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Jüdische Rundschau · 1920-12-29 · Heft 93-94 (29.12.1920) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 93-94 (29.12.1920)
Date
1920-12-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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JUEDiSCHE RUNDSCHAU Seile 697 m .ן ii <!.18 Ais. Ei iffc••'• 511 IStl.lit, Wl< 111c .uh er- I>1, wr Tä-ig. 8 i’.is a <!er -11 ו 1 ״v!\ ׳ a er- 1 :ul ־©;■ r liOIk-» Ci vu findig viirde tiuti tis^cn itimg ,Vorjiuli- 'folgt de ns- »bei», viele jtMiifii's ׳an 11 o;:« > CIK 1! •ecks rim“ he- ־־>'-! clia» »sie« auf zu i;e1־» ö> :111■ n 1 <■ 1» 3iWt alle Jlts- Xisung lern and dito 1011- •auf iufhes si) ־1 teil sei» er- Kl, 5!וב alb es 3er te.f ie r me x׳r Ics Ut,!ca irt sa Iza!ör •er er gt an It, ־4 uf ter tteh in m lg »t- ■ז! ־8 Itt »I m fc- 8• > SD r f I f 1 i י Nr. 93/94 siel» mit Verständnis daraus unterrichten kann. Ernste Bedenken aber erheben sich bei seinen Vorschlägen zur Organisation des Gesundheitswesens. Sie sind autgebaut aut dem Prinzip, die Anzahl der staatlich fest angcstelltcn Aer/.te möglichst zu redti/icren und dafür praktische Aer/te nebenamtlich zum öffentlichen Dienst lieran/.n/ieheii. Dieses Prinzip ist falsch. Alle Erlabmiigen fordern des Gegenteil. Konflikte_ zwischen Privatinteresscu und öffentlichen Interessen, die nie ausbleiben, enden regelmäßig mit dem Siege der Privatimtercsscn. Nicht umsonst haut man in Deutschland die nicht vollhesolilcten Kreisarztstellen, denen Privatpraxis überlassen ist, ab und vermehrt dauernd die Zahl der lumptamtlichen Kreis-, Stadt-, Gewerbe-, Schularztstelleu. Man 1111111 sagen, (lall hei der Durchführung so/ialhygienischen Maltu.iliiueii ilie freie Aerzteschaft im allgemeinen eher hemmend als fördernd wirkt, ln Palästina, wo die öffentliehe Hygiene von so überragender Bedeutung ist, muß unter allen Umständen eine vollständige Verstaatlichung des Gesundheitswesens verlangt werden. Das materielle Wohl der Acrzte darf nicht von der Zahl der Kranken abhängig sein, ich würde die Durchführung der Vorschlüge Brunns in diesem Punkte für geradezu verliängiiisvoll halten. S a n d 1 e r (Lunßcntieilstiitteii, Genesungsheime und Kurorte in Palästina) gibt einen besonders für Acrzte sehr lesenswerten t 'eberblick über die klimatischen und balueologischen I Icilfaktorcn Palästinas. Seine objektive, streng wissenschaftliche Erörterung, die sich frei von Hypothesen und IJebertreibuugen hält, zeigt hier Muglichkeiten, die nicht nur in hygienischer, sondern auch in wirtschaftlicher Beziehung von Bedeutung sein werden. lut letzten Abschnitt gibt Elias Auerbach sein ,.Gutachten über die in den nächsten Jahren zu schaltenden Krankenanstalten in Palästina1•. Sein Programm ist sehr bescheiden und das Mindeste, was verlangt werden muli. Aus dem angeh.iiigten Exkurs von Baervvald (Kraiikenliausleui in Palästina) mochte ich einen Satz her.iiHgreiien, der mir von prinzipieller Bedeutung zu sein scheint, üacrwaid meint, «laß wir in Palästina aut Sckti.uisrümiic kein großes Gewicht zu legen brauchen, «la Sektionen nur in «len seltensten Fällen vorgcnomnicn werden können, weil sie den religiösen Vorschriften zuwר ■'erlaufen. Audi orthodoxe Kollegen werden zugeben, daß «ahne Sektionen weder eine ärztliche Ausbildung noch ein lorischreiteit der ärztlichen Wissenschaft denkbar ist. Ich weilt nicht, woher üacrwaid ein religiöses Obduktionsverbot lierleitet; icli weiß nur, daß noch kein orthodoxer Jtitle deshalb auf das