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Jüdische Rundschau · 1921-02-04 · Heft 10 (4.2.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 10 (4.2.1921)
Date
1921-02-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrg. per Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.1 Brandeis Aber amerikanischen Zionismus! Nochmals Buffalo ״Der fundamentale Unterschied“ Hie amerikanisch-jüdische Zeitung ״Der Top,“ bringt in ihrer Nummer vom 10, Januar eine Unterredung ihres Mitarbeiters mit Herrn Louis 1). Brand eis über den Aufbau Palästinas und den Keren hajessod, Wir geben die Verutfcnt* lichung des Blattes im folgenden in deutscher Ucbcrsctzung wieder. Der Aufbau Palästinas, sagte Braudeis, ist die einripe den Juden Amerikas und der ganzen Welt bevor- .־teilende Aufgabe. Palästina ist in vieler Hinsicht ähnlich wie Kalifornien; es ist nur durch die schlechte Wirtschaft verwahrlost worden. Wir haben nur das rohe Material und die Möglichkeit, das Land aufzubauen. Die erste, wichtigste Arbeit ist die Beforstung des Landes. Lin Viertel Palästinas!miß mit Wäldern bedeckt werden, tun die übrigen Teile gesund und fruchtbar zu machen. Diese Arbeit muH nur von jüdischen Händen gemacht werden, da sie von grober erzieherischer Bedeutuug für die jüdischen Pioniere ist. Diese Arbeit ist ein gutes Mittel zur Akklimatisierung und zum Uebcrgaug zu landwirtschaftlicher Arbeit. Palästina verlangt jetzt die ganze Intelligenz und alle Mittel, die wir aufbringen können. Der Aufbau Palästinas ist mit vielen Problemen verbunden, die aber alle lösbar sind. IXas wichtigste, was jeder Zionist, besonders ein amerikanischer Zionist, jetzt für Palästiua tun kamt, ist: hin zu gehen, dort zu leben und Mittel zu suchen, um sielt selbst auf eigene Faust seinen Lebensunterhalt zu erwerben, ohne Unterstützung irgend welcher Organisation. Keine Organisation ist imstande, das Land aufzubauen, aber lOüOd J u d e n m i t a u s g e a r be 11 e t e n l n d u st r i ep 1 ä n e 11, d i e h e r e i t sind, ihr (leid in diesen U n t e r n e It m u 11 g e 11 z u investier e 11 und dai ii r zu so r g e 11, d a II das (leid nicht verlor e!1 g e 111, werden Palästina a u f b a u e u. Die bisher i g e zionistische Arbeit in Palästina hat nur die Araber bereichert. Juden haben nur wenig Land gekauft, haben aber viel zur Verteuerung der Landpreisc• beigetragen. In den letzten drei Jahren haben die Zionisten in Palästina zirka zwei Millionen Dollar ausgegeben, und nichts hat man dort geschaffen. Wenn das Geld \venigstens in jüdischen Händen geblieben wäre! Aber nur die Araber haben davon profitiert. Sehr viel müssen wir von den Arabern lernen, bcsonders was die Anpassung an das Land betrifft. Die Einwanderer bringen ihre Sitten aus Ruß-!and und Polcn mit sich, die für Palästina gar nicht passen. Sk■ essen z. B. viel Fleisch, obwohl das Klima ganz andere Speisen verlangt. Tiberias z. B. ist von ,rischen überschwemmt, aber die Juden interessieren sich sehr wenig für den Fischfang. Anstatt sich dem Lande anzupassen, wollen sie ihre Gewohnheiten beibehalten in der Meinung, dies seien jüdische, während es in Wirklichkeit nur russische oder polnische Sitten -ind. Die Juden haben nach Palästina nur Apfelsinen, Trauben, Oliven und Mandeln gebracht. Gemüse aber müssen sie bei den Arabern kaufen. Bis jetzt war keine Möglichkeit vorhanden, eine planinäliigc Arbeit zu leisten, jetzt •mutt jede Arbeit planmäliig und mit Rücksicht auf die Zukunft durchgeführt werden. Von öffentlichen Geldern müssen die Kosten bestritten werden, die sich auf Bcf o r s t u 1! g, Bewässerung, öffentliche B i I - düng und ähnliche Ausgaben, die das ganze Land ׳tärker und reicher machen, beziehen, von denen aber niemand aulier dem jüdischen Volk selber Nutzen ziehen wird. Dagegen sollen I nd ust r icu n tc r n c Inn un• - e n, Bahnen und sonstige Unternehmungen, die das investierte Kapital mit der Zeit zurückbringen werden und vielleicht auch Zinsen bringen, obwohl kein Zionist solche erwarten darf, — durch Investments oder Anleihen, die private Juden bei Banken aufnehmen,:?