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Jüdische Rundschau · 1921-03-08 · Heft 19 (8.3.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 19 (8.3.1921)
Date
1921-03-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I'" י.. וגד^״ץ® סי {Ud.klio* wd Val.f 15 ׳8י, Sld״Ud« Strufl« 5. Er»i*i»k H•» DUott»! «ad PretUj׳. B«wgtpr«i* bei dof Eipeditio« u״d den PotlimLra TiwtaljiUirlidi IS.— M. io DauUchtaod. AudoodubooD•■ sniU ««den io da Wihrea* da eiraelntsn LSada^baoduwt, Nummer 19 Berlin. 8. III 1921 Antelgcn-Vcrwaltungi Verlag Alwin Loewenthal, Berlin ViW 7, Dorotheenitr, 35 TtWpboa; Amt Xeolfum 4&i4 und 481&• 1Z Aa1*l|tBpr«l■ (Qr di« f־<onp»1־eill#«eH• 2,50 I FftmUUmanstMgea 4 M. pro Zell• { Aa1«lf«naehlu01 Di«8*t«y und freiUy ■aehtaiUag 4 Ufcr. T.l^hon: Ubl.nd MS u.845. PotUdwdtkontoi Berlin Nr. 17592. F״ P01tjp.rka.cn.ml Wi.o, Konto Nr. 156 C30. rur T0ch.d10.low.kei: Po.UparkuMnwit Pr.y, Konto Nr. 156050. — Rcd.ktiooMchtuB Soont.j und Mittvco* ■•Uimitt•?. — .כח־ אדר א׳"־תרס״א I " Xxv1. jahrg. Dar Zionismus erstrebt fOr das JDdlsche Volk die Schäftung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.** Das Economic Council in Amerika j Acußerungen James Rothschilds Im Verlaut' einer Uiiitemxfung mit dem Herausgeber der ״J.P.Z.“ äußerte sich Ja1ne9 de Rothschild folgendermaßen über seine Tätigkeit in Amerika: ״Es ist mir gelungen, meine Pläne bezüglich Förderung des Wiederaufbaues van Palästina ihrer Verwirklicluutg entgegen zu f üh ren. Auf Initiative von Judge Irving Lehmann sind in New York zwei Meetings übgehalten worden, an denen sich prominente jüdische Persönlichkeiten der Hochfinanz, hauptsächlich Nichtzionisten, beteiligt haben, die für das Wohl des jüdischen Volkes tätig sind, wo ich über die Notwendigkeit der Förderung des Wiederaufbaues Palästinas durch Bildung eines Economic Oouncd, wie ein solches in London unter Leitung von Sir Alfred Mond besteht, referierte. Das jüdische Nationalhoim muß durch die Vereinigung aller Parteienund Fraktionen aufgebaut werden, und an der Verwirklichung dieses hohen Ideals, an dem alle Juden interessiert sind, müssen sich atlc Kreise des Judentums beteiligen. An der ersten Konferenz haben 20 einflußreiche Persönlichkeiten teilgenommen, während bei der zweiten 35 eminente Ver* treter des amerikanischen Judentums anwesend waren. Von den in Betracht kommenden Persönlichkeiten haben bloß Morgenthauund Rosenwald abgelehnt, am Wiederaufbau des jüdisch-nationalen Heimes teilzunehmen, während alle anderen mit größter Begeisterung sich verpflichteten, mit Einfluß und Kapital an dem historisdien Werke des Wiederaufbaues teilzumehmen. Marsh all erklärte, daß die reichen amerikanischen Juden, selbst wenn ein noch so großes Kapital für den Wiederaufbau nötig wäre, ein solches aufbringen müßten. Auf diesen Konferenzen wurde ein Economic Council für Amerika gegründet, das mit dem britischen Economic Council kooperieren wird, und ein spezielles Komitee eingesetzt, um Pläne auszuarbeiten und eine ständige und tadellos funktionierende Organisation zu schaffen. Die Mitgliedschaft die9es Councils für den! Wiederaufbau Palästinas ist keineswegs an die Zugehörigkeit zur Ziouistischen Organisation gebunden, und jeder Jude, der am Wiederaufbau Palästinas mitarbeiten will, ist willkommen.