medizinische Studium verzichtet hat. Fs ist selbstverständlich nicht möglich, int Rahmen eines kurzen Referates zu allen Einzelheiten Steilung zu nehmen. Die wenigen Bemerkungen zeigen, daß auch fachliche Angelegenheiten Probleme bieten können. So hoch ich dieses Buch als Leistung bewerte, und so sehr ich ihm Verbreitung — besonders unter «teil zionistisdien Aerzteu - - wünsche, ebenso sehr hin ich der Ansicht, «laß es nicht Abschluß, sondern nur Grundläge der Erwägungen sein kann. Mit großem Bedauern sieht man, «laß gerade die technische Seite des Aulhaus, trotz aller schonen Programme 11ml Utopien, noch allzu reich ati ungelösten Aufgaben ist. Wie es scheint, sind die Architekten und Techniker «len Aerzien darin voraus. Sie haben in ihrer Organisation die Erbirdrniissc schon seit längerer Zeit erörtert und bis zu einem gewissen Gr,■ule geklärt. Auch wir Acrzte sollten uns endlich einmal unsere Fachsektiou schaffen, um uns über unsere Aufgaben unter Fachleuten aussprechen zu können. Und dann noch eins: Was nützen uns die besten Programme und Forderungen, wenn niemand da ist, der sie durchführt? Auch Ziocisti verlaugt als Grundlage jeiier geordneten Wanderung die Registrierung der Auswauderuiigsberciten jm Kataster. Als ich diese Forderung vor nahezu z.wei Jahren zum ersten Mal «■rhob, wurde von offizieller Seite erklärt, daß das selbstverständlich die Leitung schon längst beabsichtigt habe. Und dabei ist es geblieben. Ziocisti verlangt ferner, «laß jedem Auswanderer eine Broschüre nüt hygienischen Belehrungen übergeben werde und noch mancherlei anderes sehr Notwendiges. Inzwischen aber gehen die Cltaluzim ahnungslos in unzweckmäßiger Ausrüstung nach Erez-Isruel. Das Palästinaanit findet gerade in dieser Beziehung Aufgaben praktischer Natur, die nunmehr endlich einmal ernstlich in Angriff genominell werden sollten. I*. Noack (Gotha). ״Ewer“ B i i« 11 e r der vc reinigten Vcrlagsanstulte jüdischer Verlag, Welt-Verlag. Der Jüdische Verlag und der Welt-Verlag gebe eine bibliographisch«• Monatsschrift ״Ewer‘1 heran die von der literarischen Produktion der beiden Verla״ Zeugnis ablegen und durch allmonatliche bibliographisch ZiisanmiensteUnngen der Neuerscheinungen auf allen 01 bieten tler Literatur jeden literarisch Interessierten for laufend orientieren soll. Die Zeitschrift bringt Aufsatz der bekanntesten jüdischen Schriftsteller, Proben at den in Vorbereitung befindlichen Werken beider Verlag und Reproduktionen von Zeichnungen hervorragemlt jüdischer Künstler. Der Jahrgang beginnt iin janu; D21, als Voriänferheft ist das Dezemberheft soebe erschienen, das folgenden Inhalt hat: ... Vorwort: Unser Ziel. Martin B ti b c r: D jüdische Bewegung, Cb. N. Bialik: Gedicht. Eis w ,י־1״ r * c •? ü 1 c r: Versöhnung (Gedicht). Alf re W o 1 f e 1; s t e i n: Begegnungen (Gedicht). Kaie nynios: Des Vogelfürstcn Erwiderung über die 1h yorzugtmg des Menschen (hebräische MaKamendichfung uebertragen von M. Steinschneider. — Ueber Jugem Iitcratur. Ludwig Wronkow; Randleiste. Lud ״Eva“ (Zeichnung). Die hebräisc! Abteilung des Jüdischen Verlags. — Joseph •Budk« innentitel z״ g j Agnot», Weltaja liaakow kritische c. k. Weiß: Inncntitcl zu Agnot», Und das Krumn ] ',rU gerade. — ״Aiiziiwlen“ (Holzschnitt). Dr.; 1i.isbcrg: Wandlungen im jüdische!» Buchhand« Bibliographie, a) Neueste Judaica, b) Schöne Literatu ct \e. Z>‘.!lsd״ift 8י* durch die ״E we r“-G e sei 1;״ wwf2r Euch- und K uns t ha nd ei, Bei 1י" \ Dorothcenstr. 