Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 90 (17.12.1920)
- Date
- 1920-12-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XU. 1020 yncimcr 90 rn ■Ti■■—[!■רזו 1■■!!״■< ■^—am I - jatllstdä® Voll* «Mo Cchaffoa״ cl&er &rfcntMcb-recbUl«to gwlAtyt«» HelmotB ItnanliAV ¥*«r«־fc» tio ln PalSitlo* D@1 ZlonUma* erstrebt für des jüdische Fragen in Genf j Baldige Unterzeichnung des Mandates Basel, 14. Dezember, (Sondertelegramm der ״Jüdischen Rundschau“.) ln einer Unterredung mit dem Sekretär des Schweizer Zionistenverbandes, Herrn Schabad, erklärte Sokolow, daß die Unterzeichnung des Mandates unmittelbar bevorstehe. Die Grenzfragen bleiben offen, womit die Exekutive einverstanden ist. Paris, 12. Dezember, (Sondertelegramm der ״Jüdischen Rundsdiau“.) Das Komitee der Jüdischen Delegationen überreichte der Völkerbtinds-Tagning in Genf gemeinsam! mit dem Joint Foreign Committee und mit Israel Zangvvill ein Schreiben, in dem eine Sympathieerklärung für die Opfer der Pogrome und die Entsenduug von Untcrsuctumgskommissioneu gefordert wird. Des weiteren überreichte das Komitee der Jüdischen Delegationen einen Protest gegen die Pogrome in der Ukraine. Anläßlich der Beratungen über die Aufnahme Finnlands in den Völkerbund wurde mit führenden Politikern verhandelt, um zu erlangen, daß die Festlegung der Klausel für das Recht nationaler Minoritäten in der Verfassung zur Aufnahmebedingung für den Beitritt neuer Staaten zum Völkerbund gemacht werde. Dieser Antrag, der von Lord Cccil unterstützt wird, ist vom Plenum an die 5. Kommission überwiesen worden, der das Komitee der Delegationen ein entsprechendes Memorandum überreicht hat, * Genf, 11. Dezember, ln der heutigen Sitzung der Vi>ikeih\uHivers:t!nn1Iung verlangte Cccil die. sofortige Diskussion eines Antrages, demzufolge alle Staaten, die dem Völkerbund beitrelen, sieh zum Minoritäten schütz verpflichten, wie er in den Friedcnsvertriigen ausgesprochen ist. Polen Abkehr vom Antisemitismus — eine Staatsnotwendigkeit Daszinski für Acnderung der Judcnpolilik. Aus offiziellen polnischen Kreisen wird, wie die Warschauer jüdische Presse meldet, ein Bericht vorbreitet, in Welchem es heiBt: ״Auf der Konicrcnz mit den Vertretern der Presse, welche am 7. Dez, iu Warschau da tt fand, hat der Vizepremierminister Das/, ins k i aucli die Stellung der Regierung zur Juden frage berührt. Er sagte: ״Mit Rücksicht auf verschiedene innere und äußere Schwierigkeiten, mit welchen Polen zu kämpfen hat, muß man auch zur Judciiftagc eine klare und bestimmte Haltung dunehmen. Die Regierung sieht auf dem Standpunkt, daß jeder in Polen wohnende Mensch die Sicherheit des Lebens, des Eigentums und der bürgerlichen Rechte verbürgt haben muH, ebenso wie es mit jedem Staate der Fall ist, mit welchem die Regierung iu Beziehungen stehen will. Es ist unmöglich, eine entsprechende Außenpolitik zu führen, cs ist unmöglich, im Auslande finanzielle und wirtschaftliche Unterstützung zu finden, wenn man gleichzeitig im Inland eine I antisemitische Politik führt. Weder England, noch Amerika, noch Frankreich werden ן zu jenem Ausmaß der Hilfe geneigt sein, | welche f ü r e i n junges Staats w c s e n uncr- י läßlich ist, falls man die Juden schlecht behandeln wird, ihnen die Bärte abschneiden wird oder in der Presse einen derartigen Antisein it i s in u s treiben wird. Die Regierung wird gerade ilarauf Wert legen müssen, den Vertrag über den Schutz der nationalen Minderheiten zu veröffentliehen, der vom Sejm bereits bestätigt wurde, und wird Schritte j unternehmen, um ihre Stellung zu den Juden als gleichberechtigten Staatsbürgern deutlich zu machen' Die polnische Presse muß mit dieser Stellung der Regierung als einer Staatsnotwendigkeit rechnen.