Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 13 (15.2.1921)
- Date
- 1921-02-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite äß JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 13 etwa aus Geld» oder Truppcnmaugel die Kolonie iaumen und ihrem Schicksal überlassen könnte, ist eine Vor- Stellung: von nicht zu überbietender Kindlichkeit; es Ware das erstemal in der Geschichte des britischen Weltreiches, daß England einen wertvollen Machtfaktor freiwillig prcisßibt, Wenn die britische Regierung den Juden die freie Ansiedlung in dieser Kolonie gestattet, deren verwüsteter, verdorrter Boden keinen englischen Bauern lockt, wo!tat die Schutzmacht dafür die Gewißheit, ein zivilisiertes, fleißiges Volkselcment ins Land zu bekommen, ein Element ohne politische Machtgelüste, das mit Aufbietung aller körperlichen und geistigen Kräfte, unterstützt von den Geldmitteln der europäischen und arnerikanischen Judenhcit, die Kolonie in die Höhe zu bringen und zinstragend zu machen bestrebt ist. Ich sollte meinen, daß cs sich auch vom realpolitischen Gesichtspunkte aus lohnen müsse, derartige Ansiedler zu gewimien und gegebenenfalls in der ersten Zeit ihrer Ausbreitung zu schützen. Jüdische Wächter oder Pulizisten werden, soweit ein so'chcr Sehnt/ notwendig ist, der Mandatannacht zur Verfügung stehen, und sollte speziell dieser Schutz einige geringfügige Ausgaben verursachen, die sieh nicht auf der Stelle verzinsen, so wird uns dieser großzügige und weitblickende Glanbiger darum nicht gleich die Freundschaft kündigen. Man hat übrigens vielfach, besonders in Deutschland, eine schiefe Vorstellung vom englischen Volksclmraklcr, Wenn auch der Brite unbestreitbar der klügste Real- Politiker unter allen Völkern ist, so folgt daraus keineswegs, daß er sich in seinem Tun ausschließlich von Gründen der Zweckmäßigkeit leiten lasse. England ist die erste Kultur nation der Erde und ist nicht gleichgültig gegen den Ruhm, das weltgeschichtliche Vorbrechen zu sühnen, das der Vorgänger Englands, das römische Imperium, an dem Volke der Bibel begangen hat. Für uns Juden ist Palästina Erez-Israel; als asiatischer Golus wäre das Land für uns ohne Interesse. Wir gehen nicht hinüber, um Kanonen abzufenern; das Recht, im Kriege Menschen fotzuschicllen, ist aus schon in Europa nicht verkümmert worden. Palästina ist das Land friedlichen Aufbaus nach Jahrhunderten fremden Zwanges oder cs ist nichts. Als semitische Träger europäischer Kultur sind wir die natürlichen Vermittler zwischen England und Arabien. Verknüpfen uns mit der Säiutzmaclit Bande der Bewunderung und der Dankbarkeit, so muß das arabische Volk, dem ein gleiches Recht wie uns auf den Boden Palästinas zusteht, uns heilig sein, heilig, weil diese stammverwandte Nation einen Weg des Unglücks und des Zwanges gegangen ist wie wir selbst, weil wir Juden heute zum erstenmal als die kulturell und wirtschaftlich Ueberligenen zu einem anderen Volke kommen, und nicht zuletzt, weil unsere Väter bei diesem Volke, als es in Spanien auf der Höhe seines Glückes stand, eine Gastfreundschaft genossen haben, an die der Enkel in den furchtbaren späteren Jahrhunderten als an die glücklichste Zeit des Exils sehnsuchtsvoll zuriickdachte, Es ist eine tiefe und seltsame Fügung, daß wir gerade dieses Volk in Erez-Israel wiederfinden und daß wir es im Elend wiederiinden. So wahr wir die Nachkommen des Bibclvoikes sind und uns auf diese Abstammung berufen, so gewiß sind diese Bauern und Beduinen Nachkommen des glanzvollen