Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1921)
- Date
- 1921-01-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Sill 30.- i* 20.- 10.- 1 60.- RwJ.klion «ml Vcrl^ W 15, SScfc.iid״. Slr.B«18. Enicheiiit j־*n D1*nttajf und FrtUa*. Be*uf1pf«’»i bei der Expcdilioa und dw> Fo&timtcrn viecUljiUttich IS.— M. io DeuUtM®a4. Au»UacU*booo♦. mentn wen!•» in der Wihmnf der «tnxelaea U*ndef bcredmtu Nummer 3 Berlin, 11.1. 1921 mca■ Angelgen-Verwaltungi Verlag Alwin Locwcnllial, Berlin NW 7, Dorotheenstr. 35 Telepboa: Amt Zentrum 4814 und 4815, Ansoigonprela für die ■icuRu^eapeiiene Nonpareilleteile 2,50 M«, famiHenanseiyea 4 M. pro Zeile. Anielf•niehluäi Dtco*Ug und FvtiUg atthttUta? 4 Uhr. ei———1r—anr11>1 11 ז^ו ו—1ו«<־וווו»^11ד n nifc—itד n —rrnrn——! ■rn!! 1 n11־T1 Teltphon: Ubland Für Oeitcrrcirii. 845 U.84S. Po*t»dh׳־׳-kV.cntu• NcT'.in Nr. P01t*po.kjÄ.־enamt \V •ח, K' nto Nr. liu 630, Für Taditrhodownkei: P5MUparke*ne6״mt Pmj, Kor.tu Nr. J56D03. — Ke<hkuan1״t>1lu3 Sonntrig und MiHwodL» ß».>m.ilUpr• —־ r».yway«0P< w-nn —iiaysa—t— 2. Sch’bat 5681 jahrg. Der Zionismus erstrebt fQr das JQdlsche Volk die Schaltung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Helmsfaite In PalSstina. ״Baseler Programm.* Die Sitzung des Landesvorstandes der Z. V. f. D. (Vorläufiger Bericht.) Unter Beteiligung einer größeren Zahl aus* wärtiger Mitglieder des Zentralkomitees wurde am Sonntag, dem 0. Januar, vormittags 10 Uhr in Anwesenheit der Herren Jabotinski und Nai* ditseli vom Keren hajessod-Hauptbüro, die Sitzung des Landesvorstandes der Z. V. f. D. vom Vorsitzenden Herrn Ro se n b I ü 111 eröffnet. Die Sitzung erhielt ihre außerordentliche Bedeutung durch ein beinahe vierstündiges Referat des Herrn Wladimir Jabotinski über die Lage im Zionismus und die zionistische Politik. Es war dadurch Gelegenheit zu einer politischen Aussprache grollen Stils gegeben, die durch die Geschlossenheit der politischen Anschauung des Referenten ihre charakteristische Note und ihr Niveau erhielt. J a b o t i n s k i begründete ausführ־ lieh die vier Punkte der Plattform, die als Basis seiner Mitarbeit in der künftigen Exekutive von ihm mit einer Londoner Gruppe vereinbart wurde. Diese vier Punkte sind eine Aenderung der Mandatspolitik, die Schaffung einer jüdischen Gar■ nison, eine weitgehende Autonomie des Jischuw bzw. seine Teilnahme an der zionistischen Leitung, sowie eine Umgestaltung und Erweiterung der Exekutive. An das Referat schloß sieh eine ausgedehnte Debatte, an der sich die Herren: L i c h t h e i n!, Nahuni Ooldmann, Margu 1 ics, Blumenfeld, Weltsch, Wolff (Frankfurt), L. Barth, Berger, Max Strauß, Kolleuscher und Goslar beteiligten. Nach einem ausführlichen Schlußwort des Herrn Jabot in ski wurde von Dr. Egon Rosenberg folgende Resolution eingebracht ״Oer LamJesvorstaml der Z. V. t', D. spricht den Führern der zionistischen Bewegung, Ch. W ei 7.111 an und Nalmm So ko low für ihre politische Arbeit ihr unerschütterliches Vertrauen aus und fordert sie auf, auf der Sitzung des Großen Actions-Comites die Wiederherstellung einer von einheitlichem Willen erfüllten und aktionsfähigen Exekutive durchzuliiliren. Plenarsitzung erklärt es für die dringendsten Aufgaben dieser Exekutive, den nationalen und politischen Charakter der zionistischen Bewegung zu wahren, die organisatorische Einheit im Zynismus wiederherzustellcn und den einheitlichen Aufbau des Keren hajessod in allen Ländern zu sichern.' Die Plenarsitzung fordert schließlich die baldige Einberuftmg ries Zionistenkongresses und die sofortige Festsetzung des Termincs.