Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 88 (10.12.1920)
- Date
- 1920-12-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jahrg. qu Zloutuna■ erstrebt für das füdlac-ja Volk silcs Sc* ז10»1נ Sffeatl.cIi-recJiillcb geftchcrtea Helmilütte In Psllitlna. ״B««eler Progr*«»»* Die Paliistlnaprojekte Buffalo, '1. Dezember. (Jüd. Korr. ■Bür.) Die Beratungen des Kongresses der amcrikmvisdicis Zie>- nisten 11efaßieu sich vornehmlich mit de» auf die aiiierikaiiisch-zioimtisclu*;Orgajikatio!» ctitfaUcmlcn Aufgaben der i*-1 la st i 1t ״a rh e i t. Hie Referenten der Palästiiwikommisskm entwickelte» eine Reihe von Pläne» , 1 int Projekten lür praktische, großzügige Arbeit, so für die Errichtung von Kalk- und Zcmeiitfabrike», /.ie;;eleien, ferner Verkehrs- und Tra»sportu»tcrnel111u1ngca Ebenso ist die Gründung einer Hypothekenbank vor ecscfilageiL Die Vorschläge der Exekutive wurden mit begeisterter Einhelligkeit angenommen. Audi hetieffs der demnächst auf/.imchinenderv S t a a t s a 1» le i 11 e seitens der palästinensische» Regierung wurde beschlossen, dali die amerikanischen Zionisten außerordenttidie Anstrengungen /.nr aktiven Förderung der erste» Regierungsanleihe Palt sin ins mache» müsse». Amerika hat hierfür den Mindestbeitrag von 7 vv e i - einhalh .VI i 1 I i o 11 e » Pfund Sterling auf/ubringen. Die Delegierten haben für den Keren hajessod!•in sehr lebhaftes Interesse bekundet. Einzelne Dolegierte bemängelte» die unklare lialtuug der Exekutive diesem Ponds gegenüber und warien der Leitung fxissive Resisten/ vor, obwohl der gegenwärtige Moment die amerikanischen Zionisten vor ungeheure Vcrant- Wartung stellt tai 1t die größten Opfer erheischt. Schließ- Sich einigte sieh der Kongreß auf die Resolution, d a 15 die S p e!1 d e » und I iv v e s t i t i o 11 e 11 a 11 s e i n - 111 d c r/. u 11 a 11 e 11 und 11 i eh 1 in einem Ponds zu vereinigen seien. Diese Resolution betont msbesondere, da II s ä m 11 i c h e g r ö ß e r e 11 S p e »- den und Widmungen i 11 den Vereinigter» S ו a a t e 11 i 11 r ct e n u 111 e r d t m N a 111 e 11 ״K e r c n hajessod“ e i 11 •g e tf■ a g e 11 c 11 Fonds gesarnm c• 11 w e r tl e n solle 11. Die Uehersvacliung der kapitalistischen Unternehmungen I he F rage der kapitalistischen Unternehmungen und ■,er It»vo*-titiä»no11 zu diesem Zwecke löste eiive überaus; lebhafte Debatte auf seiten des linken Plügels aus. L»r. Kolli» forderte namens *ter Z ei re-Zion, tlall die amerikanisefie zionistische Organisation bei Abfassung der Statuten für diese Privatgesellschaften ihre» ganzen Eiufhdl für die Aufnahme von Bestimmungen zur Sicherung des öffentlichen Intercsscs des jüdischen Volkes in Palästina aufbieten sull. Auch diese Gesellschaften dürfen ausschlle Midi im Geiste der sozialen Gerechtigkeit ßre Tätigkeit im- Land« entfalten, Klassengegensätze vermeiden, den jüdischen Arbeit er» Beschäl* tigung sichern und ihnen in der Verwaltung־ der Betriebe Sitz und Stimme gewähren. Diese Anträge wurden mit 117 gegen Ob Stimmen angen o 111 rn e n. Gegen die Eigenmächtigkeit In der Debatte über den Rechenscha f tsbericht entwickelte sich auch eine scharfe Kontra* verse zwischen dem New