“ Einsteins Abreise Professor Einstein tritt seine Reise nach Arnerika nun definitiv am 23. März ab Rotterdam an. Er wird von seiner Gattin begleitet; die Abreise erfolgt auf dem Domfer ״Rotterdam“ der Holland* Amerikalinie. In Plymouth besteigt Dr. Weizmann mit einigen Herren der Ziönistischen Zentrale gleichfalls die ״Rotterdam“. Professor Einstein! hat die Teilnahme am Solvay-Kongreß in Brüssel, zu dem er als einziger Deutscher eine Einladung erhalten hatte, infolge seiner Amerikareise aufgegeben. Nach seiner Rückkehr aus Amerika wird er die übernommenen Vorlesungen an der Universität Leyden hatten. Die Eröffnung des Obersten ״Bet-Din*‘ Jerusalem, den 26. Februar. Heute wurde liier die erste Rabbinerkonferenz Palästinas, bestehend aus 71 Rabbinern und 35 Laien, eröffnet. Herbert Samuel begrüßte die Konferenz durch eine Ansprache, in der er der Erwartung Ausdruck gab, daß die Konferenz dem Judentum ein Beispiel der Einigkeit bieten werde. Der Leiter des Justizwesens in Palästina, Norman Be ntwich, führte in der ersten Sitzung den Vorsitz. Er gab in seiner Ansprache einen historischen Ueberblick über die Entwicklung der jüdischen Gesetzgebung und die Gerichtsverfassung der jüdisdhen Gerichte im Laufe der Jahrhunderte. Am Ende seiner Ausführungen betonte er die Notwendigkeit der Anpassung des jüdischen Rechtes an die Grundsätze des modernen Rechtes. General Storrs, Gouverneur von Jerusalem, begrüßte die Konferenz in einer hebräischen Rede, in der er u. a. sagte, daß die Qiristen immer der jüdischen Religion dankbar sein werden. Die Konferenz hat die Mitglieder des Appellationsgenchtes zu wählen, das aus acht Personen (vier Aschkenasim und vier Scphardim) bestehen wird. Dieses Appeliationsgericht wird zwei Vorsitzende haben und wird für alle Fragen des jüdiseben religiösen Lebens die höchste Instanz sein. Das neue Synedrion Von Chajjim Aharon Krupnik. Die Nachricht von der Errichtung des ,.Obersten Bct-Din“ in Jerusalem wird schwerlich von vielen Lesern mit gebührender Beachtung aufgenommen werden. Die ״Gründungsfieber“, die wir jetzt erleben, erwecken ln uns Mißtrauen. Die Fülle von Gesellschaften, Körperschaften, Organisationen, Komitees privater und öffentlicher Natur, die in der letzten Zeit gemeldet werden, hat uns des Unterscheidungsvermögens beraubt und für die Wichtigkeit der oder jener Gründung unempfindlieh gemacht. Um so notwendiger ist es, auf die neue Institution hinzuweisen, deren Einfluß nicht allein auf Palästina, sondern auch auf das ganze Judentum, insbesondere auf sein religiöses Leben, dermaßen groß werden dürfte, daß man sie ohne Scheu mit ihrem alten Vorgänger vergleichen kann, dessen Tätigkeit sie eigentlich fortsetzen soll — mit dem ehemaligen Synedrion. Wir sind weit davon entfernt, bei jeder Gelegenheit auf Herbert Samuel patriotische Loblieder zu singen, man muß jetloch den Weitblick bewundern, der in allen seinen Handlungen zutage tritt. Mit der Planmäßigkeit eines genialen Baumeisters legt er einen Stein nach dem andern zu dem von ihm entworfenen Gebäude. Und nicht seine Schuld ist es, wenn der Bau nicht so rüstig vorwärts schreitet, wie wir und wie er es wollen. Durch die Schaffung dieses Obersten Rabbinats ist ein Hindernis des