen zum zionistischen Problem äußert Professor Einstein, daß er starke Elemente einer völkischen Einheit bei den Juden für bestehend erachte, die jedoch unter den jetzigen Verhältnissen in vielen Ländern nicht zur vollen Entfaltung gelangen könnten. Ein jüdisches Palästina werde dazu beitragen, daß die Juden die nationale Selbstachtung wieder erlangen, dk* ihnen unter dem moralischen Dmck der öffentlichen Meinung ihrer Wirtsvölktr vielfach abhanden gekommen sei. Dieser Mangel an Selbstachtung, der zu einer an die Mimikry der Schmetterlinge erinnernden Anschmiegung der Lebensformen an die der nichtjüdischen Umgebung führe, könne am besten dadurch behoben werden, daß die Juden als Gesamtheit ein Kulturwerk errichten, auf das sie mit Freude und Stolz blicken können. Churchill in Palästina ״Die Zeit“ (London) erhält aus Kairo die Nachricht, daß Winston Churchill es abgelehnt hat, mit der anti-zionistischen Delegation der christlichen Araber Verhandlungen zu führen. Er erklärte, daß er bei seiner Anwesenheit in Palästina mit einzelnen von ihnen sprechen wird. — Churchill ist nach Palästina abgereist. (Ursprünglich hieß es, daß Churchill nur nach Aegypten, nicht nach Palästina fahren wird. Diese Disposition wurde demnach geändert — Anm. d. R.) Die Grenzen Palästinas London, 21. März. (J. C. B.) Die in dem jetzt veröffentlichten französisch-englischen Abkommen vom 23. Dezember 1920 festgesetzte Nordost- und Nordgrenze Palästinas verläuft wie folgt: Eine gerade Linie bis Imtar, südlich Dschebel Druse, dann eine Linie bis südlich Nasis an der Hedjas-Bahn, ferner eine Linie bis südlich Semach am Tiberias-Sce, die parallel zur Eisenbahnlinie, welche zum See führt, abgesteckt wird. Deraa samt Umgebung verbleiben im französischen Territorium. Die Grenze verläßt zwar das Yarmuktal, das unter französischem Mandat bleibt, sie wird aber mögliehst nahe der Bahnlinie verlaufen, so daß der Bau einer Eisenbahnlinie im Yarmuktal, die sich' im ganzen auf dem britischen Territorium befinden soll, möglich sei. Bei Semach wird die Grenze derart festgesetzt werden, daß die beiden vertragschließenden Teile einen Hafen und eine Eisenbahn- I Station errichten können, um freien Zutritt zum See zu haben, Westlich wird die Grenze von Semach, durch den Tiberias-See bis zur Mündung des Wadi Nassadyie, dann stromaufwärts des Wadi Jeraba bis zu seinen Quellen führen. Die Grenze erreicht dann den Weg von El Kuncitra ^ach Banias am Punkte ״Skek“ und diesem Wege, da־ im französischen Territorium verbleibt, folgend, wird sie westwärts bis Metullah verlaufen, das zu Palästina gehören wird. Von Metullah erreicht die Grenze die Wasserscheide des Jordantales und des unteren Laufes des Lithani-Flusses. Dann südwärts den Wasserscheiden zwischen den Wadis Farah Houroun und Kerkera, die Palästina verbleiben, und den Wadis EI Dotleh, El Aioun und Zarka, die Frankreich zufalten, folgend, erreicht die Grenze das Mittelländische Meer beim Hafen Rasel-Nakura, das dem französischen Mandatsgebiete einverleibt wird. Forderungen palästinensischer Araber an Churchill London, 20. März. (J.C.B.) Einer Reutenneldung aus Haifa zufolge beauftragte der sogenannte Araberkongreß seine Vollzugsorgane dem gegenwärtig den Nahen Osten bereisenden Kolonialminister Churchill folgende Forderungen zu •teilen: 1. Die Annullierung der Baifour-DekUration!«treffend die Errichtung eines nationalen Heimes in Palästina für die Juden. 2. Die Bildung einer nationalen arabischen Regnsung. — Wie verlautet, haben auch verschiedene arabische Einwohnerkomitees diese Kongreßforderungen durch telegraphische Zystimraungskundgebungen uiterstützt