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Jüdische Rundschau · 1921-03-11 · Heft 20 (11.3.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 20 (11.3.1921)
Date
1921-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ruhktioo *nd VerUg W 15, SiiahMicb• Slr*ß*8 Er«ch«int l*dea Di*n»Uff und Freitag. Bexugiprxi■ bei der Expedition und dea PottlmUra vinrtntjihrUd» IS,— M, in DeuUcK'and. Ausinndtabono^״ tocoU werden in der Wibmoy de» eioxeltten LSadef berechn»*. Nummer 20 I Berlin, 11, 118 1921 Anzcigcn-Vcrwnltungl Verlag; Alwin Loewenthal, Berlin NW 7, Dorotleenatr. 35 Telepboo: Amt Zentrum 4814 und 4815, AB1*lg«nprci* für di« ftreuengwpeitene NonparcüUacOe 2,50 M* Famiüenxnteigio 4 M. pro Ze'd«. Aaiiireoieklufii Di«b»Uff und ProiUg ■idmitUff 4 Uhr. Telephon ז Uhland 645 u, 8 IS, PoitidiiKklcoDto: Berlin Nr. 17 393• Für Oesterreich. Po*Up*rk**1«n«mt Wien, Konto Nr. 156 030. I’etf T*checbo»10waV.ej: Fo>t»p«rk«u9enamt Prag־. Konto Nr. 156030, — RedsküonuahluB Sonnteg und Mittwoch necbmiUag. — '1 ב׳ דר״ח אדר בלי־תרפ״א "xxvi lahrg. Dar Zionismus erstrebt für das JdcUsche Volk die Schaffung einer Öffentlich •rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.1 er 1 _ Bildung einer provisorischen Leitung London, 8. März. (j. C. B. telegraphisch). Das Präsidium der Zionistischen Organisation, bestehend aus den Herren Weizmann und Sokolow, hat die Herren Joseph Co wen, Richard Lichtheien, Wladimir Jabotinsky, Dr. Eder und Dr. Ruppin aufgeferdert, eine provisorische Leitung zu bilden, die mit ihm gemeinsam bis zur Aktions-Komitee-Sitzung die Geschäfte fährt. Das Aktion* Komitee soll im Mai oder Juni zesamraefitreten und über dieses Provisorium Beschluß fassen. Jebot insky tritt in das politische Departement •ein, C 0 w e n übernimmt das Finanz• ressort, Lichtheim das Organisations*Departement, Eder und Ruppin bilden zusammen mit U s s i s c h k i n, der bereits der Exekutive angehort, die Vertretung der Leitung in Palästina. Der XII. Kongreß findet im August statt. Nach dieser Mitteilung des J. C. 8״ die allerdings ׳offiziell noch nicht bestätigt ist, wäre «ko die bereits seit längerer Zeit infolge der Demission von Simon und de Licme ausgebrochene Krise in der zionistischen Exeduitivc vorläufig durch ein Provisorium beendet. Da die Meldung nicht von der Leitung ausgeht und daher durchaus möglich ist, daß sieh noch Aetvfcrungen ergeben, kann man nur mit aller Vorsicht den Inhalt t der Nachricht prüfen. Danach würde sich folgende j Situation ergeben: Simon und de Licme scheiden I endgültig aus der Exekutive aus, und da nach dem ' Beschluß der letzten Jahreskonferenz das ans den Herren ) Brandeis, Weizmann und Sokolow bestehende Präsidium :׳; das Recht hat, neue Mitglieder der Exekutive unter Zuj Stimmung des Actions-Comites zu ernennen, eine Actkjn» j Comite-Sitzung jedoch momentan nicht stattfinden kann, j mußten die in London anwesenden Mitglieder des Präj sidiums ein Provisorium Schaffen, das nach Weidmanns e Rückkehr aus Amerika dem dann zusammentretenden Actions-Comite zur weiteren Beschlußfassung vorgelegt;׳ werden soll. Diese Lösung ist gewiß keine zufriedenstellende. Allgemein ist der Wunsch, daß die zionistische •.jj Exekutive, die die Organisation nach außen repräsentiert J und nach innen die Autorität der Führung haben soll, ' von der Gesamtheit der Zionisten, d. h. vom Zioj nisten-Kongreß, gewählt werden sollte. Trotzdem