Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1921)
- Date
- 1921-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1 «*“י i, 1?tWT>nn1 .;5 4* V. ע־ Cm»». . 3״״ Kodaktioa und Verluj W 15« Sachfliclto SlraSo K. Ernditiut Jeden D»«n»tftg־ und FrciU;;. Dezugtprcia bei der Eipcdilion und den Postämtern vicrtoljuhrlidi 15.— M. in Deutschland. Au31and*nbonncodcqIb \M־rdon in der Wahrung der cinzctntn LnntUr btrcdmoU Nummer 6 Berlin, 21,1. 1921 Anzeige n-V erwa 11 u n g: Verlag Alwin Locwcnthal, Berlin NW 7, Dorotheenstr, 35 Toleplma: Au»t Zentrum 4814 und 4815. Aoteigonprci*; iur <he 1,iuüct1|׳t<*t/ü.unt) hnTnparcinezeilo 2,50 M.« if&miUenar:rei^en ־♦ Mpro Zeile. AntcigenschluUi Dicnr.UK und FrciU:; anchmUtag 4 Uhy. Trltphon: Uhlanti 84 5 u.845. P<Machc<J<konto! Berlin Nr. J7 V*?. Für Oesterreich. PoiUparkasicnamt Wien, Konto Kr. 1«נ:ג h'«), Für Tschcchodov/aVcit Po»tsp&rk!u*ensmt Prag, Konto Nr. *SCO.‘י. — Prd-1־i:$!ormtJd'i8 Sonnt״* jf und MUtwa-.h naemmtta;. — 12. Sch’bat 5681 J XXVI. Jahrg. **mj. m t •־ . v! ־» Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer Öffentlich «roch!!Ich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.“ Ostjudendebatte im Hauptausscliuß Die Unterbringung in Konzentrationslagern. Der Hauptanssehuß des Reichstags beriet am vorigen Sonnabend bin- und Auswanderungsfragen. Frau Wurm (U. So/..) sprach ihre Genugtuung darüber aus, daß die Verfügung, wonach jüdischen Du r ch \va n d c re r n in Schneidemühl die Pässe ab• genommen wurden, auch wenn sie bereits mit dem amerikanischen Visum versehen waren, nun endlich auf• gehoben worden sei. Hoffentlich handeln auch die untergeordneten Behörden danach. Der neue preußische Erlaß vom 17. November verfüge die Unterbringung ost jüdisch er Einwanderer in die Konzentrationslager der Kriminellen, der Verdächtigen und der Arbeitslosen. Wer ״verdäelirig" sei, entscheiden untergeordnete Behörden. Da der größte Teil der Durchwanderer polnische Militärflüeht- .,.:!ge seien, so seien fast alle arbeitslos und k ä m e 11 nach dem Wortlaut des Erlasses sofort in Konzentrationslager, wo jede Möglichkeit, Arbeit zu erlangen, aufhöre. Dabei handele es sich in erster Linie um 1)urchwandercr die von auierikanisehen Verwandten und Fürsorgevereinen gewöhnlich nach drei bis vier Monaten mit Geld und Pässen verselien und nach Amerika abberufen würden. Leute, die in Konzentrationslagern waren, läßt aber Amerika nicht herein. Dabei seien durchwandernde Juden nie• inals aus öffentlichen Mitteln unterstützt worden, sondern stets nur aus privaten. Die jüdische Fürsorge- Organisation habe sich mit Erfolg bemüht, die Ostjuden in den Bergbezirken in Arbeit zu bringen. Keine der Arbeiterorganisationen habe bis beute dagegen Einspruch erhoben. Der Erlaß mache nunmehr die Lin- Stellung von Auswanderern immögiieh, da ausländische Arbeiter nicht eingestellt werden dürfen, bevor nicht alle einheimischen Arbeitskräfte in Arbeit gebracht seien. R e i c h s in i n i s t e r Koch erklärt, er denke vorn preußischen Minister des Innern, den er als selbständigen und kraftvollen Mann kenne, viel zu hoch, um an/11la hmen, daß Preußen seinen wohlerwogene«! Standpunkt in dieser Sacht irgendwie modifizieren würde. Die Behandltmg der Frage im einzelnen sei lediglich eine S u c 11 e P r c u II e n s. Alle Erörterungen seien im besten Einvernehmen mit Preußen erfolgt. Seinen Standpunkt präzisiert der Minister wie folgt: Es liege kein Anlaß vor, irgendwelchen Ausländern Vorzugsrechte ciuzuräumen. Es handle sich nicht um Antisemitismus, sondern um Gleichmäßigkeit in der Behandhing aller Ausländer. Ausriahmemaßiiahinen zug 1111 sten der Ostjuden ließen sich nicht aufrechterhalten, schon um deswillen nicht, weil die Aus- Wanderung