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Jüdische Rundschau · 1920-12-29 · Heft 93-94 (29.12.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 93-94 (29.12.1920)
Date
1920-12-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Für Tarhetboalowakei: Po»*1j>«*rkßMenamt Pr»j, Konto Nr, 156UJU. — KedaktionsNdduU Somdng und Mittwoch m.chmitUg.*״־ 18. Tebeth 5681 | XXV. Jalirg. py.r Zlonlimat erstrebt Für das jüdisch* Volk dla ScübuftfFiiu&ß rber fiffcoUSch-rischtlidi gewldierten!!cimstStte In Pitlkitin»• f*3as45Ier Das Mandat über Palästina wird eben völkerrechtliche Tatsache ״״ eine feierliche Bürgschaft dem jüdischen Volke, zugleich ein Auftrag an die Nation voll Verantwortung und Verpflichtung. Der Augenblick ist gekommen, da die schöpferische Kraft des jüdischen Volkes, des ganzen Volkes in allen seinen Klassen und Anschauungen, sich sammeln muß für die eine Aufgabe, die ihm auferlegt ist im Angesicht der Welt: für den Aufbau des jüdischen Nationalheims. Mittel von gewaltigem Umfang erfordert das Werk. Sie zu schaffen ist der Keren hajessod, der Palästina-Grundfonds, gegründet und konstituiert worden. Ein Direktorium ist eingesetzt worden, dessen Aufgabe es sein wird, in Zusammenarbeit mit berufenen Fachleuten einen systematischen Plan konstruktiver Arbeit festzulegen und dessen richtige Ausführung zu sichern. Neben dem Direktorium ist ein Wirtschaftsrat, der Economic Council, eingerichtet worden, zusammengesetzt aus Männern der wirtschaftlichen Praxis, die in der Finanz- und Geschäftswelt eine hervorragende Stellung einnehmen. Der Economic Council hat die Aufgabe auf sich genommen, alle geplanten Unternehmungen zu überprüfen, die im engeren Sinne als produktiv betrachtet werden können, sie zur Ausführung zu bringen, so Weit sie für richtig befunden werden, und schließlich dem Direktorium in der allgemeinen Verwaltung des Fonds mit sachverständigem Rat zur Seite zu stehen. Es ist ein großer und zugleich tragischer Augenblick, in dem der Keren hajessod sein Werk eröffnet. Die Mächte haben die historische Verbindung des jüdischen Volkes mit Palästina anerkannt. Großbritannien hat das Mandat über Palästina übernommen. Die Regierung Palästinas ist einem Staatsmann übertragen, der als der Chef der Verwaltung eine sichere Bürgschaft für den guten Willen Großbritanniens ist. Zur selben Zeit aber sind im Osten Europas zwei Dritteile des jüdischen Volkes von unerträglichen Qualen heimgesucht. Ausgeplündert, ausgeraubt, vertrieben von'Heim und Herd, hingeschlachtet ohne Gnade und־ Barmherzigkeit, preisgegeben Ausbrüchen ungezügelter Wildheit, wie sie Europa seit Jahrhunderten nicht erlebt hat, werden ganze Gemeinden unbarmherzig ausgerottet. An der Schwelle der nationalen Wiedergeburt, das gewaltige Werk, das zur Tat drangt, vor Augen, stellt heute das jüdische Volk, blutend und verstümmelt, nur eine Hand *rci für die Arbeit des Bauens, während die andere die Waffe halten muß. um mit einer verzweifelten Anstrengung die unerbittlichen Angriffe abzuwehren, die es mit Vernichtung bedrohen. Eine äußerste Anstrengung ist es, zu der das gesamte Judentum aufgerufen wird. Auf den Beweis des Vertrauens und des guten Willens, den die Botschaft von San Remo bedeutet, nicht minder wie auf die Ausbrüche ungezügelten Hasses, der im Osten Europas entflammt ist, gibt cs für die Juden