Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1921)
- Date
- 1921-01-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Postsparkiuuenamt Wien, Konto Nr. 156 630, Für Tschechoslowakei: PotUpsrksstenamt Prag, Konto Kr. ISO030. Redsküousschluß Soenteg und Mittwoch narhmitt*׳/. — , ■m ■in—..in ■ii.tiiinmi'^ieeemBBPwaa■■ | 9. Sch'bat 5681 W.e1JMW>l־l־־l11 II 111■—I— jj XXVI. Jahrg. Der Zionismus erstrebt fOr das Jüdische Volk die Schäftung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.׳ James Rothschild fährt nach Amerika Nach einer Meldung der ״Jcwish Times'• (London) ist am 8. Januar Baron James Rothschild (dem Sohn ik’S l’ariser Barons üdnumd) nach Amerika gefahren. Rothschild ist einer ßnl.niun^ von Brandeis und Mack,dem Präsidenten der amerikanischen zionistischen Föderation, •,efol.ct und hat vor seiner Anreise mit der zionistischen UveVutive in London konferiert. Das erwähnte Blatt bemerkl dazu, difl mit dieser Reise James Rothschilds eine grolkingelejjtv Tätigkeit im Dienste der zionisti- »eben Sache beginnt, auf die große Erwartungen gesetrt ',erden. Oer arabische Kongreß in Haifa Auf das .Memorandum, das vom arabischen Konereil in Haifa dem Oberkotninissär Sir Herbert Samuel . *gelegt wurde, (s. vorige Nr. der ״J, R.‘•) wurde an 11 ■!י Vorsitzenden des Kongresses folgender Brief geli.'htet: ״Ich bin vom Obeikommissär beauftragt, den Empfang Ihres Memorandums zu bestätigen. Wir lenken aber Ihre Aufmerksamkeit auf die Einleitung Ihres Me- 1. ■oramimns, wo Sie behaupten, Ihr Kongreß verkörpere die Meinung aller Gemeindet» mul Parteien. des a׳abisehen Volkes in Palästina. Gegen diese Darstellung sprechen die Nachrichten, weiche die Regierung hesitzt, und aus denen hervorgeht, daß die Mitglieder Ihres Kongresses von kleinen Gruppen .gewählt sind und daß diese keineswegs als Volksvertreter angesehen werden können. Daher wären wir Ihnen sehr dankbar, wenn Sie, ehe der Oberkomtnissär auf den Beschluß eingellen kann, eine Antwort auf folgende Fragen erteilen würden: I Von welchen Vereinen wurden die Delegierten des 1' >ngresse* gew.ihh? 2. Wieviele Mitglieder hat jeder!Leser Vereine, die sieh an den Wahlen zum Kongreß; ■ ieiliga haben?" Unterschrieben ist der Brief vom Zivilsekreliir ,11 .׳. I e c d c s. Gegen die Einstellung des Schulwesens Jerusalem, 6. Januar. (J. C. B.) Die Erkl.iriui.״ der zionistischen Delegation (Julius Simon, N. de Liemc), daß die Zionistische Organisation bcschlossen hat, die den hebräischen Schulen in Palästina bis nun gewährte Subvention eiuzusteUen, rief in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung große Bestürzung hervor. Außer der bereit« gemeldeten Aktion der hebräischen Lehrerschaft fand in Jaffa eine Massenersanimlung statt, in der Aronowicz, Feldwann an«( Dr. Mossinson sprachen, in der von ih r Versammlung gefaßten Resolution wird darauf hingewiesen, daß die Erziehung in Palästina eine politische frage sei, daher die Einstellung der Subvention für (I s hebräische Erziel!ungswerk eine positive Gefahr bedeute und für die Ziele und Aspirationen der ziomstischen Bewegung in Palästina äußerst schädlich sein könnte. Der palästinensische Jisehub ist nichtsdcstoweniger fest entschlossen, die höchsten finanziellen Anstrengungen zur Erhaltung seiner Schulen zu machen, At'hnliclie Versammlungen sollen auch in allen Städten mid größeren Kolonien Palästinas stattiirxieci. Kein jüdisches Sekretariat in Polen Die Meldung verschiedener jüdischer Zeitungen, daß heim Innenministerium ein besonderes Sckre* t a r i a t für jüdische Fragen geschaffen werde, wird jetzt vom Innenministerium kategorisch dein e n 1 i e rt. Keren hajessod Keren hajessod in China. Herr Israel Cohen, der im Aufträge der Keren kjjcssod-Lcitung Australien und Ostasien bereist, hat w Shanghai bisher 10000 £ gesammelt. Keren hajessod in Deutsch-Oesterreich. Die Parteileitung für Deutsch-Ocsterreidt hat ein besonderes Komitee gebildet, welches in jedem einzelnen halle■ zu prüfen hat, ob ein Zionist mit seiner Zeichnimg seine Pflicht voll erfüllt hat und mit seinem Kamen in die Liste derer aufgenommen ■werden soll, (Üe dem Keren hajessod das verlangte Opfer gebracht naben. Keren hajessod-Arbeit In Norwegen. Recht lebhafte Keren hajessod-Arbeit wird