Volkes, das einst in königlichem Edelsinn seinen weitliehen und geistigen Besitz mit uns teilte und in dessen nationaler Heimstätte Spanien wir jahrhundertelang Frieden gefunden haben, Die Araber sind unsere Brüder. Wir müssen das Land, unsere Bildungsanstalten, das gesamte Leiten mit ihnen teilen. Wenn wir ״die gepanzerte Faust“ gegen dieses Volk erheben, so verdienen wir es, zerschlagen zu werden ~ und wir würden früher oder später zerschlagen werden. Nichts von jüdischem Heer! Gegen die Uebergriffe Einzelner genügen jüdische Polizisten in den Städten, jüdische Wächter auf dem Lande, ״Aber die Araber“, so wirtl man sagen, ״sind Feinde des Zionismus. Sie haben uns oft genug beschimpft, haben gegen die Einwanderung protestiert; sogar Pogrome sind vorgekommen.“ Ich erwidere: Es ist mehr als begreiflich, daß die arabische Bcvölkerung gegen die europäisierten Ankömmlinge Mißtrauen empfindet; wie berechtigt dieses Mißtrauen ist, zeigt Jabotinskys unglückseliger Vorschlag. Man hat uns Juden in dem Verdacht, gegen die heutigen Araber das gleiche Verfahren erproben zu wollen, das vor 400 Jahren christliche Konquistadoren mit Flinten und Mörsern gegen bogenbewaffnetc Inkas erfolgreich durchführen konnten. Uns liegt es ob, diesen Verdacht durch Taten zu widerlegen und zu beweisen, dall wir die sittliche Reife besitzen, in Gerechtigkeit und Freundschaft mit einem anderen Volke zu leben. Wir müssen uns um die Zuneigung der Araber bemühen. Naturlieh sind Jahre nötig, um Verständnis und Vertrauen zwischen Völkern zu stiften, und heute, nach den ersten tastenden Anfängen des praktischen Zionismus, kann kein Mensch die Aussichten der arabiscli-jütli. sehen Beziehungen beurteilen. Sicher ist nur daß ein echter. Freundschaftsbund gerade zwischen Arabern und Juden möglich ist, da er ja vor einem Jahrtausend bereits Tatsache war, ״Aber wie, wenn aus irgend welchen Gründen un- 8ere Bemühungen tchlschiugen und die Araber bei ihrer Feindschaft verharrten? Was sott dann geschehen?“ Es ist müßig, ferne Eventualitäten zu erörtern. Meine Ansicht ist, daß in diesem Falle der Zionismus aussichtslos wäre, der friedliche sowohl als — erst recht! — der gepanzerte. Büro* *. Berliner Ztontttltch« Vereinigung, Berlin C «», Seifdetel». S. IVIefoni Zentrum 3414/19 * P01U*cckk»nlo No 13006, BerUa NW 7 Knnenverwallung der B.Z.V. Hd.rll.ch« t«««h«U« d« K״llur«leB*ro.t4 Dragoner»!33 .׳ (HoO. - Geöffnet «Slltb »o» «-»־ ״ Fad •Ile hebrllechen ZelluMen und MonoUheft• der WeU Hegen •־־•*״ AutkunflitieUg far hebrJUeh# Angelesenbelltn. - HebrSIwh« Unrer- »ermllilung, — Treffpunkt •Her Freund« der hebrSlecbcn Sprach•. Blnlrll 1 fr•»•__ Daim.r.ltg. den 17. Februar •btnd» Uhr Gruppe Nordurrd, Im TletgMlenbo{. Vortrog de• Herrn Or. Köllen»• h«rs ״Jüdi.ebe Politik In DcuüehUnd.*■ Gropp• Nord, In der Konditorei Weber, Koeendr. «i• DUkUMiosiabcud. Grupp• Chartoltenbura. Geecllla•• Bdeamrnemcln In der Kondlloiel Jonny, Momm»endr.3». Sonnabend, den 1» Februtr •bendi Uhr l!*poel-Ha*Atr> Ro*«.nlh«ler llr. S6 (Agudalli Achim) Vorlrag von Chnwer Wall echt ,. Zlonldliche Politik.'’ Iltbrinch• Gruppe Im Zwnidlichea Jug.ndvereln, U«>Ub, H?t)igegfUlfttrAfre 52, •bend» ,/1® Uhr. Vorbei( von Heim Dr, ilmebony ober: תנחןת ההשנרד, נסערב Anichiieücnde DlfkUMlun. Eintritt fiel. _ ___ _ __<<>»1• willkommen■ H׳*rm ם וצא' שבת יום י״א אדר א׳ הקבוצה העברית שעל ידי האגודה ציונים צעירים בולי; 62 הייליגענ״סטשטראסע הרצאה של ד״ר שמחוני על דבר "תנועת ההשכלה במערב" אחר ההרצאה ובוהים _ AJrc.iun -VevSodorBBg«■« I Alle Mitglieder der 3. L V. werden gebeten, van Jeder Veränderung Ihre׳ Adreue den; f'iOro toforl Mlilellung 1.1 midien Olemtag, den 3J. Februar abend» 8 Uhr Gruppe Nordwett, Im Tiergartenhof Vorlrag det Herrn Br. Erich Marx. ״Die Bedeutung de» jadlnh׳ n Sallonalfondt für de■ Aufbau __ Paladin«».