der deutschen Arbeiter erschreckende Formen angenommen habe. Jeder Einwanderer vom Osten bedeute im Westen einen auswandermien gutquntifiziertea deutschen Arbeiter, das mache der Minister keinesfalls 1n!t. Das Berliner Wohnungsamt habe sich dun Minister gegenüber entschieden gegen die Einv.anderimg der Ostjuden ausgesprochen, namentlich darul er geklagt, daß Berliner Proletarier ״keine Wohnung fanden, weil ihnen diese von Ostjuden weggcnommeti mich“. Ebenso hätten die Landesarbeitsämter darüber geklagt, daß die cinwanderndcn Ostjuden den dcutf: ben Arbeitern die A r b e i t s s t e 11 e n w e g nä h m e n. Per Minister sei nicht in der Lage, die ergriffenen Maßnahmen zu ändern. Abg. M11 m m (Dnat.) wies auf den Reichstags- In Schluß vom 20. August 1920 gegen die östlichen Einwanderer hin. Abg. Hoch (Soz.) erklärte, es sei zuzugeben, daß energisch gehandelt werden müsse, um der Einwanden!״g der Ostjuden zu begegnen. Doch müsse man sich vor Uebertrcibungen nach der einen oder anderen Seite hin hüten. W u 11 e (Dnat.) wendet sich gegen die von Frau Wurm ausgesprochene Ansicht, wonach gercchterwcise bei Behandlung der Frage der ausländischen Einwande* fang Balten und Ostjuden gleich zu behandeln seien. Der Redner erkLärt dagegen: die Balten seien deutsch '1ie wir, entscheidend sei das Blut. Die sittliche Ver- Nährlösung unseres Volkes schreite mit der ostjüdisehen Einwanderung fort. Notwendig sei ein Gesetz, <Us jede Ostjudcneinwanderung verbiete und die nach Kj|9 eingewanderten Ostjuden aus wei se. Berichtigung In dem Artikel von Dr. Abron Sandler über ׳.Uie Gesamtorganisation des deutschen Judentums“ in üvr vorigen Nummer der ״J. R.“ ist ein peinlicher, sinnstörender Druckfehler unterlaufen. Auf Seite 28, L Spalte, Zeile 20 von unten, soll es natürlich nicht bvißen: ״in übertriebener antisemitischer Aciigstlichkeit“, 90"4^יח richtig: ״in übertriebener a 11 ti zionistisch er Aengstlichkeit“. Die Einwanderunsjsbill vor dem amerikanischen Senat i New York, 14. Januar. (J. C. B.) Das vom Rej präscntaiitcnhaus angenommene Gesetz betreffend das; Einwanderungsverbot für die Dauer eines Jahres ist I nunmehr in den Senat cingcbraeht worden, welcher i ciie Beratungen darüber bereits begonnen hat. 1 Eine bei den Senatsmitgliedern veranstaltete Rund-! frage ergab, daß 30 Senatoren für das Verbot mul 12 | dagegen stimmen werden. 33 Senatoren enthielten sieh! der Meinungsäußerung mit dem Begründen, daß sic noch 1 nicht in der Lage seien, ihre Stclulng zum Gesetze fest- ■ zulegcn. Es wird allgemein bezweifelt, ob j der Senat die EiuwanderungsbiU in ihrer bisherigen ] Fassung genehmigen wird. A Ueberdics wird erwartet, daß selbst bei Annahme des Gesetzes, darin eine Bestimmung aufgenommen werden wird, vvonaclt cs auf Juden und Irländer, als politischen Verfolgungen ausgesetzt, keine Anwendung finden wird. Senator France hat erst gestern einer Abordnung versichert, daß er selbst diese Ausbesserung vorschlagen wird, sobald er den Eindruck gewinnt, daß sich im Senat eine Mehrheit für die EinwanderungsbUl befindet. Erez־Israel Die zweite Ta״!!n״ des Waad leumi (Schluß des Berieiites aus Nr. ■I der ״Jüd. Reisch,“) 11 s s i s e 11 k 111־ antwortet auf die gegen ihn gcrichtite Kritik. Fr anerkennt vollständig das Recht des Waad leumi .1111' eine Kontrolle* 'der Geschäftsgebarung des Waad ha/irim, einschließlich der Gehalts frage, und gibt zu, daß es ein Fehler war, daß mrm in dem Bericht des Waad ha/.irim keine detaillierten Mitteilungen über die Gehälter gemacht habe. Die!־'rage LanJkauf oder Kolonisation ist schon längst entschieden. Vor allem kommt der Laiidkatif, der N.