zurzeit 1״uer der kleinen jüdischen Bevölkerung Norwegens vor- Benommen, das im Dezember von Dr. Salkind be- |f!;cht wurde. Es wurde ein Komitee gebildet, das aus Zionisten und Nichtzionisten zusammengesetzt; ist. Dr, Salkind besuchte außer Christian» u. a. auch Drontheim. Schon die ersten Zeichnungen «gaben üb« 200 000 ״urwcgisclie Kronen. Die Gesamtorganisation des deutschen Judentums Zum XV. Gemeindetag des D. J. G. B. 1 Von Dr, Ahron Sandler. | Nachdem die deutsche Reichsverfassung vom 11. August 1010 in ihrem Artikel 137 die Möglichkeit; geschahen hat, die jüdischen Gemeinden Deutsch-; Lands und damit das gesamte deutsche Judentum! auf der Basis der Freiwilligkeit zu einem Rciclisvcrband als einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft zgF samiiienzuschlicßcn, ist dieser Gedanke fast in allen Lagern des deutschen Judentums mit sympathischen Gefühlen, die zwischen wohlwollendem Jntcresse lind einer wahren Begeisterung schwanken, prapagiert worden. Bis in die kleinste Gemeinde hinein ist das Verständnis für die Bedeutung einer solchen umfassenden Organisation gerade in der heutigen Situation, in der die jüdischen Gemeinden vor neue schwere Aufgaben gestellt und zum Teil in ihrer Existenz bedroht sind, gedrungen. Es ist überflüssig, hier nochmals aul die schwerwiegenden Gründe einzugehen, die die deutschen Zionisten veranlassen, sich mit Eifer an der Verwirklichung 41er Idee der Gesamtorganisation zu beteiligen. Es sollen liier mir in gedrängter Kürze und in nüchterner Form die für uns maßgebenden Gesichtspunkte dargelegt werden. Dem XV. Gemeindetag des Deutsch-Frachtischeu Gemeiiidehundes, der um 23. Januar zusamnientritt, wird ein Vcrfassungscntwurf für eine Gesamtorganisation des deutschen Judentums vorgelegt werden. Die Satzungen des Gemeindebundes sollen in dem Sinne abgeändert werden, daß der 37 Paragraphen umfassende Entwurf die neue Satzung des Gemeindebundes bildet. Die Gesamtheit derjenigen Gemeinden Deutschlands, die zu den neuen Satzungen ihre Zustimmung erklären und Mitglieder des Bundes als des Trägers der neuen Statuten werden, soll die Gesamtorganisation des deutschen Judentums darstcllen - zunächst unter Beibehaltung des veralteten Namens ״Deutsch- Israelitischer Gemeindebund“. Praktisch kommen heute nur noch zwei Verfassungsentwürfc in Frage: der von dem D. J.G.B. vorgelegtc, dessen Verfasser Dr. ismar Freund ist, und der der Koiifercnzgemeinschaft der Großgemeinden Deutschlands. Bezüglich mancher Punkte ist es auch von Interesse, die Verfassung der Organisation der bayerischen Gemeinden zum Vergleich hcranzuzichen. Die Frage, die in den letzten Wochen die Gemüter erhitzt hat, hat sich dahin zugespitzt, daß zunächst die grundlegende Ent- Scheidung darüber zu treffen ist, ob sich der D. J. (j. B. in die neue Gesamtorganisation umwandeln solle, oder ob die Großgemcinden die Schaffung der Gesamtorganisation in die Hand nehmen sollen. Dagegen besteht darüber volle Uebereinstimiming, daß nicht die vorherige Schaffung von Landesverbänden der einzelnen Bundesstaaten (nach Aufhebung gewisser Landesgesetze), sondern eine immittelbare Zusammenfassung der Gemeinden des ganzen Reiches zu erfolgen habe, was aber nicht aussclilicßt, daß derartige Sonderverbände, soweit sic bereits geschaffen sind, wie etwa der in Halberstadt geschaffene Verband der gesctzestreucn Gcnicinden oder der bayerische Verband, in die Gesamtorganisation eingescldossen werden können. Es besteht auch kein Zweifel darüber, daß die neue Organisation die mannigfachen Aufgaben der bisherigen Ein/elorganisationen, einschließlich der politisehen Aufgaben des ״Verbandes der deutschen Juden“, zu übernehmen hat. Es leuchtet von vornherein auch vielen heutigen Gegnern dieser Idee ein, daß es eine Kraft- Verschwendung bedeuten würde, wenn der D. J. G. B., der die bisherige Zusammenfassung eines großen Teiles der deutschen Gemeinden darstellte, im Besitz wertvoller philantlrropischer Institutionen und erheblicher Vermögenswerte ist, durch eine neue Gesamtorganisation ersetzt werden würde, oder wenn er gar als Träger seiner Institutionen neben der neuen Gesamtorganisation weiterbestehen bleiben würde. Die, juristischen Bedenken, die gegen die Umwandlung des D. J.G. B. von den