‘1___ Mlllwjch, den 33. Febiua* abend. S Uhr Gruppe Nord, In den Union-Sälen, Grelhwalder Sir. 33J. Vorlrag von Herrn Or, Alfred Kleer ״Aut unterer GerneIndcorbell.' Donner.leg, den 34, Februar abend» S Ubr Grappe Nord, In der Aula det Sophlcnjymnatlum», Wdnmeltler.tr. tS. Gärfeabend. Llchlblldervorlrag von Herrn Erich Toeplllt: ״JQdliche KuatidenkmAler In Paldtllna und int Golui." Elnlilll Mk. 3.—. Donaertlag, den 3. Märt abend» S Uhr Gruppe Charlolfenburg, Im Sehllleriaal, am Knie, Bltmardtdr. 115. Mn.lka'.lrch-Illerarlrcher Abend tu Guntien det Jüdltchen Nalionalfondt. Mllwlrkendai l.udwlg Harlou. Retllallnnen; Frl. Eilt Kur «,Getane Prof. Hdnrlch Loewe. llthlhl.dervoilrag .Palärllna'; Frl K o I h m a n n, Reillatlonen. Karlen tu 9,1• und 19Ma׳k dnd erhällllth Im Jfldlithrn Mallonalfondt SclucJMltl ISr Grah-Brrltn, Seyäeldr.3111, Zentrum 3614)15 und bet Herrn Dr, ßab, Bregertier 5fr. 3. Purlm-Veranilatiungen det )ältlichen Nallon.il/0Bd. Sonntag, den 30. Mär» 11*/, Uhr: Kaflnee Im Deulteben Theater, MlUwoth. den 35 Märt: Konzert In der Moehicbule für Muilir. Donner.tag, den 34. Märt׳ Ball de» Zlonlitlrchen Jugendverein, tu Gamlen det JOdi.chen NnlloneUondt Sonnabend, den 3ä. Mir»: Veranrlallunc tu Guntien de» Jüdltchen Nationalfonda, Purlmfeler. Grober Seal det i-ehrcrverelnihautei, Alexenderplalt. Karten tu alten VeranPallungen Im Vorverkauf erhälllleh! )Odlteher Nallonalfondt, Sekretariat IQr Grob-Berlln, Seydeltlr. 3, Zentrum 3614 19. Kulturdczernai der B. Z. V. Hchräuchcr Kindcrgarlen Charloitcnburft. Im Retfauranl Berliner Hin '!, Kö.lrlner Sir. 6. Von Montag bl» Frelfag 10—1 Uhr. Hebeälteher Kindergarten Weil, Im Orlhopädltehen Tumlnitllu! * Frl. Zempelburg, El.enacher Sir. 3 (nahe Kleltltlr.), Von Monlag bla Freiing 10-1 Uhr.' _ Hehi-älieber Kiaderiplelnacbmlltaft Charlobenburg, Im Retlauranl Berliner Kindl, Kütlrlner Sir. 6. jeden Mittwoch von K4 --K6 Uhr. Hebrltl.cher KlndertpIdnachmiliAit »üdwctlllehe Vororte, bei Frau Sdiotem. Frtedennu, Wlelandtlrabe 4. Jaden Monlag und Donnertlag von K5~A<7 Uhr. Hebrältcher Klndcripletnachmlfta(! Otl. bei Herrn Smll, E»mareh»lr,37. Jeden Monlag und Mittwoch von J^4—H* Uhr. HebrSItther Ktnderiptelnnehmlitag Nordwetl bei Frau Frl«t'6«.>», Holilelner Ufer 31. Jeden Dlemlng und Sonnabend von H*9~־ Uhr. Wiener Brief (Von unserem Korrespondenten.) s Wien, Anfang Februar. ln den letzten Wochen stand wieder einmal die O s tju d c n f rage in den politischen Körperschaften des Staates Oesterreich zur Debatte. Im Wiener Genieinderat, im Landtag von Niedcrösterrcich und im BudgetausscluiB der österreichischen Nationalversammhing wurden Debatten über Internierung und Entfernung der ostjüdischen Flüchtlinge mit einem Ernst und Eifer geführt, daß man meinen konnte, es handle sich hier um das Allheilmittel zur Rettung dieses Jammerstaatc».!Um die politische Bedeutung des Wiener Ostjudenpunktes zu verstellen, muß mau wissen, daß der ״Kampf gegen die Ostjuden“ politische Parole der letzten Wahlen in den Nationalst gewesen ist. Da nun die Parteien, welche mit diesem Schlagwort im Wahlkampf gesiegt hatten (Cliristliclisozialc und Dcutschnationalc), nunmehr ihre politischen Wechsel präsentiert bekommen