35, kostenlos ut portofrei zu beziehen. Mitteilungen über das Bibliothelwesen im Lande Israel Nachdem es eine Zcithng schien, als sollten uns für einige Jahre hinaus die Mittel fehlen, das liibliothekswerk weiter fortzusetzen, weil alle Kräfte unseres Volkes ausschließlich dem materiellen Aufbau des Landes Israel zugute kommen müßten, zeigt sielt jetzt, daß unsere Führer keinen Augenblick die dringende Notwendigkeit aus den Augen verloren haben, auch die Grundlagen des geistigen Fortschrittes unseres Volkes zu schaffen, vor allem die Universität und die Bibliothek. Die Zentrale des Keren hajessod in London, die mit Recht darauf bestellt, daß Gelder mit besonderer Zweck- Bestimmung nicht angenommen werden soUen, hat gleichwohl beschlossen, eine einzige Ausnahme zuzulassen und zwar hinsichtlich eines innerhalb des Keren hajessod zu begründenden Universitätsfonds in der Weise, daß er sielt aus Spenden zusamniensetzt, die als ״für die Universitat'‘ oder für einen besonderen Zweck innerhalb der Universität bestimmt bezeichnet wertien. Damit ist die Möglichkeit gegeben, ״für die Universitüts- Bibliothek“ innerhalb des Rahmens «!es Keren hajessod zu spenden. Spender für diesen Uuiversttätsfonds erhalten dieselben Keren hajessod-Zertiiikate (mit allen «Iniiiit verbundenen Rechte») über den vollen Betrag ihrer Spende. Damit ist vielen Freunden der Universitüts- Bibliothek Jerusalem eine große Sorge genommen wor- «len. Unsere verständnisvolle!» Freunde werden die Gelegenheit, auf diesem Wege für die Bibliothek und den Keren hajessod gleichzeitig zu arbeiten, keinen Augenblick aus den Augen verlieret». 111 jüngster Zeit habet» wir wieder auch für die I lauptsanimelstdle in Berlin eine Reihe vai» wertvollen Gaben zu verzeichnet» gehabt. Unter amlerem hat Fraulein Anna Lew in in Königsberg die Bibliothek ihres Bruders Louis L e w i 11 (geh. '23, Clteschwan 5019, gest. H. Kislctv 5675), dessen Wunsche gemäß, gespendet. Die Htiehcr sind unterwegs. Der Bibliothekar Dr, Itockwitz in Leipzig, der sielt als Nichtjude für das neue Kulturtmtcrncitmcn interessiert, hat die sehr wertvollen Veröffentlichungen «ler Bttgra und anderes gcstiftet. Die Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen hat ihr großes Interesse dadurch bewieset», daß sie die Publikationen stiftet, über die sie noch verfügen kann. Es ist «las die dritte große Akademie, die in dieser Weise sich an der Begründung utfd Vergrößcrimg unserer Jerusalemer Universitäts-Bibliothek beteiligt. Vor einiger Zeit konntet» wir eine Gabe von •103)0 Mark ausweisen, welche uns Herr Solomon Rosenbloom iii Pittsburgh zum Ankäufe von religions-philosophischei» Werket» durch Vermittlung von Prof. A. Ein her von der John Hopkins Univcrsity überwiesen hat, Jetzt teilt uns Herr Uoscnblootn mit, daß er uns weitere hunderttausend Mark überweist, mit der Zweckbestimmung, dafür Werke über Philosophie und Religion für die neue Universitäts-Bibliothek anzu* schaffen. Dauit gibt er der Bibliothek die Mittel, dein von ihm begründeten Lehrstuhle für Rcligions-' pbilosophie das wissenschaftliche Material reichen zu können. Deutschland Die Gemeinde Breslau gegen die jüdische Schule In Breslau ist es einem privaten Kreise gelungcii, die Mittel aufzubringen, um eine jüdische höhere Schule allmählich von unten her aufzubaucn. Es ist «lies nur ein Beispiel für eine Bewegung, die sielt erfreulicherweise immer stärker bemerkbar inacht. Nur ist sie denjenigen Kreisen ein Dorn im Auge, die jede Regung jüdischen Eigenlebens a priori verdammen, weil sie angeblich dazu