Gegnern dieser Idee in den letzten Wochen mit wachsendem Eifer ins Feld geführt werden, werden von anderen Juristen überhaupt nicht geteilt, von anderen für nicht unüberwindlich erklärt. Es bestellt gar kein Zweifel darüber, daß sich diese Bedenken, falls sie überhaupt zu Recht bestehen, bei gutem Willen überwinden ließen. Die Schwierigkeiten liegen hier nicht anders wie bei der vielfach vorgenommenen Umwandlung von Sparkassen, Krankenkassen und anderen privatrecht liehen Institutionen in solche öffentlichen Recht«. Gerade ' jene Kreise, denen die demokratischen Tendenzen des Entwurfes des D. J.G.B. zu weit gehen, und i die das gesamte Werk lieber in die Hände der; Vorstände der Großgemeinden legen würden, leget» 1 heute auf jene Bedenken besonderen Nachdruck. Gewiß sind die Bedenken jener Herren, auch wenn j sie ihnen erst spät aufgestiegen sind, sehr ernst gemeint, aber ein gewisser psychologischer Zuj sammeiihang zwischen diesen Bedenken und der; Abneigung gegen das Ausländerwahl! echt ist un- ' verkennbar. j Was die deutschen Zionisten in erster Reihe! auf die Seite des D. J.G. B. gedrängt hat, war das l Mißtrauen, mit den! sic• dem bisherigen Wirken; der Vertretungen der großen deutschen Gemeinden! und den Verlautbarungen der Notabeliuusscliüsse! und Notabclnvorstände gegenüberstand»n. Wenn j sich auch in den letzten zwei Jahren durch die Demokratisierung des Wahlrechts einiger Groß- , gemeinden mancherlei Umwälzungen in der Zu-! sninmensetziiiig der Vertretungen und dem hier י gepflegten Geist vollzogen haben, so genügt doch; ein Blick in den Entwurf der Konferenzgemeinschaft,! um zu erkennen, daß der deutsche Zionismus sieh I nimmermehr mit dem Geiste, aus dem dieser Ent-; wurt geboren Ist, identifizieren kann. Es genügt, : auf die in dem Entwurf geforderte drei- bzw. sechs- : jährige Karenzzeit für Ausländer und eins Fehlen | des irtoportionalwahlrcchts bei den Wahlen zum | Bundestage und zum Rat hinzuweisen. Wer die ן Vorgeschichte der Entwürfe kennt, weiß, daß der j vorliegende Entwurf der Konferenzgemeinschaft 1 schon eine sehr weitgehende Konzession gegenüber j den in den letzten Jahren stärker hervorgetreteneii! demokratischen Tendenzen d.ystcllt. Die Protokolle ן der Gehcinisitzungen werden bei einer Angelegen-! heit von so hervorragendem öffentlichen Interesse j nicht ewig ein Geheimnis der Archive bicibcn. 1 Dann wird die Oeffentlichkeit erfahren, welches j der wahre Geist der Herren war. Auch die weniger genau orientierte zionistische Oeffentlichkeit ist sich nach ihrem politischen Instinkt darüber Lin klaren, daß die Schaffung der Gesamtorganisation diesen Händen nicht anvertraut werden darf. Es sei übrigens kurz dartuif hingewiesen, daß die Verwahung zum Beispiel der Berliner Gemeinde bei ihrer Arbeitsüberlastung gar nicht in der Lage wäre, die neue schwere Bürde auf sich zu nehmen. Demgegenüber muß mit Genugtuung fcstgestellt werden, daß der D. J. G. B. von vornherein ein weitgehendes Verständnis für die Forderungen der Zeit gezeigt hat. Schon der ursprüngliche Entwurf lehnte jede Ausnalimebcstimmung gegen die Ausländer ab. Der Ausschuß des D. J.G. B. hat aber auch den weiteren Wünschen der Jüdischen Volkspartei Rechnung getragen und nochmals Abänderungen seines Entwurfes vorgenommen, so daß wir uns mit dein Entwurf in der Form, wie er zum Beispiel der gemischten Deputation der Berliner Gemeinde vorgelegt wurde, durchaus einverstanden erklären konnten. Von den wesentlichsten Bestimmungen sei folgende hervorgehoben: Die Abgeordneten des Bundestages werden in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl nach den Grund- Sätzen des Verhältniswahlrechts gewählt. Der Rat besteht aus 51 Mitgliedern, und zwar aus Vertretern der dem Bunde angcschlossenen Gemeinden (ein Vertreter auf 20000 Seelen), aus sechs Vertretern der theologischen Anstalten und Rabbinern, aus sovielen vom Bundestag nach den Grundsätzen der Verhältniswahl zu wählenden Mitgliedern, als zur vollen Mitgliederzahl fehlen. Der Schutz der Minoritäten ist in bezug auf Kultus und Unterricht durch die Einrichtung besonderer, dem Rat gegenüber unabhängiger Ausschüsse gewährleistet. Als Zweck der Organisation wird in § 1 ״die Zusammenfassung all« Kräfte im deutschen Judentum zur