und keinen einzigen angesichts der immer mehr verelendeten Lage dieses Staatsgebietes eialösen körnten, so wollen sie wenigstens das eine Verspreclien, das möglicherweise am leichtesten zu erü'ülcn wäre, nämlich die Entferiiung der Ostjuden, einlösen und so den Wäldern zeigen, daß sie etwas geleistet haben, Die sozialdemokratische Opposition im Nationalrat aber nutzt nun gerade die Frage der Ab- Schaffung oder Internierung der Ostjuden dazu aus, um der christlich sozialen Regierung ein Bein zu stellen. Die Sozialdemokraten, am meisten natürlich die jiidisehen oder hattijüdischen (wie der neue Landeshaupt• mann von Niedcrösterrcich, Herr Dannebcrg) haben die Perfklie, zur Ausweisung der Ostjudcn, um deren I Mimmen sie bei den Wahlen gebettelt haben, zu hetzen. da sic die Christlichsozialen dazu zwingen wollen, wie sie es so schön ausdrücken ״Farbe zu bekennen“'. Die Herren von links kalkulieren so: ״Gelingt den Herren Cliristlidi sozialen die Entfernung und Interuierung der jüdischen Flüchtlinge nicht, so haben wir damit gezeigt, daß sie unfähig sind und haben wieder Agilationsstoti; gelingt sie ihnen, so können wir »!11111er sagen, daß erst wir es dazu gebracht haben, daß die Herren Ernst gemacht haben“. So frivol wird von der Sozialdemokratie die Judenfrage politisch auspebeutet Es geht den Verteidigern der l'rciheit aller iilensclu-u und Klassen eben um die — Popularität. Die Anträge auf Internierung der Ustjuden, welche von den lerzabek und Genossen immer wieder gestellt werden, haben wohl wenig Aussicht auf Verwirklichiuig. da die christliduoziaie Regierung über die vom Völkerbund in Angelegenheit der ostjudischer, Flüchtlinge in Wien erhobenen Beschwerden nicht liinvveggelien kann (was ein neuerlicher Beweis dafür ist, daß der von jüdischnationaler Seite stets verfochtene Gedanke der Garantie der Minderheitsrechte durch den Völkerbund realisierbar ist). Die Regierung hat srinst durch den Bundeskanzler zicmiidi unzweideutig erklären lassen, sie könne üi der Sache der Internierung mcht ihren parteipolitischen Wünschen die Zügel schießen lassen, da eine Beschwerde der polnischen Regierung au den Völkerbund wegen der jüdischen Flüchtlinge in Wien eingelangt sei. Angebiicn soll auch die öderrcicliische Regierung aufgefordert worden sein, einen in der Ostjudenfrage sachlich kompetenten Vertreter nach Genf zu entsenden, um Aulklürungcn zu geben. Inzwischen werden die Versuche, die ostjüdischen Flüchtlinge zu entfernen, weiter for.gcsetzt und zwar mit dern Ergebnis, daß durch die behördlichen Schikanen und Vcxationcn nur die armen, ohnedies durch Not und Hunger schwer bedrohten Existenzen betroffen werden, während die, um weiche cs angeblich gellt, die Schieber und Schleichhändler, gänzlich" ui-.lieheiligt bleiben, da sie infolge der totalen Korruption der österreichischen Behörden immer ״sich’s richten können“. Die sonderbare Auslegung, die der O p t i o 11 sparagrnph des Friedensvertrages von St. Gcrmain bei uns geiunden bat (da derselbe Staat, welcher überall in allen Verträgen als Rechtsnachfolger des alten Oesterreich betrachtet wird, sieh, wo es sieh um die O p t i 0 n handelt, überhaupt überall wo es ihm paßt, als ganz neues rechtlich nicht verbindliches Oesterreich aufspielt), setzt die Ostjuden weiteren Vcxationcn au», da diejenigen Flüchtlinge, welche früher die deutschösterreichische Staatsbürgerschaftserklärung abgaben, heute aut Grund dieser Erklärung nicht mehr als öste,׳- reichisclic Bürger angesehen werden, sondern