Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1921)
- Date
- 1921-03-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652316-2652335--13846-2671611- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 20 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 139 Vom jQdischen Leben in Sowjet-Rußland Vor einiger Zeit berichtete Jakob Halpern m Berlin «her das jüdische Leben in Sowjetni Island, wo er die letzten Jahre »!gebracht hat. 1:r sprach über die zu Beginn des Krieges erfolgte Auswanderung einer bedeutenden Anzahl von Juden aus den westlichen Gouvernements nach dem Innern Rußlands, sowie über die Entwicklung des jüdischen Lebens während des Krieges. Zur jetzigen Lage übergehörnt, schildert er den durch die Maßnahmen der Sowjctregicrung verursachten vollständigen wirtschädlichen Ruin der jüdischen Bevölkerung, die sich zun« größten Teil mit dem Handel beschäftigt hatte. In der letzten Zeit mache sich großes Interesse für die Landwirtschaft bemerkbar. Viel schwerer sei aber das geistige Leben des Judentums getroffen, das besonders unter der Wut der jüdischen Kommissare zu leider» habe. Die Tätigkeit der ״Tarbuth“ müßte vollständig eingestellt werden. Die Schulen, die in fast jeder Stadt bestanden haben, wurden vom jüdischen Konij111ssari.it geschlossen, die hebräischen Lehrer bestraft. Man ist jetzt dazu übergegangen, die ״Tarbuth“- Institution auf illegale Weise fortzuführen. In Moskau bestehen 30 geheime C h a d a r! nt u n d Kindergärten. Die Lehrer und Schüler kommen auf geheimen Wegen in die Chadarim, wo Bibel, Hebi :.׳;,di und jüdische Geschichte unterrichtet wird. Die Sdmlcn befinden sich meist in den entlegensten Stadtvierteln, in kleinen Bauernhäusern. Auf diese Weise erhalten in Moskau allein 300 jüdische Kinder hehriiisehen Unterricht. Audi in der Provinz sind zahlreiche geheime S c h u 1 e n eingerichtet. Die hebräischen Lehrer leben in großer Not, da sie von der Regierung keine Lebensmittel erhalten und immer von Zuchthaus- ,irafe hedroht sind. Die Schulenיwerden von den jüdisclu'n Institutionen Moskaus subventioniert. Schwierig ist auch die Lage der jüdischen Gemeinde Moskaus» ,sie hat eine ganze Reihe von Spcischallcn errichtet, <li<־ den Hunger vieler Gemeindemitglieder, darunter ehemaliger Millionäre, lindern, Als ein Wunder ist die Existenz der hebräischen Lohne ״Habiinah“ in Moskau zu erwähnen, ״Habimah“ i-f während des Krieges in Moskau entstanden, und die ersten Kräfte des weltberühmten ״Moskauer künstkrischen Theaters“ haben an ihrer künstlerischen und literarischen Ausgestaltung initgearbeitet. Der Leiter dieser Bülme war der hebräische Schriftsteller Zcmacli.!Xis jüdische Kommissariat hat auch in diesem Falle dafür gesorgt, daß die dem hebräischen Theater von seiten der Sowjetregicrung erteilte Unterstützung trotz der Verwendung der russischen Künstler Stanislawski, ן Waikonski, Wartagow wegfiel, Das Theater setzt seine Tätigkeit trotzdem fort und ist für die Moskauer Juden die einzige geistige Erholung. Da das riicater »iminchr mit der Regierung nichts zu tun hat und nicht verpflichtet ist, den bolschewistischen Schund aufzuführen, stellt es in vieler Hinsicht höher als das russische Theater, weshalb auch russische Intellektuelle und Schauspieler, wie z. B. Schaliapin, es öfters besuchen. Zu erwähnen ist noch die jüdische Volks- 11 och schu 1 c, in der, wie an den Petersburger und Oiarkowcr Volkshochschulen, Vorlesungen über jüdische!