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Jüdische Rundschau · 1921-02-22 · Heft 15 (22.2.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 15 (22.2.1921)
Date
1921-02-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dar Zionismus arstrabt für das!OdlscHo Voltt die Schaffung einer Otfantllch■rechtlich gaslchertan Heimstatt• In Palästina. ״Baseler Programm.«* ds und Weis Die Reden im Waad ffai'r £E * Er st: 1r e* Am Sonntag•, den 30. Januar, fand im Waad Halr in Jerusalem eine Abscliicdsfeier zu Ehren von Dr. Weidmann und Mond statt. 1111 großen Saal der Lemel-Schule fanden sich über 500 aus allen jüdischen Kreisen geladene Gäste ein. Auch aus Jaffa und den Kolonien waren mehrere Personen erschienen, um die Abschiedsreden von Wcizmann und Mond zu hören. Man erwartete bei dieser Gelegenheit, von den beiden Herren wichtige Erklärungen über die Lage sowie über die nächste Zukunft des Landes zu hören. Die Reden haben in Jerusalem und ganz Palästina starken Widerhall gefunden. Sie werden von den palästinensischen Zeitungen als ein Ereignis bezeichnet. Nachfolgend geben wir den Wortlaut der Reden, wie er in ״Haarez“ veröffentlicht ist, wieder. David Ycliin, als Vorsitzender des Waad Hai'r, eröffnet die Sitzung und spricht im Namen Palästinas Mond und Wcizmann den Dank aus für die Ermunterung, die sic Palästina in dieser schweren Zeit gebracht haben. Er bittet Mond, den Dank Palästinas an Lloyd George weiterzugeben, der sich immer für unsere Sache warm eingesetzt hat, und spricht die Hoffnung aus, daß er das begonnene Werk auch zu Ende führen wird. Unter tosendem Beifall erhebt sich Mond, um das Wort zu folgenden Ausführungen zu ergreifen: Die Rede Mond*. ״Ich ergreife diese letzte Gelegenheit meines letzten (■ffrfh'che׳! Auftretens, um Palästina meinen wärmsten Dank für die Liebenswürdigkeit und das Vertrauen auszusprechen, das mir hier in diesen wenigen Tagen entgegengebracht wurde. Obwohl Ihnen ganz unbekannt, habe ich soviel Liebe und Vertrauen in diesen schönen Tagen gefunden, daß ich sie inein ganzes Leben lang in Erinnerung behalten werde. Herr Y e 11 i 11 bat mich, dem Haupt unserer Regierung, Herrn Lloyd Oeorge, Ihren Segen und Ihren Dank״ zu übermitteln. Ich weiß, dab es ihm große Freude machen wird. Wir haben in Llcyd George den besten Freund unserer großen Bestrebungen. Und nun, meine Herren, bitte ich Sic, lassen Sic keine Furcht in Ihren Herzen aufkommen, haben Sie Mut und Zuversicht. Keine Propaganda und kein Protest irgendvincr Nation, Konfession oder Gemeinde werden auch nur einen Deut au der in San Rcrno durch die britische Regierung mit Zustimmung der übrigen Großmächte angenommenen Resolution ändern. Der zionistische Traum ist zu einer unverrückbaren Tatsache geworden. Sie sehen hier nur die Hindernisse und die Schwierigkeilen, aber hinter ihnen steigt die Sonne unseres Erfolge« auf, ich weiß, daß Sie ungeduldig sind, daß Sic «ich nach Arbeit sehnen und Tatsachen sehen möchten, daß viele von Ihnen mißmutig geworden sind. Aber ich sage Ihnen, lassen Sie sicli nicht von Vcrzweifiung übermannen. Ich zweifle auch nicht einen Augenblick daran, daß das jüdische Volk die sich ihm bietende wunderbare Gelegenheit, sein Ideal in die Wirklichkeit umzusetzen, ergreifen wird. Man hat mich darauf aufmerksam gemacht, daß eine hiesige Zeitung (״Doar Hajom“ —• Anm. d. R.) einen offenen Brief an mich gerichtet hat, in dein die zionistische Leitung