Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1921-02-15 · Heft 13 (15.2.1921) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 13 (15.2.1921)
Date
1921-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2652316-2652328--13780-2671538
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ז & 12 •*» י r•* % Anzejffcn-VcrwaltungE TelrpKon: UM»»d 845 u.ßlr». Eerii• Nr. )7 m, für 0«5*ו10»־ח*ל. P®»t*>ftrk*3»cnn1»t Vt«״ Konto Nr. 156 0..U). Für Tschnono'iiavviket: P«*UpMkM«t1»nmt Pr*f, Konto Nr. 156^0, — He«Ui׳!Ua«sch’u8 Sftsntftg u«U Mittwoch oachmiUag. -׳-־ ------irr11—■■!■■■111—11 וחזרו ״ ■m rn*»■ V«rlag Alwin Loewentha!, Berlin NW 7, DoroUieeosfar, 35 Tolcphou: Amt Znntrusn 4814 und 4815. A&t«l$«aprt!i• IGr &׳! a1e«cng*»<pau1ci1« NonparoHtoieil«2,J0M״, F«mi!!en«nzci/e1k 4 Kl. pro 3%il•. ■ Amolfronochluüt üien*.tag und FrciUf aaahmttU; 4 Uhr, ■ 9—־■Bf gTורי•^^■»M^11 1■ — *■ו ■ft ■ ■ ■ ■ 1■^■ ■■ 11 ■■■!—!■■ —!■ ■ ■iw11—in—MwnllfMl■ XXVI. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das JOdische Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ ui בש l״ Off. IV» ieb, jrr 6; Monds Eindrücke von Palästina Vor seiner Abreise «us Jerusalem nach London gewahrte Sir Alfred Mond dem Mitarbeiter des ״Doar Hajom“ eine Unterredung, in der er ihm seine Eindrücke v״u Palästina mittcilte, Mond habe nicht angenommen, daß Palästina einen solchen bezaubernden Eindruck auf ihn machen würde. Palästina sei viel schöner als manche durch ihre Schönheit berühmten Orte Europas, Palästina habe sehr viel Aehnlichkeit mit Südspanieu. Dabei sind bei weitem nicht die schönsten Orte Palästinas dem Touristen zugänglich. Das Land!st noch vollständig unbekannt auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Ein englischer Ingenieur teilte ilnn mit, daß er uuf Kupfervorkommen in Palästina gestoßen sei. Das Kupfer ist bereits in der Bibel als ein in Palästina vorkommendes Metall erwähnt, man habe aber bis Jetzt vergebens danach gesucht. M01«i mißfällt der Name ״Kolonie“, mit dem wir die in Palästina gegründeten Dörfer bezeichnen. Wir gründen keine Kolonien in europäischem Sinne, sondem kehren in unsere Heimat zurück. Die Kolonien haben auf Mond den der* diejenigen unter besten Eindruck gemacht, beson* ihnen, die als selbständig zu be-• zeichnen sind. Pctach-Tikwah erinnere an die reichsten 'törfer Englands und Amerikas. Noch schöner sei Rcchoboth. Uebcrall findet man einen jüdischen Typus. Hier wird auf alter Grundlage ein neues Volk geschaffen. Sogar Lord Northcliffe ist dieser Typus aufgefallen, den er geistreich als den Juden der freien Luft (open air jew) bezeichnet hat. Mit solchen Juden wird die Welt rechnen müssen. Besonders ist Mond Y0n der Jugend begeistert, die er um so mehr bewundert, als sie meistens aus dem russischen ׳Ghetto stammt, das sie verlassen hat, und nicht davor zurückgeschrcckt ist, nach dem öden Palästina zu kommen und es unter unsäglichen Entbchrungen zu einem wahren Paradies zu machen. Was die Arbeit anbetrifft, wolle er keine Kritik üben, er findet aber, daß die Ausgaben in Palästina ein wenig zu groß seien. Die künftigen Leiter der Arbeit müssen darauf bedacht sein, großzügige Engros-Arbeit zu leisten und sich nicht bei Einzelbeiten zu zersplittern. Ebenso würde er es gern sehen, wenn die Juden aus dem östlichen Ghetto, deren Führung in Kulturangclegcnheiten unbestritten ist, die Führung der materiellen Angelegen 11 eiten soweit als möglich ihren westlichen Brüdern überlassen würden, da