(?gründet werden. . Nach dem Beschluß von San Rcmo kann es keine trage ״Zionisten und Nichtzionisten“ mehr geben. Das ist eine rein akademische, oder, besser gesagt, historische Frage. Jetzt gibt es nur nocl» Juden, die alle zusammen Palästina aufbauen Wien müssen, und je mehr Juden, um so größer unsere Kraft, um so möglicher der Sieg, Möge jede Stadt, )«ie lokale jüdische Gemeinde cs sich überlegen, was sie am besten zum Aufbau Palästinas beitragen kann: An Menschen, an Geld, an Industrieunternehmungen usw. Die Zionistische Organisation muß die freie Initia• ttve in dieser Arbeit walten lassen. Sic selbst kann! 1'),r Richtlinien geben und dafür Sorge tragen, daß die 'Arbeit nicht dupliziert wird, daß zwei׳ Gruppen nicht zwei gleiche Unternehmungen gründen. Palästina muß der Mittelpunkt unserer Arbeit werden. h> London sei er, Brandeis, dafür gewesen, daß man die centrale nach Palästina verlege. Man braucht in I 1•ondon kein Büro mit 118 Angestellten. Wenn sie alle fähig und nützlich sind, braucht man sie 111 Palästina. Man kann in London keine Pläne für Palästina machen, Pläne müssen aus Palästina kommen, hervoigcnilen durch die lokalen Bedürfnisse und Bedin- Rungen. Die Londoner Konferenz hat diesen Plan im Prinzip angenommen, hat ihn aber bis jetzt noch nicht > durchgeführt. , 1 Es scheint so, als ob zwischen den europäisehen und a »1 e r i k a n i s c h e n Zionisten j ein fundamentaler Unterschied j in der Auffassung der gesamten Bewegung existiert, j ln Europa ist man an eine zentralistische Regierung gewöhnt. Alle Direktiven kommen von I’etrograd oder Berlin, Paris oder Wien. Dazu mangelt es den osteuropäischen Juden an Erfahrung in Verwaltungsaiigelcgemicilcii. Das ist nicht ihre Schuld; sic waren bis jetzt zu den wichtigsten Regicrungsämtem nicht zugelassen, ln Amerika ist man mehr für die De- Zentralisation und verlangt 'um so mehr initiative von jedem einzelnen Bürger. Daher sehen es die osteuropäischen Zionisten gerne, wenn ein großes Büro in London die Arbeit in Palästina leitet. Der amerikanischc Standpunkt ist aber der, daß alles, was Palästina direkt betrifft, in und durch Palästina selbst geschehen muß. Außerdem soll jedem Lande in bezug auf die lokale Arbeit freie Hand gelassen werden, ln London braucht man nur ein kleines Komitee für die internationalen Verhandlungen. Dieselbe Differenz zwischen Amerika und Europa besteht auch in bezug auf den Keren h a j e s s o d. I>cr Keren hajessod ist auf der Londoner Konferenz nicht als Resultat eines durchdachten und ausgearbeiteten Planes aufgenommen worden, sondern als Resultat sentimentaler Reden. Bei den Europäern kann mail dadurch ihre Phantasie erregen; für Amerika ist das aber kein Arbeitsplan. Die europäischen Zionisten, die von jedem j Juden sein Maasser verlangen, fühlen nur das, was sie ן sagen, aber sie überlegen es sich nicht, weil ein großer j Teil der Juden, besonders der reiclicn, keine 10 Prozent! abgeben werden. Amerikanische Zionistenfiihrcr können! mit einer Forderung, die von v o r n 11 e