einer strengen Kritik unterzogen wird. Ich bin für die zionistische Leitung nicht verantwortlich und möchte hier davon nicht sprechen. Ich halte es aber für meine Pflicht, meine Antwort hierauf offen zu erteilen. Ich habe unter Ihnen Männer gefunden, die unserer großen Arbeit ihre ganze Energie, Ihre ganze Seele und Ihr ganzes Leben geopfert haben. Wie können Sic sich also über sie beklagen? Man muß sich vor einer solchen Kritik hüten. Haben wir denn unter uns begabtere Männer, die melif Liebe, mehr Hingebung und mehr Arbeitsfähigkeit besitzen als diese? (Das Publikum bricht bei diesen Worten in stürmische Beifallskundgebungen aus. und man hört Rufe ״Jechi Ussischkin“). Wir brauchen eine Einigung der Kräfte. Wir dürfen die unheilvollen Fehler nicht wiederholen. Wir müssen alle Zwistigkeiten vermeiden nnd uns in der Arbeit vereinigen, um stark zu sein. Ich gehe jetzt nach England und werde dort die nötigen Kräfte organisieren. Wir haben dort James Rothschild* Robert Cohn, Stern u. a. Die Arbeit ist sehr umfangreich. Die tlektrifizieiung des Landes wird sehr baß durchgefuhrt werden. Wir müssen die finanzielle Lage studieren. Wir müssen das Weltjudentum auffordem, die Arbeit in Palästina aus innerem starken Drang zu fördern. Unsex Heiligtum muß als ein ewiges Gebäude, das auf festem Fundament ruht, aufgerichtet werden. Wir sind ein trotziges Volk, zäh in unserem Streben und iti unserer Arbeit Wir werden unsere Hoffnimgen nicht aufgeben und uns nicht von einer plötzliehen Ungeduld übermannen lassen. Wir sind ein Volk von 14 Millionen, das über die ganze Welt verstreut, aber von einer gemeinsamen Hoffnung beseelt ist. Ich bin sicher, daß die Juden alles hergeben werden, um die nationale Heimstätte zur Tatsache werden zu lassen. Wir sind ein Kulturvolk, das Volk der Pronheten und Dichtung, und werden bei all den großen Werken, die wir aufzubaucn haben, auch unsere große Kultur wieder aufbauen, die den anderen Völkern als Leuchte dienen und die ganze Welt an die heiligsten jüdischen Ideale erinnern wird. Nur wenn wir aucli unsere Kultur aufbaucn, wind unser Erfolg sicher sein. (Minutenlanger Beifall und laute ״H c 3a d“rufc)*). Nachdem Yellin ein Begrüßungsschreiben von Rabbiner Kuk verlesen hat, erhebt sich Dr. Weizmann, der von den Anwesenden mit stürmischem Jubel empfangen wird. Mond steht auf, schlägt mit einer Hand auf den Tisch und fordert mit der anderen Hand die Anwesenden auf, sich zu Ehren Wcizmanns zu erheben. Das Publikum erhebt sich mit lauten ״Jechi"rufen. Dr. Wcizj mann ist sichtlich erregt und beginnt langsam zu sprechen: Die Rede Weizmanns. >;lch bin mir der Verantwortung voll bewußt, wenn ich jetzt in dieser schweren Stunde, in der der Zionismus am Scheidewege steht, vor ganz Jerusalem spreche, i Ich bitte Sie daher von vornherein um Verzeihung, wenn ich hie und da polemisch werde. Ich bin wahrhaftig jetzt sehr weit davon entfernt, mit jemandem zu polemisieren. Ich halle cs aber für meine Pflicht, kurz, aber klar, die bei uns vorhandenen Strömungen, sowie ich sic auffasse, zu skizzieren. Wir stehen jetzt am Ende einer Epoche unserer Arbeit. Die Resolution von San Rcmo hat die Balfour-Deklaration in den türkischen Fliedensvertrag aufgenommen. Außerdem ist noch ein wichtiger Schritt getan worden, das ist die Ernennung des Obcrkommissars, eines großen Administrators und eines großen Juden. Jetzt stehen wir vor zwei wichtigen Fragen: Der Grenzen- und der Mandatsfrage. Von der ersten ist Ihnen bekannt, daß sie für uns nicht sehr günstig ausgefallen ist. Unser Land ist in zwei Stücke gerissen. Wir hoffen aber, daß die Berechtigung unserer Forderungen auch von der französischen Regicrung und vom französischen Volk, die für ihre Freiheit so tapfer gekämpft haben, anerkannt wird. Das Mandat ist zwar »och nicht veröffentlicht, aber icli bin in der Lage, es Ihnen in den Hauptpunkten bekanntzugeben. 