die letzteren im vergangenen Jahrhundert sehr viel von der Systematik, der Organisation und der Sachlichkeit der Westvölker, insbesondere der angelsächsischen Rasse, gelernt haben. Es handelt sich hierbei nicht um einen Prioritätsstreit. Beide Teile müssen nachgeben, was sowohl der Kultur als auch der Wirtschaft zugute kommen wird. Wir müssen jeden Streit vermeiden, jetzt kommt es auf die Tat an. Nicht nur die Zionisten allein werden Palästina aufbauen. Freuen wir uns darüber, daß sielt auch Nichtzionisten an dem großen Werk beteiligen wollen. Wir wollen niemanden ab weisen und niemandem seine Jugendsüriden v o r w c r f e n. Die ersten Pioniere waren wirkliche Helden, aber durch ihr Heldentum allein kann dem Lande nicht geholten werden. Wir brauchen einen neuen Zustrom von frischem Blut. Hier ist Platz für Millionen. Er glaube daran, nachdem er gesehen habe, daß der Traum Wirklichkeit geworden ist. Mit besonderer Anerkennung sprach Mond von den neuen C h a 1 u z i m. Hier sehe man, welche Erfolge durch Idealismus zu erzielen sind. Aerzte, Ingenieure, Studenten verrichten mit Begeisterung die schwerste Arbeit, ohne zu murren. Das zeugt von einem starken Geist und festen Willen. Man darf aber diesen Opfermut nicht mißbrauchen, man muß diesen Clialuzim mögliehst schnell interessantere Arbeit verschaffen, als cs das Steinchaucn ist: man muß ihnen möglichst schnell Gelegenheit geben, selbständige Bauern zu werden. Man muß die Privatinitiative ini Lande fördern. Die Regierung muß für die Schaffung der Voraussetzungen einer geordneten Wirtschaft sorgen. Darüber habe Mond mit dem Oberkommissar und Oeneral Dccdes längere Unterredungen gehabt. Als eine der ersten Arbeiten betrachtet Mond die Schaffung einer elektrischen Station an der Odscha (biblisch Jarkon), sowie den Ausbau des Haifaer Hafens. Wir müssen sofort unsere Anleihe ausschreiben und über- «aupt jedes praktische Projekt aufmerksam behandeln. Der Anfang dieses Riesenwerkes wird auf sich nicht «mge warten lassen. Wir dürfen aber nicht drängen. Geduld wird uns schneller ans Ziel führen als übereilte Unternehmungen, Nachdem Mond ganz Palästina seinen wärmsten Dank ausgesprochen hatte, gab er der Hoffnung Ausdruck, daß bei seinem nächsten Besuch, den er im kommende» Jahre zu wiederholen beabsichtige, w! Anfänge der gemeinsame» Arbeit bereit« sichtbar wurden. Verständigung mit Amerika Bemerkungen zur Lage Von Adolf Böhm, Wien. Der nachfolgende Artikel wurde uns bereits vor Bekanntwcrdeu des Interviews mit Brandeis cingcsandt. Obwohl durch die Veröffentlichung des Interviews verschiedene andere als die von Böhm erwähnten Diiferciizpimkte herausgesielit wurden, glauben wir dennoch, daß der Artikel Böhms trotz der durch die Postverhältnisse ver• ursachten Verzögerung des Abdrucks und die inzwischen veröffentlichten Acußcrungcn an Cedeutun״ nicht verloren hat. Die Red. Der vorzügliche Artikel Julius Bergers in Nr. S dieses Blattes hat klar und scharf die Notwendigkeit betont, den Aufbau Palästinas von politischen Gesichtspunkten aus ins Werk zu setzen. Wenn er darauf hinweist, daß die Schaffung realer Unterlagen in Palästina durch praktische Arbeit die Voraussetzung der politischen Erfolge gewesen ist, so ist es vielleicht gut, sich daran zu erinnern, daß es gerade Cbaim Weizmann war, der in der Zeit der Kämpfe zwischen ״Politikern“ und ״Praktikern“ diesen Gesichtspunkt mit aller Schärte immer wieder — auf Kongressen und Actions- Coinitd-Sitzungen — hervorgekehrt