“ Es ist außerordentlich interessant, daß Daszinski 1 selbst sich dazu verstehen mußte, in seinen Richtlinien ן für die polnische Presse die Judenfrage in dieser Weise I *״fzurollen. Es ist darin zum erstenmal offen zugegeben, 1 ״*ß die polnische Regicrungspolitik bisher anti- Drei Gesichtspunkte Die Schekelaktion hat auf der ganze״ Welt eingesetzt. Wieder, einmal, wie nun seit mehr als zwanzig Jahren jedes Jahr, wird von jedem einzetncii Zionisten die traditionelle Steuer eingehoben. Die alte Form der Volkszählung, die durch die jüdische Bewegung unserer Tage erneuert wurde, soll wieder einmal einen Ucberblick geben, welche Söhne sich zum jüdischen, Volk znrückgefunden haben, und wie stark seine Reihen sind. Die Scbekelaktiou gewinnt diesmal ihre besondere Bedeutung aus drei Gesichtspunkten. Cer erste Gesichtspunkt ist ein allgemeiner. Die Zionistische Organisation ist durch die Ereiguisse der letzten Jahre vor dem Forum der internationalen Welt anerkannt. Sie ist ein Faktor von internationaler Geltung geworden, völkerrechtlich vertragsfällig als Mandatsträgerin des jüdischen Volkes. Die Zionistische Organisation, der es gelungen ist, die Ansprüche des jüdischen Volkes auf eine nationale Heimstätte vor einer bis vor kurzem noch völlig verständnislosen Welt dnreh/.usetzen, verfügt über keine äußeren Machtmittel. Wir haben keine Kanonen, kein Militär und keine Zvvangsgcvvalt. Das einzige, was wir in die Wagschale zu werfen haben, ist eine große Idee, die Idee der Wicdcraufrichtung unseres Volkstums, die getragen wird von dem sein Lebensrecht und Schaffensrecht verlangenden jüdischen Volke. Unscre einzige Macht ist der erklärte Wille des zur Einheit zusaniniengeballten jüdischen Volkes. Unsere einzige Macht ist unser Glaube, das Vertrauen des Volkes in seine eigene Kraft und in die historisch« Notwendigkeit seines Wiederauferstehens zu neuem Leben und zu größerem Werke. Die Zusammenfasstmg unseres Volkes zu diesem Willen ist die Zionistische Organisation, llcr/B grolle Tat. Das jüdische Volk ist heute in einer solchen Situation, daß die Zugehörigkeit zu ihm sich nicht von selbst ergibt, sondern daß seine Angehörigen den Willen zur Zugehörigkeit zu ihm erst vor der Welt erklären müssen. Die Erklärung dieser Zugehörigkeit ist die Zahlung des Schekels. Hier ist kein Unterschied zwischen Führer und Volk, zwischen Offizier uikI Mann, zwischen religiös und freidenkerisch, zwischen arm und reich, hier sind alle gleich, mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten, und jeder einzelne wird gewogen, jeder einzelne hat seinen Wert, weil er die Maclitfüllc jenes Organs vermehrt, das im Interesse des jüdischen Volkes handelt. Es handelt sich heute darum, der Zionistischen Organisation in ihrer politischen Tätigkeit den starken Rückhalt zu geben, auf den sie sich stütze»! kann. Dazu bedarf es einer auch zahlenmäßig starken Organisation. Darum muß, gerade auch in unserem heutigen Stadium der Volkszählung, die sich im Schekel dokumentiert, die größte Bedeutung zugelegt werden. Der zweite Gesichtspunkt ist der fiskalische. Die Zionistische Zentrale hat eine große Arbeit zu leisten, sie hat Büros in den Zentren der europäischen Politik zu erhalten, sie hat den ganzen ungeheuren Apparat einer Weltbewegung in Betrieb zu erhalten. Dazu bedarf cs natürlich großer Geldmittel. Die zionistische Zentrale hat kein exeijuierbares Bcsteitcrungsrecht, Sic hat lediglich den 1110ralisclicn Anspruch darauf, daß die Zionisten der ganzen Welf ihr die, notwendigen Mittel liefern. semitisch war, und daß dieser Antisemitismus den Polen außerordentlich geschadet hat. Bisher hat cs die politische Regierung für klug gehalten, ihren Antisemitismus stets mit unschuldigem Augenanfschlag in Abrede zu stelle״. Gerade diese Politik mußte "de״ schlechtesten Eindruck machen. Nun hat Daszinski auf Grund im Auslande gemachter Erfahrungen der polnischcn Presse Richtlinien gegeben. Es ist aber interes saut — wie der ״Hajnt“ bemerkt — gleich festzi!stelle״, daß keine einzige der polnischen Ze it u n geu die auf die Juden bezügliche Stelle aus der Rede Daszinskis mirgeteilt hat und daß auch das offiziehe, von der ״Pat“ herausgegebene Communiquö diese Stelle unterschlagt. Es scheint demnach, daß die polmische Presse