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Jüdische Rundschau · 1921-03-04 · Heft 18 (4.3.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 18 (4.3.1921)
Date
1921-03-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Die vereinigte Senat- und Kaniinerkonunission, die den Gesetzentwurf über die Beschränkung der Einwanderung in die Vereinigten Staaten zu prüfen hat, hat den Entwurf des Senats ange. nominell, wonach während fünfzehn Monaten vom 1. April an gerechnet die Zahl der Einwanderer einer Nation drei Prozent der Zahl ihrer zur Zeit der Volkszählung des Jahres 1910 in den Vereinigten Staaten angesessenen Volksgenossen nicht übersteigen dürfe. י 1 Die Ostjudenfrage vor dem Völkerbund Am 25. Februar verhandelte der Rat des Völkerhtindes über die Beschwerde der polnischen Regierung gegen die Ausweisung der galizischcn Juden aus Oesterreich. A.11 der Sitzung nahmen von seiten der polnisehen Regierung der ן Klinische Völkerbundvertreter, Askciuzy, ferner die Herren Peplowski und Arcisz. ewski und seitens der österreichischen Regicrung deren Vertreter Eichhoff teil. Herr Askenazy führte aus, daß Polen in dieser Frage keine längere Debatte, sondern eine Einigung erstrebt, damit diese Angelegenheit, die rein humanitären Charktcrs ist, endlich zur Regelung gelangt. Die Forderung Polens ist auch vom juristischen Standpunkt durchaus begründet, denn die österreichische Ausweisungsverfügung steht nicht im Einklang mit dem Friedensvertrag von St, Gennain und diese ist auch nicht im Wege eines eigentlichen Gesetzes erlassen worden. Ferner wird die genannte Verfügung nur gegen die polnischen und nicht gegen die tschechoslowakischen, jugoslawischen oder ungarischen Juden angewendet. Sn Fortsetzung seiner Erklärung wies Askcnazy noch darauf lün, daß tmgefähr 50 000 Juden ausgewiesen werden sollen, von denen 15 000 Wien bereits verlassen haben. ln seiner Antwort wies der österreichische Vortrete!(׳ Eidihoff auf den Wo 11 n u 11g sma n gc 1 und die Hungersnot in Wien ganz besonders bin und sagte zum Schluß seiner Ausführungen, jeder Staat hätte das Recht, die ihm unerwünschten Eiem e 111 e des Landes zu verweisen. Nach der seitens des österreichisdicn, Vertreters erfolgten Vorlegung des Judenausweisungsdekrets, sprachen Balfo ur und Bourgeois, die von beiden Parteien eine Zusatzerklärung forderten, worauf Askenazy den Standpunkt vertritt,!,ölen wäre Oesterreich gegenliber äußerst günstig gestimmt, müßte aber von Oesterreich verlangen, daß in bezug auf fremde Staaten liberale und demokratische Prinzipien zur Anwendung gelangen. Hiernach stellte Balfour dem polnischen Vertreter anlieim, eine ausfftirliche schriftliche Erklärung in dieser Frage einzureiclicn. Der Beschluß 'des Völker- Bundes ist vertagt worden. Die Judenfrage in Finnland Unser Pariser H. K.-Korrespondeut meldet uns: l>as Komitee der jüdischen Delegationen hat, wie erinnerlich, in der Angelegenheit der finnischen Juden anläßlich der Tagung des Völkerbundes in Genf ein Memorandum eingcreicht. Finnland hat sich cinverstanden erklärt, die Minoritätsrechtsklauseln in die Verfassung aufzunehmen. Diese Frage wird auf ־ der Sitzung des Rates des Völkerbundes, die derzeit in Paris tagt, zur Verhandlung kommen, wird aber wahrscheiidich Ws zur nächsten Sitzung aufgeschoben, Unterdes hat der Vorsitzende des Comitös des Delegations Juivcs, NaJium Sokolow, mit dem finnischen Minister Enckel insbesondere über die Frage der Naturalisation der Juden in Finnland konferiert, und weitere Verhandlungen werden über dieses Thema folgen. Die Auflösung des ״Bund" Wie wir aus jüdischen Zeitungen erfahren, hat die '^'cwistigdte Regierung beschlossen, die jüdische ziaustisdtc Arbeiterpartei ״B u n d“ aufzulösen. Der י! unü!st ■ungefähr gleichzeitig mit der Zionistischen h ^ons*1011 ^LTründet worden. In der ersten Zeit, 1Sf ש •4״ Waf cr ebte illegale Geheimorganisation, die o a. u der jüdischen Arbeiterbewegung in ,'Uülana <־"u,c״ ungeheure!! Einfluß ausgefibt hat. Anangs war der ״Bund" vollständig assimilatorisch. Er ..ctn Teil der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, mit dem ,Unterschied, daß er seine Propa- XVII. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung för Deutschland Der XVII. Delegiertentag der Z. V. f. D. wird hierdurch für den 13., 15. und 16. Mai nach Hannover einberufen. Die Tagesordnung wird noch bekannt gegeben werden. Wir verweisen auf folgende Bestimmungen: 1. Jede Ortsgruppe wählt einen Delegierten, Ortsgruppen von mehr als 50 Mitgliedern wählen zwei Delegierte, Ortsgruppen von mehr als 100 Mitgliedern wählen für jedes angefangene Hundert einen weiteren Delegierten. (Statut § 9.) 2. Das Wahlrecht zum Delegiertentag steht nur den ,Ortsgruppen zu, die mindestens drei Monate vor Einberufung des Delegiertentages bestanden haben. (Beschluß des XVI. Delegicrtentages.) 3. Die Beiträge zur Zionistischen Vereinigung für Deutschland (Zionistenstcucr) werden von jedem Mitglied nach Einkommen und Vermögen auf Grund freiwilliger Einschätzung gezahlt, jedoch wird ein Mindestbeitrag(!^ndesbeitrag) jeweils vom Delegiertentag festgesetzt. Das Wahlrecht der Ortsgruppen zum Delegiertentag ist von der Abführung dieser Mindestbeiträge (Landesbeitrag) abhängig. (Be- Schluß des XVI. Delegiertentages.) 4. Jedes Mitglied der Z. V.f. D. hat mit Vollendung des 18. Lebensjahres das aktive, mit Vollendung des 20. Lebensjahres das passive Wahlrecht zum Delegiertentag. (Beschluß des XVI. Delegiertentages.) 5. Die Vorsitzenden der Z. V. f. I>. Jiaben auf dem Dclcgiertcntag Sit־/, und Stimme. Die übrigen Mitglieder des Landes Vorstandes (GeschäitsfA’ircti?, der Ausschuß und Zentral-Komitee) haben Sitz, Stimme jedoch nur, insoweit sie gleichzeitig Delegierte sind. (Beschluß des XVI. Delegiertentnges.) 6. jeder Delegierte verfügt auf dem Delegiertentag mir über eine Stimme. Die Delegiertenmandate sind nicht übertragbar. Die Uebernahme des Mandates durch einen Ersatz-Delegierten muß vor Beginn des Delegiertentages erfolgen. (Statut § H.) 7. Die Delegierten sind an Aufträge und Instruktionen nicht gebunden. (Statut § 11.) 8. Anträge für den Delegiertentag bedürfen der Unterschrift von mindestens 15 Delegierten. Alle Anträge sind einer, aus der Mitte der Delegierten zu wählenden Resolutions-Kommission zur Vorbereitung und Rückgabe an den Delegiertentag einzureichen. Es darf über keinen Antrag abgestimmt werden, der nicht der Resoiutions* Kommission Vorgelegen hat. (Beschluß des XVI. Delegicrtentages.) Berlin, 1. März 1921. Qeschäftsführender Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland l. A.: Rosenblüth. ff ganda in jüdischer Sprache führte, und zwar einzig und allcin ans Zweckmäßigkcitsgründeii, da die jüdische Masse keine andere Sprache verstand. Erst im Laufe der Zeit und zwar unter dem Einfluß 'der inzwischen erstarkten nationalen Bewegung mußte der ״Bund“ auch die Forderung der nationalen Autonomie in sein Programm aufnehmen. Nach der bolschewistischen Revolution schloß sich der ״Bund“ der III. Internationale an. Da* iin eigentlichen Rußland keine großen jüdisehen Massen vorhanden sind, hatte der ״Bund“ keine Basis, auf die er seine Forderungen stützen konnte. Solange aber die bolschewistische Regierung hoffte, durch den ״B u n d“ die jüdischen Bürger zu gewinnen und insbesondere die zionistische und .hc-braistische Bcwegung zu unterdrücken, hatte sie sein Bestehen geduldet. Nachdem sich .aber diese Hoffnung als trügerisch erwiesen hatte, beschloß die bolschewistische Regierung, die das Prinzip des Sdbstbestimmungsrcchtcs der Völker nur daun respektiert, wenn cs für sie vorteilhaft ist, aber innerhalb Rußlands selbst erbarmungslos jede nafionale Regung unterdrückt, nunmehr auch den ״Bund“, in dessen Programm außer dem Kampf gegen den Zionismus nichts Jüdisches mehr war, endgültig aufzulösen. Der Misrachi und die Agudas Jisroel Genau so wie es dem nichtreligiöscn Zionismus gclungen ist, das niclitrcligiösc Judentum aus dem indifferenten und sogar feindlichen Verhältnis zum Zionismus hcrauszuführen und cs soweit zu bringen, daß jetzt das ganze Judentum, wenn auch nicht für den Zionismus, so wenigstens für Palästina sein reges Interesse bckündet, so ist es das Verdienst des Misrachi, wenn unsere äußerste Rechte ihrer Liebe zu Palästina, von der sie immer in ihren Gebeten gesprochen hatte, ein!