optieren müssen. Dies können sie aber nicht in allen Fällen, da Nachweis der Zugehörigkeit zur deutschen Rasse gefordert wird, der durch deutsche Volksschul• Zeugnisse erbracht werden muß. So steht die Ostjudenfrage und -hetze in Wien un Mittelpunkte politischer Parteifeinien. Von einer snehliehen Lösung ist keine Rede. Die von den Jüdischnationalen verfochtene Idee der Einordnung der Fluchtlinge in den Produktionsprozeß des Landes, wie sie in Deutschland von den Behörden aufgegrit'fer. wurde, findet hier gar keinen Widerhall, da sie eben den Parteieii ein bewährtes Kampfmittel entwinden würde. Am schlimmsten aber ist, daß diese Ostjudeuhetze von Wiener Juden mitgemacht wird. Daß die sogenannten ״Nichtjüdischnationalen“ im Kultusgcmeindewahlkampt diese Uebertragun: der Ostjudeuhetze in den Bereich der Judenheit durch die Teilung der Wiener Juden in ״Bodenständige“ und ״Fremde“ mitgemacht und damit schweres Unheii gestiftet haben, Ist bekannt. Die knappe Majorität des neuen Wiener Kultusvorstandes macht diese Taktik noch immer mit und konnte sich bisher nicht entschließen, die ominöse Ausschließung der nichtösterreichischen Angehörigtn der Wiener Kultusgctneinde vom Wahlrecht aufzuheben, wie es von den Zionisten immer wieder unter Hinweis auf die politischen Kon- Sequenzen, welche die judcnhctzersscheii Parteien und ihre Blätter daraus ziehen, beantragt wird, ln der letzten Sitzung des Kultusvorstandes wurde dieser Antrag einer Kommission überwiesen. Die finanzielle Lage der Wiener Jüdischen Genteiude ist noch immer katastrophal, und die Verwick-!ungut, die sich daraus und aus einer völlig Verständnislosen Wirtschaft der Majorität des Kultusvorstandes ergehen, werden immer ärger. Seil 11/י> Monaldi sind die jüdischen Kinder Wiens ohne Religionsunterricht, da die Religionsieltrcr streiken. Sie verlangen eine garantierte Gleichstellung ihrer Bezüge mit denen der Kommutiallchrer. Die zionistischen Vertreter im Kultus- Vorstand haben mehrmals die nötige Erfüllung dieser Förderungen beantragt; sie wurden jedesmal von der knappen Majorität a b g c I e h n t. Inzwischen droht eine Lahmlegung des gesamten Volksschulunicrrichts in allen Schulen Wiens, da sich die Kommunallehrer mit den jüdischen Religiotisldirern solidarisch erklärt haben und drohen, in den Sympathiestreik zu treten, wenn die Forderungen der Religionsieltrcr nicht voll erfüllt werden. Es ist daher zu erwarten, daß die KuKusvorstandsrnajorität unter diesem Drucke wird nadigebeu müssen- Damit aber wird wohl in enger Verbindung die Deniis sion dieser Herren stehen müssen, welche infolge einer lächerlichen veralteten Steuergesetzgebung leere Gemcindekassen schaffen und dann die Beamten mit dem Hinweis auf dieselben leeren Kassen hungern lassen. Sollte cs wirklich zu einem allgemeinen Lehrerstreik in Wien infolge der bcharrltdicn Weigerung der Herren von der nichtjüdischnationalcn Seite des Kultusvorstandes kommen, so sind wohl in Kürze Neuwählen in den Kultusvorstand zu erwarten. 50 000 Mftrk für den Natioxalfonds Der heutige Ausweis des Jüdischen Nationalfomli enthält einen Beitrag von 50 000 M., den unser Ge־ sinnungsgcnossc CU. Eitingon, Leipzig, für dea Landerwerb in Palästina gespendet hat. Herr Eilingoi», ein langjähriger tatkräftiger Freund des Natiomilfomls, liat durch diese grotkügige Ufttcrstüuung erneut be־ wiesen, wie sehr er von der Bedeutung des J. N.-F. für das werdende Palästina durchdrungen Ist Wenn dies vorbildliche Beispiel opferbereiter Gebefreudigkeit die