•'ragen von jüdischen Gelehrten gehalten werden. In Moskau besteht auch ein jüdischer literarischer Klub, in dem sich die hebräische Intelligenz versammelt und über Fragen des jüdischen Lebens unterhält. Die ganze lüdischc Arbeit liegt in den Händen des Rabbiners Mast-, sowie der Herren Albert Fuchs, Nurok, R.-A. Rosenthal u. a. (״Haolmn“,) Misrachi-Kongrcß in Kanada i Toronto, 26. Februar. (J.C.B.) ln Anwesenheit von 135 Delegierten aus allen Teilen Kanadas fand hier ein Kongreß aller Misraclu-Vereine statt. Es wurde einstimmig die Gründung einer unabhängig gen Mi s ra ch 1-O rgani sation für Kanada beschlossen. Der Kongreß t .11110 eine Resolution» 50 000 X für misraehistische Arbeit in Palästina im Laufe des Jahres miS/ubringeii und eine grolle J e s c h i w a h für K a - na da nach dem Muster des theologischen Seminars ״Rabbi Isac Elchanan“ in New York zu gründen. Das Zentralbüro der Misrachi-Föderation für Kanada befindet sich! in Montreal. Fritz Mordechai Kaufmann We Beerdigung Fritz Mordechai Kaufmanns Land am 7. März in Weißensee statt. Es hatte sich eine ungeheure Menschenmenge cingefunden, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Außer den Vcr- Irdcrn der verschiedenen Organisationen, darunter des Geschäftsführenden Ausschusses der Zionistischen Vcreinigung für Deutschland und der Arbeiterparteien Poale Zion, Hapoel-Hazair und Bund, hatte sich eine große Menge ostjüdischer Arbeiter und Flüchtlinge eingefanden, um dem Manne, der so aufopferungsvoll für sie gewirkt hat, den letzten schmerzlichen Dankesbeweis zu geben, in der überfüllten Halle hielt zunächst Rabbiner Dr. Warschauer die Trauerrede, sodann sprach Nathan Birnbaum als persönlicher Freund des Verewigten, Dr. Kahn für das Arbeiterfürsorgeamt, Kurt Blumcnfcld namens der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Rudel namens der Beamtenschaft des Arbeiterfürsorgeamtes, ferner ein Vertreter des Verbaudes der Ostjuden und ein Vertreter der Arbeitergruppe in Weißensee. Nach der Trauerfeier bewegte sich der Zug zu dem offenem Grabe, wo 'der Sarg in die Erde gesenkt wurde, Die Purim-Aktion des Jüdischen Nationalfonds wird jetit in großzügiger Weise von 91 Städten vorbereitet, Ihr Erfolg hängt Im wesentlichen davon ab, daß außer den sonstigen Veranstaltungen, bei allen jüdischen Familien Haussammlungen durchgeführt werden. Ein weiteres sehr bewahrte* Mittel, dessen Verwendung auf* dringendste tu empfehlen ist, stellt das des J, N.F. dar. Es muß bei allen Purimfeiern, Vortragsabenden , Lichtbilder-Aufführungen usw. unter den Teilnehmern zirkulieren. Wer von den Vertrauensleuten dies Spendenbuch noch nicht besitzt, der bestelle es sofort bei der Zentrale, Da für derartige Eintragungen nur größere Beträge in Frage kommen, so kann hierdurch die Purim-Aktion besonders gut für den Laoderwerb in Palästina ausgewertet werden. EESt==!^.^ Tagung der zionistischen Funktionäre Berlins Am Sonnabend, den 12. März, abends 8 Uhr, und am Sonntag, den 13. März, vormittags >/a10 Uhr, findet im Roten Saale des Brüdervereinshauses, Berlin W", Kurfürstenstr. 116, eine Tagung sämtlicher zianistischer Funktionäre OroP ” ־ ”- 1!!