r c i n u n d u r c hf ü h r b a r ist, an ihre Genossen nicht herantreten. Es ist überhaupt ein Fehler, wenn man die Funktionen der Zionistischen Weltorganisation dahin auffaßt, daß sic sich in die i n n e r z io n i st is ch e Tätig- Weit eines jeden Landes hi ne i 11111 i s c h t, Jedes Land muß die Arbeit nach den lokalen Bc- ׳ dingt« 11 gen und Umständen durchführen. Es ist sehr unpraktisch, von London aus zu diktieren, wie man in Amerika Geld zu sammeln hat. Die amerikanischen Zionisten wissen dies besser. Es ist unmöglich, im voraus alle Einzelheiten des Aufbaus Palästinas zu bestimmen. Dazu gehört eine sehr reiche Phantasie. Es ist ein schwerer weg bergan, und wir können nur Schritt für Schritt gehen, mit starker Energie und fester Entschlossenheit. Alles Gerede über soziale Gerechtigkeit und sonstige Parteiprinzipicn im Zionismus sind unnütz; mau bäckt Brot nicht nach einem sozialistischen Programm und baut Häuser nicht auf misraclüstische Art. All das muß nur auf einem Wege geschehen, auf dein jüdischen Weg, und der ist: zuerst nach Palästina gehen und dann erst Programme a u s a r b e i t e n. Die amerikanischen Zionisten glauben an amerikanische Methoden. Sie haben größere Erfahrungen in der Verwaltung von großen Unternehmungen und in Rcg:e:u1;gsange!egenbeiten, und sie müssen handeln wie ihnen ihr Verstand und ihre Erfahrung verschreibt. Er selbst sei sehr überrascht gewesen, das Manifest des Keren hajessod ohne die Unterschriften von Simon und d e L i e m e zu bekommen, die die Aufsicht über die Finanzen der Organisation innehaben. Das stempelt den Keren hajessod zu einer separaten Organisation. Die amerikanische Zionistische Organisation versucht die Sparsamkeit zuerst bei sich selbst einzuführen, um alle verfügbaren Gelder Palästina zu widmen. Die Arbeit in Palästina aber muß auf gute ,.Busincs“-Art durchgeführt werden., Diejenigen, welche die amerikanische Organisation selbst der Verschwendüng beschuldigen, verKennen die Umstände, unter denen sie arbeiten mußte. Es mußte seinerzeit schnell eine Regierung cn miniature geschaffen werden.' Es war schwer, fähige Menschen auszuksen; man mußte 100 Mann mit Arbeiten 1 beschäftigen, die unter normalen Verhältnissen von 25 Mann gemacht wer Jen. können. Man mußte schnell eine halbe Million Unterschriften beschaffen, um den Rücken der Führer in England zu stärken. Da konnte man mit Geld nicht sparen. Die Hauptsache war, Zeit zu gewinnen. Jetzt aber muß alles wieder eingerenkt weiden. Eines ist den zionistischen Führern in America klar: daß sie in Amerika׳ kein Geld mehr beschaffen können, ohne die Sicherheit zu haben, daß das Geld ausschließlich für den Bau Palästinas verwendet wird. Auch die Juden anderer Länder müssen aus ihren Mitteln beisteuern und sidi nicht auf Amerika allein verlassen. England hat reiche Juden, auf den Inseln und in den Dominions, Frankreich hat reiche Juden, und auch dk anderen Länder müssen ihren Teil beitragen. Die Veröffentlichung der Palästina-Reso'.utionen von Buffalo, die wir heute im Wortlaut nach den« offiziellen englischen Text zu bringen in der Lage sind, gibt uns die willkommene Gelegenheit, nochmals einige Worte darüber zu sagen, um Mißdeutungen unserer früheren Bemerkungen, die sich im Verlaufe der Diskussion gebildet haben, auszuschließen. Das Resultat der Konferenz von Bufialo wurde nach der Convention von dem offiziehen Organ der amerikanischen Föderation ״Das Jiddische Volk“, folgendermaßen gewürdigt: ״Die Haltung der Konferenz in der Palästinafrage hat klar zwei Dinge erwiesen: sie hat