“ Diese Resolution wurde ohne Widerspruch angenommen. Es wurde ferner folgender Antrag Weltsch und Genossen mit allen gegen vier Stimmen angenominell: ״Der Landesvorstand der Z. V. f. D. ist der Ansieht, daß die Kolouisahön Palästinas durch die nationale Aktion des jüdischen Volkes erfolgen und ausschließlich vom Gesichtspunkt der nationalen Interessen des jüdischen Volkes geleitet werden darf. Die Tagung fordert von der Exekutive die ausgiebigsie Förderung der A1 i j a h und die unbedingte A u f r e c h t e r 11 a 11 u n g der landwirtschaftlichen A r h c i t c r.s i cd - lungeii und des Schulwerkes. Als Mittel zur Finanzierung dieser sowie aller anderen Zweige des nationalen Aufbauwerkes betrachtet die Tagung den Keren hajessod, für den sofort eine große volkstümlich begründete Propaganda in allen I״indem cinzideiton ist,״ In der Montagssit/.ung wurde die Debatte über die Aktion für Keren hajessod in Deutschland aufgenommen, die bei Schluß des Blattes noch andauert. Die Debatte wurde eingeleitct durch Re- Krate der Herren Rosen bltith und Dr H ״ n t k e. 6.55 Die Actions-Comitt-Sitzufig auf den 13. februar festgesetzt Die Exekutive hat nunmehr die Sitzung des Actions-Comitös einberufen. Afs Termin wurde der 13. Februar festgesetzt. Die Verständigung der Mitglieder des A.-C. ist bereits erfolgt. Alfred Mond über seine Palästinareise Vor seiner Abreise nach Palästina äußerte sich Sir Alfred Mond in einem dem ,״Weekly Dispatch“ gewährten Interview, daß die Juden Osteuropas Zweifelsohne in Massen nach Palästina auswamlcm möchten; machten sich doch junge Leute zu Fuß auf den Weg, tun nur nach Palästina zu gelangen. Er benütze jetzt die kurzen Parlamcntsfcrien, um seinen längst gehegten Wunsch, das Heilige Land zu besuchen, befriedigen zu können. Er wolle jetzt den Einladungen Samuels folgen und an Ort' und Stelle die in Palästina sich darbictcnden Möglichkeiten untersuchen, speziell in seiner Eigenschaft als Präsident des Economic Council, dem die reichsten Juden Englands angeboren. So manches muß in Erez- Israel ins Leben gerufen werden, wie Hafenanlagm, Irrigation, Elektrifizierung, die unbedingt für das Land notwendig sind. Auch mangle es an Häusern, deren Bau ehestens in Angriff genommen werden müsse. Bevor jedoch eine Masscncinwandcrung einsetzen könne, sei es nötig, große Fonds zur Verfügung zu haben, weshalb das Economic Council seinen Appell an alle Juden der Welt erlassen habe. Es müßten genügend finanzielle Mittel bereitgestelit werden, so daß er, Mond, jederzeit bei Bedarf telegraphisch über 5 Millionen Pfund oder 110ei) mehr solle verfügen können. Palästina dürfte seiner Ansicht nach 3 bis 4 Millionen Menschen fassen können, und ’ fahre er dorthin, um sich über;dies eine eigene Meinung bilden zu können. Er möchte auch, daß endlich die Berichte verstummen, daß Spannung und Haß zwischen Juden und Arabern herrschen. Es sei dies keineswegs der!