ist es verständlich, daß in diesem kritischen Augen- ’< blick, wo Weizmann London verläßt, Sokolow in Paris jj sitzt, Simon und de Ueine zurücktreten, ein Provisorium ן für die nächsten zwei bis drei Monate unbedingt not-!! wendig war, und das Präsidium hat daher fünf Mitglieder! des Großen A. C., die zur Verfügung stehen und für ] die Leitung der Geschäfte qualifiziert erscheinen, mit dieser Geschäftsführung betraut. Von den fünf Männern werden - immer Vorbehalt• lieh der Richtigkeit der Meldung — drei in London und zwei in Palästina sitzen. Die beiden Personen, die in die palästinensische Leitung eüitreten, sind langst faktisch an der Leitung beteiligt, und es wäre nur wärmstens 1 zu begrüßen und entspräche einer von uns stets unter- ׳ stützten Forderung, wenn diese Männer überhaupt in die Exekutive gewählt würden. Dies gilt besonders von Dr. Ruppin, der vor dem Kriege das ganze Kotonisationswerk in Palästina geschaffen und geleitet hat, und dessen Rückkehr nach Palästina vor einem Jahre von der gesamten zionistischen Weit und insbesondere vom Jischuw mit großer Genugtuung begrüßt wurde. Es ist notwendig, daß dieser Mann nicht nur als Beamter fungiert, sondern mit einem höheren Maße von Autorität und Verantwortung ausgestattet wird. Auch Dr. Eder ist kein neuer Mann in Palästina. Er ist Mitglied der ersten Zionist Commission, die unter Führung Dr. Wcizmanns nach Palästina abging, hat dann nach Weizmanns Abreise seine Vertretung übernommen mal ist der einzige Mann, der die ganze Zeit Mitglied der Zionist Commission geblieben ist. Er hat in dieser Eigenschaft ein großes Maß von Erfahrungen zu sammein vermocht, die er zweifellos auch für die weitere Arbeit der zionistischen Exekutive in Palästina fruchtbar machen kann. ln London treten Cowen, Lichtheim und Jabotinsky in das Provisorium eia Cowen ist einer der ältesten Zionisten, der durch besonders enge Freundschaft mit Herzl verbunden war und als Direktor des Jewish Colonial Trust in der letzten Zeit vor dem Kriege in der Organisation eine Rolle gespielt hat. Seit Verlegung der Zentrale nach London hat Cowen als einer der ältesten englischen Zionisten mehrfach an der Arbeit zcilgcnanimcn und ist jüngst als Abgesandter des Direkj ־toriums des Keren Hajessod bei der anuMikanHchen j Convention in Buffalo gewesen. 1 Ucber Richard Lichtheim bedarf es in diesem ) Bhtte nicht vieler Worte. Die deutschen Zionisten j schätzen in ihm einen alten bewährten Mitarbeiter, der! sich durch kluges politisches Urteil und organisatorische; Begabung auszeichnet. Lichtheim war bekanntlich vor! dem Kriege und in der ersten Kriegszeit als Mitarbeiter Dr. Jacobsons in Konstantinopel tätig. Er verkörpert die Traditionen des Berliner Actions-Comites, und es ist zu hoffen, daß unter seiner Leitung der bisher arg vernachlässigte Kontakt der Exekutive mit den Organisalionen wieder stärker wird. Die deutschen Zionisten erwarten auch, daß Lichtheim die Anschauungen, die bei den letzten Tagungen vom deutschen Zionis- 11 נ us ausgesprochen worden sind, wirkungsvoll in der Gesamtpartei zur Geltung bringen wird. Jabotinsky endlich ist seit seinem letzten Üerliner Besuch auch der größeren zionistischen Oeffentlichkeit Deutschlands persönlich bekannt. Er lut bereits in seiner Berliner Rede die Anschauungen entwickelt, die er zur Basis seiner Mitwirkung in der Exekutive machen will. Es ist aus der Meldung nicht