Aufbaues aus dem Wege geschafft, das mit der Außenwelt, mit materiellen Fragen usw. nichts zu tun hatte. Es lag lediglich an uns, an der Zerrüttung unseres religiösen Lebens, an dem Verfall der jüdischen Gemeinden; es lag daran, daß das palästinensische Judentum aus so vielen Judentümern bestanden hat, wie viel ״Diasporen“ es gibt — ja, noch viel mehr. Die stolzen ״Scphardim“, die nach der Türkei ihre hohen Traditionen, ihr tiefes jüdisches Wissen, ihre Intelligenz mitbrachten, haben sich schnell bei der gegen alle Religionen toleranten türkischen Regierung ein großes Ansehen erworben und eine vollständige ״nationale Autonomie“ erlangt. Jede Gemeinde war fest organisiert, und der Oberrabbiner, der ״Chacham Baschi“ war ein Würdenträger, ein kirchlicher Fürst, der die jüdisclic Religion und seine Gemeinde bei der Regierung vertrat. Im Laufe der Zeit konnten jedoch die Scphardim und ihre Rabbiner sich nicht immer auf der Höhe halten. Das jüdische Leben hat immer mehr zugunsten des Levantinertums an Boden verloren. Der ChaCham Baschi hat zwar an äußerer Würde nichts eingebüßt, jedoch mangelte es ihm zu oft an innerem Halt, an fester Basis und auch an jüdischem Wissen. Um so größer war in der letzten Zeit der Kontrast zwischen äußerem Ansehen und innerem Wert. So wär es fast im ganzen Orient. Unterdessen entstanden in Palästina infolge der Einwanderung der Kabbalisten, der Chassidim und des neuen Jischuw'große aschkcnasische Geincinden. Sie waren zwar bei der Regierung nicht vertreten, aber ihr inneres Leben pulsierte nicht minder, ja noch intensiver als das der sephardischen. Und als die Türkenmacht gebrochen war und der Chnchnm Baschi seine offizielle Stellung verloren hatte, bot Jerusalem ein trostloses Bild der Zerrissenheit, der Uneinigkeit. Die neue Macht fand mehrere Gemeinden mit unzähligen ״Oberrabbinern“, von denen jeder der ״Oberrabbiner“ sein sollte. Jeder wollte die ganze Verantwortung in allen religiösen Angelegenheiten auf sich nehmen, und daher herrschte gerade in Palästina eine unglaubliche Verantwortungslosigkeit. Jeder spielte sich zum Schützer der Religion auf. In Wirklichkeit diente aber die Religion sehr oft nur als Schutz für die verschiedensten nicht immer sauberen Machenschäften. Nachdem sich in der Assefath haniweharim die Juden Palästinas in sozialer und politischer Arbeit zusammengetan haben, nachdem in Haifa die gesamte Arbeiterschaft ihre Parteipolitik aufgegeben hat, um alle Kräfte in den Dienst des Aufbaues zu stellen, kam die Reihe auch an die Orthodoxie, den Gemeindeehrgeiz aufzugeben und an den Aufbau des religiösen Lebens zu schreiten. Während aber die Assefath haniweharim und der Ichud von innen heraus, spontan, zum Teil gegen den Widerstand der Orthodoxie zustande kamen, mußte der Zusammenschluß der Orthodoxen von außen her kommen. Herbert Samuel setzte eine Kommission ein, die den Zweck hatte, die Fragen der Regelung des Obersten Rabbinats zu studieren. Diese Kommission kam zu dem Ergebnis, daß es unmöglich ist, einen Chacham Baschi, auf dessen Posten die Sephardim nicht verzichten werden, zu wählen, und daß das Oberste Rabbinat ein Kollegium sein muß, bestellend aus mehreren Mitgliedern, die alle Gemeinden und Riten vertreten. Dieses Oberste Rabbinat wird