Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 9 (1.2.1921)
- Date
- 1921-02-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrg. 0er Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schäftung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Die A.=C.־Siiz11ng verschoben Weltmann fährt nach Amerika Die ״J.P.Z.“ meldet: Mit Rücksicht darauf, daß die amerikanischen Mitglieder des (irolien A.C. im Februar nicht nach Furopa kommen können, wird sich VV e i 1 in a » n in Begleitung von einigen Mitgliedern des Direktoriums des Keren hajessod gleich nach seiner Rückkehr aus Palästina nach Amerika begeben, um die ein/einen noch vorhandenen Mißverhältnisse und Meinungsverschiedenheiten bis /um Zusammen* Tritt des (irolien A.C. aus/ugleicheu. Ans diesem tirunde wurde die für den 13. Februar nach London unbcraiiititv Tagung des A.C. für einen spä tereil T e r m i n v e 1׳ I e g t. Offiziell wurde über diese wichtige Frage noch nichts verlautbart. Die Londoner Juden und Palästina Auf der Jahreskonferenz der Association der jüdischen Gesellschaften der Freunde wurde eine Resolution gefallt, die die Notwcn d i g k e i t der höchsten Anstrengungen seitens des jü* discheu Volkes um den Wiederaufbau Palästinas und der äußerten Unterstützung des Keren hajessod anerkennt. In der Begründung dieser Resolution heißt es, daß ein Mißlingen dieses Projektes einen noch nie dagewesenen Ausbruch des Antisemitismus bringen würde. Der neue Gemeindebund Epilog zum XV. Gemeindetag Von Dr. A11 r o n Sandler. Gäste in Amerika Ncw-York, 23. Januar (J. C. ß.). Major James de Rothschild ist in zionistischen Angelegenheiten hier eingetroHi’ii. Die amerikanische |udenhci! bereitete iiirn!m Hotel .\stor einen herzlichen 'Empfang. Richter Mack, Rabbi Dr. Wist־, l>r. Schmarja Lew'in und Prediger Masianski hielten Ik'grülSungsansprache.i!. Major Rotlishikl erklärte in seiner Antwort, daß er im Aufträge des Leoiwunienl Council gekommen ist, um für gewisse zionistische Aufgaben unter der amerikanischen Jiidenheit zu wirken. Ucber den Empfang, den die New Yorker Juden dem zionistischen Zaddik Rabbi C h a i 111 S c 11 a p i r 0 aus Drohobyez bereileten, wird berichtet, dall 500!» Leute im Hafer, die Ankunft des Schiffes erwarteten. Nach der Landung wurde er sofort in die grolle Synagoge in der Ri vington . Street geführt, wo eine 10 000 küpiigc Menge ihn bejubelte. i>er Wiener Oberrabbiner Dr. C h a j c s ist in New York eiugetroffeu und wurde von verschiedenen Depulationen jüdisch-amerikanischer Gesellschaften und Parteien mit grollen Ovationen empfangen. Jüdisches Massenmeeting in Jerusalem Jcrusa'cm, 22. Januar (J. C. 15.). Gestern hat liier eine jüdische Massenversammlung stallgefunden, in welcher die Herren David Y e 11 i 11, Salomen Scliil- I e r, Dr. M o 11 i I c w e r, Dr, Klausner, Feldman 11• Radler und Hugo Bergmann die Zukunft des hebräischen Schulwesens in Palästina, dessen Bestand und weitere Entwicklung infolge der geplanten Sperre der zionistischen Fonds für die Deckung des Schul- und Erzieluingsbudgets arg gefährdet sei. Die Redner sämtlicher Parteien wiesen auf den eminent politischen Charakter des hebräischen Schul- Wesens in Palästina hin, wodurch eine Entlastung der Zionistischen Organisation gerade von diesen Auf-;,aheii einfach unmöglich ist. Die Erziehungsarbeit in Palästina ist von größter Bedeutung für das Gesamtjiidcntum in der ganzen Welt. Die nationale Erziehung;11 Palästina tuid die hebräische Universität - schlossen die Redner — sei die Grundlage eines jüdischen Paiästina. Für diese nationale Erziehung appelliert der Universitätsfonds des Keren hajessod an die Juden aller Länder. v Keren hajessod Ca na da. Herr Dr. Schmarja Lev in ist im Auftrag des Direktoriums Mitte Dezember nach Canada abgereist und hat inzwischen die Aktion in Canada cingeleitet. Er wird an der Ende Januar in Montreal stattfindenden Konvention der kanadischen Zionisten teilnehmen. Zurzeit befindet er sich auf Einladung der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas in New York, Finnland Nach einem Vortrage des Herrn Sal- - f1 n d in internem Kreise zeichneten die 30 Anwesenden K MjlUion finnische Mark. Der Gemciudctag hat überraschend schnell j zu dem seit langen Jahren erstrebten Ziele geführt: i er hat die Grundlage für eine Zusaminenlassung! der deutschen Juden zu einer einheitlichen Organij satiiui geschallen. Der in Nr. 5 dieses Blattes j charakierisierte Veriassuiigscunv urf für eine Gej sanitorgniiLatkm des deutschen Judentums, den der DeutscU-lsraeliti.