-Berlins statt. Die englische Zionisten-Födcration hat eine Reihe von Versammlungen angekündigt, in denen Dr. Weizm a n n sprechen wird. Am 10. ds, Mts. spricht Weizmann in einer Sondersitzung des Geschäftsluhrendcn Ausschusses, am 12. und 13. findet eine Delegiertenkonferenz statt, in welcher Weizmann über das Mandat und die zionistisciie Situation spricht und an die sich eine Beratung über die Keren Hajessod-Aktiou auschließen wird. Am 14. findet ein großes öffentliches Meeting statt, in welchem Weizmann und Alfred Mond sprechen. . Sir Stuart Samuel, Präsident des Board of Dcputies der englischen Juden, wird sich im kommenden Mai ״»aich Palästina begeben, um seinen Bruder, den Ober- ■Kommissar, zu besuchen. Hebräische Sprachschule in Berlin. Am 1. April beginnt ein neues Semester. Es werden neue Kurse für Anfänger im Zentrum und Westen eröffnet. In den bereits bestellenden Kursen für Vorgeschrittene können Neuaufnahmen für da9 Somnierseniestcr erfolgen. Sprechstunden: Dienstag, 81/* Uhr abends, in der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, ArtiUcriestraße 14, Seminarzimmer, Zimmer 14 (2 Treppen), und Freitag, 10 Uhr vormittags, in der Jüdischen Gemeinde, Oranienburger Straße 29 v. Hi., Zimmer 85. Es wird gebeten, schriftliehen Anfragen Rückporto beizufügen. N. Berg grün, N 37, Wörther Str. 46. Rituelle Verpflegung in Oberschtcsien Wir erhalten eine Zuschrift, in der mitgcteilt wird, daß für die jüdischen Abstimmungsberechtigten durch die ״Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums,■ Abteilung Schlesien“ eine Organisation für rituelle Verpflegung geschaffen worden ist An der Spitze der Organisation steht Herr Bankier Locwy, an den alle Anfragen organisatorischer Art zu richten sind (Telephon: Ring 7687, 7688 und 76S9). Für alle Verpflegungsaiigdegeuheiten ist Frau Bertha Kober, Königsplatz 5 (Telephon: Ring 3922) zuständig. Die Organisation verfügt über ungefähr 300 Helfer und Helferinnen, die de» Abstimmungsbcrechtiglen in jeder Hinsicht mit Rat und Tat zur Spite stehen und an allen Breslauer Bahnhöfen warme Speisung verabreichen werden. Alle Anfragen über den Hclfcrdicnst sind an Fräulein Emmi Oiittmaim, Viktoriastr. 5f> (Telephon: Ring 1440) zu richten. Die rituelle Aufsicht hat Herr Rabbiner Dr. Cohn, Gutenbcrg-Str. 43, fmmdiiehst übernommen. In allen größeren Städten Deutschlands sind Vertrauensmänner bestellt, unter denen, da über die Hälfte der jüdischen Abstimmungsberechtigten aus dem Reiche in Berlin wohnen, dje bei weitem größte Tätigkeit Herr Rabbiner Dr. E. Munk, Berlin N, Artilteriestr. 31, zu entfalten hat ln Berlin wird warme Verpflegung Augustraße 16 (jüdische Spciseballe) verabreicht. Auch während des Aufenthaltes in Ober- Schlesien ist, im engen Zusammenarbeiten mit dem Deutschen Plchiszitkommissariat, für ,rituelle Verpflegung gesorgt. Die Oberleitung hierfür befindet sich in den Händen von Herrn Bruno Altmann, Kattowitz ,(TelepJion: 24, 25 u. 26), Die gesamte Organisation besteht aus ehrenamtlich tätigen Damen und Herren. Jüdische Abstimmungsberechtigte, die auf rituelle Verpflegung reflektieren, werden in ihrem eigenen Interesse gebeten, vorstehende Mitteilungen )genauestens zu Beachten. Tagesordnung: Sonnabend Abend: 1. Begrüßungsansprache von Herrn R.-A. Rosenblüth. 2. Referat des soeben aus London zurückgekehrten Herrn Dr. Arthur Hantke über die zionistische Situation. 3, Aussprache. Sonntag Vormittag: . I. Referat des Herrn Dr. Egon Roschberg: ״Wann kann die Keren Hajcssod-Akiion unter den Nichtzionisten beginnen und in welcher Weise soll sie durchgeführt werden.“ 2. Aussprache. Wir erwarten, daß jeder Berliner Zionist, der ein zionistisches Amt in Berlin bekleidet, erscheint. Wir erwarten, daß diejenigen, die etwas zur Keren Haiessod-Arbeit zu sagen haben, sich auf dieser Tagung rückhaltlos aussprechen. Wir erwarten, daß von dieser Tagung ein neuer und starker Impuls für die Keren Hajessod-Arbeit in Groß-Berlin angehl Diejenigen Zionisten, die Funktionäre sind und keine Einladung erhalten haben, werden gebeten, eine Einladung umgehend im Büro, Berlin C 19, Seydelstr. 