Yorker Delegierten Dr. N e w ma n und dem Präsidenten Richter Mack. Dr. Newinan warf der Leitung Unentschlossenheit und Eigenmä cli tigkei t g c g e nü her d e 11 Beschlüssen und Anordnungen der Londoner l:\ck 111 i v e der Zionistischen Weltorganisation vor und forderte eine kategorische ErkUruttg, daß in Pa• lästina kein Schritt ohne Zustimmung der Weltorganisation in London unter- 11 o 111 in e 11 w erde n wird. Mack erklärte neuerdings, daß die amerikanischen Zionisten keinerlei Al»■ sicht haben, sich separatistisch zu betätigen. Del. Davis (Boston) verlangte einen Bericht über die Londoner Jahreskonferenz und bemängelte, daß der Convention kein klares bestimmtes Arbeitsprogram in vorgelegt worden sei. Judgc Mack anerkannte die Pcrcchtigung dieses Wunsches und erklärte, daß de» Be■ rieht vorgelegt werden wird. I In der Sonnabend-AbciuKitzu»״ ergriff Steten W isc das Wort, um iwclmials nachdrücklich gegen die Sepa- | rat ita Kg e rächte zu protestieren. Er feierte Justice Braudeis als de» größten zionistischen Führer seit lfer/1 und forderte die Versammlung auf, ihm Gefolgschaft zu leisten. Die Versammlung brachte hierauf Br.inJeis eine große Ovation dar und stimmte die Platikwalt an. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Braudeis, Ehrenpräsident; Wise, Ehrenvizepräsident; Mack, Präsident; F r i e d e ti tv־a l <1 und Nathan Strauß, Vizepräsidenten; .sc״ vei i/.er, K.;•־ iercr. Für das Große Actions-Coniiie wurde» bestimmt: Mrs, Fels, Miß S/old, Frankfurter, Mack, W i s'e, F r i e <1 c 11 wa Id , L i p sky , d e Pf .ו. ר <s und Ahr. G o 1 d b e r g. Die Anerkennung der hebräischen Sprache in Palästina Eine Anträge im Hause of Lords 1111 Mouse of Lords hat Lord Trcovcn, früher Major-General Sir lvor Herbert, an den Staatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten in bezug uif die Anerkennung des Hebräischen als einer offiziellen Sprache in Palästina die Antr age gestellt, ob diese Sprache, welche von weniger 11s zwei Prozent der kleinen jüdischen Bevölkerung ui Palästina gesprochen werde, zu einer offiziellen Sprache gemacht worden sei; ob diese Maßregeln atif Veranlassung der Zionist Oumnission und im Interesse der neuen Emigranten aus ZentraSeuropa durchgefiilirt worden seien, ob der Staatssekretär '3gen könne, welcher hebräische Dialekt für offi- /idle Zwecke gebraucht werde und ob schließlich, mit Rücksicht darauf, daß Englisch den Platz der türkische» Sprache als offizielle Sprache neben dem arabischen teile, bestimmte Gründe vorlägen, welche die Ausgaben und U11be<juc!11Iicl1keiü־n einer dritten offiziellen Sprache rechtfertigten. Auf diese Frage erteilte in der Sitzung des House of Lords am I. Dezember Earl of Cr ״״uv-!'ord für den Staatssekretär des Aeußeren die Autwort, daß die Annahme des Hebräischen «als einer 1 -fl izielleu Sprache in Palästina c i!1 e r d c r ersten "■ c I» r i t te /. u r Ausführung der De k la r a * ion von Seiner Majestät Regierung im November h)17 gewesen sei, wonach Palästina das nationale 1 Idin der Juden werden solle. dings könne nicht geleugnet werden, daß systematisch von verschiedenen Seiten Anstrengungen gemacht 'werden, um aus dein Mandat alle