keine Rücksicht genommen auf die Prinzipien des Pittsburger Programms und auf die Stellung der europäischen Zionistenführcr zu denselben Fragen Trotzdem die in London herrschende Auffassung des Keren hajessod durch einen einflußreichen Vertreter zur Kenntnis der Convention gebracht worden ist, liat man doch den Antrag der Exekutive angenommen, Spenden und Irvestments zu trennen und die Funktionen des Spendenfonds zu bestimmen. Ebenso smd fast alle Vorschläge der Zei're-Zion, welche ein größeres Maß sozialer Maßnahmen bei der Aufbauarbeit sichern wollten, liiirchgefailen. Der einzige Vorschlag von Bedeutung, der durcligedrungcn ist, ist in nicht verpflichtender Form angenommen worden “ Aus dieser Aeuikrung des offiziellen Blattes ist klar zu entnehmen, in welchem Sinne das Resultat der Convention allgemein aufgefaßt worden ist. Wenn daher von manchen Seiten versucht wird, die Beschlüsse anders zu deuten, so ist das ein begrüßenswertes Streben, die Gegensätze zu überbrückcn, aber es scheint uns aut einem tatsächlichen Irrtum zu beruhen. Es braucht nicht erst betont zu werden, dab wir selbst wünschten, mit unserer Auffassung im Irrtum zu sein. Dies mußte vorausgeschickt werden, bevor wir auf den Inhalt der Beschlüsse selbst cingehcn. Die wichtigste Resolution ist Nr. 7, die zwischen Spenden und Investments unterscheidet. In der offiziellen Begründung, die Mack gegeben hat, wird fälschlich behauptet, die Weltorganisation habe diese Frage den einzelnen Landesorganisationen zur Entscheidung freigegeben. Daß dies nicht der Fall ist, daß vielmehr der Keren hajessod als ein einheitlicher, alle Kategorien von Sammlungen umfassender Fonds bereits bei der Londoner Konferenz gedacht war, geht nicht nur aus dem Londoner Beschluß, sondern auch aus dem von Mack erwähnten Brief des Direktoriums an die Convention klar hervor, ln diesem Brief heißt es, essentiell für den Keren hajessod sei das Prinzip, daß jeder Spender gleichzeitig an den rentablen Unternehmungen des Gemeinwesens partizipiere. Es wird allerdings gesagt, daß manche technischen Fragen der Geldsammlung jedes Land nach Zweckmäßigkeil regeln könne, aber natürlich abgesehen von dem essentiellen Programmpunkt. Mack sagt in seiner Rede ausdrücklich, daß Gelder in Amerika nur dann aufzubringen sind, wenn für Spenden und Unternehmungen getrennt gesammelt wird; d. h. also, daß man die großen Gelder für die Investitionen nur dann zu bekommen hofft, wenn man gleichzeitig das geschäftliche Interesse der Geldgeber weckt. Man stellt gewissermaßen das Geschäftsinteresse in den Dienst der Sache. Nur dies war natürlich auch gemeint, wenn wir bei früheren Anlässen gesagt haben, daß die Amcrikaner das Geschäfteinteresse in den Vordergrund schieben. Wir haben dieses Prinzip abgelehnt, weil wir nicht daran glauben, daß die großen Mittel für Palästina unter den heutigen Umständen durch auf geschäftlichen Interessen beruhende Investitionen äufzubringen sind, vielmehr tncinen wir, daß nur die nationalen, zionistischen Motive auch die jüdischen Kapitalisten veranlassen werden, Geld in Palästina zu investieren. Darum muß das nationale Ziel immer voranstehen. Darum darf auch nicht der Gesichtspunkt der Rentabilität üi erster Linie ausschlaggebend sein, wenn durch die Rücksichtnahme auf die Rentabilität eines Palästina- Unternehmens das nationale Ziel, nämlich der Aüfhau Palästinas durch Juden, leiden sollte. Die palästinensische Wirtschaft ist so geartet, daß selbst jüdische Unternehmungen dem jüdischen National-

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