׳all, und werde niemand von der Besiedelung Palästinas soviel gcwintven, wie die Araber. Er sehe auch voraus, daß Palästina in der Zukunft eine gewaltige Bedeutung für England erlangen werde. Wenn es sich zu einem wohlhabenden agriko!turellcn Land entwickeln wird, wird Palästina nicht nur ein großer Absatzmarkt für englische Waren werden, .sondern die jüdischen Kaufleutc werden die englischen Waren und den englische«! Handel in allen Ländern des Orients verbreiten. Der ״Sutulay Expreß“ schreibt mit Bezug auf die Reise Sir Alfred Monds: Sir Alfred Mond fährt nach Palästina, um sieh von der Zukunft des zionistischen Staates zu überzeugen. Er fährt in Begleitung Dr. W e i z m a 11 n s, des Begründers des neuen Judäa, und vielleicht des tüchtigsten, energischesten und stärksten Intellekts, den diese sonderbare Rasse im Laufe vieler Jahre hervorgebracht hat. Wcizmann ist der Mann, der Berge aus seinem Wege geräumt, der Mr. Balfour die Anerkennung der zionistischen Bewegung beinahe suggerierte und ihn bewog, diesem Plane den Segen der britischen Regierung zu geben. Weizinann findet die Ideen* den Enthusiasmus und die Triebkraft, Sir Alfred Mond findet das Geld. Loid Reading Vizekör.ig von Indien? ,u w,e '■erlatrtct, hat Lloyd George Lord Reading (Rutus lsaacs) das Amt eines Vizekönigs' von Indien .ingetragen. Lloyd George hatte am 31.' Dezember mit Lord Reading eine längere Besprechung und nahm mit mm zusammen das Mittagsmahl eia. Laut Meldung vom 1». Januar hat Lord Reading das Amt angenommen. Neue Keren hajessod-Broschüre. Die Reden* die Sir Alfred Mond und Professor Wcizman anläßlich der großen Keren hajessod-Sitzung in Manchester gehalten haben, sind von der Abteilung für Zeritraleuropa des Keren hajessod in Berlin als Broschüre in deutscher׳ und jüdischer Sprache herausgegeben worden. Diese Broschüre stellt die erste I Agitationsschrift dar, die für die Keren hajessod-Aktion zur Verfügung gestellt wird, für die sic ■ach aus- ׳gezeichnet eignet. Die Broschüre wird zum Selbst*' kosfenpreise geliefert, und zwar kosten in deutscher Spradic 100 Exemplare 25 M500 ״ Exemplare 110 M., 1000 Exemplare 200 M., zuzüglich Porto. Der Preis für die jüdische Ausgabe stellt sich doppelt so 1w>ch wie der für die deutsche. Argentiniens Leistungen für Kuren hajessod. Herr Mauricio Zoireff, ein argentinischer Zionist, der auf dem Wege nach Palästina in B e r 1 i 11 weilte, berichtote, daß die argentinische Föderation für den Keren hajessod für das erste Jahr bereits 501) 0(» Pesetas emgezahlt hat. Außerdem verpflichtet sich die Loderat io», im nächsten Jahr 1 Million Pesetas (100 0TO £) für den Keren hajessod, sowie 150 000 Pesetas (!50000 L) für den Nationalfonds nbzuführen. Senator Lodße für den Zionismus. Senator Lodge der bekamitc iwmhmcrikaiusche Politiker, sandte kürzÜch;in die Zionistische Organisation Amerikas folgende Acußermig: ״Als die Balfour-Deklaration seinerzeit veröffentlicht wurde, begrüßte ich sie von ganzem Herzen* Sie hat auch weiter meine vollste Sympathie, und ich glaube, daß jetzt, wo die Zeit zuin Handeln gekommen ist, sie ganz und wirklich durchgeführt werden kann.“ Jüdische Politik und deutsches Judentum Von Richard Lichtheim. I Vor einigen Wochen wurde hier an der Zeitsclirift des Zentralvereins ״Im Deutschen Reich“ Kritik geübt, weil die Tätigkeit ihrer Redaktion nur noch darauf gerichtet war, Material gegen den Zionismus zusammenzutragen. Brunner oder Segel — was gerade gegen den Zionismus geschrieben wurde - schien willkommen. Im Dezemberheft der Zeitschrift findet sich ein Leitartikel von Dr. Felix Gold mann, der unter dem Titel ״Wandcrsturm" die Wanäerfrage und die damit zusammenhängenden Probleme der jüdischen Gegenwartspolitik behandelt. Auch dieser Artikel soll hier registriert werden, weil sein Inhalt beachtenswert ist, und weil er unter Verzicht auf kleinliche Bosheit und unsachliche Mätzchen sachlich und in klaren Worten ein Gesamtbild der Lage und der Aufgaben der Judenheit zeichnet. 