hat. Es scheint mir aber doch, daß mit der neuerj liehen Präzisierung dieses Standpunktes allein noch! nicht alles getan ist, um die Mißverständnisse aufzuhellen, die zwischen europäischen und amerikonischen Zionisten vorhanden sind. Was darüber bisher gesagt und geschrieben wurde (das Beste insbesondere in dem Artikel Julius Bergers: ״Amerika und der Keren hajessod“ in Nr. 91/92) genügt noch nicht, den Standpunkt der Amerikaner zu verstehen und ihr Mißtrauen zu beseitigeu. Gegenseitiges Verständnis ist aber der erste Schritt zur Verständigung. Der Kern des Streites ist der Wunsch der Amerikaner nach völliger Trennung von Anlagen, die nach geschäftlichen Prinzipien rentabel sind und solchen Aufwendungen, bei denen das nicht der Fall ist. Wie ein roter Faden zieht sich diese Forderung durch alle Willenskundgebungen der amerikanischen Zionisten, sie ist zuletzt im Memorandum von Brandeis und in den Beschlüssen von Buffalo ausgesprochen worden. Julius Simon hat sich ihnen von Anfang an akkomodiert. Von unserer Seite sind zwar die prinzipiellen Gründe, die bezüglich des Keren hajessod gegen diesen Standpunkt sprechen (vor allem der, daß der Keren hajessod der Staatsfonds für das Staatsvolk, das wir nun geworden sind, sein soll) klargelegt worden, wir haben jedoch immer wieder den Amerikanern vorgeworfen, daß sie ä la Wolffsohn den kaufmännischen Standpunkt zu selir in den Vordergrund rücken, sind aber auf die realen Gründe, die sie zu ihrer Stellungnahme veranlaßt haben, nicht eingegangen. Mir scheint nach allem, was ich darüber erfahren konnte, daß es damit folgende Bewandtnis hat: Dort, wo man nach den Maximen kaufmännischer Rentabilität vorgeht, .ist die Grenze, wie weit man mit Investitionen, Kosten usw. gehen kann, klar gegeben. Man kann nur so viel aufwenden, als sich nach aller Voraussicht bezahlt machen wird. Die kaufmännische Rentabilität ist den Amerikanern nicht, wie man fälschlich meint, Selbstzweck, sondern sie ist für sie nur der einzig mögliche Maßstab dafür, daß eine Wirtschaft ״rationell“ geführt wird. Der Grund, warum sie die Rationalität der Wirtschaft so sehr in den Vordergrund stellen, Ist nicht der, daß sie andere Zionisten sind als wir, sondern ihre Furcht, daß wir, die rejativ genommen immer nur über beschränkte Mittel zu verfügen haben werden, damit nicht richtig haushalten und deshalb nicht den größtmöglichsten Effekt erzielen werden. Diese Furcht stammt aus der Beobachtung der bisherigen Kolonisationstätigkcit der Zionistischen Organisation. Die amerikanischen Zionisten wissen ebensogut wie wir, daß nicht alle Summen, die für die landwirtschaftliche Kolonisation aufgewendet werden, sich rentieren können, das steht auch im Memorandum von Brandeis. Sie sind deshalb nicht gegen jede ״Defizitwirtschaft“ an und für sich. Aber bei einer solchen, wie wir sie in bezug auf die landwirtschaftliche Kolonisation betreiben müssen, gibt es eben keinen tauglichen Maßstab dafür, wie weit man gehen kann, und so kann leicht die ״Defizitwirtsdialt“ zur Vergeudung oder Verschwendung führen. Nicht gegen die Defizite wenden sic sich, sondern gegen eine eventuelle Vergeudung. Gewiß waren die in der ersten Periode der zionistischen Kolonisation gemachten Experimente nötig, und niemand kann dafür verantwortlich gemacht werden, daß oft nutzlos Summen aufgewendet wurden, wie in Merchawja oder Ben Schemen. Aber man versteht das Unbehagen der Amerikaner darüber, Fonds für Defizitwirtschaft mit Fonds für