aller Länder und aller Klassen nur die eine gleiche Antwort: Baut das j'üdische Heimland auf! Das Ziel des Keren hajessod ist eine unverzüglich einsetzende, stets gesteigerte Einwanderung unserer jüdischen Massen nach Palästina und ihre systematische Ansiedlung auf gesunder wirtschaftlicher Grundlage, zum Segen der Juden und zum Wohle der nichtjüdischen Bevölkerung des ganzen Landes. Dieses Werk kann getan werden. Palästina hat Raum für Millionen. Tausende und Abertausende stehen an den Pforten. Gebt uns die Mittel, ihnen die Möglichkeiten produktiver Arbeit zu schaffen, und sie werden ins Land strömen. Immigration und Kolonisation — das bedeutet Erwerb und Bereitung des Bodens, Bau von Straßen. Eisenbahnen, Häfen und Brücken, Aufforstung der Hügel und Dünen, Trockenlegung von Sümpfen, Bewässerung von Boden und Nutzung von Wasserkraft, Städtebau, Entwicklung von Industrie, Gewerbe und Handel, und Hand in Hand mit diesen Unternehmungen angemessene Vorsorge für soziale Wohlfahrt, öffentliche Gesundheitspflege und vor allem für Erziehung und kulturellen Fortschritt. Alle diese Arbeiten umfaßt der Plan des Keren hajessod. Seine Organisation ist elastisch und kann leicht auf alle Arten von Unternehmungen eingerichtet werden. Der Keren hajessod wird die Privatinitiative ermutigen — soweit immer sie dem Prüf• stein sozialer Gerechtigkeit und nationaler Wohlfahrt standhält — und zugleich den Gedanken der Kooperation in seinen inannmfaltigen Anwendungsmöglichkeiten fördern. ' ‘ 5י Die Zeit, in die unsere Generation gestellt ist, ist außergewöhnlicher Art. Nach zwanzig Jahrhunderten hat die sehnsüchtig erwartete Schicksalsstunde geschlagen. Sie wird nicht ein zweites Mal wiederkehren für uns und fiir unsere Kindeskinder! Darum ist es nicht die jüdische Philanthropie, der unser Aufruf gilt. Dieser Aufruf bedeutet den Beginn einer geeinten Anstrengung, um den der Ehre des jüdischen Namens würdigen Widerhall in Israel, im gesamten jüdischen Volk, wachzurufen Nicht auf Almosen, nicht auf barmherzige Spenden gehen wir aus. Die außergewöhnliche Leistung, die von uns heute verlangt wird, muß die Form einer Steuer annehmen — einer schweren, fortgesetzten, systematischen Selbstbesteuerung nach dem Vorbild der edlen jüdischen Ueberlieferung des Maasser. Diese Ueberlieferung haben wir wieder und fortan zu Ehren zu bringen. Alle Völker der Welt beugen sich heute für die Wiedereinordnung ihres nationalen Besitzstandes unter schwere Steuerlasten. Wir haben nicht die Exekutivgewalt eines Staates. Unsrer Aufruf wendet sich an das jüdische Gewissen und keine Ein- Ziehungsgewalt steht hinter ihm. Aber kein Jude, der seines Namens und seines Stammes würdig sein will, wird sich in diesem feierlichen Augenblick einer unerhörten Verantwortlichkeit hinter der Machtlosigkeit seines Volkes verschanzen.’ Palästinas Pforten sind nicht mehr von innen verriegelt Wenn das Tor geschlossen bliebe — so wißt, daß Ihr es wäret die es verschlossen halten. Nur die Selbstaufopferung von ganz Israel kann diese Pforten erschließen und sie weit öffnen fiir Massen, die der Stunde der Erlösung harren. J.47 Berthoid Feiwel. Wladimir Jabotinsky. Isaak A.Naiditsch. Hille! Zlatopolsky. Chajim Weizm&nn. Nachum Sokolow. Rothschild. Alfred Mond. Joseph Cowen. Redclif fe N. Salaman.

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