ersichtlich^ inwiefern die von ihm in der Ocffcnüiclikcit aufgestellten Punkte von der Exekutive akzeptiert wurden. Es •ist jedoch unwahrscheinlich, daß diese ausdrücklich als Provisorium bezeichnet(• Leitung auf so weittragende programmatische Bindungen gestellt ist. Jabotinskys Eintritt in das politische Departement in dem Augenblick, wo Weizmann London verläßt, dürfte allerdings eine Hinwendung der Politik zu der van Jabotinsky vertretene» Richtung bedeuten Die Actions-Comitö-Sitzung saß nach der Rückkehr Weizmanns im Mai oder Juni stattfindem Es ist dringend zu wünschen, daß sie rechtzeitig angesetzt wird, um eine Vorbereitung zu ermöglichen. Außerordentlich wünsehenswert wäre es auch, daß das Material, das die Grundlage für die Entschließungen und schwerwiegenden Aendcrungcn der letzten Zeit bildet, vor allein also der Bericht der nach Palästina entsandten Reorganisationskomniission, veröffentlicht wird, um ein Urteil darüber der weiten zionistischen Oeüentlichkeit zu ermöglichen, die bis jetzt immer nur auf Vermutungen angewiesen ist und gänzlich im Dunkeln tappt. . Die Meldung des J, C. B. besagt ferner, daß der XU. Kongreß im August stattfindet. Es wird keinen Zionisten geben, der nicht den Kongreß als endgültige Lösung der in der letzten Zeit entstandenen Spannungen, als Weg zur Herbeiführung eines legalen Zustandes in der nun schon seit 6 Jahren im Ex lex-Znstand lebenden Organisation herbeisehnen wird. Trotzdem aber können wir nicht umhin, die vorliegende Meldung in Frage zu ziehen. Nach allen Erfahrungen dauert die Vorbereitung des Kongresses schon in technischer und organisatorischer Hinsicht eine so lange Zeit, daß schwer anzunehmen ist, daß er im August zustande kommen könnte, wenn die Vorbereitungen jetzt beginnen. Dazu kommt aber, daß eine definitive Beschlußfassung darüber wohl erst nach Dr. Weizmanns Rückkehr aus Amerika, also im Mai oder Juni, erfolgen dürfte. Daß dann das Zustandekommen des Kongresses im August so gut wie ausgeschlossen ist, dürfte niemand bezweifeln. Der Mandatsentwurf offiziell veröffentlicht Das englische Ministerium des Aeußem hat am 5. März die Mandatsentwürfe für Palästina una Mesopotamien, wie sie von Balfour am 7. Dezember v. J, dem Rat des Völkerbundes vorgelegt wurden, veröffentlicht. Der nunmehr vorhegende offizielle Text entspricht in allen Punkten dem von uns bereits veröffentlichten Entwürfe. Die nationalen Minderheiten io Rumäaiea Errichtung eines Staatssekretariats Aus Bukarest wird uns gemeldet: Die Kammer hat nach stürmischer Debatte den Antrag der Regierung auf Errichtung eines Staatssekretariats für die nationalen Minderheiten mit 144 gegen 89 Stimmen angenommen. Nationaldeutsche Juden Vor einiger Zeit erschien eine Broschüre von Dr. Max Naumann; betitelt ״Vom nationaldeutschen Juden“, die eine Aufsatzrcilie zusammenfaßt, welche vorher in der ״Kölnischen Zeitung“ publiziert wurde- und den Anstoß zur Bildung einer neuen Organisation geben soll. Die Broschüre unterscheidet nämlich neben den Zionisten und den ,,deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens“, die man bisher als die einzigen, einander gegenüberstellenden Gruppen anzusehen gewohnt war, eine dritte Gruppe ״nationaldeutscher Juden“, deren ״mir deutsch gerichtetes Nationalgefühl“ sie zu Brüdern der Deutschen macht und jeden Rest jüdisclicn Gefühls in ihrer Seele auslöscht, obwohl sic ihre jüdische Abstammung ״nicht verleugnen“. Die nationalen Juden anerkennt Naumann als konse-.juente Richtung, wenn er auch ihrer Gedanke::- weit völlig fremd und radikal ableimend gegenüber sieht Dagegen verwirft et die ״Zwischenschicht“, jenen Typus, der nicht die Kraft hat, beherzt nach rechts oder links zu gehen, der das Erbe des Ghetto mit sich herumschlcppt, und aus dessen innerer Unfreiheit alle diejenigen Eigenschaften hervorwaehsen, die die völkisdien Antisemiten als typisch jüdisch zu bezeichcnen pflegen, — weil vor ihrem Auge der Jude dieser Zwischenschicht ah jüdischer Repräsentant dasteht. Die Zwischenschicht ist der Nährboden des berechtigten Antisemitismus. Als Kriterium der Zugehörigkeit zu einer der jüdischen Gruppen betrachtet Naumann die Ostjuden frage. Dem nationaldeutschen Juden ist der Ostjude ein Fremder und nichts als ein Fremder. Er ist ihm gefühlsfrcmd, geistesfremd, körperlich fremd. ״Wenn wir hören, daß im europäischen Osten gegen diese mitleidswerten Geschöpfe Greuel verübt werden, schlägt das Herz des nationaldeutschen juden in menschlichem Mitgefühl, wie das jedes menschlich empfindenden Deutschen anderen Stammes auch. Es ist dasselbe Mitleid, das wir fühlen, wenn von Armeniermetzeleien oder Negerlynchmorden die Rede ist. Aber wenn wir von den Leiden hören, die deutsche Kriegsgefangene in afrikanischen Gefangenenlagern erdulden mußten, dann möchten wir fast aufschreien vor körperlichem Schmerz; denn die Schläge, die unsere Brüder treffen, brennen uns auf der eigenen Haut.“ Dieses Zitat genügt wohl zur Charakteristik der ganzen Broschüre. Es ist kein Wunder, daß der Verfasser von den Ostjuden eine Bedrohung des ״alten deutschen Geistes“ fürchtet und für eine strenge Grenzsperre eintritt. In Naumanns neuer Organisation sollen sich alle diejenigen Juden zusammcnsehließen, die gleich ihm nationaldeutsch fühlen und wahrsCheinlich bei einer deutschen konservativen Partei, etwa der Deutschen Volkspartci oder der Deutschnationalen Volkspartei, Aufnahme finden wollen. Dieses Projekt würde etwa jenem Vorschlag entgegenkommen, den der Staatsrechtslehrer Professor Gicrcke einmal gemacht hat, der als Angehöriger der Deutschnationalen Volkspartci dafür eintrat, den Antisemitismus nicht zum offiziellen Parteiprograrnin zu machen, sondern innerhalb der Partei die Möglichkeit antisemitischer, aber auch jüdischer Untergruppen zuzulassen. Die Rolle, die eine solche Gruppe deutschnationaler Schlitzjuden spielen würde, kann man sich ungefähr vorstellen. Im Grunde ist der ganze Gedankengang von Naumann nicht neu. Er ist vielmehr eine Wiederholung der alten Ideologie der Assimilanten, der man seit hundert Jahren immer wieder begegnet, und die besonders dadurch charakterisiert wird, d.iß sie andere jüdische Gruppen preisgibt, um für sich selbst Anerkennung bei den Nichtjuden herauszuschlagen. Ke ״Deutsche Tageszeitung“ hat Naumanns Broschüre sogar einen Leitartikel gewidmet, in dem sie bezweifelt, daß für die Masse des heutigen Judentums die Lösung im Sinne Naumanns möglieh' ist, gleichzeitig auch auf eine Gefährdung der deutschen Rasse durch eine derartige Annäherung von Juden hinweist. Naumann hat auch auf diesen Artikel in einer Zuschrift in der genannten Zeitung geantwortet, die betont, daß er nicht vom nationaldeutschen ״Judentum“, sondern lediglich vom nationaldeutschen ״Juden“ gesprochen habe.

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