führen könne, daß das Prinzip der bürgerlicher» Gleichberechtigung dadurch verletzt werden könnte. So war es selbstverständlich, daß die Liberalen in Breslau gegen die neue jüdische Schule Sturm laufen, würden. Das geschieht nicht nur in der frisch gegründeten Breslauer ״Jüdisch-liberalen Zeitung"׳, sondern auch die Repräsentanten Versammlung der Breslauer Jüdischen Gemeinde hat eine Debatte erlebt, wie sie unwürdiger und beschämender wohl kaum je in einer parlamcntarisehen Körperschaft des deutschen Judentums geführt worden ist. Hervorgerufen durch eine Anfrage des Prof. Wob lau er entspann sich eine Debatte, in der ein ״Liberaler“ nach dein andern eine Attacke gegen die jüdische Schule ritt. Ein besonders Erleuchteter prägte hierbei den klassischen Ausspruch: ״Mit dem jüdischen Kindermädchen fängt es an, und mit der jüdischen Universität endet cs.“ Seitens des Gcmcindcvorstandes erklärte Herr Hirschberg, «laß die Gemeinde nie- 111 als die jüdische Schule unterstützen werde. Prof. Wohlaucr beantragte, der Vorstand solle ersucht werden, der Regierung mitzuteilen, daß die Gemeinde dein Gedanken der jüdischen Schule fernstehe. Als Ergebnis der Verhandlungen kam das folgende Schreiben zustande, das an eine Propagamlaversammlung gerichtet war, welche an dem der Sitzung folgenden Tage zugunsten ttcr jüdischen Schule stattfand: An die Leitung der Versammlung betr. die jüdische Schule. In der Angelegenheit betreffend die jüdische Schule in Breslau beehren wir uns, zugleich namens der Repräscntanteiiversammlung unserer Gemeinde Ihnen ergebenst folgendes mitzuteilen: Die Gemeindebehörden leimen die Ausgestaltung der in der Unterstufe zu uriseren» Bedauern bereits cröffncten jüdischen Schule für unsere Synagog ■ngemeinde mit Entschiedenheit ab. Wir wären dankbar, wenn Sie diese Erklärung in der morgigen Versammlung zur allgemeinen Kenntnis bringen würden. Der Vorstand der S y n a g o g e n g e tn e i!1 d e. Sachs. Goldfeld. Hirsclthcrg. Marcus. Dieser Brief löste bei der Versammlung stürmischste Entrüstung aus. Zudem mußten sich die Liberalen in der : Aussprache von einem katholischen Kreisschulinspektor Fs ist überaus erfreulich, «laß unsere großen Spender für «lic Bibliothek sich nicht damit begnügte», nur «las Gehl uns au/uweisen, sondern, daß sic lebendiges Interesse an «ler Gestaltung der Bibliothek nehmet». So hatte uns schon Herr Simon Strauß in Cassel, der uns eine Stiftung für pazifistische Literatur gemacht hat, seinen wertvollen Rat auf seinem Spezialgebiete _zuteil werden lassen. Es ist erfreulich, «laß auch llcrr Solomon Ro s.c tt bl ס o m sielt nicht damit!»«:scheitlet, mir Geld zu spenden, sonttern uns in großzügiger Weise die Ideen zu entwickeln, die ihn bei der Stiftung des Lehrstuhles und der Bihliothcksspcnde!eiten. Letzten Eudes soll «lie philosophische Lehre nicht bloß in abstrakten Forschungen belangen bleiben, wenn sie auch natürlich freie und unbeeinflußte Wissenschaft sein soll. Aber sie «viril «loch da cinmünden, wo der Mosnismtis steht, so «laß Recht und Gerechtigkeit die großen Gesichtspunkte sind, auf die die menschliche Entwicklung liiuzielt. In «liosein Sinne geht die Lehre von Zion aus. in diesem Sinne soll alle Wissenschaft wiederum ein praktisches Ziel Italien, «laß sie «lein Wolde «!er ticsaiiitiuenschlii'it dient. Es ist sehr wünschenswert, daß unsere großherzigen Stifter recht zahlreiche gleichstrebende Nachfolger findet». Von Jerusalem werden int Augenblick hauptsächlich auch j ti r i s t i s e 11 .e und