-chü Gcmeiiukbund vovge'.cgt ׳hatte, j wurde nach Vornahme einiger Ahändeiutigen nahe-! zu einstimmig angenommen. Ehe wir zu einer; Würdigung des eivieitcu Resultates übergehen, sei einiges über den Verlauf der Verhandlungen mul die Stellungnahme der Parteien zu prinzipiell wichtigen 1 •ragen bcnchiet,! Darüber, daß das allgemeine, gleiche, direkte! Proponiunuiwahlrccht für die Wahlen zum Bundestage der Organisation eingeführt werden müsse, 1 gab es keine Diskussion. Die Frage des Fraueni Wahlrechts wurde mir vom Standpunkt der Ortho- I doxic in die Debatte gezogen. Es genügt, sieh 1 einen Augenblick zu vergegenwärtigen, wie die VcrtreUuigskörper der bisherigen jüdischen Organi-! sationeii zusammengesetzt waren, um den Wandel I der Zeiten zu erkennen. j Die F assuiig des Tendenzparagraphen ent- ] fesselte gleieii zu Beginn der Verhandlungen eine! leidenschaftliche Debatte. Ucber diese Frage sei j hier ausführlicher berichtet, weil sie in den letzten j Wochen eine Entwicklung nahm, die für die dcutj sehen Zionisten besonderes Interesse bietet. Be- ' kaimtlich hatte der D.-l.G.-B. in § 1 des Entwurfs i ursprünglich als Zweck der Organisation angc- J geben: ״die Zusammenfassung aller Kräfte iin 1 deutschen Judentum zur Pflege seiner gesamten J Interessen.“ Die Fassung war vom D.-I.G.-B. auf; Antrag der Zionisten dahin abgeändert worden, daß es nunmehr hiefl: ״zur Pflege der gesamten jüdischen Interessen“. Es wurde hier bereits berichtet, daß diese neue Fassung selbst in der gemischten Deputation der Berliner Gemeindevertretung zur Annahme gelangte. Nun setzte aber von seiten einiger einflußreicher Anti/ionistcn eine eifrige Agitation gegen diese ״zionistische“ Fassung ein die so erfolgreich war, daß die Frage des § 1 geradezu zu einem Schiboleth der Parteien wurde. L's wurde selbst die Drohung laut, man werde die eil bloc-Aimahme der ganzen Verfassung von der Entscheidung dieser Frage abhängig machen. Mehrere Berliner Liberale fielen um, und cs kam zu einem Antrag der Berliner Gemeindevertretung, die alte, engere Fassung wicdcrhcrzustcllcn. (104 Stimmen entschieden für den Antrag, 331 dagegen, hauptsächlich Konservative und Zionisten, aber auch andere Kreise, selbst Großgemeinden; auch Professor Ludwig Stein trat mit warmen Worten für die weitere Fassung ein. Die Gegner stützten sich auf den Wortlaut der Reichsverfassung, die einenZusammen- Schluß der Religionsgemeinschaften innerhalb des Deutschen Reiches vorsieht. Sie bestritten nicht die Notwendigkeit, gegebenenfalls auch für jüdiselie Interessen außerhalb der deutschen Grenzpfähle eiiUreten zu müssen, wünschten aber nicht, duicli die Fassung des § 1 zur Vertretung aller jüdischeu Interessen außerhalb Deutschlands gezwungen zu sein. Nun ließ sich die entgegengesetzte Erwägung, daß die engere Fassung eine solche Vertretung außerdeutscher Interessen hindern könne, nicht von der Hand weisen, und man gelangte auch allgemein zu der Ansicht, daß es schließlich dem Ermessen der Mehrheit des künftigen Bundestages anheinigestellt sein werde, seinen Pflichten- und Intercssenkreis selbst zu umgrenzen, ohne Rücksicht auf die Fassung des Tendenz- Paragraphen. Somit hat die Abstimmung keine erhebliche praktische Bedeutung, sie erscheint vielmehr als eine bemerkenswerte Demoastration, die das deutsche Judentum bei seinem neuerlichen Gcsinmtngswandcl als Abgrenzung gegen die zionistische Gesamtanschaiuung für notwendig hielt. Noch' lebhafter gestaltete sich die Diskussion über das AusländerwahTrecht. Die Zionisten erklärten sich mit Entschiedenheit gegen jede Karenzzeit für Ausländer und verlangten gleiches Recht für alle Juden. In dem Entwurf des D.