nunmehr die höchste Instanz in allen religiösen Fragen sein. Was die religiösen Juden aller Zeiten so ersehnt hatten, ist Tatsache geworden. Ein jüdisches Synedrion, bestehend aus 71 angesehensten Rabbinern Palästinas, sowie 35 Laien, Vertretern der Städte und Kolonien, tagt jetzt in Palästina. Was folgt daraus für die Diaspora? Von nun ab wird das Bet*Din-Hagadol zu Jerusalem die Interessen der Religion wahren. Die Religion wird mit dem Volke und dem Lande wieder verknüpft und nicht mehr von der ״Nationalität“ getrennt sein. Fortan wird Jerusalem darüber zu entscheiden haben, was gesetzestreu und was gesetzeswidrig ist; fortan werden nicht Frankfurter oder Kownoer Rabbincr die Hüter der Thorah sein. Die Thorah kehrt in ihre Geburtsstätte zurück, ln der Diaspora, wo die Thora nicht dem Leben entsprechen kann, muß sic notgedrungen erstarren, ihre Entwicklung ist unnatürlich. Anders in Palästina. Dort wird sich unsere Religion auf natürlichem Wege dem neuen Leben anpassen müssen, wie sie sieb in Palästina bereits einmal von Moses bis Hillel entwickelt hatte. Palästina übernimmt hiermit wiederum die Führung im Judentum. Diese Organisation bedeutet gewiß eine Stärkung der Orthodoxie, und noch manchen Kampf wird man mit ihr auszufechten haben. Aber wir begrüßen sie, wie jede Zusammenfassung der Kräfte im Judentum. Mit einer verantwortungsvollen Körperschaft ist immer leichter zu verhandeln, als mit einzelnen unverantwortlichen Rabbinern. Auf den Weg der Anpassung der Religion an die Bedürfnisse des modernen Lebens wird den Bet-Din die andere Funktion stoßen, die ihm übertragen wurde. Die Entwicklung des jüdischen Gerichtswesen! in Palästina hat ein Bedürfnis für eine obere Instanz wachgerufen. Der Bet-Din, bestehend aus acht Personen, wird zugleich das Appellationsgericht sein. Diese Tatsache hat zunächst in Palästina Beunruhigung verursacht. Besonders waren es die Frauen, die mit dieser Regelung unzufrieden waren. Unser Recht, dessen natürliche Entwicklung vor ungefähr 2000 Jahren unterbrochen wurde, enthält Dinge, die für uns heute unmöglich sind. Insbesondere bedarf das Eherecht einer gründlichen Reform, da wir uns mit den Ansichten unserer Vorfahren über die Frau und ihre Stellung in Leben und Familie nidit befreunden können. Der Oberkommissar, sowie der Leiter des Justizwesens in Palästina, Sir Nor man B e n t w i c h, haben auch auf die Notwendigkeit dieser Reform, als Voraussetzung für die Rechts- Wirksamkeit der neugeschaffenen Instanz, hingewiesen. Uns scheint die Entwicklung Palästinas viel zu langsam vor sich zu gehen. Wir sind ungeduldig. Vielleicht verkennen wir hier die inneren und äußeren Hindernisse, die die Aufbauarbeit hemmen. Aber die Arbeit ruht nicht. Schritt für Schritt geht die Konsolidierung des palästinensischen Judentums vor sidh. Je organisierter die Judenheit Palästinas ist, je geschlossener sie auftritt, um so stärker wird ihr Einfluß auf die Diaspora sein, um so schneller wird die Diaspora von der Aufbauarbeit mitgerissen werden, um so rascher wird das Aufbauwerk durchgeführt werden. Nur in einem starken Palästina wird das Wort des Propheten wahr werden: ״Von Zion geht Lehre aus, und Gottes Wort — von Jerusalem.“

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