fiir dessen Realisierung wirksamen Garantien zu elitnmimm. Dies alles könne leider dazu führen, den Mandattext etwas unklarer zu hissen, was wiederum geeigiu'» wäre, die jüdische Begeisterung und Opferwil-igkcit für den Wiederaufbau Palästinas zu dämpfen. Und gerade diese sind auch vom englischen Standpunkt überaus wichtig. Jaiiotinskv weist ״ach, welche großen finau/äeUei» Opfer die Jude״,»- heit auf sieh zu 11eh111c.1t bereit sei, und daß verdvxhaitd, solange die Araber die Majorität im Lande hesil/eii, diese den hauptsächlichste» Nutzen daraus ziehen werden. Nur die Juden sind inisumdc, die nötigen Opfer für den Wiederaufbau Palästinas ות bringen, sie ^euttasten bereits jetzt das־ englische Budget fiir Palästina. _ Die englische Regierung müsse abo dem Mandat eine» solchen Text ziigruiulelege», der der» jüdischen Führern das Recht gibt, ihrem Volke die schwersten Steuern an Geld und Menschen aufzuer'ejreiu Jabotinsky über das Mandat ln der ,,Times“ wämdet sich Jabotinsky in 01te־m Eiligeren Schreiben gegen die .Gerüchte, wx> nach der Text des PatiistiiiarnaiKlales E n 11 ä ״ K cli u »- «vn für die Zionisten enthalte. Laut!:einen Informationen sei gerade das Oegenteil der Fall. Aller• Zentralerem und ״Berliner Tageblatt“ , I-'ie neueste Niuiimer. des offiziellen Zcntralvereüi- Organes 1111״ Deutschen Reich“ bringt i» der Rubrik ,״Nndinchten aus dein jüdischen Leben“ »Ke nachfolgende Notiz: ״Lage in Palästina. I>i1■ ״Mitteilungen des Hundes der AswiikämpfeF‘ braeilten in ihrer Nuiiiiik■/־ u.ni!!. November eine Darstvllung über die Laue m 1 alastiua die mit den z.iaiiistischen Vcröifeutliehtuigeii 111 Widerspruch stand. Durch ein Versehen t"1־i;cs,. ‘ »IGarbeiters «t diese Schilderung in das ״IkTuiicr Tageblatt“ gelaugt und dort in der ,Morgenausgahe vom 25. November xeröUVMUcht wo״k•״. ulitrd.ts 111 einer f orm, als ob sie von uns aus«iu״v. p.e Abendausgabe des Blattes vom gleiclie» ״Tarn• braclitc dx־ von uns eingesanüte Richtigstelhiiif. Wir bedauern diesen ■ Vorfall aufk-rordentlidt’ 1m׳f nehmen gern Veranlassung, auch an dieser Stelle unserem Bedauern Ausdruck zu geben.•‘ Es _ hamidf sicli um den Vorfall, den w.r unler cfun f itel ״Autiziunismus um jeden Preis“ bereits hesprachen haben. Rückwärts gerichteter Utopismus ״Drei wirtschaftliche Fragen im Zionismus" hat Dr. Kaplun-Kogan in der ״Rundschau*• (Nr. $6) aufgeworfen. Zu ihrer völligen Klärung ist es nötig, einige Fragen an Herrn l>r. Kaplun- Kogan selbst zu ricliteu. Vom Zionismus wird mit Recht gefordert, daß er die Besiedlung Palästinas nach ordentlichen wirtschaftliclten und kolonisatorischen Prin/i|1ien vornehmen solle, wobei gewünscht wird, daß die Erfahrungen der hinter uns liegenden Wirtseliaftsgcschichte verwertet werden, d. 11. alle diejenigen ״reinkapitalistischen Wirtsclialtsprin/ipien angewandt werden, nach denen wir alle im (inlutli leben“. ,Mit diesen soll auch in Palästina gearbeitet werden, und es sollen ״viele Menschen angesiedelt werden, die nicht fiir ein wirtschaftliches Ideal arbeiten wollen, sondern nur auf Grurnl des Vorhandenseins kapitalistischer Verdienst müglichkeifen angesiedelt werden wollen’4. Ls erhebt sich aber nun die