-I.G.-B. war eine Karenzzeit ebenfalls nicht vorgesehen. Sic entsprach aber den Wünschen der Vertreter vieler, besonders größerer Gemeinden, und war ja auch in fj 8 des Entwurfs der Konfcrenzgcmeinschaft (für ״Nichtreichsangehörige“) vorgeschlagen. Der jüngst gegründete Bund der bayrischen Gemeinden kennt sogar nicht nur eine Karenzzeit für das aktive Wahlrecht, sondern beraubt die Ausländer überhaupt des passiven Wahlrechts. Aut dem Gemcindctag waren es die säclisisehen Gemeinden, die den extremsten Standpunkt vertraten, indem sic das Wahlrecht nur den reicltsdeutschen Juden Vorbehalten wollten. Sie unterzogen aber ihren Standpunkt einer Revision, indem sie von folgenden Erwägungen ausgingen: Die Frage, ob ein allgemeines Wahlreeiit ii'ir Ausländer in einer einzelnen Kultusgemeinde, wo z. B. 13 000 Ausländer 3000 deutsehen Juden gegenüberstehen, gewährt werden könne, sei nicht identisch mit der Frage, ob die Ausländer zum Bundestag zu wählen haben. Die Gemeinden sind nur im ״Rat“ vertreten, in den sie für 20000 Seelen nur einen Vertreter entsenden, während der Bundestag die gesamte deutsche Jmienlteit und nicht die jüdischen Gemeinden vertritt. Wird nun in größeren Wahlkreisen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl zum Bundestag gewählt (für die erste Wahl sind überhaupt nur vier große Wahlkreise vorgesehen), so erscheinen die Ausländer nur als winziger Bruchteil auf der gesamten Liste, so daß das Verhältnis von 13 000 zu 3000 überhaupt nicht in die Erscheinung tritt. Diese veränderte Stellungnahme gestattet also noch keinerlei Schlüsse auf das Verhalten des Verbandes der sächsischen Gemeinden in dir Frage des ücnieiiidewalilrcohis. Dagegen trat die Gemeinde Dessau, bisher eine der Hochburgen der Rcak ion, nicht nur für die Gewährung des Ausläuderwahlrcchts zum Bundestage ein, sondern ihr Vertreter stellte sogar das demokratische Wahlrecht für die Gemeinde selbst in Aussicht. Mit überwältigender Mehrheit gelangte schließlich der Antrag Blau-Frankfurt zur Annahme: ״Waliibercchtigt und wählbar zum Bundestag sind alle volljährigen, in Deutschland wohnenden Juden beiderlei Geschlechts, die mindestens ein Jahr vor Auslegung der Wählerliste innerhalb einer Bundesgemeinde ihren Wohnsitz, gehabt haben." Hier liegt keine Ausnahmebestimmung gegen Ausländer vor, denn die Bestimmung findet auf jeden ״Juden“ — auch die Bezeichnung ״Geineindeniitgiieder“, die zu Bedenken Anlaß gab, ist damit ausgeschaitct -- Anwendung. Ein deutscher Jude, der seit einem halben Jahre in Berlin wohnt, wäre hier nicht wahlberechtigt, wenn er vorher in einer dem Bunde nicht angehörigeu deutschen Gemeiiide gewohnt hätte; ein Ausländer dagegen, der seit einem halben Jahre in Berlin wohnt, wäre hier wahlberechtigt und sogar wählbar, wenn er z. B. das erste halbe Jahr seines Aufenthaltes in Deutschland in Kattowitz zugebraclil hätte. Ucber den § 6, betreffend die Autonomie der Gemeinden, ist das Nötige bereits in meinem vorigen Artikel auseinandergesetzt worden. Die Sicherung der völligen Autonomie der Einzelgemeimle, nicht nur in bezug auf Kultus und Unterricht, entsprach besonders auch den Wünschen der Konservativen, und wurde auch von überzeugten Anhangern eines demokratischen Gemciudewahlredits gefordert. Von unserem Standpunkt aus bleibt es bedauerlich, daß sich der Bund jedes Rechtes der Einflußnahme auf die Gestaltung des Wahlrechts der Einzclgcmeinde begeben hat. Die Einwendungen, die die Orthodoxie gegen den Entwurf zu erheben hatte, bezogen sich zunächst auf das Fraucnwahlrccht, da nach einem Gutachten von Professor Hotfmann nur das aktive, nicht aber das passive Frauenwahlrecht mit den religionsgesctzlichcn Bestimmungen in Einklang zu bringen sei. (Es ist zu bemerken, daß der Gutachter selbst seine Schüler an seine Auffassung nicht gebunden hält.) Weitere Bedenken wurden gegen die Anerkennung des Breslauer jüdischtheologischen Seminars, der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums und des Berliner Rabbiner-Seminars, von denen je ein Mitglied