kaufmännische Wirtschaft zu vermengen. Sie fürchten, daß dann alles in einem nimmersatten Schlund versinken wird und daß dann diejenigen, die für rentable Unternehmungen immer wieder Geld hergeben sollen, sich weigern werden, es zu tun. Deshalb wollen sie auch den Keren hajessod auf die ״Defizitwirtschaft“ beschränken und von den Kapilaßen für Erwerbsunternehnuuigen trennen. Mit welchen Argumenten sind wir nun dieser Auffassung entgegengetreten? Mit politischen und prinzipiellen, aber nicht mit nüchtern — realen. Haben wir bis heute schon eine klare Vorstellung über die Aufgaben des Karen hajessod herauskristallisiert, haben wir nicht vielmehr — durch wessen Verschulden soll hier nicht erörtert werden — die ganze Aufbaufrage in undurchsichtigen Nebel gehüllt? Man erwidere nicht, cs ließ sich noch gar nicht vorhersehen, was der ״Staatsfonds“ alles wird leisten müssen. Ich will ganz konkret sprechen: Auf der Sitzung vom Februar 1920 hat Simon den Plan des Aufbaues der zionistischen Kreditinstitute mit dem J.C. T. als Mantelbank im Sinne der Vorschläge des Advisory Committee entwickelt. Der J. C. T. soll auf 2 Millionen, die A. P. C. auf 1 Million Pfund Aktienkapital gebracht werden. Sehr gut! Aber hat man bisher auch nur das mindeste davon gehört, daß zur Erreichung dieses Zieles irgend etwas getan worden ist? Will man die Aktion für den Keren hajessod voranstellen, dann muß man klar sagen: Die Kapitalien für die Banken werden davon nicht bestritten, denn diese sollen ja auf einer geschäftsmäßigen Basis aufgebaut werden. Oder hat inan das Gegenteil beschlossen? Die Leitung wird wohl Klarheit darüber haben, aber das ist ihr Geheimnis geblieben, und nicht einmal Mitglieder des Actioris-Comites wisse» das mindeste darüber. Zweitens: Was ich schon unter Wolffsohn als schweren Fehler gerügt habe, besteht fort: Wir haben kein System des Zusanunenarbeitens der Institutionen. Ich höre eben — durch Zufall — daß die P. L. D. C. ihr Aktienkapital vergrößern soll (von der P. L. D.C. ist noch in keiner Sitzung gesprochen worden). Gut! Aber ich möchte nun gerne wissen, wie man sich die systematische Zusammenarbeit unserer Institute (J. N. F., P. L. D. C., Banken, Keren hajessod) vorstelit. Auch hier dichter Londoner Nebel! Ich stehe nicht auf dem amerikanischen Standpunkt, muß aber sagen: wenn man auch noch nicht das Geld hat, wenn man auch noch keine Unterlagen für detaillierte Pläne hat, so muß man wenigstens das Schema, das Gerippe des Systems haben, das man ungefähr befolgen will. Anders sind Millionen Pfunde für ״Aufbau“ nicht zu haben. Es handelt sidi also hier vor allem weniger um das Prinzip, als um Klarheit des Systems. Bei allem, was die Amerikaner vorschlagen, ist diese Klarheit vorhanden. Mag es der Plan des ״Commonwealth“ sein — dessen Grundlagen damit durchaus nicht gebilligt werden sollen — oder die Vorschläge von Brandeis usw., die Amerikaner segeln nicht im Nebel, sondern sie packen die Dinge konkret an. Und nur, wenn wir imstande sein werden, konkret zu sprechen, werden wir erst die .Grundlage zu einer Verständigung schaffen, früher aber wird sie nicht da sein. Ich sprach vorhin von dem Fehlen der Unterlagen für konkrete Pläne. Auch diesbezüglich ist vieles, ja alles versäumt worden. Seit der ersten Vollsitzung des Actions-Comitls ist ein Jahr vergangen. Bis heute wissen wir aber nicht, was in Palästina nun zunächst geschehen soll. Ussischkia 1 m־ y

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.