1. Das Mandat anerkennt die Berechtigung unserer his torischen Forderung Palästinas. Das ist die Basis unseres Gebäudes. 2. Das Mandat anerkennt die Zionistische Organisation mit all ihren Mängeln (Heiterkeit) als die einzig berechtigte Vertretung des jüdischen Volkes in bezug auf den Aufbau der nationalen Heimstätte in Palästina. 3. Das Mandat anerkennt, daß die Regierung Pa- Iästi 11 as alles tun muß, um uns bei dem Aufbau des Landes behilflich zu sein. Sie muß also die Ein- Wanderung fördern, die Landwirtschaft entwickeln usw. Das sind die Hauptpunkte des Mandates, das in ein bis zwei Monaten bekannt werden dürfte. Das entspricht zwar nicht ganz unseren Hoffnungen. Es fehlt vielleicht noch viel, was zur Vervollständigung dieses Mandates gehört. Aber eine Grundlage für unsere weitere Arbeit ist vorhanden und an uns liegt es, auf dieser Grundlage weiterzubauen. Wir müssen die ersten Steine legen, und hier teilen sich die Wege, hier beginnt der Kampf der Parteien, und im Liirm dieses Kampfes müssen wir den richtigen Weg finden. Wir haben cs, wie mir scheint, mit zwei Strömungen zu tun. Die eine Riehiung kritisiert die zionistischen Führer und behauptet, daß wir bis jetzt nichts oder sehr wenig erreicht hätten, daß dieses Mandat keine Grundlage sei, daß man einen vollständigen Judenstaat verlangen müsse, und daß cs eine Unterlassung der Führer sei, daß sie dies nicht verlangt haben. Die Vertreter dieser Richtung verkennen die Kluft, die zwischen ein«• Forderung und ihrer Annahme liegt Es ist leicht zu fordern, aber •1 Bei der Wiedergabe dieser Rede bemerkt ״Doar Hajom“ folgendes: Als Dr. Ehasch die Rede Monds ins Hebräische übertrug, und das Vertrauen Monds zu den Männern in Palästina aussprach, härte man von einer Ecke Rufe: ״Nieder mit dem Doar Hajon»!“, die von einigen Beamten stammten. schwer, eine zustimmende Antwort zu erhalten. Ernste Forderungen sind nur diejenigen, die auf realer Grundlage basieren. Ferner, wenn sogar dies« Wunder geschehen sollte und man uns den vollstäi»■ digen Staat anbieten würde, •würde das noch immer nur eine Formel für einen Staat sein, aber kein wirklieber Staat. Man schafft keinen Staat durch Dokumente und Befehle. Ein Staat entsteht nur durch ein Volk und durch Arbeit von Generationen. Wenn die . , nur jüdische Arbeit kann einen jüdischen Staat zur Tatsache machen. Die zweite Richtung geht von einem entgegengesetzten Gesichtspunkt aus. Die Politik sei jetzt zu Ende, jetzt beginne die Tat, und das sind — gute Geschäfte. Das Land könne nur von Geschäftsleuten und Mechanikern gebaut werden. Also, ein Zionismus mit beschränkter Haftung. Auch dieser Zionismus der Formel, aber keiner politischen, sondern einer Business-Formel. Jene Richtung will einen Apparat für Forderungen, diese einen Apparat von Handcisgcsellschaften, aber beide Richtungen glauben nicht an das Volk und seine inneren Kräfte. Beide sind Götzendiener, die einen dienen dem Götzen der Politik, die anderen dem goldenen Kalbe. Wenn