-F. steht au erster Stelle. Wir müssen durch öffentliche Mittel das Laut! als N־!tioiialcigcii'.um zu erwerben suchen, wir dürfen aber auch die Privatinitiative nicht ausschließen. Es wäre falsch, mit der Einwanderung zu warten, bis die nötigen Sammen aufgebracht sind. Bisher kamen 80U0 Einwanderer, davon wurden (*) ״׳!׳ in der Arbeit untergebracht und I blieben im Lande. Nur die Bedürfnisse einer j in vollem G a n ge b e f i n d 1 i c 11 e n Ei 11 w a n de-; rung sind imstande, Gelder aus der Diaspora ins Land I zu bringen. Gewiß sind nicht alle Einwanderer erj vüns.’liT. Die Auswahl müßte rii den Auswanderung»« Eiitilem schärfer sein. Wir müssen jedem die Wahrheit über das Land sagen, daun werden wir ein tüchtiges und hingebungsvolles Element für das Land bekommen. Gegen den Vorwurf, der neugesehaffenen Arbcitcrorgaui״ sation bcsomlcsc Sympathien cntgcgcngebracht z.u haben, antwortet Ussisclikin, daß er vieles in dieser neuen Organisation z.u bemängeln habe, wie die Aufnahme der linken Poale-Zion (M. P. S.) und die jiddische •Reue eines Delegierten; aber die Tatsache au sich sei außerordentlieh wichtig. Das Einwaudererinaierial ist ausgezeichnet. Allerdings gibt es auch minderwertige Mitläufer, und die vorgebrachten Mißstände in den Herbergen sind mir! bekannt. Bedauerlich ist auch, daß bei der Arbeits- Verteilung manche später angekommene, aber gut empfohlene Parteimitglieder den anderen, früher Augekommenen vorgezogen werden. Was die Kwuzoth betrifft, so wiederholt Ussisclikin seine Meinung, daß cs besser wäre, sie in kleinbäuerliche Siedlungen zu verwandeln, aber wenn die Frage gestellt wird, ob man die Kwuzoth so belassen sollte wie sie sind, oder sie ganz aufgeben, so sei er für das erstere, wie er überhaupt bei!seiner Arbeit sich nur nach einem Prinzip gerichtet habe: Was bereits besteht und mit solchen Opfern erreicht wurde, darf unter keinen Umständen aufgegeben werden. Keine Schule und keine Arbeitsstätte dürfen geschlossen w erde 11. Ussisclikin verlangt ferner vom Waad leumi eine Stellungnahme zu der Kundgebung der Rabbiner betreffend die nichtrituellcn Arbeiterküchen. Dies sei seiner Meinung nach keine rein religiöse Angelegenheit, soudern beansprucht allgemeines'nationales Interesse. ln dieser Sitzung wurden noch folgende Angelegenheilen erledigt: Es wurde eine Schlichtungskommissiion gebildet, die in Streikfällcn ihre Dienste anbieten sollte. Dr. de Pool referierte über die Hilfsarbeit des Joint und teilte mit, daß seine Einkünfte um 60 »/״ gefallen sind, weshalb man viele Institutionen schließen muß. Im Juni wird die Jointarbcit in Palästina völlig a n f h ö r e n, weshalb cs nötig ist, daß der Waad leumi rechtzeitig für die Fortführung der Arbeiten und für die Aufbringung der Geldmittel Sarge trägt. Ycllin ist dar gegen, daß die vom Waad leumi nach der Diaspora zu entsendende Delegation sich mit Gcldsammeln beschäf- ■tigen soll. Ihre Aufgabe sei vielmehr nur, die Diaspora über die Lage und die Möglichkeiten in Palästina aufzukiären. Der Waad leumi beschloß zuletzt, der Exekutive des Waad leumi die Ausarbeitung eines Planes für die Delegation nach dem Auslände zu überlassen, ferner wurde beschlossen, Verbindungen mit dem Rabbinat anzuknüpfen, um die Zusammenarbeit im Mischpath haschalom zu ermöglichen. Nach heftigen Debatten wird ferner der Antrag RacUer-Feklmann (Misrachi) angenommen, der besagt: ,,Der Waad leumi ersucht das Präsidium, mit der Arbeiterorganisation in Verbindung zu treten zwecks Beilegung der Frage der unritueUcn Küchen.