3111, zu verlangen. Diejenigen Zionisten, die nicht Funktionäre sind, können als Gäste an der Tagung teilnehmen. Alt-Herrentag des K. J. V. Vom 26. März, abends, bis zum 28. März findet in Berlin (im Rheingold, Muschelsaal) der Alt- Herrentag des Kartells Jüdischer Verbindungen statt. Zur Teilnahme berechtigt sind sämtliche alten Herren des K. J. V. Die Tagesordnung wird noch besonders mitgcteilt. Auskünfte erteilt Dr, Bruno Ostrowski, Charlottenburg, Gervinusstr. 14.! Das Präsidium des K. J. V. s - . ג wfwm ■ «■fc mit*.»^ i j Vortragskursus Siegfried Bernfeld. Zwischen dem 5. und 15. April soll in Berlin ein Vortragszyklus des bekannten Jugendführers und Forschers Dr. Siegfried Bernfeld über das Thema ״Einführung in die neue Erzichungslchre“ stattfinden, falls sich genügend Teilnehmer finden. Der Kurs soll acht Stunden umfassen, wahrscheinlich in vier Doppelstunden der späten Nachmittags- oder Abendstunden. Das Kurshonorar beträgt 40 M. Die Teilnehmer werden gebeten, gelegentlich ihrer Anmeldung auch die Stunde bekanntzugeben, die ihnen am besten paßt, damit auf diese Wünsche nach Möglichkeit Rücksicht genommen werden kann. Anmeldungen sind zu richten an da9 Sekretariat des Hapoel-Hazair, Berlin N 24, Auguststr. 17. Interessenten werden dringend gebeten, ihre Teilnähme sofort anzumelden, da der Kurs nur bei genügender Toilnehmerzahl stattfindet. Trumpeldor-Tag. Der Zentrale Waad des deutschen Hapoel-Hazair richtet an alle Gruppen des Hapoel-Hazair und an alle Chaluzgruppcn die Aufforderung, den ersten Todestag von Josef Trumpcldor und seinen Genossen, die am 11. Adar vorigen Jahres in Verteidigung der nationalen Arbeitersiedlungen in Tel-Cha» gefallen sind, feierlich zu begehen. An diesem Tag (21. März) sollen Gedenkfeiern abgchaltcn werden, interne und öffentliche, und der Tag soll zu einer großen Sammlung zugunsten des Keren alijah benützt werden. Wegen Einzelheiten setze man sich sofort mit dem1 Sekretariat des Hapoel-Hazair, Berlin N, Auguststr. 17, Zimmer 26, in Verbindung. Misrachi-Jugendgemeinschaft, Berlin. 5. He- 1» r bischer Diskussionsabend am Sonntag, den 13. März, 7y2 Uhr abends, im Misrachi-Jugeodheim, Dragoncrstr. 22. Referent: Herr A. Kraus über: Das Judentum am Scheidewege. — 2. Heimabend am!Mittwoch, den 6. Adar 11 5681 (16. März 1921), im Misrachi-Jugendhcim, Dragoncrstr. 22. 1. Vorlesimgen aus den Werken jüdischer Dichter u. a. aus ״Jeremias" von Stephan Zweig; Emst Brag er. 2. Musikalischer Teü. Beginn 8 Uhr pünktlich. Gäste herzlich willkommen. Sonnabend, 6. März 1921, sprach im Misraehi - Jugendheim, Dragoncrstr. 22, Herr Ernst Brager über die Aufgaben der Jugend gegenüber der Organisation. Sodann beleuchtete Ing. Arthur Schrägen heim in allen Einzelheiten imsere wichtigsten Aufgaben, wobei er besonders auf die Bedeutung des Schekels für das' gesamte Judentum für den kommenden Kongreb hinwies. Bedauerlich ist nur, daß die Abende nicht zahlreich besucht werden. Israelitischer Fortbildungsverein Montefiore, Berlin. Am Mittwoch, den 16. März, pünktlich 7% Uhr abends, spricht in der Aula des Dorotheenstädtischen Realgymnasiums, Gcorgenstr. 30/31 (Bhf. Friedrichstr.) Herr Regierungsrat Hans Goslar über: *Jüdische Scxualcthik, ein Weg zur Renaissance des Judentums“. Freie Aussprache. Zur Deckung der Unkosten weiden 2 M. erhoben״