heute nach vierzigjähriger Arbeit, nach solchen Opfern an Energie und Leben für unser großes Ideal manche von uns Götzen dienen, so zwingen sie uns, die Bundestafeln zu zerbrechen... Gewiß braucht die Zionistische Organisation neue Kräfte, gewiß brauchen wir Fachleute. Richtig ist daß wir bis jetzt Fehler machen mußten, die von Fachleuten vermieden worden wären, aber wir hatten eben die Fachleute nicht. Alles ist bei un9 von Laien begönnen und bis zum jetzigen Erfolg unserer Arbeit geführt worden. Wenn wir aber nur mit Fachleuten begonnen hätten, wären wir nie so weit gekommen, denn Fachleute sind keine Schöpfer einer Volksbewegung. Die Schöpfer einer Volksbewegung sind eine treibende Kraft. Sie kommen aus dem Volke, sie keimen die Seele des Volkes und reißen das Volk und die Faclileute mit sieh. Die neuen, die zu uns kommen, geben uns sehr viel, sie bekommen aber auch von uns sehr viel. Alfred Mond ist nach Palästina gereist und hat von Palästina sehr viel bekommen. Seine Pflicht ist cs aber, uns mehr zu geben, als er von Palästina erhalten hat. Wir beginnen unsere Arbeit in einer schweren Zeit, während einer Weltkrise. Die wichtigsten Teile des Judentums sind fast zugrunde gerichtet, und wir wenden unsere Augen hoffnungsvoll nach England und Amerika. Das russische Judentum ist vernichtet, dafür hat uns aber Gott in Amerika ein neues russisches Judentum erstehen lassen, und dieses wird unsere Last abiielunea. Manches haben wir noch mit den Amerikanern auszutragen. Ich werde noch Gelegenhcit haben, mit ihnen zu polemisieren und uns in der Arbeit zu einigen. Amerika muß wissen, daß cs noch bis jetzt seine Antwort auf San Remo schuldig geblieben ist. Nur die Jugend aus Osteuropa hat die Entwort erteilt. Von dort kommen unausgesetzt Chaluziin, die zu jeder Aufbauarbeit bereit sind. Aber nach ihnen müssen die Wohlhabenderen und die Glücklicheren, die für ihr Leben und Vermögen nichts zu fürchten brauchen, kommen, und ihre Pflicht tun. Ich habe Chausseen besichtigt und unsere arbeitende Jugend gesehen, die vorläufig noch in Zelten haust. Ich habe sie mit dem alten Spruch begrüßt: ״Wie schön sind deine Zelte, Jaakob!“ Aber wir müssen dafür sorgen, daß sie so bald als möglich in festen Siedlungen untergebracht wiid, und dafür muß Amerika sorgen. Gestalten Sie mir noch, einige Worte über die innere Lage zu sagen. Das Heil kommt weder von der Politik, noch von den Fachleuten, sondern von der Zusammenarbeit aller Kräfte. Die Politik wird auf Grund der Arbeit aufgebaut, und die Aufbauarbeit wird eine Fortsetzung der Politik sein. Wir haben ein Beispiel hierfür, das sogar die Politiker nicht bcriicksich״ tigt haben: Als wir mit den Franzosen über die O r e 11z e n verhandelten, verlangten wir von ihnen, daß sie die Grenze oberhalb von Me tu II ah ziehen, weil ״'.r״^eiu ■ah gebaut haben. Was bedeutet Mctuuah für einen kalt rechnenden Fachmann? Es war nur eine überflüssige Aufgabe. Metullah verschlang sehr große Summen. Aber nur dank dieser Tatsache haben die Franzosen die Grenze in dieser Richtung ausdehnen müssen. Wenn wir im Norden zwanl'if, ™etuHaha hätten, wäre der ganze Sykcs-Picot-Vertrag überden Haufen ge- . 1?״cn• . ,^c Verträge wären durch unsere Metullahs zunichte geworden. Wir warnen also: Waget 2• *1,fasten, was bereits besteht. Ihr kennt die Wichtigkeit dessen nicht, was ihr vernichten wollt! i } 1 *

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