knnstgcscliicntliche Werke verlangt. Die Vorlesungen über Recht und Rechtswissensdiaft erfreuen sich lebhaften Zuspruches, und infolgedessen macht sich das Bedürfnis nach jurisiischer Literatur einschließlich der sehr begehrten Volkswirtschat!sichre geltend. Aus «lieser Schule wird die rechts wissenschaftliche Fakultät entwickelt. I!» ähnlicher Weise erfordern die Kunstbestrebungen und vor allem auch «lie kunstgewerblicher» Anstrengungen eine reiche Literatur. Wir bitten unsere Freunde) daran zu denket», daß jetzt für Kunst und Kunstgewerbe, für Rechts- und Staatslehre sowie für Nationalökonomie die geeignete Literatur zur Verfügung gestellt wird. Die Berliner Samiuelstelle ist damit beschäftigt, die Vorarbeiten für eine Bibliothek der drei ersten zu begründenden Universitäts-Institute zu leisten. Es sind dies das physikalische, chemische und mikrobiologische Institut. Eine Pliysikerkoimnission, bestehend aus Prof. Einstein, Prof. James Fraack, Priv.-Doz. Dr. Reiche und Dr. Berliner, sowie dein bibliothekarischen Bevollmächtigten, macht augenblicklich Vorarbeiten für die Physikbibliothek. Auf der Hochzeit Dr. Roman Wi schnjak mit Frl. Lea Bagg stifteten die Mechuttanim 3600 Mark zur Verfügung des Leiters der Hauptsammclstclle zu Berlin zugunsten der Bibliothekarbeit. In Zürich wird unter der Leitung von Dr. Norbert Weid!er eine Sammdstelle für die Schweiz gegründet. In Wien wird Herr Rabbiner Dr. GrunwaLd die Gründung einer solchen in die Wege leiten. Alle Zuschriften sind an Prof. Dr. Heinrich Loewe, Berlin NW 52, Flemingstraße 12, (Tel: Moabit 1036), zu richten. sagen lassen, «vie wenig Verständnis ein 1mparH,ii't׳lu׳r Christ für ihre Stellungnahme in der Sriiiilirage haben könne. Trotzdem wagte es Prof. Wolüaucr zu behaupten, die jüdische Schul« gefährde die Glcichbcrechtigung und ״öffne den Rückweg ins Ghetto". Die jüdische Schule in Breslau wird bestellen, trotz der Denunziationsversuche bei der Regierung. Interessant aber wäre es, vom Deutsch-lsraelitischcn Gemeindebund, dem die Gemeinde Breslau doch angchört, zu erfahren, wie er sich zu dieser Frage stellt. Nach dem in der letzten Nummer der ״J. R.“ Gesagten müssen wir erwarten, daß er sich nachdrücklichst gegen die Breslauer Gemeinde »nid für die jüdische Schule erklärt Eine antisemitische Wette Der Herausgeber der Münchener antisemitischen Wochenschrift ״Auf gut deutsch", Dietrich Eckart, hatte in seiner Zeitschrift eine!» Preis von lt'ÜU M. für den Nachweis ausgesetzt, daß «ine jüdische Familie während des Krieges drei Wochen lang auch nur drei Söhne beim kämpfemien Teil einer Kampftruppe oder im Schützengraben gehabt halte. Rabbiner Dr. Freund von Hannover legte daraufhin Eckart eine Liste von zwanzig Familien seiner Gemeinde vor, auf die «liese Voraus- Setzungen allerdings zutrafen, und stellte, da Eckart diesen Nachweis nicht gelten lassen wollte, heim Landge rieht München Klage auf Grund des § 657 BGB. (betr. Auslobung) auf Zahlung des ausgesetzter» Preises. Nach Durchführung der Beweisaufnahme, in der der Kläger ein Verzeichnis von weiteren fünfzig jüdischen Familien aus anderen Gemeinden vorlegte, die bis zu siebet» unti acht Söhne int Felde hattet», und von denen einige sogar den Verlust von drei Söhnen zu beklagen haben, erkannte «1er Beklagte den erbrachten Nachweis an und zahlte an den Kläger den ausgesetzten Preis von 1000 Mark. Dr. Freund überwies seinerseits den Betrag an jüdische Organisationen für gemeinnützige Zwecke.

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