Frage, welche Erfahrungen und Tat- Sachen der bisherigen Wirtschaftsgeschichte eigentlieh gemeint sind, speziell welche Erfahrungen der bisherigen kapitalistischen Kolo 1t isationsmethoden. Es gibt nämlich deren durchaus nicht mir eine, sondern ungezählte. Wie ist denn bisher kolonisiert worden? Sollen etwa die Erfahrungen der Spanier und Portugiesen in ihren Kolonien herange«)gen werden, die im 15, Jahrhundert unter rücksichtsloser Ausbeutung, Versklavung und allmählicher Vernichtung des eingeborenen Menschemnaterinls einen feudalen Großgrundbesitz einfülirten? Ihnen verdanken die Staaten Südamerikas die schwierigen Großgrundbcsitzpiobleme, an denen sic kranken, und an denen sie, wenn sie nicht rechtzeitig Wege der Rettung finden, eines Tages wahrscheinlich ebenso zusamtnenbreclien werden, wie wir dies jetzt in Rußland erlebten. Oder sind etwa die Erlalmuigen der Engländer, Eran/ose:! und Holländer im 17. bis IS., auch noch;m 10. Jahrhundert in ihre» tropischen Kolonien gemeint, wo sie mit Hilfe von Handelsgesellschaften eine schreckliche Ausbeutung durch Handelsmonopole und Steuerdruck trieben und gleichzeitig den Briden durch Raubbau verdarben? Oder wiederum etwa die Erfahrungen der Engländer in ilireu großen SiedluitgskolonienV Hier haben sie die Siedlung vielfacb nach strengen bodenreformerischen Methoden betrieben, der mittlere Grundbesitz war von Antaug an meist die bewußt erstrebte Agrarform. Zahllose angelsächsische Sekten und Bünde haben aber auch die Siedlung unter Anwendung ethischer, religiöser, sozialistischer, ja koumiunisfisclier Prinzipieu betrieben. Auf solche Weise ist ein großer Teil der Neu-Englaiidstaatcn ursprünglich emstonden, und noch heute finden sich im Innern Nordamerikas zahlreiche derartige Siedlungen. (Es sei auch an die kommunistische Siedlung der Jesuiten in Paraguay erinnert). Also irgendeine einheitliche Siedluugsform hat es nie gegeben. Wo sie aber rein kapitalistisch war, hat sie die verheerendsten Wirkungen gehabt. Herr Dr. Kaplun-Kogan kennt wohl die glänzende Darstellung Soinbarts in seinem großen Werk über den modernen Kapitalismus, wo in alle Liireliterliclikeiten der modernen Kolonialgescliichte hineingelcuchtet wird. Der Rein- Kapitalist war auch nicht im entferntesten geneigt, irgend welche Rücksichten auf Volk oder •Rasse zu nehmen. War ihm der Arbeiter seiner Rasse zu teuer, so holte er andere Rassen herbei. So wurden ungezählte Schwarze nach Nordamerika geschleppt, so holt mau Gelbe in die Bergwerke Südafrikas. Ganz Australien würde alsbald von den Grundbesitze! n und Fabrikanten i» ein zweites China umgewandeii. wenn die Arbeiterdemokratie nicht die weitere Besiedlung Anstratiens nach volldichen und rassen1:ißi״cn”Gesic!rispunkten erzwange. Das Beispiel der jiidisclum Kolonien Palästinas, die eine ungeeignete Gexfaltirng des Bodenbesitzes aufvveisen, die sie zur Her- »!!־Ziehung zahlreicher Arbeiter;zwingen, hat alsbald die Arbeit in die Hände der Araber gespielt, die tnlolge ihrer geringeren Zivilisatioiisstufe weit billiger zu arbeiten in der Lage sind. Der reine Kapitalismus hat eben in der Kolonisation*- 1 gescnichte, wo mau ihn zu ließ, stets schädlich ge-