1! Ueber die letzten Voraussetzungen jüdischer Politik werden wir uns gewiß mit Goldmann und dem Zentralverein nicht verständigen. Der aus dem Zeitalter der Emanzipation stammende Gedanke, Judentum und Deutschtum (oder Franzosentum, Engländertum usw.) seien sozusagen für einander bestimmt, müßten sich zur höheren Einheit verbinden, bis das eine dem anderen zum ״unlösliehen Bestandteil" wird — diese ganze Metaphysik der Assimilation lehnen wir ab. Sie entspricht nicht den Wünschen und Meinungen von 90 Prozeut aller Juden, der ostjüdischen Massen nämlich, die sich ganz und gar ais Juden fühlen, -sie entspricht auch nicht unserem Empfinden. Es ist überflüssig, Berechnungen über den Grad unseres Deutschtums und unseres Judentums anzustellen. Es handelt sich um inkommensurable Größen. Wir sehen in praxi keinen Interessengegensatz zwischen unserem Staatsbürgertum und unseren jüdisch* nationalen Zielen, wir fordern daher, daß die Staaten und Völker unser jüdisches Denken, Tun und Lassen respektieren. Wir wollen gern dem Staate geben, was des Staates ist, und wir sind uns auch der geistigen, seelischen, ״gemütlichen“ Verknüpfungen mit der Unweit bewußt. Aber wir wissen und sprechen cs aus, daß das Judentum die stärkste Wurzel unseres Seins ist, und daß dieses Judentum uni seiner seihst willen bestellt, was keinen nationalen Egoismus bedeuten muß und die Erfüllung übernationaler Aufgaben erst möglich macht. Unsere Ehe mit anderen Völkern und Kulturen ist eine durch die Umstände des geschichtlichen Verlaufs bedingte, heute in Europa und Amerika, gewiß nötige, vielleicht für beide Teile segensreiche Vcmunftehc, die in günstigen Fällen sogar zur Liebesehe werden kann — aber im Himmel ist sie nicht geschlossen und mit der Ewigkeit hat sie nichts zu tun. Dies ist unser zionistischer Radikalismus. Er soll uns nicht hindern, wirkliche und wertvolle Verknüpfungen mit der Umwelt anzuerkennen, auf die harten Tatsachen des Rechts, der Wirtschaft und Politik Rücksicht zu nehmen, durch taktvolles Verhalten unsere Position zu behaupten und zu festigen, aber er bewahrt uns vor der Verherrlichung des Assimilationsvorganges, der Verfälschung unserer Geschichte. Er lehrt die gesunde Wahrheit, daß das Judentum nur fortbestehen, daß wir selbst als Juden nur dann sinnvoll denken und handeln können, wenn wir unsere Stellung unter den Völkern so auffassen, wie sie ist, nicht wie sie die Emanzipationsphilosopliie vor 100 Jahren zwecks leichterer Erlangung der Gleichberechtigung und Förderung der Assimilation konstruiert hat. Ungarn ist heute das grimmigste Beispiel für die wirkliche Lage der Juden unter den Völkern. Gestern begeisterte und als Bundesgenossen gegen andere Volkselemente gern gesehene Magyaren jüdischen Glaubens, sind sie heute den reaktionären Pogrombanden ausgeliefert, ohne daß sie sich im geringsten im Sinne der Assimilationspolitiker schuldig gemacht, das heißt national-jüdisch gedacht oder gehandelt hätten.