nicht die Absicht hat, sich an die erwähnten Weisungen zu halten. Als der einzige Weg, die Kosten der Organisation zu bestreiten, hat sich in mehr als zwanzigjähriger Praxis der Schekel erwiesen. Heute gilt diese* Prinzip iu noch höherem Maße als früher. Demi heute ist der Aufbau Palästinas unmittelbar 1kvorstehend, es bedarf größerer Summen, die nur für diesen Zweck aufzubringen sind; um aber diese Summe aufzubringen, bedarf es einer ungclieurcn organisatorischen Kleinarbeit, und die für Palästina bestimmten Gelder dürfen nicht für die Spesen in Anspruch genommen werden. Die letzte Londoner Jahreskonferenz hat wieder den Willen erklärt, daß die Organisationskosten nur aus Sclickclgeldcrn gedeckt werden sollen. Soll dies der Fall sein, dann muß eine sehr große Zahl von Schekeln geleistet werden. Aus diesem Grunde müssen wir alle Energie aufwendea, um der Leitung möglichst große Summen als Ertragnis der Scltckelkampagne zuzuführen. Der dritte Punkt ist gewissermaßen ein egoLstischer. Der Schekel ist die Legitimation zum Wahlrecht für den Kongreß. Der Kongreß, der jetzt schon das achte Jahr nicht zusa!111 neugetreten ist, wird voraussichtlich iin Sommer 1<)21 stattflnden. Seit dem letzten Kongreß hat sich die Zahl der organisierten Zionisten außerordentlich vergrößert. Wir haben heute mit ganz anderen Dimensionen zu rechnen als vor dem Kriege. Amerika allein wird 200 000 Schekel auibringeri, ebenso viele Polen. Mit Rücksicht auf diesen Zustand mußte die Wahl- Ordnung zum Kongreß geändert werden, es werden nicht mehr 200 Schckelzahlcr einen Delegierten wählen, sondern die Zahl der Delegierten wurde von vornherein auf 30ג bis 400 festgesetzt und wird auf die einzelnen Landesorganisationen nach dem Schlüssel der von ihnen abgeführten Schekel aufgetcilt. f ür den deutschen Zionismus entstellt damit eine schwierige Situation. Das deutsche Judentum ist numerisch schwach, und es ist selbst bei größeren Anstrengungen nicht möglich, hier eine Schekelzahl zusainmenzubringcn, die sich mit Amerika oder Polen messen kann. Der deutsche Zionismus wird daher auf dem nächsten Kongreß wahrscheinlich nur durch eine kleine Delegation vertreten sein, er wird nicht mehr dieselbe führende» Rolle spielen wie bei früheren Kongressen. Um so größer müssen aber unsere Anstrengungen sein, diejenige Zahl von Schekeln zu erreichen, die überhaupt erreichbar ist. ,Wir müssen unbedingt danach streben, daß wir zum nächsten Kongreß mit der nach Lage der Dinge möglichst großen Delegatiori erscheinen können, damit auch die im deutschen Zionismus, der eine jahrelange Tradition hat, entwickelten Tendenzen zum Wort kommen. Immer schon wurden in einem Kongreßjahre viel mehr Schekel gesammelt als in einem kongreßloscn Jahre. Um wieviel mehr gilt dies für dieses Jahr, wo der Kongreß nach acht Jahren zum erstenmal zusammentritt und eine weit höhere Bedeutung habe« wird als früher. Will der deutsciie Zionismus sich nicht selbst zur Bedeutungslosigkeit degradieren, so muß er alles daran setzen, tun die Schekelkam• pagne mit ehrenhaftem Erfolg zu Ende zu führen, Ghanuküh ist vorbei. Die Schekelaktion hat begonnen, und bereits die kommenden Wintertage werden zeigen, ob der deutsche Zionismus gewillt ist, seiner wichtigsten Pflicht nachzukommen. R.W. nsv.utveuaaj'r der Warschauer ,R/ec Der Spczialbcrichicrstattcr pospolita“ aus ••rtirJ‘1 tdegraJlJjieU,- daß der zweite C s.uidte Polens, «njVH|kerlHM11l,־vlef .polnisch-jüdische A im ant I rofcssorvA S'c h k *;״ a sä., seine Demission 1 geben habe, da et in der FtfgeAs Plebiszites in Litai von uer Anschauung/der noluisenon Regierung abweic Insbesondere ist er: der:, Angfcht, daß es für Po einerlei ist, ob Litauen "Räten a״gegliedert oder 1 rodexativstaat wird. Hilfe für die jüdischen Pogromopfer in der Ukraine Riga,!0. Dezember. (JücL Korr.-Büro.) Wie vor. tautet, haben• die Sowjetbehörden in der Ukraine eine großzügige Hilfsaktion für die jüdischen Opfer der jüngsten PctLjura- und Balachowicz-Rogrome elngeleitct.