־m. j/raknschcn Inhalt verleiht. Der Misrachi hatte aber eine weit schwierigere Stellung, als die nichtreligiösen Zionisten. Unsere Trennungs-Orthodoxie, die allein das Monopol anf unsere Religion 7.u haben vorgab, verdächtigte die Gesetzestreue des Misrachi, was ihm, der auf «ine enge Zusammenarbeit mit dem gesetzestrcucn Judentum großen Wert legt, nicht ganz gleichgültig sein konnte. Eine Zeit lang schien cs auch, als ob der Misrachi schwanken würde. Manche seiner Führer schielten verdächtig nach rechts. Besonders gespannt waren die Beziehungen des Misrachi zur Organisation vor der Assefath Haniwchariin, und zwar handelte es sich damals um das Frauenwahlrecht, das die radikalen Orthodoxen Jerusalems benutzen wollten, um zwischen!den Misrachi und die Zionis tische Organisation einen Keil zu treiben. Ein anderer Streitpunkt war die Erziehungspolitik der Zionistischen Organisation, die dem Misrachi nicht geniigend Bürgschaft für die Wahrung seiner Erziehungs- Prinzipien zu bieten schien. Nachdem aber die Londoner Konferenz durch Acndcrungen im Waad hachinuch diese Bürgschaft dem Misrachi gegeben hatte und nachdem die Arbeiterschaft Palästinas in der Assefath Haniwcharini der Orthodoxie ein Entgegenkommen gezeigt lial, das diese nicht erwartet hatte und das ihr jede Waffe aus der Hand geschlagen, hat, hörten alle Schwankungen des Misrachi auf. Der Misrachi hat begriffen, daß innerhalb und gemeinsam mit der Zionistischen Organisation ex sowohl Palästina als auch dein orthodoxen Judentum weit mehr nützen kann, als , .yvc.u». er , sich von der Agudas Jisroel ins Schlepptau nehme« lallt und zusammen mit ihr eine Sekte in!. Judentum bildet. Die Presse des Misrachi führt seitdem einen ununterbrochenen offenen Kampf gegen die Agudah. Besonders, zeichnet sich in dieser Hinsicht die vornehme Wochenschrift ״Hator“, das Organ des palästinensischen Misrachi, aus. So schreibt Chewroni (Nr. 10 des ״Hator“) u. a,: ״Die Arbeit in Palästina ist nunmelu• zu einem programmwichtigen Punkt aller gesetzestreuen Organisationen der Diaspora geworden. Die langjährige Propaganda des Misrachi hat gute Erfolge gehabt Noch glauben manche, daß es in Palästina Arbeit gäbe, die weder vom Misradri noch von der Zionistischen Organisation getan werden könne. Aber nicht mehr weit ist der Tag, wo ״sie erkennen werden, daß ihre Wünsdie durch das Programm des Misrachi vollauf befriedigt werden können“. Nachdem Herr Chewroni über die Schwierigkeit des Aufbauwerkes spricht, das nur von ganz Israel durchgcführt werden kann, und über den jüdischen frommen Baal-Habait, der das einzige Element ist, das die Dauerhaftigkeit und Stabilität des neuen Palästina eher sichert als die ledige, an nichts gebundene Jugend, die jetzt in den Kreisen der Chak!־ zim vorherrscht, kommt cr zu dem Ergebnis, daß gcradc eine umfassende Organisation dieser B a a 1 c - Batiin, die die« große Majorität des Judentums ausmachen, jectotjh innerhalb der linksorientierten Zionisrisehen Org;mjsjjtio^'nid1t die gebührende Berücksich tigung fiiidCi 1 A11 tu׳״"neu^n Palästina unschätzbare Dienste leisten wujrck)■* Tier 'Misrachi sei der gegebene Führer dieser praktischere nüchternen und sachlichen Ortliodoxie. Der!\>israci)i verfolge die ״goldene Mitte“, und deshalb sei er berufen, die S a n i c r u n g s a k t i o n in dein orthodoxtr Lager durchzuführen, bei der Orthodoxie Ordnung .zu scliaffen und alle ihre Kräfte für den Aufbau zu vereinigen. ״Die Ecclesia Militans, die sich in der letzten Zeit entwickelt hat, kann gerade den Idealen schaden, für die sie zu kämpfen glaubt. Wir finden in der osteuropäischen, besonders in der polnisehen Orthodoxie zu oft eine inhaltlose Geschäftigkeit, die den Zweck hat, den Zionismus und insbesondere den Misrachi in diesen Ländern unmöglich zu machen. Sie scheuen vor nichts zurück. Die Politikaster der ״SchUime Emunc Isroel“ gehen Schulter an Schulter mit den polnischen Assünilantcn in vielen die jüdische Ehre betreffenden Fragen unserer Politik. Es ist möglich, daß die Vertreter des polnischen Zionismus die Orthodoxie negieren und ihre Forderungen wenig berücksichtigen. Man muß dagegen ankämpfen, aber nur gegen die Personen, nklrt aber gegen den Zionismus als Bewegung. Die Orthodoxie muß sich die größte Mühe geben, um sich beim jüdisehen Publikum b e 1 i e b t' zu machen, nicht aber sich Htm aufzudrängen oder sich von ihm zu trennen. Besonders zart will unsere Jugend behandelt sein. Dies ist die Aufgabe des Misrachi.“

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