“ Weitere Anträge betreffend die Aufbringung des Budgets des Waad leumi auf dem Stcucrwegc werden dem Präsidium als Material überwiesen. ן Die ersten Institute der Universität Jerusalem ן Die ersten Institute der Universität Jerusalem sollen J im Herbst des Jahres 1922 eröffnet werden. Es handelt I sich zunächst um Forschungsinstitute für Physik, Chemie und Mikrobiologie, ferner um ein Institut für hebräische Sprachwissenschaft und um eine Abteilung für jüdische Wissenschaften in weiterem Sinne. Die weitere Errichtung von Forschungsinstituten und der Ausbau zu : Lehrinstituten soll in der Folgezeit nach und nach I erfolgen. (Z. K.) Ausbreitung des GcwerJcschaftswescns Die jüdischen Arbeiter mul Beamten der paüumensischcii Eisenbahnen, sowie des Post- und Telegraphen׳• Wesens'־ halicn sich zu einer Bcnifsgenossensehaft vereinigt. Ferner wurde in einer küi/Jidien Sitzung des Benmtenvercins in Jerusa'em beschlossen, einen Schlichtungsaiisschuß zu wählen. Denselben Beschluß faßten j auch die Beamten imd Angestellten der jüdisch-ameri- ' kanisehen Sanitätsinsütution ״Hadassah“. Es wurde be- ( schlossen, die neuen Organisationen uer kürzlich gegrün- I detcu Gesamtorganisjt.on aller ' Arbeitet Palästinas j (Ichud) anzuschlicßcn. I! Die Vergrößerung Petach Tikwahs.' (J. C, B.) Die : Regierung übergab der Kolonie Petach Tikwah 3000 Dtinam sumpfigen Bodens für die Dauer von 50 Jahren. Die Irrigationswerke werden von elektrischer Kraft be« trieben werden, die die Audja-Gcwässer liefern werden. Die jüdische Flagge. Mit einem der letzten Schifte trafen in Haifa 60 wohlhabende Zionisten aus Datum ein. Bei der Landung des französischen Schiffes hißte dieses die jüdische (blau-weiße) Flagge. David Yciiin wurde von der Royal Asiatic Society als Mitglied aufgenommen. Derselben Gesellschaft ge. hört auch der Archäologe Raphaeli an. Wanderunterricht bei den Beduinen. Der Advisory Council '’stimmte in seiner dritten Sitzung dem Vorschlage der Regierung zu, Reiselehrcr nach dem Ostjordanlande zu entsenden zum Zwecke der Unterrichtung der Kinder der dort lebenden Beduinenstämme. Die Washingtoner Regierung für die galizischcn Flüchtlinge in Wien. New-York, J2. Januar. (J. C. B.) Auf Grund eines Berichtes aus Wien über die AuswcisuugsmaOregeln der österreichischen Behörden gegen die seit Kriegsausbruch nach Oesterreich /»!gewanderten Juden aus Galizien und der Bukowina, iiat das Admiiiistrationskomitec des Kongresses der amerikanischen Juden eine Aktion bei der amerikanischen Regierung unternommen. Das Kongreßkomitee erhielt von der - Regierung in Washington eine Antwort, daß der amenkanisclic High Commissioner in Wien beauftragt wurde, unverzüglich Informationen über die Ausweistingsgefalir nach Washington einzuschicken, worauf die Regicrung die erforderlichen diplomatischen Schritte unternehmen werde Der Kampf um die Sabbathruhe in Amerika. Das Gerichtsverfahren gegen einen jüdischen Fubrikauten, in dessen Fabriken am Sonnabend gefeiert und am Sonntag gearbeitet wurde, hat dem Schomrei-Sabbat einen vollen Sieg gebracht: der aus drei Richtern zusammengesefzte Gerichtshof hat den Angeklagten freigesprochen. Im Urteil heißt es ausdrücklich, daß der Fabrikant am Sabbat feiert und daher wohl berechtigt ist, seine Fabrik am Sonntag in vollen Betrieb zu scl/en Diese Entscheidung des Gerichtes* ermutigte die Verciuigungcn. für Sabbatruhe zu einer ausgedehnten Aktion unter den jüdischen Fabrikanten Amerikas, ihre Betriebe am Samstag zu schließen, da sie doch ungestört am Sonntag arbeiten dürfen. Taft gegen den Antisemitismus, ln einem von ״cf «Anti-l)cfamatior.“-Liga veranstalteten Meeting sprach der gewesene Präsident der Vereinigten Staaten Taft über die antisemitische Propaganda in Amerika und verurteilte in scharfen Worten die berüchtigte Broschüre ״Protokolle der Weisen von Zion“, die er mit den bekannten Geschichten Münchhausens verglich. Besonders scharf trat Taft gegen den Führer der antisemitischen Propaganda, Henry Ford, auf, der den bisher in Amerika unbekannten Rassenhaß schürt.